Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-01-21 · Heft 3 (21.1.1888) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 3 (21.1.1888)
Date
1888-01-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453130-3453133--2383-3456625
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— © — Las Talmudstudium in Palästina in Stockung und Verfall zu geratheu Legann, Rabbi Sch^muel b. Joffe die treffende Bemerkung Machte, der Talmudist gleiche einem viele Goldstücke Besitzenden, der aber dieselben nicht an den Mann zu bringen vermöge, ״daume rmi schejesch b’jodau aschtaus schel sohow w£n jochaul l’hauzion," der Agadist hingegen. Einem, der recht viel kleines Geld besitze, das leicht zu verausgaben sei; dasselbe Gleichnis ist mit Rücksicht auf die religiösen Zustände der Gegenwart anzuwenden. Heutzutage gleicht sogar der Bibelgelebrte einem, der großen Neichthum besitzt, der aber außer Stande ist, denselben aus Interesselosigkeit und Indifferentismus der Zeitgenossen an den Mann zu bringen. Will man dieser düsteren Erscheinung auf dem jüdisch-religiösen Lebenshimmel auf den Grund kommen, muß die vielseitige Beschäftigung auf den vielen Gebieten der geistigen Erkenntnis in die Waagschale gelegt werden. Der im Garten der allgemeinen Wissenschaft die vielen Blüten und Früchte Sammelnde findet weder Zeit, noch Muße, in den tiefen Schacht der Bibelcommentare hinabzusteigen und deren Sinn zu erschließen, weil ihn! der Schlüssel hiezu fehlt, nämsich, die genaue Kenntnis der semitischen Sprachen; auch schreckt er Vor dem nicht zu bewältigenden Stoff zurück und legt in Folge dessen diesen Studienzweig ganz bei Seite. Diesem Uebelstande zu begegnen, das Interesse für das Bibelstndium zu wecken und der Gleichgültigkeit gegen das Forschen in der Lehre einen Damm cntgegen zu setzen, veröffentlicht Herr Baum sein Werk, in welchem in populär wissenschaftlicher Art schwierige Materien aus der Bibel erläutert werden; es regt den Fachmann zur Forschung an, dem Laien zeigt es. dass die Ideen der altersgrauen Bibel mit den gegenwartigen, zeitbewegenden der Cultur, Eivilisation und des Fortschrittes in Einklang gebracht werden können, und dass die heilige Lehre in Wirklichkeit ״das Buch der Welt" genannt zu werden verdiene. Den besagtes Werk Studirenden wird nicht der fast nicht zu übersehende Stoff zurückschrecken, weil dasselbe nur eine Auswahl wichtiger Bibelsätze entbält und mit Recht den sinnreichen Namen ״Matame Iizchak" führt. In den Mußestunden kann jeder die heilige Lebre Schätzende einen Einblick in dasselbe machen, um sich schmackhaste geistige Gerichte zur Belebung und Erfrischung seines religiösen Gefühles zu erkiesen Nur wollen wir eine Stelle aus dem uns vor- * liegenden Hefte herausgreifen, um dieselbe einer prüfenden Kritik zu unterziehen. In dem Artikel Nr. 290, S. XI wird die bekannt schwere Stelle ״pauked awaun owaus al bonim" folgender Art commentirt: Straft Gott der Väter Sünden, geschieht es nur für oder um der Kinder willen, seil, zum Besten derselben, damit sie nicht dem schlechten Beispiele der Eltern folgen. 2. Straft Gott die Eltern, bemisst er die Strafe immer mit Milde, stets mit Rücksicht ans die unschuldigen Kinder. Wir können nicht die Bemerkung unterdrücken, dass obige Exegese die Schwierigkeit des gedachten Satzes nicht tilgt und erlauben uns beifolgende Erklärung zu geben, ״?auked al bonim," straft Gott die Kinder, so weiß der Allwissende, dass oft eine schlechte Erziehung seitens der Eltern diese Sünden hervorgerufen habe, er straft sie daher mit Milde, in dem Bewusst-׳ sein, dass die Kinder nur durch der Eltern böses Beispiel der Tugend Pfad verlassen haben. Zum Schlupfe kann ich nicht umhin, obiges Werk sowohl den Religionslehreru, denen es obliegt, den Samen der Religion in's zarte Herz der Jugend zu streuen, als Handbuch, als auch Allen, denen unsere angestammte Religion heilig und tbeuer ist, als Lectüre angelegentlichst zu empfehlen. Möge dasselbe Eingang in die Häuser unserer Glaubensbrüder finden zur Erweckung und Belebung des religiösen Sinnes und zur Förderung des Bibelstudiums. תלמודה של 22ל* Lehrbuch zum Selbstunterricht rm babykomschen Gakirmd. Ausgewählte Musterstücke aus dem Talmud mit möglichst sinn- und wortgetreuer Uebersetzung des Textes und des Comwentars N a s ch i, mit sprachlichen und sachlichen Erläuterungen und mit einer Einleitung in den babylonischen Talmud versehen. Nach Materien geordnet und bearbeitet von Rabbiner PH.- Lederer in Marienbad. III. Heft enthaltend die wichtigsten Partien aus den! Traktate Chulin. — Der Talmud wurde seit seinem Abschlusse (Ende des fünften Jahrhunderts. S. Grätz, Geschichte der Juden, Band IV, Seite 409) unter den Juden ein Gegenstand eisrigen Forschens; selten gab es eine auch nur kleine Gemeinde, in der nicht mindestens einige talmudbeflissene Jünger zu finden waren. So verbreitete sich nicht nur die Wissenschaft und Kenntnis, sondern auch die Litteratur des Talmud wurde immer größer und wuchs so gewaltig an, dass jeder Gedanke, jeder Satz in diesem Riesenwerke hundertfach variirt erscheiul. Dieses durch mehr als ein Jahrtausend gehegte und gepflegte Wissensgebiet luivb heute außer Russland und Polen und in wenigen Gemeinden Ungarns fast ausschließlich an Seminarien noch gelehrt; in Gemeinden findet sich selten jemand, der diesem Wissenszweige noch Aufmerksamkeit schenkt. Dieser plötzliche Umschwung wurde nicht blos durch die geänderten Zustände allein herbeigeführt, sondern noch ein ganz anderer Umstand wirkte auf diese vollkommene Vernachlässigung des Talmudstndiums ein, und zwar fehlte cs von jeher an den! geeigneten Mittel zur Einführung in dieses Studium, zur leichten Erlernung dieser Disciplin. Der Unterricht, wie er bis vor vier Jahrzehnten ertheilt wurde, war nichts weniger als anlockend; es war eine qualvolle Procedur. Ohne System, ohne Vermittlung wurde das Kind nach den ersten kaum noch überwundenen Begriffen des biblischen Urtextes aus ein ganz fernes, ihm vollkommen fremdes Gebiet geworfen und so lange gedrillt und gepeitscht und geradezu gefoltert, bis der noch zarte kindliche Geist frühzeitig ge!veckt und gewaltsam angeifert wurde, aus dem kindlichen Gedankenkreise hinauszutreten, in die Ferne zu schweifen und höher hinauf himmelan zu streben. Das war kein Lehren, sondern vielmehr ein Attentat verübt auf die natürliche Entwicklung des menschlichen Geistes. Diese Gewohnheit hat sich bei den Juden so eingelebt, dass viele sogar mit hohem Bildungsgrade begabte Leute noch heute der Meinung sind, der Talmud könne nur nach dieser Schablone von anno dazumal giltig betrieben weiden; jeder andere Weg führt nicht zum rechten Ziele. Und das gerade Gegentheil davon ist wahr; denn diese Systemlosigkeit, diese geistermüdende und verkrüppelnde Methode — wenn man überhaupt dieses Pauken und Stampfen und Stoßen noch so nennen darf — dieses Gemaralernen mit Rippenstößen hat es mit sich gebracht, dass mir einem Schlage, abgebrochen wurde. Der Verfasser obigen Werkes zeigt.nun den Weg, wie man auch die Sprache des Raw Aschi und Nabina auf didaktischer Basis ohne viel Schwierigkeit erlernen kann; man findet gar bald heraus, dass dieses Idiom zu seiner Erlernung mindestens nicht mehr Schwierigketten bietet, als irgend eine andere altklassische Sprache, etwa Latein oder Griechisch. Und bei strenger Prüfung dieses Verfahrens muß man gestehen, dass es ein guter Gedanke war, dieses methodische Verfahren auf den Talmud in Anwendung zu bringen, um ihn auf diese Weise auch für die jetzige Jugend möglich zu machen. Was nun speciell das vorliegende dritte Heft anbelangt, so enthält dasselbe die schwierigsten Theile aus dem Traktate Chulin und behandelt außerdem etwa 10 Folioseiten aus dem Traktate Pesachim. Für denjenigen, welcher die zwei früheren Hefte dieses Werkes nach der vom Verfasser angegebenen Weise durchgearbeitet und aufgefasst hat, kann dieses dritte Heft keine Schwierigkeit mehr bieten. Jedem Lesestücke gehen sprachliche und sachliche Erklärungen einzelner Worte und ganzer Sätze voraus, denen der Text mit der sinn- und wortgetreuen Uebersetzung folgt; die durchlaufende Uebersetzung des Commentars Raschi ist in parentbesi beigefügt, so weit derselbe zum Verständnis des Inhaltes nothwendig erscheint. Wer eine gute Anleitung zum Studium des Talmud haben w ll, dem können wir dieses Lehrbuch, das sowohl von dem Verfasser, wie durch jede Buchhandlung bezogen werden kann, nur bestens empfehlen. Er wird daraus bei einigem Fleiße sein Ziel sicher erreichen. Kleine Chronik. Men. Die Kaiserin von Oesterreich hat durch ihre Verehrung Heines auch an Jehuda Halevi Interesse gewonnen und, um sich über den größten, neuhebräischen Dichter zu instruiren, hat sie nunmehr durch ihren Buchhändler von Herrn Prof. Kaufmann in Budapest dessen Schrift über Jehuda Halevi verlangt. — Die Kronprinzessin Stephanie, die feit frühester Jugend eine eifrige Pflegerin der Musik ist, hat sich vor Kurzem entschlossen, Gesangsstudien zu treiben. Der Professorin am Wiener Conservatorimn, Frau Selma Nicklas-Kempner, wurde die hohe Auszeichnung zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.