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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-02-06 · Heft 5 (6.2.1888) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 5 (6.2.1888)
Date
1888-02-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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l&gzg-.JWi — eder stets au fait sein will in Allem, was im Reiche der Kunst vorgeht, der sich orientiren möchte über alle neuen theatralischen und musikalischen Erzcugniße, eine feststehende erfreuliche Thatsache. Nach dieser Richtung hin bewährt sich vortrefflich die nun in den neunten Jahrgang gehende ״Neue Musik-Zeitung", die bisher im Verlag von P. I. Tonger in Köln erschien; nach dem Programni, welches der neue Verleger Carl Grüninger in Stuttgart, unterstutzt durch den früheren langjährigen Redacteur, Herrn August Reiser, der die Redaction wieder übernommen, in Bezug auf Inhalt des neuen Jahrgangs in bestimmten Zügen aufgestellt hat, liegt bereits die sichere Gewähr, dass die ״Neue Musik-Zeitung" ihre hervorragende Bedeutung als erstes musikalisch-belletristisches Blatt auch fernerhin behaupten wird. Mit richtigem Verständnis für die Geschmacksrichtung eines gebildeten Publicums legt die ״N e u t Musik-Zeitung" das Hauptgewicht aus den feuilletonistischen Theil, in dem auch Ergebniße wissenschaftlicher Forschungen in ge׳- fälliger Form niedergelegt sind. Die besten Namen sind unter den ständigen Mitarbeitern vertreten: Ernst Eckstein, Max Ring, Ernst Pasque, La Mara, Wilhelm Tappert, A. Hennes, Gustav Karpeles, R. Schmidi-Cabanis, E. M. Vacano, Elise Polko u. a. Ueberraschend geradezu ist die Reichhaltigkeit des Textes und der werthvollen Extrabeilagen, wie Musiker-Lexikon, Musikalisches Frcmdwör- Lerbuch und der üblichen Musikbeilagen mit Elavierstücken, Lieder 2c. Trotz des so außerordentlich billigen Preises (80 Pf. vierteljährlich) kann sich die ״Neue Musik-Zeitung" getrost den ersten Familienblättern in jeder Beziehung würdig an die Seite stellen. — Um den Lesern unseres Blattes einen Einblick in den gediegenen Inhalt dieser ebenso lehrreichen als interessanten musikalischen Zeitschrift zu gewähren, bringen wir in unserer heutigen Nummer eines der spannenden Feuilletons aus der Feder der rühmlichst bekannten Schriftstellerin Elise Polko, betitelt ״Die Geige mit dem Engelskopfe", zum Abdrucke. Meine Chronik. Wien. Baron Hirsch soll, wie von einigen Blättern gemeldet wird, dem ״Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" 350.000 st. zugewendet haben, so dass derselbe statt wie bisher 50 Knaben, nun 100 Knaben ausbilden lassen kann. Diese Meldung bedarf erst der authentischen Bestätigung und erscheint uns um so weniger glaubwürdig, als der Vorstand des genannten Vereines in der vor einigen Tagen abgehaltenen General- Versammlung über dieses sensationelle Ereignis kein Sterbenswörtchen verlauten ließ. Ueberdies ist es auch nicht richtig, dass der Verein bisher alljährlich nur 50 Knaben zu Handwerkern ausbilden ließ, indem der ausgegebene Jahresbericht mittheilt, dass der Verein im verstosfenem Jahre 654 Zöglinge unter seiner Obhut hatte. . Wien. Wie das ״Wiener Tagblatt" berichtet, ist der Großgrundbesitzer Schoßberger de Tornya in den ungarischen Freiherrnstand erhoben worden. Es wäre dies der erste Fall,, dass ein Jude die ungarische Baronie erhält, mit welcher, wie bekannt, mit der Bedingung des Steuercensus von 3000 st. die erbliche Mitgliedschaft im Magnatenhause verbunden ist. Wltdapest. (O.-C.) Es wird für die Leser Ihres Blattes nicht uninteressant sein, zu erfahren, wie eine bedeutende Gemeinde einen Cantor zu würdigen weiß und mit welcher Beharrlichkeit sie darauf ausgeht, denselben für sich, zu gewinnen. Vor einigen Monaten brachten fast sämmtliche jüdische Blätter die Notiz, dass die Ödessaer Cultusgemeinde zuerst Herrn Feldmann, kurze Zeit darauf aber Herrn Gemeindepräses Barsky und Chordirector Jakowkin im Deputationswege zum Obercantor I. Bachmann geschickt habe, um denselben für Odessa, wo er sich von seiner früheren Wirksamkeit her einer großen Beliebtheit erfreute, wieder zu gewinnen. Herr Bachmann erklärte damals, trotz der ihm angebotenen glänzenden Bedingungen, nicht. nach Rußland zurückkehren zu wollen, und die Herren Deputaten kehrten unverrichteter. Sache nach Odessa zurück. Nach einigen vergeblichen Versuchen, mittelst Briefen , und Depeschen Herrn Bachmann zur Rückkehr zu bewegen, erschien nun vorige Woche Herr Jonas Feldmann in Budapest und erzählte, man habe einen Concurs ausgeschrieben mit 3000 Rubel jährlichem Gehalt,. aber was hülf's, die Gemeinde wollte von einem anderen Cantor nichts wissen. Er sei nun hergekommen Und habe es sich׳!voxgenom-?. men, alle Mittel in Bewegung zu setzen, uni Bachmaun zur Annähme des angebotenen Postens zu bewegen. Er wiederholte die cöntractlich zugesicherten Bedingungen: 4000 ,Rubel Gehalt, zehnjährigen Contract, zwei Monate Urlaub im Jahre u. s. w. Herr Bachmann war von den wiederholten und ehrenvollen Anträgen sehr gerührt, musste aber bei seiner vorigen Weigerung beharren, und voller Verzweiflung über seine zum zweiten Male mißglückte Mission, fuhr der Herr Deputirte nach Odessa zurück. ' Damit hat die Angelegenheit hoffentlich ein Ende erreicht. Dieser Vorfall deutet nicht nur darauf hin, dass pflichttreue Ausübung des Berufes, ver- Kunden mit eminenter Seiftimg stets die rechte Würdigung erfahren, sondern er beweist auch, dass zwischen dem Cantor und der Gemeinde ein herzliches, inniges Verhältnis bestehen kann. B. N. Aeplih Das hiesige Nabbinat, welches seit dem Abgänge des Herrn Dr. Rosenzweig nach Berlin erledigt war, wurde durch die Berufung des Herrn Dr. Kurrein, Rabbiner in Bielitz, besetzt. Die Aufnahme desselben soll jedoch eine provisorische fein. Wikaksöurg. Am 20. v. M. wurde der hiesige Rabbiner Dr. Mayer Feuchtwang, zu Grabe getragen, nachdem er 26 Jahre das Amt eines Rabbiners in dieser Gemeinde verwaltet hatte. Nabbiner Feuchtwang war ein ausgezeichneter Redmr, ein vorzüglicher Schulmann und ein bedeutender Gelehrter. Lemberg. Wir haben in voriger Nummer über die sonderbare Verfügung der Lemberger Tempelverwaltung betreffs des Tragens der Sabbathmützen (Streiml) berichtet. Diese vom Lemberger ״Israelit" mitgetheilte Nachricht scheint denn doch nicht auf Wahrheit zu beruhen, da die letzte Nummer des genannten Blattes nachstehende Zuschrift der Tempelverwaltung veröffentlicht: An die löbliche Nedaction des ״Israelit". Die gefertigte Tempelverwaltung Littet um Aufnahme nachstehender Berichtigung: Die in der Nummer vom 6. Jänner 1888 in der Rubrik ״Verschiedenes" enthaltene unglaubwürdige Mittheilung, dass die Tempelverwaltung die Verfügung getroffen habe, denjenigen, welche noch altmodische Sabbatmützen tragen, den Eintritt in den Tempel nicht zu gestatten, ist vollständig aus der Lust gegriffen. Eine solche Verfügung ist weder erstossen, noch beabsichtiget. Den Tempelsitzinhabern, den Besitzern von Eintrittskarten oder auswärtigen Gästen ist der Eintritt in den Tempel bedingungslos gestattet, einerlei, ob man noch Sabbatmützen trägt oder nicht. Achtungsvoll die Lemberger Tempelverwaltung, Dr. Landesberger. Stuttgart. Ihre ^Majestät die Königin Olga von Württemberg haben wie alljährlich auch Heuer dem Vereine zur Unterstützung armer Witwen und Waisen armer israelitischer Lehrer und Cantoren Württembergs aus Anlass der Uebersendung des jüngsten Jahresberichtes die Spende von 45 Mark gnädigst bewilligt London. Die im Laufe des vorigen Jahres stattgehabte jüdisch-englische Ausstellung, deren Erfolg ein sehr guter war, soll in ein jüdisch-englisches Museum umgewandelt werden und auf diese Weise für künftige Zeiten erhalten bleiben. London. Ueber die beabsichtigte Vereinigung der jüdischen Synagogenvereine in London wird der Magdeburger ״Israel. Wochenschrift" aus London gemeldet: Die beabsichtigte Amalgamirung der hiesigen sogenannten ״Chewroth" ist jüngst ein fait accompli geworden. Zum Präsidenten derselben ist keine geringere Persönlichkeit als Lord Rothschild gewählt worden, der zugleich auch Präsident der ״United Synagogue" ist. Der Umstand, dass ein Mann wie Lord Rothschild es nicht unter seiner Würde hält, von Zeit zu Zeit nach dem Osten von London zu gehen, um sich nach dem Wohl und Wehe seiner daselbst wohnenden armen Glaubensgenossen zu erkundigen und ihnen mit Rath und That beizustehen, gereicht sowohl ihm, als auch dem gesammten Judenthum zur höchsten Ehre. Diese Thatsache ist von großer Wichtigkeit und Bedeutung, und dürfte sie vielleicht jene mit Glücksgütern reich gesegneten Israeliten auf dem Continente, und namentlich in Rußland und Rumänien zur Nachahmung aneifern, als dass sie sich mit den Angelegenheiten ihrer verfolgten und minder begüterten Stammes gen offen abgeben sollten. Charakteristisch ist die Ansprache, die Lord Rothschild an die Delegirten der fraglichen Chewroth hielt, als sie ihn benachrichtigten, dass sie ihn einstimmig zu ihrem Präsidenten erwählt haben. Er sagte u. A. wie folgt: ״Bevor ich die Sitzung heute eröffne,

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