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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-02-06 · Heft 5 (6.2.1888) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 5 (6.2.1888)
Date
1888-02-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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gierung Schauls, wo man noch auf Bamoth opferte, wurde kein anderes Fleisch als Opferfleisch genossen. Aus ״Sprüche" ist zu ersehen, dass selbst die Buhldirne, wenn sie ihrem Buhler ein Fseischnachtmahl versprochen, ihm mitgetheilt habe, ste habe eben ein Opfer dargebracht. Dem Propheten Hoschea gibt dies Stoff, über die Verworfenheit zu klagen, dass sie mit den Buhldirnen zum Opfer gehen. Aus Besagtem erklärt sich, weshalb der Bamothcultus nicht zu vertilgen war; selbst in J'hudah nicht. Man wollte Fleisch essen und aß es, aber nur, wenn davon geopfert wurde. Den Priesterdienst versahen aber gewiss keine anderen als die Hauspriester der Familie, sonst ginge es wohl nicht leicht, Unzucht mit Opfer zu verbinden. Nach Vorhergehendem ließe sich der in Israel eingenommene Standpunkt in Folgendem darstellen: Bei einem getheilten Reiche kann unmöglich noch von einer Concentrirung des Opfercnltus die Rede sein; die Theilung aber ist durch die Propheten Gottes gutgeheißen und anerkannt, und zwar nicht blos durch den Schiloniten Achijah, sondern auch durch den judäischen Propheten Schmajah; demnach konnte man zum früheren Usus zurückkehren, d. h. den Opsercultus freigeben; man brauchte ihn weder durch Ortsbestimmung zu beschränken, noch an die Priester der Aharoniden sich zu binden. War aber der Altar von den Aharoniden losgelöst, was -schien natürlicher und angemessener, als dass der König selbst das Hohepriesteramt ausübte? so wurde Jarobh-am rex et I pontikex. * Man dürfte nicht fehlgehen, wenn man annimmt, dass auch in Israel nichts deftoweniger levitische Priester fungirt haben. Die Bemerkung "אשד לא היו מבני לוי" besagt, dass Jarobh-am auch nicht Levitische Priester eingesetzt hat, schließt aber nicht nur die levitischen Priester nicht aus, sondern scheint vielmehr deren Vorhandensein vorauszusetzen. Besonders dürften sich, die Priester aus der Linie Jthamar, deren Oberhaupt von Sch'lomoh verbannt wurde, dem cholische Olivenwälder, oder lustige Weinranken, mit üppigen Blättern, reichen sich die Hände, eine endlose Guirlande, wie zum Willkommen des Wanderers aufgesteckt. Stolze Schlösser sieht sein hin- und herschweifender Blick auftauchen, und malerisch gruppirte Dörfer. Der Florentiner meint fetzt den Duft der Rosen einzuathmen von jener Stelle, wo einst Catull, der römische Lyriker, seine begeisterten Weisen anstimmte zum Preise seines Vaterlandes. Von dem Zauber des Gardasees erzählte Virgil schon und steigt leuchtend empor in der Divina Comedia des Dante. — Wurden doch um den schimmernden Edelstein des Gardasees schwere Kämpfe ausgefochten, und wildes Kriegsgeschrei hallte wieder an seinen blühenden Ufern. Und dennoch blühte so manche kleine Stadt dort unberührt empor von jedem Schrecken, die der Krieg ins Land bringt, und versank allmählich im Laufe der Zeiten, ohne dass sie Jemand vermisst — den wilden Waldblumen gleich, die sich erschließen und vergehen, ohne dass man nach ihnen gefragt. — Wie das Rauschen der Wellen des Sees, so rauscht das Leben mit seinem Kampf und Lärm an den Wohnungen der Menschen von Ferne vorüber, und so geschah es denn, auch jenem Städtchen Salo, wo das kleine rebenumrankte Haus des Geigenbauers Gasparo stand, mit dem riesigen Nussbaum, der seine Arme schützend über das niedere Dach breitete. Weshalb es der Goldschmied aus Florenz ohne Zaudern betrachtete, wusste er selber nicht zu sagen, aber es zog ihn gewaltsam über die Schwelle, als solle er da drinnen die süße Rast finden, nach der ihn verlangte. Und als er die Thüre des Stübchens öffnete, da athmete er tief auf — ein Heimatsgefühl überkam ihn, es war ja eine Werkstatt, in die er gerathen war, und das Fenster nach dem kleinen Garten stand weit offen und Wellen vom Dust der Spfitrosen schlugen herein, und hinter den wilden Oleanderbüschen und Cypressen schimmerte der blaue See. — Ein junger Jarobh-am angeschlossen haben. Eine Bestätigung dieser Annahme bietet der Prophet J'cheskel. Dieser spricht immer nur von Priestern der Kinder Zadoks, unter welchen gewiss jener Priester dieses Stammes zu verstehen ist, der unter Sch'lomoh fungirt hat. Von diesen Priestern sagt er, dass sie allein würdig seien, zum Dienste Gottes zugelaffen zu werden, nicht aber die übrigen Priester und Leviten, die beim Abfalle Israels mitgerissen wurden. Der Prophet Hoschea spricht von Priestern schlechthin, was an keine anderen als die Aharoniden denken lässt; ebenso ist es in der Erzählung von dem priesterlichen Lehrer der Samaritaner. Das Thatsächliche wird sich wohl naturgemäß zugetragen haben. Manche Priester, Leviten nnd sogar Laien, Anhänger des R'chabham, «änderten aus, andere aber, die entweder politisch gleichgiltig oder für die neue Regierung günstig gesinnt waren, blieben natürlich im Lande, und manche, welchen nach irgend einer Richtung zu mißtrauen Jarobh-am genügende Ursache hatte, wurden verdrängt. Jarobh-ams Vorgehen gegen die Aharoniden ist nicht tadelnswerther, als dies der Aharoniden der Maccabäerzeit den Daviden gegenüber, wo sie die Regierungsgewalt mit dem Pontifieat verbunden haben. (Schluss folgt.) Litteratur. Unsere Journal-Litteratur wächst immer mehr und nimmt mit der Zeit ganz unheimliche Dimensionen an. Fast keine Woche vergeht, in der nicht ein neues Blatt, um einem ״längst gefühlten Bedürfniße abzuhelfen" und ״eine empfindliche Lücke in der Litteratur auszufüllen" zu erscheinen beginnt, um dann, wie wir häufig genug schon beobachtet, eine Zeitlang zu vegetiren und plötzlich von der Bildstäche zu verschwinden. Dass unsere gut eingefchrten und überall beliebten illustrirten Blätter zum Theil Hervorragendes leisten und ein Coucurrenzunternehmen überstüssig, ja unmöglich machen, ist für Jeden, dem an ständiger, schönwissenschastlicher Lectüre gelegen ist, Meister arbeitete da auf seinem Sitze mit einer fast vollendeten Geige auf den Knieen, über die er sich horchend und liebevoll neigte, wie eine Mutter über ihr schlafendes Kind. Allerlei Holzplatten lagen überall umher, und wie zierliche Schlangen ringelten sich lange und kurze, dicke und dünne Saiten vom Tische herab. Unter dem offenen Fenster aber, so dass die würzige Lust über die Kiffen strich, stand eine Wiege, und darin lag ein Kind still und bleich wie ein Wachsbild, aber mit großen fragenden Augen ernsthaft um sich schauend. — Erst bei dem Gruße des Fremden schaute der Geigenbauer auf. Ein melancholisches Antlitz wandte sich dem Benvelluto Eellini zu, um den Mund stand ein Zug, der sagte deutlich: ״ich habe gelitten!" und die dunklen Augen sagten: ״ich leide noch!" Dann stand Gasparo auf, legte langsam und vorsichtig die Geige aus der Hand und fragte: ״Womit kann ich Euch dienen, Signore?!" ״Kein Signore," lautete die Antwort, ״nur ein Meister aus einer Werkstadt in Florenz. Ich komme aus Paris, wo ich viel gearbeitet habe, und will heim, möchte aber zuvor gerne eine kleine Raft halten an Eurem schönen See. Könnt Ihr mir eine Herberge zuweisen?" ״Wenn Ihr Vorlieb nehmen wollt bei dem Geigenbauer Gasparo, dem die Hausfrau fehlt, so soll Euch meine alte Magd eine Lagerstätte Herrichten oben in der Kammer, und wenn Ihr Euch nicht vor einem trübseligen Kameraden fürchtet, könnt Ihr zu allen Zeiten mein einfaches Mahl mit mir theilen. Ihr seid nämlich in ein dunkles Haus gekommen, vor fast einem Jahre starb mein junges Weib — dort die kleine Angela hat sie mir zurückgelassen, und wir beide suchen nach ihr vom Morgen bis zum Abend, das Kind und ich. Hätte ich die Arbeit nicht" — hier stockte er — die Stimme brach. (Fortsetzung folgt.)

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