Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1888)
- Date
- 1888-01-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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— 3 einen Gott, nnd sein reines Auge wird Gott schauen, sein unschuldiges Herz wird Gott suhlen. Ahnt und suhlt es aber den Unendlichen, dann lehrt es der Himmel mit seinem Sternenheer, der Frühling mit seinen Blnmen, der Winter mit seinen Schneeflocken den Namen Gottes nennen und kennen. Auf einer solchen Art und Weise, lehrt die Hagada, ist Abra- Ham zur Gotteserkenntnis gelangt. Wenn das damalige Menschengeschlecht noch keine Ahnung von dem Schöpfer aller Welten hatte, und jeder nach Willkür seine eigene Gottheit sich bildete, vor der er sich anbetend niederwarf, so war es Abraham allein, der schon als Kind über die Verirrungen seines Zeitalters weit erhaben, jenes unsinnige Treiben mit Verachtung ansah, und es wenigstens im Herzen ahnte, wie serne sie noch von jener Bahn, die zur Wahrheit sührt, sich allesammt befänden. Und so erblicken wir ihn eines Tages im stillen Nachdenken tief versunken, als eben die majestätische Sonne an einem heitern Morgen in ihrem schönsten Glanze aus des Meeres Tiefen sich erhob und mit ihrer Strahlenpracht Berg und Thal so schön vergoldete. Durch den herrlichen Anblick dieses glänzenden Himmelskörpers heilig begeistert, fällt er, voll der wärmsten Andacht, vor ihr zur Anbetung nieder, bält dieses wohlthätige Licht, das zur Beförderung des thierischen und Pfianzenlebens so viel beiträgt, für die Gottheit selbst nnd verharrt so im Verlaufe des ganzen Tages in diesem kindlichen Wahne, bis es endlich Abend geworden war. Die Sonne nahet sich gegen Westen, sie verbirgt ihr glühendes Antlitz immer mehr unter der höchsten Berge Gipfel, kaum ist noch ein flimmernder Lichtglanz auf den Wipfeln der Tannen sichtbar, endlich ist sie ganz verschwunden. Die Dämmerung breitet ihre düstern Schatten über das Erdenrund, Dunkelheit der Nacht umgibt alle Körper mit einem schwarzen Schleier, und der betende Knabe erwacht bet dieser Abwechslung ans seinem Jrrthume. Wenn dieses der wahre Gott wäre, rief er ans, warum dauert nicht für immer ihr wohlthätiges Wirken, warum diese Unterbrechung? Warum wird es stnsier vor meinen Augen, wenn dieses helllenchtende Licht das ewige Wesen selbst sein soll? Nein! ich war in der Täuschung, das ist nicht der Gott, den ich ahne, das allmächtige Wesen, der Schöpfer des Himmels und der Erde. Noch suche. ich meinen Herrn und Vater vergebens, ich ahne seine Gegenwart zwar bei jedem Schritte, wenn ich wache und wenn ich träume, doch wo mag sein erhabenes Wesen deutlicher zu finden sein? Und indem er so im Selbstgespräche einsam versunken sitzt, fallt der blasse Strahl des Mondes auf sein Antlitz, er blickt schnell auf, nnd o, welch' eine begeisternde Ansicht! Mit Miriaden Goldsternlein ist der dunkelblaue Himmelsteppich reichlich überstreut, die mit ihrem vielfarbigem Glanze den leuchtenden Mond nmschimmern. Diese überraschende Naturpracht, mit der heiligen Stille der Nacht gepaart, wirken auf sein frommes Gemüth derart, dass er sich selbst vergessend, d>n Mond wieder für die Gottheit, und die ihn umgebenden Gestirne für dessen zahllose Dienerschaft hält, die alle seinem Winke ehrfurchtsvoll entgegenharren, ein glänzender Hofstaat um seinen Herrscher versammelt. Doch auch dieser fromme Glaube soll bald mit dem dämmernden Morgenlichte aus seinem Innern schwinden. Rosenroth malt sich der östliche Himmel, die Finsternis der Nacht weicht allmählig, die Mondscheibe verliert zusehend durch das zunehmende Tageslicht ihren Glanz, die flimmernden Sternlein erblassen eines nach dem andern und verschwinden endlich ganz aus dem Gesichtskreise, nnd die ansgehende Sonne, seine gestrige Gottheit nämlich, stehet mm wieder in ihrer vollen Pracht vor seinen Augen da. Jetzt erst ermannt sich der denkende Abraham ganz, die Binde des Wahnes, der Schein der der Täuschung, lösen sich, sein geistiges Auge blickt freier, in seinem Innern wird es Heller und lichter, und es entkeimt in ihm der fromme Gedanke: Hier muß ein allmächtiger Urheber, ein großer Meist walten, der mich und alle Wesen aus Nichts, auf sein bloßes Geheiß ins Dasein gerufen, auf dessen Machtbefehl die Planeten alle auf- und untergehen. Ich bemühe mich vergebens, mir sein rein geistiges Wesen unter irgend einem Bilde vorzustellen, mir predigt jeder Grashalm, jedes Sandkorn seine unendliche Macht und Größe, und dieses ist hinreichende Belehrung für den beschränkten Staubgebornen, um jeden niedrigen Gedanken des Un- und Irrglaubens aus seinem Herzen zu verscheuchen. Ihn, diesen wahren Gott, will ich, bis mein Auge im Tode bricht, verehren und anbeten, will Irrende zurechtweisen, Unwissende belehren, und das heilige Licht der wahren Religion in allen Wohnungen meiner Zeitgenossen anzünden (Nach dem Buche Jaschar, S. 17), welches fromme Gelübde dieser gottergebene Patriarch bis an sein Lebensende treulich erfüllt hatte, wie Gott selbst ihm das glänzende Zeugnis ausstellt: ״Ich liebe ihn, weil er befehlen wird seinen Kindern nnd Nachkommen, dass sie beobachten den Weg Gottes, zu üben צדקה״ und משפט", Milde und Gerechtigkeit" (1׳, M. 18, 19). Milde gepaart mit Gerechtigkeit, das beste biblische Erziehungsmittel, wie es sich im ganzen Leben Abrahams kund gibt; der so gütige, mildevolle Mann scheute einen Krig nicht, stürzt sich in Gefahr, wo es galt das Recht zu vertheidigen. W.r. (Fortsetzung folgt.) Methodik der Gesangskunst. XIV. Schwieriger als bei der unteren und mittleren Lage ist die Herstellung einer ganz gleichen Scala in der höheren Lage, aber auch hier ist sie ebenso nothwendig, als möglich. Sie ist nothwenbig, denn auch in der höheren Lage entsprechen nur diejenigen Töne wirklich der Anforderung allseitiger musikalischer Brauchbarkeit, . welche piano begonnen werden können; und möglich ist sie dadurch,c dass die Natur selbst jeder Stimme in dem Falset-Regifter ein weitere Reihe von höheren Tönen verliehen hat, welche schon beim zartesten Hauche leicht ansprechen. Allerdings können durch Uebung auch noch einige höhere Töne an die Mittellage sich auschließen, welche gleich piano, also mit gleich schwachem Athem noch als Brusttöne erklingen; wenn z. B. die untere und mittlere Lage die zwölf Töne, die Octave von § bis g nebst der Qu in re g bis d umfasst, so werden sich die Töne e, k, 68 noch leicht ebru'0 piano dazu gewinnen lassen, wenn mau nur erst in der gleichen Haltung der unteren und mittleren Lage Sicherheit erlangt hat. Dennoch zeigt sich alsbald bei der Herstellung einer möglichst piano gehaltenen, ganz leichten Scala der naturgemäße Anfang der Falsetstimme, welcher nicht verwischt werderr darf. Sobald nämlich der schwache Luftstrom eben wegen seiner Schwäche nicht mehr ausreicht, die noch mehr gespannten Bänder ganz in Schwingung zrr versetzen, da tritt, wenn man nur die gleiche Schwäche der ausfließenden Luft oder das gleiche, geringe Maß derselben immer beibehält, der Ton von selbst als Falset zum Vorschein, wobei, wie bekannt, nur die inneren feinen Ränder der Stimmbänder schwingen. Sobald also der Sänger nur immer gleich schwach den Athem ausfließen lässt, ergibt sich die Stelle, wo naturgemäß die Falsetstimme beginnt, ganz von selbst: es wird dies derjenige Ton sein, welcher gleich piano angeblasen, wie die tieferen, nicht mehr als Brustton anspricht, d. h. bei welchem jenes geringe Maß der Athemgebuug nicht mehr fähig ist, die gespannteren Stimmbänder in ihrer ga zen