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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-01-05 · Heft 1 (5.1.1888) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 1 (5.1.1888)
Date
1888-01-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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thätigkeit; und das Ansatzrohr, welche streng beobachtet werden müssen-. - Wenn alle Töne einer Stimme jenen natürlichen Anfordederungen, -welche wir im ersten Theil aufgestellt haben, wirklich entsprechen, so haben sie offenbar schon eine gewisse Gleichheit erreicht: denn wir haben dann bereits eine Reihe von Tönen, welche, mit Entfernung des Schreiens, des Gaumen- und Nasentons, mit ruhigem schwachem Athen» durch die Spannung der Stimmbänder erzeugt sind. Und damit ist schon sehr viel gewonnen; denn betrachten wir die Scala von Natursängern genau, so werden wir alsbald, und zwar fast ohne Ausnahme finden, dass sie vielleicht einige Töne besitzen, welche von jenen Naturfehlern, dem geschrieenen, gequetschten und dem Nasenton, ganz frei sind, aber bei anderen Tönen dieselbm Fehler dennoch hervortreten, so z. B. bei Tenoristen die gequetschten Töne gewöhnlich von d bis g. Diese Naturfehler sind nun beseitigt durch die früher angegebenen Mittel, und mit der Forderung eines überall schwachen Athems und der Erzeugung der Töne durch die Spannung der Stimmbänder ohne alle unnöthige Beihülfe haben wir das natürliche Princip jedes guten Tones festgestellt: dies sind die primitiven Anforderungen, welche man an jeden Gesangton 'machen muß, indem er nur auf diese Weise leicht und gleichsam von selbst, ohne alle Anstrengung zu Tage tritt. — Wenn nun aber auch jeder Ton als einzelner für sich allein diesen Anforderungen entspricht, so handelt es sich jetzt darum, dass sich diese so beschaffenen Töne richtig an einander reihen, das Fortschreiten und die richtige Thätigkeit dabei ist jetzt die Hauptsache. Es darf ja in einem Musikstück ein Ton nie als einzelner für sich allein, sondern muß immer im Verhältnis zu den übrigen Tönen betrachtet werden, sowohl nach seiner Lage (Höhe oder Tiefe), als nach seiner Stärke und seinem Klang. Es handelt sich also hier vom Zusammen- Hang der Töne, d. h. von ihrer Gleichheit in der ganzen Reihe; und wenn wir im ersten, physischen oder physiologischen Theil die Töne nur als einzelne behandelt haben, so hat dieser zweite, mechanische oder technische Theil die ganze Reihe der Töne oder den Ton als Glied einer Reihe zum Gegenstände: jener ist die natürliche Grundlage von diesem, dieser nur die weitere Ausführung und Anwendung von jenem. Wohl in jeder Gesangschule wird vom Länger eine Gleichheit der Töne verlangt, aber nirgends haben wir gefunden, dass diesem Eapitel diejenige Beachtungzu Theil geworden. ist, welche seiner Wichtigkeit entspräche. Ja man fordert wohl die Gleichheit der Töne im Allgemeinen, aber wie sie zu erlangen sei, wird nirgends untersucht, und doch ist es gerade diese Untersuchung, durch welche die musikalische Brauchbarkeit der Töne ins Licht tritt. ״Ein Ton muß sein, wie der andere", hört man gar oft von Gesanglehrern sagen; aber wie schon jene primitiven natürlichen Anforderungen, welche wir im ersten Theil an jeden Ton gestellt haben, so ist ihnen auch die weitere Anwendung dieser Gesetze ein Räthsel. Allerdings weist uns schon ein einfacher, angeborener Sinn für das Schöne darauf hin, dass sich ein gequetschter Ton neben andern richtig erzeugten, ein geschrieener Ton neben andern mit schwachem Athem entstandenen, ein breiter voller Ton neben einem dünnen und kleinen, ein dumpfer neben einem Hellen nicht gut ausnehmen kann: denn es fehlt hier entweder alle Einheit ganz und gar, oder doch der zarte verschmelzende Uebergang, und immerhin ist der Abstand zu grell und darum schon dem einfachen natülichen Sinn zuwider. Diese natürliche Empfindung aber zu klaren Begriffen, uud die Mittel, jene Fehler wegzuräumen, zu bestimmten Gesetzen zu erheben, ist Sache der Schule. Dass alle Töne auf ein und dieselbe Weise erzeugt sein müssen, haben wir Won gesehen, nämlich bei Entfernung des Schreiens, Q uetschens und Näselns, mit schwache»« Athem durch die Spannmrg der Stimm» Länder (bet Brust- und Falsettönen). Diese natürliche Gleichheit, diese Einheit der physischen Erzeugungsart aller Töne ist das Re» sultat unseres ersten Theils, welches wir stets festzuhalten haben: es ist die nothwendige physische Basis. (Fortschung folgt.) Jarvbh-am oder -ie Theilung -5s Reiches. gut Antrag zur Geschichte «. Alterthrrrrrsürrrrde. Von M. Friedmann, Lector am Bet-Ha-Midrasch zu Wien. Die Geschichte der Völker bietet jene Erscheinungen im großen Style, die man bei dem einzelnen Menschen im Kleinen wahrzunehmen Gelegenheit hat. Bei Erscheinungen, deren Grund in dem Charakter, oder sagen wir, in der Psyche eines Volkes zu finden ist, ergibt sich dies daraus, dass ein Volk nur die Summe seiner In» dividuen ausmacht. Aber auch sonstige Erscheinungen lassen sich unter diesem Gesichtspunkte fassen. Man kann bei einem Volke wie beim Einzelnen die Kinderkrankheiten, die Alterschwäche und die gänzliche Auflösung beobachten. Besonders findet dieses Anwendung in Beziehung auf die staatliche Existenz der Völker. Mancher Staat geht durch einen zerstörenden Eingriff von außen seinem Untergange entgegen, mancher aber trägt schon in seiner ursprünglichen Bildung den Auflösungskeim in sich, »vie das Individuum, welches seinen organischen Fehler mit sich zur Welt bringt. Der erfahrene Arzt wird diesem eine bestimmte Lebensregel vorschreiben und demselben bei Beobachtung »vie bei Vernachlässigung dieser Regel seinen Lebenslauf voraus verkünden können. Ein solcher Arzt ist auch der Gesetzgebereines Volkes, wenn er dessen Gebrechen erkennt. Er ist der Prophet seines Volkes. Der Niedergang des israelitischen Reiches trat ein mit der Spaltung, die sich nach dein Tode Sch'lomoh's vollzog. Was sich später zutrug, war deren Consequenz, und wenn nicht geradezu eine nothwendige Folge, so stand es doch insoferir in Beziehrmg mit diesem Ereigniße, als dadurch die Widerstandskraft des Volkes geschwächt uud vermindert wurde. Dieser Aussatz beabsichtigt, vier Punkte dieses Ereignißes zu behandeln: a) Was waren die inneren Motive dieser Spaltung und wodurch war sie vorbereitet? b) Welche Bedeutung hatten die goldenen Kalbbilder, die Jarobh-a»n anfertigen ließ? c) Konnte Jarobh-am die Verdrängung der Söhne Aharons urrd der Leviten gesetzlich rechtfertigen? d) Welchen Charakter hatte das neue Fest, das er anstatt des Laubhüttenfestes eingesetzt hatte, und warum befürchtete er die gemeinsame Feier gerade bei diesem Feste, »richt aber bei Pessach und Schabhuoth? A. Das Staatsgebilde Israels trug von seinein Anbeginn den Keim der Auflösung in sich und hatte nur bestehen körrnen bei stricter Einhaltu>»g der erhaltenen Vorschriften und der ihin von seinem unvergleichlichen Gesetzgeber und Propheten Moscheh gegebenen Forin. Die heiligen Urkunden, die der Psalmdichter ״maschal" (Gedicht) und ״chidoth mini kedem" (Räthsel der Urzeit) nennt, erzählen von zwei hervortretenden Elementen, die verschieden waren von den übrigen manigfaltigen Bestandtheilen, woraus dieses Gesammtvolk sich gebildet hat: es waren dies Joseph, oder später hauptsächlich Ephrajim und J'hudah. Ein Psalmift charakterisirt sie mit Folgendem: Beim Auszug aus Egypten, — Des Hauses Jaakobh aus fremdsprachigem Volke. — Da gehörte J'hudah seinem (Jaakobh's) Heiligthume. — Israel war seine Herrschaft^

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