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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-01-21 · Heft 3 (21.1.1888) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 3 (21.1.1888)
Date
1888-01-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— 7׳ — Theil, die Gesangsstudien der hohen Frau zu leiten. (Bekanntlich ist Frau Selma Niklas-Kempner Jüdin. Troppau, 16.. Jänner. Gestern fand die statutenmäßige Generalversammlung der hiesigen Chewra K'discha statt. Bei Verlesung bes Thätigkeitsberichtes im abgelaufenen Vereinsjahre wurde unseres im vergangenen Jahre dahingeschiedenen Vereinsmitgliedes, des Herrn O bercuntor Blum, gedacht, und ehrten die Anwesenden das Andenken dieses Mannes durch Erheben von den Sitzen. Aus dem Rechenschaftsberichte konnten wir die erfreuliche Mittheilung vernehmen, dass der Verein einen Ueberschuss von st. 207 verzeichnen konnte; gewiss ein trefflicher Beweis für den Wohlthätigkeitssinn unserer Gemeinde. — Bei der Neuwahl wurde die vorjährige Vereinsleitung per Acclamation gewählt und für die Herrn Lindner und Sonnenschein, welche eine Wiederwahl nicht annehmen konnten, wurden die Herren M. Chon und Obercantor Singermann in die Vereinsleitung gewählt. Koric. Donnerstag, den 19. d. M., iü Herr Rabbiner Dr. Adolf Ehrentheil, der durch 33 Jahre in unserer Gemeinde in verdienstvoller und aufopfernder Weise wirkte, nach längerer Krankheit in seinem 64 Lebensjahre verschieden. Dr. Ehrenheil war auch k. k. Feldprediger des 3. Armeekorps. Das Leichenbegängnis findet Sonntag, den -22. d. M. statt Wreßkurg. In der Jokaer Synagoge kam es vor längerer .Zeit zu einer Auseinandersetzung zwischen den Gemeindemitgliedern Josef Fischer und Jakob Kohn. Als nämlich Fischer zu der Tempelestrade gehen wollte, um bei der Thoravorlesung zu assistiren, verließ Kohn ostentativ die Synagoge mit den Worten : ״Von einem Menschen, der am Sabbath mit einem Wagen nach Hause fährt, lasse ich mich nix belehren," worauf Fischer dem Kohn nachrief: ״So sollen Sie mit Ihren elf Kindern ersticken, wie ich bin am Schabbes gefahren." Nun sollen sich die Verwandten des Kohn zur ׳Estrade gedrängt und dem Fischer zugerufen haben: ״Entfernen Sie sich, sonst werden Sie hinausgeworsen." Kurzum, der schönste Skandal war im Gange. Die Staatsanwaltschaft erhob nun gegen Fischer die öffentliche Klage auf Religionsstörung. Es waren eine große Menge von Zeugen vorgeladen, unter Anderen auch der Jokaer Rabbiner Simon Löwy. Dieser deponirte, dass die Verlesung der Thora nicht zum eigentlichen Gottesdienste gehöre, doch hätte in den Augen frommer Juden ein vor der Thora gethaner Fluch eine erhöhte Bedeutung Zeuge meint aber, Kohn hätte, statt derart öffentlich aufzutreten, ihm, dem Rabbiner, und dem Gemeindevorstand früher von der Sabbath-Entweihung Fischer's Mitheilung machen sollen. Die Vertheidigung stützte sich darauf, dass K. den F. in der Achtung der Gemeinde habe herabsetzen wollen, und in Folge dessen der Ausspruch Fischer's mehr als eine Vertheidigung seinerseits aufzufassen sei. Uebrigens habe keiner der Zeugen behauptet, dass der Gottesdienst gestört wurde. Die Staatsanwaltschaft beanfragte dagegen die Bestrafung des Angeklagten Fischer wegen Religionsstörung. Der Gerichtshof schloss sich der Ansicht des Lertheidigers an und sprach Fischer vom Vergehen der Religionsstörung frei. — Bei der Beeidigung der Zeugen sind zwei Episoden zu erwähnen. Zeuge Goldberger suchte zweimal vor der Beeidigung seine Aussagen zu modifiziren und wurde deshalb über Antrag des Staatsanwaltes nicht beeidigt. Außerdem ersuchte der Rabbiner Simon Löwy den Gerichtshof, nachdem alle Zeugen israelitischer Confession waren, die ״Embleme" einer anderen Religion — wie er 1 sich ausdrückte — zu entfernen, welchem Begehren aber nicht in seinem vollen Umfange entprochen werden konnte. Es wurde blos das Kruzifix, welches vor dem Vorsitzenden stand, umgedreht. — Die Staatsanwaltschaft meldete die Berufung an. M. J. W. Sophia. Nach den Mittheilungen der »Alliance Israelite universelle« wurden zwei Israeliten zu Stadträthen in Sophia ernannt; sie erhielten die größte Majorität der Stimmen sämmtlicher Mitglieder; der eine von ihnen müsste ordnungsgemäß zum Bürger- Meister der Stadt ernannt werden, jedoch zwingt sie ihre nur ungenügende Kenntnis der bulgarischen Sprache, auf diesen Posten zu verzichten. —Am 19. Dezember hatten die isr. Schulen die Ehre eines Besuches ihrer königlichen Hoheit der Prinzessin Klementine, Mutter des Prinzen Ferdinand. Die Fürstin wurde vom Schulcomite und einigen israelitischen Damen empfangen. Ein Zögling der Mädchenschule bewillkommnte sie. Ihre Hoheit schien sich lebhaft für die Arbeit der Schüler za interestiren, und beglückwünschte, nachdem sie alle Elasten besichtigt, sowohl das Comite wie dir Lehrer. Als Andenken an ihren Besuch ließ sie ein Geschenk von 500 Francs zurück. Dieser Besuch machte auf die israelitische Bevölkerung von Sophia einer! vorzüglichen Eindruck. An die geehrten Herren MereinsmLLgkieder. Die geehrten Herren Vereinsmitglieder werden zu wiederholten Malen daraus aufmerksam gemacht, dass die Vereinsbeiträge nunmehr nur an den stellvertretenden Caffier, Herrn Cantor Moriz Blatt, II., Tempelgasse Nr. 3 zu senden find, und dass der Borstand für die an eine andere Adresse gesendeten Gelder keinerlei Garantie übernimmt. Der Worstarrd de« üsterr.-ungar. Eantoren-Bereine». Abonnements- und Insertionsbeträge sind in Wien zahlbar. Concuxs. Wegen Heiserkeit benöthige ich sofort zum Ersätze für mich auf einige Wochen einen ledigen Bal-Tefillah, der aueli den gesanglichen Theil an Sabbalhen zu versehen hat. Lefiek״ tauten wollen sich an den Gefertigten wenden. Floridsdorf, im Jänner 1888. Martin Zempliner. Cantor i. Floridsdorf. Gegründet 1793. CAHL GIANI jnn. Wien, VH. Bezirk, Weatbahnstrasse Nr. 21. Größtes Etablissement zur Anfertigung von Ornamenten für Synagoge» al; : rnr®. שולחן■ -Decken, ח81ח Gedeck-Tücher, יטליתים Thoramäntel und cmani 3c. 3c. streng nach d>m Ritus in künstlerischer. solider Ausführung. Die Inschriften werden unter Zuziehung eines anerkannten Fachmannes correct ousgesührt. Zahlreiche israel. Cultusgemeinden des In- und Auslandes, Wien, Arad» Szegedin, B. Leipa, Tabor, Nachod, Breslau, Podersam, Philadelphia 2e. haben ihren diesbezüglichen Bedarf im obigem Atelier ausführen lassen, und liegen darüber anerkennende Zuschriften auf. Provinz-Aufträge werden prompt effectuirt. Skizzen und Muster gratis und franco.!----- .....- -. Die von Josef ZETbexle SC Co. WIEN, TII., Seidengasse Nr 7. (im eigenen Hause,) empfiehlt sieh den P. T. Herren Cantoren und Compositeuren zur Anfertigung von Notenstich n. Notendruck als einziges, complet eingerichtetes Institut dieser Art im ln- und Auslands.

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