Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 6 (14.2.1888)
- Date
- 1888-02-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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cbm darum, weil das gleiche Verhältnis zu dm übrigen Gliedern der ganzm Reihe festgehalten ist. — Nachdem wir rum aber in jü»er dieser drei Hauptscalen (der schwachm, mittelstarken und starkm) das jedesmalige Athemquantum über die ganze Scala gleich vertheilt habm, so dass von der ganzm Athemmasse jeder Ton gleich viel Athem erhalten hat und darum gleich ist dm übrigen Gliedern der Reihe, so können wir bereits zur zweiten Art der Nüancirung der Scala hinsichtlich der Starke, zum An- und Abschweüen der Scala übergehen. — Die Reihe soll piano beginnen, in ihrer Mitte forte werden und am Ende wieder zum piano zurückkehren. Dass 'die Lunge bei Nüancirung des Tons hinsichtlich der Stärke ihre Hauptthätigkeit hat, habm wir schon gesehm. Das An- und Abschwellm eines Tons beruht auf der Fähigkeit, die Luft schwächer und stärker ohne Unterbrechung ausströmm zu lassen, sie in der Brust sparend zurückzuhaltm und wieder aus ihr in größerer Masse nach Belieben auszutreibcn, wie dies überhaupt nur bei Flankenathmen möglich ist; Ln jenem Fall ist der Ton schwächer, in diesem stärker: die Spannung der Stimmbänder aber muß bei zunehmender Athemstärke immer etwas nachlassm, damit der Ton nicht höher wird, und wieder etwas anziehm bei abnehmender Athemstärke, damit der Ton nicht tiefer wird; und Leides, Muskel- und Athem-Thätigkeit stehen somit, wie bereits bekannt, in umgekehrtem Verhältnis. Die Uebung, das An- und Abschwellen eines'Tons in Einem Athem zu machen, ist keine so kleine Aufgabe für die Lunge, und man thut wohl daran, wenn man diese Uebung anfänglich in zwei Uebungen zertheilt und erst nach und nach im Zusammenhang ausführt. Ist dies schon bei einem einzelnen Tone der Fall, so noch weit mehr da, wo es gilt, eine Nsihe von Tönen an- und abschwellend zu singen : denn die Aufgabe ist nun in doppelter Beziehung schwieriger geworden, einmal hinsichtlich der Dauer des Athems, denn je größer die Reihe der Töne wird, desto länger muß der Athem sein; sodann euilletoq. Die Geige mit dem Cngelskopf. Von Elise Po lko. (Fortsetzung.) ״Wenn ich Euch nicht lästig falle, bleibe ich ein paar Tage bei Euch!" sprach Bcnvenuto Cellini. ״Vielleicht zerstreuen Euch meine Geschichten — ich kann Euch viel von dem schönen Frankreich erzählen, wo jeder, der etwas Tüchtiges lernte, Arbeit in Masse findet." ״Noch lieber wäre mir's von Eurer Heimatstadt Florenz zu hören, nach ihr habe ich mich ja gesehnt, so lange ich denken kann, denn mein Vater, der ein geschickter Lautenmacher war, hat es gekannt und redete davon unzähligemale, und noch in seiner Sterbestunde." ״Aber warum seit Ihr nicht längst schon hingewandert? Arbeit und Herzerquickung, beides hättet Ihr sicher dort gefunden!" ״Warum?" wiederholte Gasparo langsam. Und er wandte den Kopf und warf einen rührend hilflosen Blick auf die Wiege. Plötzlich eilte er auf sein Kind zu und drückte seine thränenvollen Augen leidenschaftlich auf die kleinen Hände, die so still auf der Decke lagen. ״Angela mia", flüsterte er und richtete sich langsam auf und blickte in das ernste Kindergestcht, ״wie würde ich vor unserm Engel im Himmel bestchen, wenn ich von dir ginge?!" — ״Wer Ihr habt doch sicher eine treue Wärterin für Euer Kind, denn Männerhande sind zu rauh für solch einen kleinen Schmetterling — oder irgend eine Base — eine Verwandte-" ״Meine Magd, Brigitta hat schon meine Marietta aufgezogen — sie sorgt wie eine Mutter für das Kind — sonst habe ich aber geht bei einer Reihe von Tönen die Spannung der Stimmbänder, also die Muskelthätigkeit fort, bei jedem Ton wird sie eine andere, und muß dennoch beim An- und Abschwellen ganz genau jenes umgekehrte Verhältnis beobachtet werden, in welchem dabei Muskel- und Athemthäiigkeit zu einander stehen. — Unsere Uebung wird deshalb am besten damit begonnen, dass der Schüler zuerst wieder nur die Töne der Mittellage, z. B. ein Tenorist oder Sopran etwa die Töne g—d, im Zusammenhang singt, das g piano beginnt, und jeden folgenden Ton etwas starker werden lässt, so dass der Ton d der stärkste wird, dann wieder zurückgeht von diesem starken d bis zu jenem schwachen g. Allmählig reihe er ׳ oben und unten Einen Ton an, und bald wird er wenigstens eine Octave so an- und abschwellend produciren können, zuerst in zwei Uebungen zertheilt, dann auf- und absteigend im Zusammenhänge. Bleiben wir noch beim Umfang einer Octave, d. h. bei einer Reihe von acht Tönen, stehen und betrachten kurz die vielen Nüancirungen oder Variationen, welche innerhalb derselben durch An- und Abschwellen der Töne möglich sind, so wird der naturgemäße Gang bei Uebung dieser Nüancirungen folgender sein: a. der Schüler singe die volle Octave, z. B. von 5 alle Töne bis f, so dass er den Grundton ganz piano angibt, bei jedem folgenden Ton stärker wird bis zur starken Octave 5, und ebenso rückwärts von der starken Octave bis zum schwachen Grundton; b. der Schüler gebe den Grundton f stark an, werde bei jedem höher liegenden Ton schwächer bis zur ganz piano gehaltenen Octave f, und ebenso rückwärts von der schwachen Octave bis zum starken Grundton; c. der Schüler beginne den Grundton piano, werde in der Mitte der Octave forte, und ende in der Octave wieder piano; und ebenso rückwärts. Endlich d. der Schüler beginne den Grundtsn forte, werde in der Mitte der Octave piano, und ende in der Octave wieder forte; und ebenso rückwärts. Außer diesen vier Hauptnüancirungen gibt es aber noch viele andere, sogar jeder einzelne Ton der Reihe niemanden. Ich weiß, sie wacht über Angela Tag und Nacht, aber ich darf dennoch mein Kind nicht verlassen und zu meiner Freude in die Fremde ziehen! Mitnehmen kann ich sie noch nicht — und so muß ich geduldig warten. Ja wenn meine Marietta noch lebte, wäre ich jetzt — in diesen Herbsttagen nach Florenz gezogen und den Winter über dort geblieben. Wir hatten es so geträumt. Sie wollte mit dem Kinde hier Zurückbleiben. — ״Gasparo" sagte sie, ״du musst einer der Ersten werden, ich will es so. Du musst nach der wunderschönen Stadt am Arno, wo die Marmorbilder auf der Straße stehen, und du musst die heilige Stadt am Tiber sehen! Kehrst du dann zurück, wirst du Wunderwerke schaffen!" Seht, das war ein Traum. Sie dachte, ihr armer Gasparo solle eines Tages die Welt erfüllen mit seinem Ruhm. Und wäre sie bei mir geblieben, so wäre auch gewiss noch etwas Rechtes aus mir geworden — denn ich liebe meine Arbeit wie nichts in der Welt! — Aber jetzt?!" — ״Wenn ihr so von Eurer Arbeit redet, Gasparo, als von Eurem Trost und Eurer Freude, dann wird auch noch der Wunsch Eures Weibes in Erfüllung gehen, man wird einst von Euch reden als der Besten einer; Ihr werdet mir doch Eure Geigen zeigen und mir erlauben, Euch zuzusehen bei der Arbeit? — ich zeige Euch dann auch Proben meiner Kunst, denn auf meine Münzen und Zeichnungen kleiner Köpfe und Figuren bin ich ein wenig stolz, gestehe ich Euch offen!" In den dunkeln Augen des Geigenbauers leuchtete es seltsam auf. Das Herz schwoll ihm vor Freude. Da war ein Kunstgenoffe zu ihm gekommen, in welcher Arbeit er Meister war, das war ihm l gleichgiltig. Seit dem Tode seines Weibes hatte er sich nicht so leicht und frei gefühlt. ״Endlich darf ich einmal wieder von meiner Arbeit reden," sagte er tief athmend. ״Hier ist ja weit und breit Niemand, der sich um mich und mein Schaffen kümmert. Und wenn Ihr ein tüch- Liger Zeichner seid, so rvär's ja ein Segen, dass Ihr über meine