Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 5 (6.2.1888)
- Date
- 1888-02-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/1304829-3453130-3453135--2396-3456640- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Oesterreichisch -ungarische Canioren H^ranumeralionspreis Für D < rein-Mitglieder. E-a.-zjShrig fl. S.— Halbjährig fl. 2.5V Ni.rtkljöhrig fl. 1.25 Für Nicht« ilLNeder Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig fl. 3.— Dikrnljährig fl. 1.SV Für da- Au-land Ganzjährig fl. e — 10 Mark odrr 5 Rubel. Organ für die Nylereffeo Wucher mul Hultmbesmlen. Krscheinl jeden achten K a g. Begründer: Obercantor 6°L00d Lausr. reu 1 Wedaclio« UUd Administration Wien, II., Novaragaffe Rr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retsurnirt. (Bilder aus dem Leben der Erzväter, historisch, allegorisch, mythisch und exegetisch.) IV. Aie Hhnmacht der Höhen und die Allmacht Gottes. Terach, der Vater Abrahams, erzählt die Sage, war nicht nub ein Götzendiener, sondern auch - ein Götzenbildner, welche er zuch öffentlichen Gebrauche auszustellen pflegte. Eines Tages führten ihn seine Geschäfts ncH ׳WwMU,"M^ÄMM er'ssmWSoH^Abrahckür, ׳ statt seiner Acht zu haben und sein Geschäft zu besorgen. Was kostet der Götze, fragte ein alter Mann, der gerade in die Werkstätte kan; und auf ein Bild zeigte, das ihm wohl gefiel. Darf ich fragen, Greis, wie alt Du bist, fragte ihn Abraham ausweichend. Achtzig Jahre, antwortete der alte Götzendiener. Achtzig Jahre,׳ rief Abraham, und Du willst ein Bild anbeten, das von meines Vaters Knechten in den letzten vierundzwanzig Stunden gemacht wurde! C onderbar! Ein Mann von achtzig Jahren will sein graues Haupt vor dem Gebilde eines Tages beugen? Der Mann schämte sich aber und ging fort. Bald nachher kam ein vornehmes Weib und trug" eine große, mit Blumen geschmückte Schüssel voll delicater Speisen. Hier, sagte sie, habe ich den Göttern eine Gabe gebracht. Setze sie ihnen vor, Abraham, dass sie mir gnädig seien. Setze sie ihnen selbst vor, thörichtes Weib, eiferte Abraham, Du wirst bald sehen, wie eifrig sie die Speise verschlingen werden. Und sie that so. Als das Weib weggegangen war, ergreift er schnell einen Stock, fällt über die Götzen her, zerschlägt sie in viele Stücke, lässt blos den größten davon unberührt und diesem steckt er den Stock zwischen die Hände. Als Terach wieder heim kam, sah er zu seinem größten Staunen und Schrecken den Schaden, der unter seinen Götzenbildern angerichtet war. Was heißt das, Abraham? Welcher gottlose Wicht hat es gewagt, unsere Götter in solcher Weise zu behandeln? rief er thörichterweise aufgebracht. Warum sollte ich meinem Vater etwas verbergenantwortete der fromme Sohn. Während Deiner Abwesenheit kam ein Weib mit einem Geschenke für die Götter, welches dort noch steht, sie setzte es ihnen vor. Die jüngeren Götter, welche, wie Du Dir leicht denken kannst, keine Speisen mehr gekostet haben mögen, streckten geschwind die Händedarnach aus und fingen an zu essen, bevor das alte Götzenbild die Erlaubnis dazu gegeben hatte. Erzürnt über ihre Kühnheit stand er auf, nahm den Stock und strafte sie für den Mangel an Achtung. Was sagst Du da, unverschämter Lügner? siel Terach grimmig, seinem Sohne Abraham in's Wort, wie wagst Du es, Deinen Vater so täuschen zu. wollen,, um Deinen Freyel bemänteln zu wollen? Ist " es Dir denn nicht Knechte die Götzen mir geformt? Sie haben wohl Äugen, können aber nicht sehen; haben wohl Ohren, Hören aber nicht damit; haben einen Mund, aber nicht die Fähigkeit, damit zu sprechen, ihre Hände und Füße sind sie zu bewegen nicht im Stande, und Du solltest so vermessen sein, solche Ungereimtheiten mir vorzuschwätzen? Nun, theurer Vater, nahm jetzt der sanfte Jüngling wieder das Wort, eben diese überzeugende Aeußerung wollte ich ans Deinem Munde hören. Wohl wahr, ich selbst zerschlug, meine eigenen Hände zertrümmerten für die Ehre des ewigen Gottes, der uns-Alle erschaffen, diese verächtlichen Kothgötzen; eben Deine weisen Worte, die Du jetzt gesprochen, rechtfertigen meine Handlungsweise. Mögest Du es daher, guter Vater, von nun an unterlassen, Dein eigenes Händewerk abgöttisch zu verehren. Mögest Du den Schöpfer und Erhalter aller Wesen von dieser Stunde an allein im Herzen haben und ihn von ganzer Seele ehrsürchten und lieben. Doch umsonst redete Abraham also mit seinem abgöttischen Vater. Der Aberglaube ist taub und blind. Abraham wurde sogar des Verbrechens der Götterschändung angeklagt und vor den König Nimrod geführt, der ihm drohend befahl, den Gott, den er verehrt, nämlich das Feuer, anzubeten. Großer König, sprach da der Vater der Gerechten, wäre es nicht besser, das Wasser anzubeten? Es ist ja mächtiger, da es das Feuer verlöscht. Nun gut, so bete das Wasser an, ries der König. Und doch dünkte mich ein Unrecht gegen die Wolken zu begehen, denn sie führen das Wasser in ihrem Schoß und lassen es auf die Erde träufeln. Wohlan, befahl Nimrod, so stehe zu den Wolken, weil sie, wie Du meinst, größere Macht 6es sitzen. Nicht doch, fuhr Abraham fort, wenn die Macht es ist. so Wien- 6. Februar 1888. 8. Jahrgang uhrheit und Dichtung. 1