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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-01-29 · Heft 4 (29.1.1888) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 4 (29.1.1888)
Date
1888-01-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Allerdings gibt uns dieser Prophet ein Räthsel zu lösen. Ihm sind Tempel und Altar, Priester und Opfer correct, und dennoch sind das Kalb Schomron's imd die Kälber Beth-Avens, wie er diese nennt, dem Stachel seiner Rede ausgesetzt. Allein die Lösung dieses Räthsels ist sehr einfach. Gegen die Kälber wird geeifert, und das Königthum ist damit gemeint. Dieser Prophet konnte sich wohl niit einem Davidischen Konigthume, wie es sein Begründer eingcführt, und wo der König nur der Knecht Gottes war, versöhnen, aber er ist gegen das Königthum im Allgemeinen, er steht auf dem Standpunkte Moschehs und Sch'muels. Für ihn beginnt die Sünde Israels und sein Verderben von Gibhah her, wo es das Königthum gewünscht, ohne dass Israel thatsächlich dadurch erstarkt wäre, denn auch setzt wird ihnen der König kein Heil bringen. Das Verderben Israels war, dass es König und Edelherren verlangt habe; Gott Ln seinem Zorne hatte ihnen diese gewährt, nun mögen sie von ihnen jetzt Hilfe erwarten; die Regierungspersonen sind ihm die Kälber zu Beth-Aven sammt deren Götzenpriestern; das Kalb Schomron's aber ist geradezu auf den König angewendet. Allein hat . auch Zarobh-am die Kälber nicht in der Absicht gemacht, sie anzubeten, so ging es doch mit denselben wie mit der ehernen Schlange des Moscheh; das Kalb zu Dan . wurde abgöttisch verehrt. Vielleicht verknüpfte damit der abergläubische Theil der Bevölkerung — und einen solchen hat es jederzeit s elbst in J'hudah gegeben — die Vorstellung der wasserspendenden Gottheit. Passend mag eine solche Anbetung gerade am Feste des achten Monats, wie wir dies weiter besprechen werden, gewesen sein. Auch waren zu Dan die Quellen des Jordan, was zu einem solchen Cultus wohl Anlass gegeben haben konnte. Wenn aber der judäische Historiograph die Sache so darstcllt und die Thatsachen so gruppirt, . dass der - schlichte Leser entnehmen zu müssen -glaubt,. Iarobh-aM Habe dey Götzendienst eingeführt, wer vermag ihm das zu verübeln? Auch kann es nicht verwundern, wenn der Chronist diesen König geradezu Götzenbilder errichlen und sogar die שעירים anbeten läßt. Unter dem Volke ist solches gewiss vorgekommen; warum soll das nicht auf das Kerbholz Jarobh-am's gesesetzt werden? Ich schließe diesen Gegenstand mit einem Ausspruche des Rabbi Iochanan. Er sagte: ״Die geringsten Fehler Achab's wiegen auf die größten Jarobh-am's. Warum hängt die Schrift dennoch alles diesem an? Weil mit .ihm die Entartung begönnen hat. (Fortsetzung folgt). Aeder die spanijch-portugiejlschen Juden der Gegenwart. Von Dr. M. Grünwald. Sonderbarerweise hat ein Spanier der Gegenwart, Amador de los Rios, zuerst auf den wichtigen Einfluß der Juden Spaniens auf die Entwicklung der national-spanischen Cultur aufmerksam gemacht׳*) Indessen erstreckt sich die Arbeit des Amador de los Rios nicht auf die Gegenwart, obwohl das spanisch-jüdische als Sprache und die noch jetzt lebendige Litteratur höchst Lntereffant und der größten Beachtung werth erscheinen, und wir sind überzeugt, dass WM» das von den jüdisch-spanischen Juden geschriebene Spanisch mit lateinischen oder überhaupt m't europäische» Buchstaben gedruckt *) Zn de» Werken: Estadios liistdricos, politicos y literarios: Madrid 1348, 2. Aufl. 1872; und Mstoria social, politicay religiesa 4e los judios de Espaoa y Portugal. worden wäre, es längst Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung sowohl, als auch belletristischer Bearbeitung und Umarbeitung geworden wäre. Anderwärts haben wir die Wichtigkeit des spanisch-jüdischeu Dialektes für die romanische Sprachforschung schon früher nachzuweisen versucht. **) Um nun auf die litterarischen Erzeugniße der spamsch-portugiesischen Juden nach ihrer Vertreibung aus Spanien und Portugal zurückzukommen, wollen wir mit den Schlußworten Amadar de los Rios beginnen. Sie lauten: ״Die Juden Spaniens verdienen nicht den Hass, den die Menge immer gegen sie gezeigt hat, und ihre litterarischen Arbeiten verdienen nicht die stolze Gleichgiltigkeit, mit welcher die Kritiker sie bis heutzutage behandelt haben. Es war wirklich einmal hoch an der ' Zeit, dieses ungeheuer fruchtbare Feld, wo man kaum die Spur der Pfleger und Bebauer erkennt, zü betreten, es war hoch au der Zeit, ' sich alter Vorurtheile zu entschlagen und so vielen glänzenden Geistern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, welche die jüdische Rasse in Spanien hervorgebracht" Allerdings ist es wahr, dass diese Worte de los Rios nicht auf die litterarischen Leistungen nach, sondern ansschließlich vor Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal Bezug und Geltung haben. Ja, im Gegentheil, er spricht Jenen geradezu jedes Verständnis und jede Kenntnis des heutigen Spanisch ' ab, indem er sagt: ״Man kann kühn behaupten, dass es schwerlich ' einen Juden in Europa gibt, der das reine Castilianische pflegt, oder anch nur die geringsten Kenntniße unserer (d. h.^ der. spanischeil) ‘ Litteratur besäße." Dass diese Annahme eine irrige und falsche ist, einmal weil sehr Viele unserer Glaubensgenossen als Romanisten die spanische ' - Sprache und Litteratur in ihrer Reinheit und Unverfälschtheit kennen und kennen müssen, erhellt von selbst, aber auch Ni chtrömänisten, ' ächte und unverfälschte spanisch-portugiesische Juden, deren Bekanntschüft ich machte, benützen sogar bei ihren Arbeiten ein modernes spanisches Wörterbuch. Ich persönlich habe mit mehreren Familien in Wien verkehrt, welche das moderne'Spanisch vollkommen ' beherrschten und genaue Kenner der gesammten spanischen Litteratur sind. Ja, es besteht sogar eine spanisch-jüdische Grammatik, d H. eine Grammatik wo das jüdisch-spanische durch das Spanische erklärt und erläutert wird. Wir werden vielleicht einmal Proben der litterarischen Leistungen der spanisch-portugiesischen Juden n a ch ihrer Vertreibung aus diesen Ländern mittheiten, woraus zu erkennen fein wird, dass viele Arbeiten in reinem Spanisch abgefasst sind und dass daher de los Rios Ansicht eine gänzlich unbegründcke ist. Bei der Untersuchung darf man ja nicht vergessen, dass die vor fast 4 Jahrhunderten gesprochene spanische Sprache eine von der heutigen in vielen Punkten ganz verschiedene war; geht es uns Lei dem Studium romanischer und germanischer Sprachen, wenn wir deren Litteratur vor 4 Jahrhunderten gründlich kennen lernen wollen, doch nicht besser, wenn wir nicht die Grammatik uud Syntax des bet ressenden Jahrhunderts genau kennen. Und auch dies darf bei '-einer unparteiischen Beurtheilung nicht außer Acht gelaffen werden, dass erst nach 1492 und nach der Reformation sich anch ein Umschwung Lu der spanischen Litteratur geltend machte. Dass die spanisch-jüdische Litteratur von 1492 an vorzüglich um jüdisch-religiöses Löben und Leide« sich dreht, ist jedem denkenden Manne verständlich. Bon der ‘ **) Zur romanischen Dialektologie, 1882; stehe ferner: Dr.A. Zelliuek, . Der jüdische Stamm in uichtjüdifchen Spcüchwörteru. Die Wichtigkeit dieses Dialektes ist mir auch brieflich von zwei der bedeutendste«Autoritäten in diesem Gebiete, Prof. Dr. Ed. Böhmer und Prof. Dr. Hugo Schuchrrdt bestätige worden, dasselbe hat unser ehrwürdiger College, Rabbiaer Dc. M. Lottes or Mailand aotha». ... .. 7.‘•'•׳ י

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