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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-01-29 · Heft 4 (29.1.1888) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 4 (29.1.1888)
Date
1888-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichiseh - ungarische H>rü«rnnera1io«spreis F-r V1r«rn-<ni1gn«»ee. G «.,;jährig fl. S — Halbjährig jl. 2.5V VikrtrljShrkg fl. 1.25 Rlchln 1tg««»er f . Ganzjährig . , fl. 6.— j Halbjährig fl. 3.— \ Vierr.ljäbriz ' fl. 1.50 i Für da» VtuSlaitb S Ganzjährig si. l 10 Mark ofcft 5 Nudel. f Organ ilie ^«teresstv DWr i üml ^MsbeflMten. Orscheiutjetzen achte« Lag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Mebactio« und Administration W t Mt, II., Novaragafle Nr. 27 Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 4. Wirn^ 2S. Januar 1888. 8. Jahrgang. Methodik -er Gesangskunst XV. Wenn nun ein Sänger es erreicht hat, seine Scala gleich piano herznstcllen, wenn er den Grad der Athemstärke, der Luft- Masse 'gefunden hat, bei welchem alle Töne ganz gleich zum Vorschein kommen, dann ist der feste Boden für alles Weitere-gewonnen, denn — und diesen Satz sollte kein Sänger je vergeffen^-- diejenige Lnstmasse, welche der Sänger braucht, um alle Töne seiner Scala gleich piano erklingen lassen zu können, welche somit im Zusammenhang jeden! Tone znkommt, eben dieselbe Lnstmasse muß er nun auch für jeden einzelnen Ton für sich allein, er mag liegen, wie er. will, festhalten. Dieses Volumen des Athems, mit welchem jeder Ton in der Scala allen übrigen Tönen gleich piano erscheint, muß er stets für jeden Ton haben, wenn er auch nicht einzeln austritt. Dieses ist so zu sagen, das primitive Athem-Volumen für jeden Ton; von ihm muß jede weitere Athem-Entwicklung ausgehen und zu ihm wieder zurückkehren. Derselbe schivache Athem also, welcher einem Ton in der Scala, als Glied der ganzen Reihe von Tönen, znkommt; ebenderselbe muß ihm auch als einzelnen für sich gegeben werden, jeder muß mit demselben schwachen Athem gleich piano begönnen werden. Dadurch wird ein stetiges gleiches Verhältnis zu den übrigen Tönen von vorn herein bewahrt, denn wenn auch in der Musik Töne als einzelne auftreten, so hat doch jeder einzelne Ton nur Werth durch sein Verhältnis zu den anderen Tönen, wie wir dies schon mehrere Mal andeuten mussten. Wir nehmen z. B. den Ton der Mittellage g, und reihen an ihn feine Terze h oder die Duinte d, oder die Octave g, oder das untere e 11. s. w., so fragt es sich, wie wir hier, trotz dieser zerstreuten Lage der Töne, dennoch der musikalischen Anforderung der Gleichheit aller dieser Töne genügen werden? Die Antwort kann nach dem Vorhergehenden nicht schwer fallen. Wir geben jedem Ton diejenige Stütke, welche sich bei Herstellung des gleich schwachen Athems für hie ganze Scala ergeben hat, dasjenige Athem-Volumen, welches jeder Ton in der gleichen Scala bekommen musste; dort waren alle Töne gleich piano, also find auch alle jene Töne g, h, d, g, e gleich piano, und ist hinsichtlich der Stärke kein Unterschied zwischen ihnen: ja auch wenn auf den tiefsten Ton der Scala unmittelbar der. höchste (Falsetton) folgen soll, und dies eine Distance von drei Octaven.ist, muß z. B. das tiefe g an Stärke ganz gleich sein dem drei Octaven höher liegenden g. Diese Uebung in Intervallen,׳ bei welcher kein Ton stärker sein. darf, als der,andere, bet welcher, kein Ton vorherschen darf vor. den übrigen, verlangt ganz besonders strenge Achtsamkeit auf die Thätigkeit des Athems; und der Grund, warum wir auch hier wieder, ebenso wie bei der zusammenhängenden Reihe, alle Töne erst nur piano verlangen, ist derselbe, wie bei Herstellung der gleichen Scala, weil sich dann auch die Töne der Falsetstimme sogleich in gleicher Linie und Stärke mit verbinden lassen: denn auch bei der Uebung in Intervallen hat es, wenn nur jenes primitive Minimum des Athems stets beibehalten wird, keine Schwierigkeit inehr, von einem tiefen oder mittleren Brustton aus sogleich auf einen Falsetton zu springen, und beide hinsichtlich der Stärke gleich zu produeiren. — Endlich aber haben wir durch Beides, durch die Herstellung einer gleichen, möglichst piano gehaltenen Scala, und durch die daraus gefolgte Feststellung des Volumens des Athems für jeden einzelnen Ton, des Weiteren auch noch den einzig richtigen und festen Boden gefunden, auf welchem alle Nüancirungen der Töne hinsichtlich der Stärke sich gründen, von welchem sie ausgehen und zu welchem sie wieder zurückkehren müssen, ob nun die Töne Zusammenhängen oder nicht; mit anderen Worten: wir haben die Einheit feftgestellt, auf welcher die mannigfaltge Nüancirung der Töne hinsichtlich der Stärke sich stets basiren muß, wenn nicht aus der Mannigfaltigkeit eine gänzliche Verschiedenheit werden soll. Und dies führt uns zu demjenigen Punkte, bei welchem die Lungen ihre Hauptthätigkeit zu entfalten haben. Dass zur Erzeugung eines Tons überall nur ein schwacher Athem nöthig sei, dass dagegen beim An- und Abschwellen eines Tones die Lungen ihre Hauptverrichtung haben, dies haben wir schon bei der Lehre vom einzelnen Ton mit physiologischer Gewissheit erkannt. Und ist dies schon beim einzelnen Tone der Fall, wie weit mehr noch beim An- und Abschwellen einer zusammenhängenden Reihe

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