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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-02-14 · Heft 6 (14.2.1888) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 6 (14.2.1888)
Date
1888-02-14
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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dass sich die Parteien vereinigen, auf einem israelitischen Landes-- kongresse zusammenkommen und unter sorgfältiger Vermeidung aller dogmatischen und rituellen Fragen, vor Allem eine einheitliche Organisation zu schaffen. Eine weitere Aufgabe des Kongresses wäre, die Legalisirung der staatsrechtlichen Stellung der ung. Judenheit zu urgiren, damit ihr Verhältnis zu den übrigen Konfessionen auf der Grundlage der Gegenseitigkeit festgestellt und die jüd. Konfession in die Reihen der mit den Rechten der Autonomie bekleideten, gesetzlich rezepirten Konfessionen ausgenommen werde. ßottbus, 8. Februar. ״Der Mensch denkt und Gott lenkt." Dies ist ein altes, allzuwahres Sprichwort, welches uns leider oft an unsere Hinfälligkeit und Machtlosigkeit, an unsere Schwächen und Gebrechen erinnert. Wie oft begegnen sich Freud und Leid im menschlichen Leben — beide siechten und weben —-- himmlische Rosenkränze, die unser Herz erheben — und irdische Dornenkronen, deren Stacheln unser Haupt verwundend umschweben. Es ist ein seltenes und erschütterndes Ereignis, das sich vor wenigen Tagen in unserer Nachbsrgemeinde Landsberg a. d. W. zugetragen, das in den weitesten Kreisen die aufrichtigste Theilnahme und die tiefste Trauer wachgerufen. Am 3. d. M. wollten das Simon Bibo'sche hochbetagte und allgemein beliebte Ehepaar die goldene Hochzeit in groß- - artiger Weise feiern. Die zahlreichen Angehörigen des würdigen .Jubelpaares hatten bereits die weitgehendsten und glänzendsten Vorbereitungen getroffen um diese seltene Familienfeier zu einem überaus schönen und imposanten Freudenfeste zu gestalten. Kostbare Geschenke waren schon von Nah und Fern eingegangen, und der eine Sohn in Berlin hatte die Absicht, seinen greisen Vater mit einem sehr wertvollen Nerz-Pelz zu erfreuen. Auch die Verwaltung der israelitischen Gemeinde, sowie die Stadtbehörde wollten diesen wich- Ligen .Tag .nicht vorübergehen lassen, ohne dem Jubelpaar die ihm gebührende Ehre und Hochschätzuug zu erkennen zu geben. So wurde beispielsweise von dem dortigen Magistrat eine Commission zu dem Zweck ernannt, um dem Jubelpaar an seinem goldenen Hochzeitstage das Ehrenbürger-Diplom zu überreichen, eine Aas- . Zeichnung, die nicht nur unsern Glaubensgenossen, sondern noch mehr dem toleranten und edelgesinnten Magistrat zum höchsten Ruhme — 7־״ gereicht — besonders bei der gegenwärtige» Zeitströmung. Auch Se. Majestät unser alloerehrter -Kaiser und König ,ד"* geruhte allergnädigst, ein Allerhöchstes huldvolles Glückwunschschreiben nebst der Ehejubiläumsmedaille emzusenden. Allein —> ״Zwischen Lipp' und Becherrand schwebt des /Schicksals unsichtbare Hand, und zeigt uns das memhnto moriau der Wand." — Denn obwol Herr S. Bibo sich stets einer festen Gesundheit erfreute, so dass er trotz seines hohen Alters von 78 Jahren jeden Morgen um 7 Uhr dem Gottesdienst in der Synagoge beiwohnte uns sagar stets דראעדנים mstwa gewesen, ist er leider bereits am 29. v. M. so ernstlich erkrankt, dass er am 2. d. M. Morgens halb 7 Uhr seine reine, fromme Seele aushauchte. Am 3. d. M. nun, an welchem die lanzerhoffte und von Vielen so heißerfehnte Goldene Hochzeit stattsinden sollte — an eben demselben Tage wurde seine sterbliche Halle zur ewigen ,Ruhe getragen und unter ungeheurer Betheitigung seitens aller Classen der dortigen Bevölkerung in die kalte Erde gebettet. Es musste nun die am 2. d. M. eingetroffene kaiserliche Dedikatiou wieder zurück nach Berlin gesendet werden, worauf . Se. Majestät unser Kaiser und König allergnädigst geruhte, den untröstlichen Hinterbliebenen des Heimgegangenen Allerhöchst sein tiefstes Beileid auszudrücken, ein neuer unwiderleglicher Beweis, dass Se. Majestät unser Kaiser der antisemitischen Bewegung durchaus fern steht. Auch unser College, der dortige Cantor Mannheim, dem ich diese Mittheklung verdanke, hat an dem Entschlafenen einen treuen Freund und Gönner verloren. Die vielen Angehörigen und Freunde des Jubelpaares, die theilweise aus wüter F^rne hecbeigeeitt waren, um das seltene Familienfest zu verherrlichm, geleiteten nun schmwzerfüllt und tiefgebeugt das geliebte Oierhrupt zur letzten Ruhestätte. A. Zadek. Unserer Heutige» Wammer ist ein Wrosprct der Machhandfnnz Holrar Deiner in Leipzig, welche sich mit dem Wertige von ״Hratz's vdlkstsinmlicher Geschichte der Indenbefasst, beilegt. Won diesem neuesten Werke Grätz's, zu dessen Krupsehfnng der Arme des berühmte» Antors hinreichr, sind bereits L Koste erschienen. 6e8vbstt8griln6ung 860. Die schönsten und billigsten aus In-utd Ausländer Granit, Porphyr, Syenit, Marmor, Sandstein etc. bester Qualität, kauft man nur be M. So n n e n sch ei n bürgerl. 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