Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1888)
- Date
- 1888-01-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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andere^Mottheit angebetet hätten, und sie mussten es mit dem Todebüßen. Andere meinen, das Kalb sei überhaupt nicht als Verehrungsgegenständ angefertigt worden, sondern sollte als Talismann und abergläubisches Schutzmittel vor den Gefahren der Wüste dienen. Als Kuriosum, wie weit man sich verstieg, dem Wortlaut des Textes Gewalt anzuthun, möge noch die sonderbare Meinung angeführt werden, dass der in dieser Geschichte genannte Aharon gar riicht der Bruder des Moscheh sei, sondern ein anderes Individuum mit gleichem Namen habe eine solche Nolle gespielt. Bei einer genauen Prüfung des Textes kann als erwiesen angesehen werden, dass die Israeliten nicht von יהוה abgefallen sind; dafür zeugt klar der Satz: ויקרה אהרן ויאמר חג לה' מהר. Auch muß sich einem unbefangenen Leser bald ergeben/dass die Worte אלהים und אלהיך hier nicht Gott oder Götter bedeuten können, da das Volk nur einen Stellvertreter des Moscheh verlangt hat. Ein אלהים war aber auch Moscheh und es ist dies nur ein Titel, der jedem Obersten und Richter beigelegt wird. Dass dieser Titel dem Moscheh zugekommen, bezeugt eine Stelle ausdrücklich, wo es heißt: ויאמר ה׳ אל משה. ראה נתתיך אלהים לפרעה Die Schwierigkeiten also vor denen wir stehen, sind folgende: 3.) Wie soll ein goldenes Kalb Leu Moscheh ersetzen? b) Haben die Israeliten auch nur den Moscheh zu ersetzen beabsichtigt? Weshalb wird im Verlaufe der Erzählung von der großen Sünde gesprochen, dass sie sich goldene Götter (אלהים) gemacht, ferner, dass sie das Kalb angebetet und ihm geopfert? c) Endlich steht man vor einem Räthsel, denn welchen Sinn hätten dann die mit dem Kalbe in der Wüste indentischen Kälber Jarobham's? Was diese Kälber Jarobh-am's betrifft, so führt Rabbi J'hudah Halewi zum Beweise, dass sie nicht in götzendienerischer Absicht gemacht wurden, folgendes in's Treffen: ״Der Prophet Etijahü hatte den Kampf gegen die Baalsdiener ausgenommen. Neben und mit ihm lebten in Israel zahlreiche Propheten des wahren Glaubens. Warum .haben alle diese Propheten den Kälbercultus stillschweigend auf sich beruhen lassen? Lässt sich dieses Schweigen mit der Annahme ver- -einen, dass der Eultus Jarobh-am's ein Götzencultus gewesen? Dassrlbe beweist auch das Vorgehen des Königs Zehn; den Baalscultus hat er gänzlich ausgerottet, die Kälber jedoch ließ er gänzlich unangetastet in herkömmlicher Weise". Ganz dasselbe lesen wir auch bei Abrabanel, nur führt er noch als Beweis den Propheten Achia, d n Schilonitcn und den anonymen Propheten aus Judah an, von denen nirgends berichtet wird, dass sie den Kälbercultus auch nur getadelt hätten Ja, das Volk, sagt er, hat später gegen die Absicht Jarobh-am's diese Kälber abgöttisch verehrt, wie ähnliches mit dem gewiss unschuldigen Denkmal Gideons geschehen und auch mit der ehernen Schlange, die Moscheh gemacht hat. Merkwürdiger Weise schweigen diese Apologeten vom Propheten Hoschea. Dieser nimmt mehrmals Gelegenheit, den Kälbercultus scharf zu tadeln und mit beißendem Spo t die Kälber zu verhöhnen. Ebenso finden wir beim Propheten Amos, dass die Altäre zu Bethel und die Götter in Dan ihm Stoff zu Geißelreden bieten. Thatsächlich aber nniß man sich bei einer aufmerksamen Lectüre eingestehen, dass der Geschichtschreiber selbst es durchblicken lässt und nicht anders verstanden sein will, als dass die von Jarobh-am angefertigten Kälber später zum Sündenwerke geworden, und speciell jenes zu Dan, zu welchem das Volk gewallfahrtet. Was aber die Kälber bedeuten sollen? Hierin weicht Abrabanel von den übrigen Erklärern ab. Für ihn sind die Kälber Jarobh-am's nicht identisch mit dem Kalbe der Wüste. Um jedoch diese Kälber verschieden von dem in der Wüste darzustellen, blieb ihm nichts übrig, als dem Texte Gewalt anzuthun. Was also waren die Kälber Jarobh-am's? Sie waren politische Symbole, wie etwa die beiden Säulen ״Jakhin" und ״Boas", die Sch'lomoh als Denkzeichen seiner Regiernng und der seines Vaters errichten ließ. Joseph wird, nämlich unter dem Bilde des Rindes dargestellt, oder sagen wir, er führte dieses in seinem Wappen. Nun sollen diese Kälber als politische Symbole die Regierung Jarobh-am's auf Joseph zurückführen und sie als eine legale und nicht usurpirte darstellen. Dass er aber zwei solche angefertigt, geschah deshalb, weil das Haus Joseph sich inM'nasche und Ephrajim theilt. So weit Abrabanel. Dieser Blick war richtig. Aber unabhängig von diesem Commentator hatte es sich mir aufgedrängt, da׳s man es bei dem Vorfälle in der Wüste nicht mit einem Gottkalbe zu thun habe; vielmehr sollte eine Regierung an die Stelle Moschehs eingesetzt werden, welche durch das Kalb veranschaulicht wurde. Aber was für eine Regierung mochte dies gewesen sein? Hier kam mir Jarobh-am zu Hilfe. Das Kalb ist Ephrajim, sagte ich mir bald. Nennen doch auch die Propheten diesen Stamm ein Kalb. Dass Abrabanel, der eine richtige Erklärung für das Kalb in der Wüste, so zu sagen, schon in Händen hatte, diese sich entgehen ließ, rührt daher, dass er jene Kluft, die zwischen dem Hause Joseph und J'hndah bestanden, nicht in ihren Anfängen >n Egypten erkannt hat; auch mochte er sich nicht erklären können, weshalb es solchen Lärm hervorgerufeu? War es denn eigentlich eine so große Sünde, eine Regierung einzusetzen? Zum Verständniße, welches Verbrechen darin für Moscheh gelegen, und wie dies thatsächlich mit dem Fremdgötterdienste von gleicher Bedeutung gewesen, muß Folgendes vorausgeschickt werden. Die mosaische Staatsidee gipfelt in einem Satze, den Moscheh nach dieser Katastrophe in einer Unterredung, die er mit ,ייחור führt, ausspricht. Dieser lauter: Israel als Volk und Moscheh als Leiter und Führer dieses Volkes sollen sich urlterscheiden von jedwedem Volke auf dem ganzen Erdboden. Dies zu erzielen, hat Moscheh gestrebt. Dies ist der große Plan, den er irr seiner vierzigtägigen Einsamkeit auf dem Chorebh in Form von Gesetzen und Vorschriften zur Realisirung vorbereitet hat. Worin aber soll dieser Unterschied bestehen? Wir kennen die egyptische Verfassung. Das gesammte Land ist Eigenthum des Pharao; die gesammte Bevölkerung ist dem Pharao leibeigen; darauf basirt die Gesetzgebung und Verfassung Egyptens. Die Person des Regenten wird göttlich verehrt, Opfer und Räucherwerk werden der Statue des Königs dargebracht, der Eid wird ab» gelegt auf den Namen des Königs. (Fortsetzung folgt.) Wteratur. Watame Iizchak oder Geistesschatz der Bibel, besprochen von Dr. Abraham Loewy, Bezirks-Rabbiner zu Butschowitz. — Ein Theil des unter obigem Titel erschienenen Werkes, herausgegeben von dem den Lesern bekannten Sitteraten I. Baum, welcher den heiligen Zweck im Auge hat, das Bibelstudium zu fördern, um Gelehrten und Laien zu zeigen, welche Geistesschätze in dem tiefen Schacht der Torah verborgen liegen, liegt uns zur Beurtheilung und Besprechung vor. Die Motive, welche den Verfasser zur Herausgabe desselben leiteten, sind zwar im Prospecte illustrirt worden, doch können wir nicht umhin, darauf aufmerksam zu machen, dass benanntes Werk eine Lücke in der fast unübersehbaren Bibellitteratur ausfüllt und für die religiösen Verhättuiße der Jetztzeit ein Necessarium geworden ist. Wie dereinst zur Zeit der letzten Amoräer, als