Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 4 (29.1.1888)
- Date
- 1888-01-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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vieler Töne, oder gar der ganzen Scala einer Stimme? — Ehe wir j jedoch von der Scala in dieser Hinsicht weiter reden, wird es wohl! nicht unangemessen, sein, wenn wir zuvor noch einmal den ganzen Hergang beim An- und Abschwellen eines Tones, das Verhältnis der Muskel- und Athem-Verrichtung zu einander, in's Gedächtnis zurückrufen, — Es hat sich bei den Versuchen am ausgeschnittenen Kehlkopf die Thatsache ergeben, dass sich ׳' ein Ton bei gleichbleibender Spannung der Stimmbänder (also ohne Vermehrung des Gewichts in der Wagschale) nur durch Verstärkung des Blasens sogar um eine Quinte erhöhen lässt, und dass demgemäß dann ein Ton am stärksten-nustritt, wenn die etwas nachgelassenen Stimmbänder durch! die Stärke des Luftstroms in große Schwingung versetzt werden; die Spannung der Stimmbänder muß etwas Nachlassen, wenn der Ton anschwillt, und wieder etwas anziehen, wenn er abschwillt; würden die Stimmbänder beim Zunchmen der Athemstärke nicht nachlassen, so müsste der Ton ein anderer, höherer werden, und würden die Stimmbänder beim Abnehmen der Athemstärke nicht wieder gespannt, so müsste der Ton ein anderer, tieferer werden. Dieses umgekehrte Verhältnis, in welchem Muskel- und Athemthätigkeit zu! einander stehen, wurde uns also schon beim An- und Abschwellen eines einzelnen Tones überhaupt klar. Nun gilt es aber, eine ganze Reihe von Tönen hinsichtlich der Stärke zu nüanckren, und dies kann in doppelter Weise geschehen. Entweder die ganze Reihe soll mittelstark oder stark, aber doch ganz gleich sein, oder die Reihe soll piano beginnen, m ihrer Mitte forte werden und am Ende wieder zum piano zurückkehren. Reden wir zuerst von der Herstellung einer Reihe gleicher( stärkerer (mittelstarker) und starker Töne, so ist es nach dem Obigen klar, dass wenn wir z. B. mit dem Tone g beginnen und diesen sogleich stärker produciren wollen, dass dann bei diesem Tone bereits die Spannung der Stimmbänder etwas nachgelassen haben muß, während der Athem stärker aussiießt. Soll nun der folgende Ton a diesem g ganz gleich sein an Stärke, so muß er , nicht blos dieselbe Athemstärke, dasselbe Quantum Athem haben, sondern auch dasselbe Verhältnis des Nachlassens der Stimmbänder, oder mit andern Worten: in demselben Verhältnis, in welchem das Nachlassen der Bänder zur Athemstärke bei dem Tone g stand, in demselben Verhältnis muß auch dasselbe bei dem Ton a stattsinden. — Jeder höhere Ton beruht auf einer weiteren Spannung der Stimm- Länder, und dabei kann der Athem überall derselbe bleiben; bei Herstellung der gleichen piano gehaltenen Scala bleibt ja der schwache Athem immer derselbe, und dennoch ergibt sich durch die successrv größere Spannung der Sümmbänder, also durch Muskelthätigkeit die ganze Scala. Dieser Grad der Spannung, welcher bei piani88inu> am größten ist, wurde schon bei jenem stärkeren g, wovon wir eben sprachen, verlassen, etwas nachgelassen, nnd der stärkere Athem ersetzte das, was an Spannung abging, wodurch der Ton stärker wurde, indem dabei die etwas laxeren Bänder durch den stärkeren Athem in größere Excurstonen, Schwingungen versetzt, werden, als dies bei ges fpannteren Bändern mit schwächerem Athem der Fall ist. Sollen i also die folgenden Töne a, h, c, d rc. diesem stärkeren g entsprechen,! so müssen auch bei ihnen die schwingenden Sümmbänder ebenfalls - große Excurstonen machen, wie bei jenem g; d. h. es muß auch.bei ihnen von dem größeren Grad der Spannung der Stimmbänder, welchen diese Töne als höher liegende an sich haben müssen, jedesmal etwas nachgelassen werden, und zwar bei jedem Tone gerade so viel, als bei jenem § schon durch den stärkeren Athem ersetzt wurde. Die - Spannung der Stimmbänder nimmt somit auch bei dieser Art einer gleichen Reihe stärkerer Töne immer zu, während der stärkere Athem bei allen gleich bleibt; die Töne selbst aber bleiben sich gleich au ( Stärke deshalb, weil das Verhältnis der nachgelassenen- Spani nung der Stimmbänder zu der siL ersetzenden Athem^ärke dasselbe--bleibt.( ־>? : Gehen wir wieder aus von der Mittellage, so hat es keine Schwierigkeit, die Töne g, a, h, c, d etwas stärker, als in unserer ursprünglichen piano gehaltenen gleichen Scala, wir können kurz sagen mittelstark, und dennoch alle gleich au Stacke hnvsrzurufeu; auch die untere Lage wird sich bald ganz gleich mit ihnen herstetlen lassen; wir bekommen jedoch bereits auch nach Oben leichteren Spielraum, denn die höheren Tone e, fis, welche,piano, angeblasen! die Neigung hatten, als Falscttöne zu erklingen, verlieren.bei.stärkerem Athem diese Neigung und erstehen dadurch leichter als Brusttöne, indem jetzt der stärkere Athem bereits die Kraft Hatz, die in dieser,Lage schon sehr gespannten Bänder in ihrer ganze» Breite schwingen .zu machen. So haben wir also bereits eine (ziemliche Reihe von Brusttönen, welche einen ansehnlichen Grad von- Stärke besitzen; dadurch ist aber freilich der Uebergang ins Falset, welcher ja beim piano am leichtesten ist, schon schwerer .geworden, und es - i fragt sich nun, wie er hier — bei der stärkere» gleichen Scala — herzustellen ist? Durch das größere Athem-Quantum, welches die Töne starker macht, sind zugleich auch einige höhere Brusttöne möglich, als dies in der piano gehaltenen Scala der Fall ist; wenn z. B. sonst der Uebergang ins Falset aus dem Tone e statt fand, so erscheint jetzt e noch als Brustton, vielleicht auch noch f oder . fis. Der Uebergang ins Falset ist also etwas? nach oben gerückt, und wir gehen demnach bei der stärkeren gleichen Scala nicht mit jenem Tone e, sondern erst mit dem folgenden fis oder g ins Falset über. (Fortsetzung folgst) : \ Jarolch-am oder iite Theilung -es Reiches. ßm Wertrag zur züd. Geschichte u. AlLerthumskunde. Von M. Fried mann, Lector am Bct-Ha-Midrasch zu Wien. (Fortsetzung.) Diese egyptische Verfassung gibt das Postulat ab für die mo-. saische Gesetzgebung. ״Ich ,יהוד bin dein אלד,ים, der ich dich herausgezogen aus dem Lande Mizrajim, aus der Sclavenstätte, du sollst keine anderen אלד,ים haben mir zum Aerger." Dieses Verbot erstreckr . sich nicht nur auf Götzendienst und Abgötterei im Allgemeinen, sondern auch auf jene Regierungsform, wo Land und Volk als Eigenthum des Königs gelten und jede persönliche Freiheit des im Ebenbilde Gottes erschaffenen Menschen ausgehört hat. m,יד ist dein אלהים ist auch so viel wie dein אדונים- Ihm gehört das Land, deshalb ist Grund und Boden unverkäuflich. Bei der Festfeier der Aerenreife, der Ernte und des Einheimsens vom Felde! mußt du vor dem Landesherrru — האדן — in Dankbarkeit erscheinen. Au Stelle der Sclaverei bei Pharao sollen die Israeliten zu Sclaoen Gottes werden, weshalb sie sich seinen Geboten fügen muffen. Jedoch soll dies zugleich als ein Frömmigkettsact, d. h. als eine religiöse Handlung angesehen fein. Aus diesem Grunde darf Niemand sich zum Sclaven verkaufen; er hat kein Recht über seine Person, er ist der Sclave Gottes. Welch' wunderbare Gesetzgebung; Im eigenen Lande hat das Volk nur den Besitz und kein Eigenthum an Grund und Boden; die Israeliten sind wie Fremdlinge und Inwohner beim Ewigen, und in Folge dessen bleibt jedem sein Grund und Böden gesichert. Einem jeden nimmt die Gesetzgebung seine persönliche Freiheit,, sie macht ihn Zum Sclaven Gottes, und hiedurch, ist er geschützt vor