Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 5 (6.2.1888)
- Date
- 1888-02-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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gebührt dem Winde der Vorzug, denn er treibt die Wolken auseinander und jagt sie vor sich her. Mit diesem Geschwatze werden wir nie zu Ende kommen, rief Nimrod, so verehre den Wind, und ich will Deine ersten Schmähungen vergessen. Den Wind? Sollte ich nicht vielmehr den Menschen anbeten, der Feuer, Wasser und Wind bezähmt? Verruchter, schrie Nimrod wüthend, Du sollst die Macht des Feuers bald fühlen. Wir wollen sehen, ob Dein Gott, den Du verehrst, vermögen wird, Dich zu retten. Und er ließ den Abraham in einen glühenden Ofen werfen. Doch Gott rettete ihn aus den verzehrenden Flammen und machte ihn zu einer Quelle des Heiles für alle Völker (Siehe M. Rab. 1. M. Parsch. 38). Im Buche Jaschar, Ende Noah, wird diese Sage in ganz anderer Form erzählt, auch erweitert. Dort wird noch hinzugefügt, dass Wraham drei Tage und drei Nächte im Feuerofcn herumgewandelt, und als man dem König das mittheilte, ging er selbst zu Wraham, rief ihn zu sich, ertheilte ihm große Ehren, und alles Volk bückte sich ehrfurchtsvoll vor ihm, doch Abraham wies alle Ehren zurück, die nur Gott allein gebühren. Diese Mythen beruhen auf V e r m u t h u n g e n. Abraham, der so gläubig und ein Eiferer der Gottesidee war, hat vermuthlich nichts unterlassen, seine Umgebung durch Wort und That zum wahren Glauben zu bringen. Hier wird aber der Phantasie freier Spielraum gelassen. Dem Einen schwebte Gideon vor, der auch die Götzen seines Vaters in der Nacht zerschlagen und sich in Lebensgefahr gestürzt. Der Ruf Jerubal! wenn Baal ein Gott ist, soll er mit ihm streiten, rettete sein Leben (Richter, Cap. 6). Den Anderen mag wieder vorgeschwebt haben die Geschichte von Chananja, Michael und Asaria, die auch zum Tode verurtheilt wurden, weil sie die Götzen nicht anbeten wollten, und Gott rettete sie (Daniel, Cap. 3). Diese biblische Geschichte hat mit der Sage über Abraham nach dem Buche Jaschar viel Aehnlichkeit. Warum sollte mit dem gottgläubigen Wraham nicht dasselbe sich zugetragen haben, wie mit den drei Jünglingen im Feuerofen? Außerdem findet sich noch dazu ein Anhaltspunkt in der Schrift, wo eine Stelle sich darauf hindeuten lässt: ״Ich bin der Ewige, der Dich herausgezogen hat von אור כשדיס, das heißt von dem Glühofen der Chaldäer" (1. M. 15, 7). So deutet es der Midrasch zur Stelle, und dass ״Ur" Feuerflamme heißt, findet sich Jesaias 47, 14. W.r, (Fortsetzung folgt). Methodik -er Gesangskunst. XVI. Der erste Ton, bei welchem nun das Falset eintritt — es sei nun fis oder g — wird wohl anfänglich kaum mit den Brusttönen hinsichtlich der Stärke sich vereinigen lassen, denn das Fasset ist von Natur ein schwaches, zartes Sttmmregister, was schon daraus her- Vorgeht, dass dabei nur die inneren zarten Ränder der Stimmbänder in Schwingung sind, also nur ein Theil ihrer Breite; wenn jedoch der Sänger sich bemüht, dasselbe Athem-Quantum, dieselbe Athemstärke, welche er zu den Brusttönen gebrauchte, streng beizubehalten, so wird auch die Fassesstimme stärker werden und sich den stärkeren Brusttönen gleich an Stärke anschließen lassen. Fleißige Uebung, verbunden mit der größten Achssamkeit auf die Thättgkeit des Athems, ist hier unerlässlich, aber wird auch zu sicherem Resultate führen, baut beim Flankenathmen ist ja der Athem ganz in unsere Gewalt gegeben. Ja, jeder Sänger wird dieselbe Scala, welche er bereits piano gleich erzeugen kann, bald auch etwas stärker und dennoch gleich Hervorrufen lernen. Dadurch ist jedoch die Anforderung einer gesunden Athemthätigkeit erhöht, und die Natur gebietet von selbst, hier erst allmählig von einer kleineren Reihe mittelstarker gleicher Töne zu einer größeren und endlich zur ganzen Scala zu schreiten, und so auch die Athemwerkzeuge an größere Thätigkeit nach und nach zu gewöhnen und zu größerer Fähigkeit heranzubilden. Sobald aber die ganze Scala in dieser mittelstarken Weise gleich hergestellt ist, unterlasse man wieder nicht die Üebung in Intervallen, so dass auch hier ein Ton immer gleich ist dem anderen, auch der tiefste Brustton gleich dem höchsten Fassetton an Stärke (mit immer gleichem Athemmaß für jeden Ton). Wir können den Grad der Stärke, welchen wir soeben verlangten, kurzweg den mittleren, diese Scala also die mittelstarke nennen, sowie wir die zuerst verlangte Scala, die piano gehaltene oder die schwache genannt haben. Von selbst aber weist uns diese Unterscheidung auf eine weitere Nüancirung hin, bei welcher die Lungen all' ihre Kraft zu entfalten haben, auf die starke Scala. Wenn schon bei einem mittelstarken Ton das Athem-Quantum zunehmen und dagegen die Spannung der Stimmbänder etwas abnehmen musste, so ist ebendasselbe nur in noch höherem Grade bei dem starken Tone, beim korke, der Fall. Die Excursionely.-in welche die noch mehr nachgelassenen Stimmbänder durch die noch stärker ausströmende Luft versetzt werden, sind noch größer, am größten aber sind sie beim forkissinio, weil eben hier der Athem im größtmöglichen Quantum an die schlafferen Stimmbänder herankommt. Das Verhältnis zwischen der nachlassenden Muskelthätigkeit und der zunehmendeu Athemstärke ist also hier noch größer, als bei der mittelstarken Scala. Der Athem waltet vor in seiner ganzen Kraft, und soll daher ein Ton nicht höher werden im korke, so muß׳ die Spannung der Stimmbänder noch etwas mehr Nachlassen, als Beim mittelstarten Ton der Fall war; der Athem hat hier noch mehr zu ersetzen, als dort. Gehen wir wieder von der Mittellage aus, so ist also z. B. beim Tone g, wenn er forte gesungen werden soll, die Spannung der Stimmbänder noch schlaffer und der Athem noch stärker, daher die Excnrsionen der schwingende» Stimmbänder noch größer, als dies bei demselben Ton, wenn er nur miteelstark auftritt, der Fall ist. Soll nun der folgende Ton a wiederum diesem g gleich sein an Stärke, so muß auch er dieselbe Athemstärke haben, dasselbe Athemvolumen, sowie dasselbe Verhätnis des Nachlaffens der Bänder; oder mit andern Worten: in demselben Verhältnis, in welchem das Nachlassen der Stimmbänder zur zunehmendeu Athemstärke bei dem Tone g stand, in demselben Verhältnis muß auch dasselbe bei dem Tone a stattfiuden; und ebendasselbe ist bei allen folgenden Tönen der Fall, welche diesem' stark gesungenen g gleich sein sollen an Stärke. Natürlich nimmt auch bei der starken Scala, ebenso wie bei der mittelstarken, die Spannung der Stimm- Länder successiv zu, je weiter man nach oben stngt, die Töne selbst aber bleiben sich gleich an Stärke deshalb, weil dennoch das Verhältnis der nachgelasseneren Spannung der Stimmbänder zu der sie ersetzenden größeren Athemstärke bei allen Tönen dasselbe bleibt. Die Töne der Mittellage, z. B. bei einem Tenoristen g, a, h, c, d, reihen sich auch in diesem höchsten Grade der Stärke leicht gleich stark aneinander, auch die untere Lage lässt sich ohne Schwierigkeit damit einigen; besonders aber bekommen wir nun nach Oben noch mehr Spielraum. Schon bei der mittelstarken Scala stellt sich nämlich die Thatsache heraus, dass sich bei stärkerem Blasen noch einige höhere Töne anreihen als Brusttöne, welche in der schwachen Scala bereits als Falsettöne zum Vorschein kamen; noch mehr ist j dies bei der starken Scala der Fall, indem nun nicht blos die Töne! e, 58, sondern auch bereits g, a, b, ja c, als Brusttöne -forte sich