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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-02-06 · Heft 5 (6.2.1888) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 5 (6.2.1888)
Date
1888-02-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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auf den Bamoth, wie mehrseitig darüber geklagt wird. Wer hat uun hierbei den Priesterdienst geleistet? Etwa die officiellen Priester aus der Levitenkaste? Dann hatte man ohne besondere Schwierigkeiten diesen Cult aufheben können. Es ist ersichtlich, dass auch in JHudah die Familienpriester noch fortbestanden haben. Die traditionelle Halakha gibt Klarheit darüber. Sie lehrt: ״Bevor die Stistshütte errichtet wurde, waren die Bamoth gestattet, und der Dienst geschah durch die Erstgeborenen. Nachdem die Stistshütte errichtet worden, warm die Bamoth verboten, und der Dienst wurde Lurch die Priester verrichtet u. s. w. — als sie nach Gilgal gekommen waren, wurden die Bamoth wieder gestattet u. s. w. — wie sie nach Nobh und Gibh'on gekommen, wurden sie wieder erlaubt und, als sie nach J'ruschalajim gekommen, wurden sie verboten, ohne je wieder erlaubt zu werden. Rabbi J'hudah hat berichtet: Auf einer Bamah wurden keine Speiseopfer dargebracht, auch hat der Dienst nicht durch Priester, auch nicht mit priesterlichen Dienstgerathen stattgefunden. Jedenfalls war es üblich, auf die Priester keine Rücksicht zu nehmen, sobald das Opfer auf einer Bamah dargebracht wurde. Das zähe Festhalten des Volkes am Bamothcultus lässt sich theilweise als ein religiöses Bedürfnis der Volksmenge erklären. Es genügten dem Gemüthe nicht die jährlichen drei Wallfahrten, nicht Las Bewusstsein, dass Morgens und Abends ln! Tempel Gottes für Las gesammte Volk geopfert werde; man suchte Befriedigung im Privatcultus. Ich glaube jedoch einen wett allgemeineren und triftigeren Grund für das Bedürfnis dieser Bamoth gefunden zu haben. Ich vernmthe, die alte Klage: ״Wer lässt uns Fleisch essen!" habe dies gethan. Mit dem ׳Genüsse des Fleisches hat es nämlich sein eigenes Bewandtnis. Nach den heiligen Urkunden hätten die Menschen der Urzeit sich nur von Pflanzen genährt. Erst nach der Sintfluth wurde es gestattet, gewisse lebende Wesen zu tödten, und erlaubt, mü Vermeidung des Blutes das Fleisch zu genießen. Was mit dem Blute geschehen soll, darüber wird nichts ausdrücklich beemlletoq. Die Geige mit -ein Engelskopf. Von Elise Polko.*) In meinem Zimmer hängt ein bekannter schöner Stich —: der alte Straduari, der berühmte Geigenbauer in Cremona 1644 geboren, sitzt inmitten seiner Schöpfungen vor seinem Arbeitstisch, in der Lederschürze und dem niederhängenden Haar, ganz versunken in den Anblick einer Geige, die nicht sein Werk ist, denn sie erscheint von ganz anderer Form und Art Es fliegt wie ein Leuchten über die hohe Stirn, es bricht wie Licht aus den ernsten Augen. Durch einen umherziehenden Händler war ihm nämlich eine alte Geige in die Hand gerathen — offenbar eine Schöpfung Gasparo di Salos, des ersten Geigenbauers am Gardasee. Wie kam es aber, dass hundert und mehr Jahre später die Augen des Künstlers sich nicht zu trennen vermochten von dem braunen Dinge da, in seiner Hand? — Warum zittert eben diese Hand, die dm Hals des Instrumentes umspannt hielt? — Es war die wundervolle Schnecke, die seinen Blick bannte — ein geschnitzter Engclskops von einer wahrhaft leuchtenden Schönheit: es konnte kein Zweifel sein, Antonio Straduari war durch einen gesegneten Zufall in dm Besitz jener Geige des Gasparo gelangt, dessen Schnecke einst kein Geringerer als Benvenuto Cellini geschnitzt. — Eine Sage war schon in der Kinderzeit des Antonio Stra- Luari von Mund zu Mund gegangen, dass nämlich der berühmteste Goldschmied Italiens einst für den Gasparo di Salo eigenhändig eine Geigenschnecke gearbeitet, aber Niemand wusste mehr zu sagen, *) ״Neue Musik-Zeitung", Stuttgart Nr. I, Jahrg. 1888 S. Litteratur. richtet. Die Sprache selbst kommt uns hier zu Hilfe. Für die . Tödtung eines Thieres zum Zwecke des Genusses hat die Sprache ein eigenes Verbum. Also nicht jede beliebige Tödtungsart hatte stattgehabt, sondern jene, die mit זבח oder טבח ausgedrückt wird. Von diesem Verbum stammen aber ab die Nomina בוז: plur. זבחים für eine bestimmte Opfergattung, bei welcher die Eigenthümer selbst das Fleisch gegessen haben, ferner מזבח die Opferstätte. Dieses berechtigt zu dem Schluffe, dass nur jenes Fleisch gegessen wurde, von welchem das Blut zu Opferspenden verwendet worden. Das Thier musste in derjenigen Weise getödtet werden, durch welche das Blut für seine Bestimmung ausgenommen und dieser zugeführt werden konnte. Das geschah mittelst eines Instrumentes, welches "מאכלת" (das zum Essen zubereitende) genannt war. Welcher Gottheit man in den alten Culten die Blutspenden gewidmet hat, geht aus dem Verbote des Leviticus ״nicht den שעירים zu schlachten" hervor. Verfolgen wir die Geschichte des Fleischeffens weiter. In der Wüste verbot das mosaische Gesetz, ein Thier außerhalb der Stifts- Hütte zu schlachten. Es wird geradezu als Mord angesehen, wenn bei einer Schlachtung die Blutspende am Altäre nicht vollzogen wird. Das Blut jener Thiere, die zum Opfer ungeeignet sind, musste man mit Erde bedecken. Im Deuteronomium wird die Concentrrrung des Opfercultus und dessen Beschränkung auf eine auserwählte Stelle vorgeschrieben. Durch diese Vorschrift wurde aber obiges Gesetz unausführbar, wenn man nicht auf den Fleischgenuß beinahe Verzicht leisten wollte. Deshalb ward das Schlachten gänzlich freigegeben, das Blut solle man wie Wasser wegschütten. Aus dem Wortlaute dieser Vorschrift ist ersichtlich, dass der Gesetzgeber nur ungern den Fleischgenuß freigibt, allein die Concentrirung des Opferdienstes ist ihm wichtiger; doch macht er diese Concession mit der strengen Einschärfung, solches Schlachten in keinerlei Weise opfermäßig zu behandeln. Es liegt aber in der Natur des Volkes, besonders in Bezug auf Speisen, an dem Herkömmlichen festzuhalten. Unter der Rewohin eben dies Kunstwerk gerathen war. Und nun hingen eines Tages, nach so vielen, vielen Jahren. — wo der Geigenbauer am Gardasee wie der Bildhauer Cellini in Florenz längst in Staub zerfallen, die Blicke des großen Cremonesers an der wunderbareu Schöpfung, und seine Finger irrten leise und fast scheu über die Satten, denen ein fremder, aber mächtiger Wohllaut entquoll. Ja, er war in der That einmal nach dem Gardasee gepilgert, auf dem. Rückwege von Frankreich, jener Meister aus Florenz, Benvenuto Cellini genannt. Vielleicht dass ihm irgend ein Kunstgenoffe den Zauber der wechselvoll sich färbenden Wellen so lebendig geschildert, vielleicht dass er sich nach der arbeitsvollen Zeit in Paris nach einem Ausruhen sehnte — genug, er gedachte wirklich eine Weile unerkannt und ungestört an den Ufern des Gardasees zu leben. Wie ein Riesentropfen vom tiefsten Blau lag er eines Herbsttages vor den Blicken des einsamen Wanderers, der durch das Sarcathal und die düstere Felsenschlucht Buco di Vila zu ihm niederstieg. Wild und trotzig bäumten sich im Norden, nach Tirol hin, seine Ufer auf, das Becken erschien schmal, die Farbe grau, je weiter nach dem Süden aber, je mächtiger wurde die Fluth, je leuchtender die Farbe. Es war, als ob der eingeengte Bergsee plötzlich in unbezwingbarer Ungeduld seinen Gürtel zerreiße, um nun dahin zu wallen in losem Gewände, dessen Falten nur hier und da eine Agraffe zusammenhält, nämlich eine blühende Insel. — Immer bewegter wurde das Farbenspiel aus der Wasserfläche, es war ein Schillern und Flimmern in allen Schattierungen. Und dazu diese träumerische Stille wett und breit! Möven mit weißen Schwingen flogen vor den Augen Benvenutos lautlos und langsam mit weichem Flügelschlag, bald sich hebend, bald wieder tief sich senkend über die Wellen — im Schilfe zwitscherte und rauschte es leise aus unsichtbaren Nestern, Fischerbarken mit Hellen Segeln gleiten dahin, und in der silbernen tiefen Furche, die sie ziehen, schnellen glänzende , Fische hoch in die Höhe. Von Len Ufern her grüßen ihn melan-

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