Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-01-29 · Heft 4 (29.1.1888) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 4 (29.1.1888)
Date
1888-01-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453130-3453134--2389-3456632
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3 — eigentlicher ©ctanereu Niemand hat das Recht, die Person oder dru Grundbesitz zu verkaufen, denn Alles ist Gottes Eigenthum. Diese ganze Gesetzgebung ist nach egyptischem Muster, nur tritt ־ידוה am die Stelle Pharaos; ja sogar die osficielle Formel bei den Gesetzen "״«ני יהוה ist nach dem egyptischen Muster אני פועה״" gebildet. Hierin soll der Unterschied zwischen diesem - und jedem anderen Volke der Erde bestehen. ,יהוו ist sein König, das Volk wie das Land sind sein Eigenthum. . Wodurch unterscheidet sich aber Moscheh voll jedem anderen Führer und Obersten? Hierzu greift er zurück auf das altpatriarchalische Regiment. Die egyptische Verfassung wird, so zu sagen, in die patriarchalische Form umgegossen. Gott ist Vater, Patriarch, und das Volk nennt er seine Kinder. Moscheh ist der oberste Knecht im Hause seines Herrn; ihm liegt es ob, die Sorge für die- Kinder seiues Herren zu tragener. ist wie Elieser im Hause Abrahams. Aus dieser Mischung von altsemitischer und egyptischer Versassung, welche beide, wie natürlich, nicht spurlos die Entwickelung des Volkes beeinsiusst haben, hat sich das mosaische Gesetz aufgcbaut, sie bilden die Grundlage der mosaischen Staatsidee. DerPcntatcuch enthält deshalb einen sehr groß-n geschichtlichen Theil aus der Vorzeit, um Verfassung und Gesetz zu motiviren und zu er- , klären. . Nach dieser Vornvssttzung können wir begreifen, um. was es fich--deiM,EreiWiße des Mlhenen Kalbes gehandelt haben mag. An dsr SteWe' dMr.Wsscheh wurde vorderhand ein politisches Symbol, das Kalb^ errichtet, also principiell festgestellt, dass das Volk dem Königthum huldige, und der zu wählende König aus Ephrajim sein solle. Dass die Wahl auf Ephrajim gefallen, findet seinen Grund in der hohen Achtung und Verehrung, die man von früher Joseph und nun . seinen Nachkommen, vorzüglich aber Ephrajim, zollte. Die Sage von der Erhebung der Ephrajimiten in Egypten zur Befreiung ihres Volkes mag histoiisch sein; so viel beweist sie aber, dass dieEphrajimiten ein höheres Ansehen genossen haben. Thatsächlich dürsten diese bei dem Erlösungswerke durch Moscheh sich besonders hervorgethan haben. Die Tendenz der heiligen Schrift ist, von dem gött- Lichen Eingriffe in die Verhältniße zu erzählen, nicht aber von den Werkzeugen und natürlichen Mitteln, welcher die Vorsehung sich hiebei bedient hat. Jedoch lässt uns auch die Schrift nicht ohne jeden Wink in dieser Beziehung. Man beachte, dass der Sarg Josephs neben Moscheh Herzog; ferner, dass J'hoschua, der Ephrajimite, der hervorragendste unter der erkorenen Schaar, welche Moscheh umgab, war und diesem immer zur Seite gestanden hatte, so wird man die Praponderanz der Ephrajimiten anerkennen, dass ihnen diese Leistung zugeschrieben werden kann, sobald von Moscheh abgesehen wird, dem wohl Niemand die Ehre, Israel aus Egypten geführt zu haben, streitig gemacht hat. . Die Formel: אלהאלהיך ישראל אשר העלוך מארץ מצרים ist . aber nicht auf das Kalb bezogen, sondern auf diejenigen, welche. durch dieses Bild vorgestellt sind. Dieses beweist die hier gebrauchte Mehrzahl, während sonst alle auf das Kalb sich beziehenden Reden und Worte in der Einzahl stehen. Auch ist hierunter nur Leitung und Führung zu verstehen, nicht aber die Errettung und Befreiung, ״das Hinausziehen aus dem Lande Egypten", welches nur dem Ewigen allein zugefchrieben wird. Das erste Wort der zehn Gebote war wohl unangetastet geblieben, jedoch nicht so das zweite Gebot. Dieses Gebot ist verletzt, neben יהוהwerden solche אלהים, die ihm ״zum Aerger" sind, eingesetzt. Es wurde das Konigthum nach egyptischem Muster eingesührt, nicht .יהווsoll Herr, König und Patriarch sein, sondern einem Menschen soll die Herrschaft und die Allmacht eingeräumt werden. Wozu dann die Liebe Mühe? Wenn Israel und seine Führer sich nicht von den anderen Völkern der Erde unterscheiden, wenn auch sie wie die Egypter von einem Pharao regiert werden, dann mögen sie gleich in Egypten bleiben, ״Wenn dein Antlitz, o Gott, nicht mit uns geht, so lasse uns nicht hinausziehen von dannen". Zudem haben auch einige ans dem Volke an diesem Herrschaftskalbe — עגל מסכה — die Apotheose vollzogen, warfen sich davor nieder und opferten ihm; nun war das zweite Gebot vollständig übertreten. Die Urkunden berichten, dass Moscheh für das Volk gebetet; er wies hin auf dessen Vorleben in Egypten, zerstörte dann das Sündenwerk, das es gemacht hatte. Als er aber sah, dass, das Volk aufrührerisch werde, ließ er durch die Leviten, die insgesammt sich ihm zur Verfügung gestellt hatten, an dreitausend niei^rinetzeln, und die Ruhe war hergestellt. Jndess blieb deuuoch die mosaische Verfassung, in welchem das Königthum keinen Platz findet, nur ein Ideal. Auch Sch'muel sah in der Wahl eines Königs die Entthronung Gottes und hielt das Verlangen des Volkes für eine große Sünde vor Gott. Dennoch erfüllte er selbst dieses Verlangen in göttlicher Nachgiebigkeit. In Deuteronomium wird dieser Fall vorhergesehen, und das Königthum unter bestimmten Bedingungen und Beschränkungen concessionirt. Das Königthum war eingeführt. David nannte sich noch als König einen Knecht Gottes, also noch immer ein Elieser im Hanse des Patriarchen. Mit Sch'lomoh aber nimmt schon das Königthum eine sublimere Gestaltung an, der König wird zum Sohnes Gottes, ger gilt unter dem Kindern Gottes als der erstgeborene Sohn. So hatte , sich das Königthum J'hudah weiter entfaltet. Anders im übrigen Israel oder in Joseph, wie dieses Reich auch genannt wurde. Der König in Israel ist nicht Sohn unter den Söhnen oder Bruder unter den Brüdern, er ist König und regiert nach seinem Willen. In Israel kam folgender Standpunkt zur Geltung: Ist einmal , das menschliche Königthum durch Gott und seine Propheten zugelassen und gut geheißen, so sind alle Gesetze, die auf dem Principe ".יהוו ist König" beruhen, außer Krafk gefetzt Man sah weder in Israel, noch bei den Propheten Gottes' eine Sünde darin, politische Symbole zu errichten. Was neben Moscheh Sünde war, ist nicht Sünde neben R'chabham. Die Altäre, die der judäische Historiograph bald ״Bamoth", bald mit der gewöhnlichen Bezeichnung ״Misbeach" nennt, waren nicht zu Ehren dieser Kälber errichtet, sondern es waren Altäre für . .יהוד. Als unter der Regierung Achabhs diese Altäre zerstört und dem Baal Altäre errichtet wurden, klagt Elijahu: ״Verlassen haben die Kinder Israel deinen Bund, deine Altäre Haben sie niedergeriffen und deine Propheten erschlugen sie mit dem Schwerte. Er restaurirt den zerstörten Mar des Ewigen unter der Anrufung: Ewiger Gott Abrahams, Jizchaks und Israels. Der Prophet Hoschea nennt den Tempel Jarobh-am's ,יהיה יהוו Auch ist bei ihm ersichtlich, dass die Opfer im Allgemeinen rechtmäßig Opfer Gottes gewesen find. Dasselbe ist zu. ersehen aus einer Rede des Propheten Amos. Auch hören wir bei Hoschea nichts gegen die Legalität der Priester; was er ihnen vorwirft, ist: ״Sie sind Feinde der Erkenntnis, wollen das Volk in Unwissenheit halten und die Torah Gottes vergessen lassen. Auch wurde die Thorah im Allgemeinen vom Volke beobachtet, wie z. B. die Feier- und Festtage, das Nasiräergesetz und dergleichen. Wogegen Hoschea so eifert, das ist die Anhänglichkeit an den . Baalscultus.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.