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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-01-05 · Heft 1 (5.1.1888) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 1 (5.1.1888)
Date
1888-01-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— e JHÜdah gilt als der Beschützer der alten Heikigthümer Jaakobh's, Wie das nach der Theilung des Reiches siattgehabt. Israel hingegen ' vertritt das politische Moment oder die Regiernngsgewalt unter den StWnmen. Nach den heiligen Urkunden ist näinlich das Haus Joseph Äräisch egyptischen Ursprungs. M'nasche und Ephrajim entstammen einer egyptischen Mutter. Auch lebten sie nicht abgesondert im Goschen, sondern im. eigentlichen Egypten. J'hudah mit den ihm untergeord- Akten Stämmen lebte isolirt im Lande Goschen. Bei diesen 'konnte das semitisch-ebräische Element unvermengt undungetrübt sich entwickeln. Dieser Umstand erzeugte auch die Charakterverschiedenheit, die der Psalmsanger gezeichnet. Das Haus Joseph, welche Be- Zeichnung zumeist mit Ephrajim an der Spitze gebraucht wird, genoss ein ererbtes Ansehen unter den übrigen Stämmen. Nach einer Sage veranstalteten die Ephrajimiten lange vor Moscheh eine Erhebung, das egyptische Joch abzuschütteln, doch der Versuch mislang. J'hudah mochte sie schon frühzeitig um diesen Vorzug beneiden und so entstand eine Rivalität zwischen diesen beiden Stammen, bald im Süllen, bald offen, die zu einem Antagonismus führte. Die levi- Äschen Priester scheinen schon in Egypten sich mehr an J'hudah gehalten zu haben. Es wird erzählt, dass Aharon die Schwester des Stammessürsten J'hudah's zur Frau hatte. Aehnliche Verschwägerungen mögen auch später nicht zu den Seltenheiten gehört haben; so hat J'hojada die Schwester des Königs Achasja zum Weibe. Moscheh beließ die Stämme in ihrer patriarchalischen Verfaffung, stellte aber das Gleichgewicht unter denselben her. Er Heilte sie in vier Gruppen und erhob R'ubhen, J'hudah, Ephrajim And Dan zu deren führenden Stämmen. Maßgebend hierfür war theils das ererbte Ansehen, wie bei R'ubhen, der von altersher als erster Stamm galt, und bei Ephraim, dem Bevorzugten im Hause Zoschchs, das in Egypten einen höheren Rang einnahm, theils das quantitative Uebergewicht wie bei J'hudah und Dan, wo bei J'huda Mch noch ein größeres Ansehen von früher dazu kam. Wäre es Moscheh gelungen, das Volk ansäsiig zu machen und seine Perfaffung praktisch durchzuführen, dann hätte Israels Geschichte einen anderen Entwicklungsgang genommen, als dies thatsächlich geschah. Deshalb sahen Propheten, Psalmdichter und Agadisten in dem, dass das Volk vierzig Jahre in der Wüste verbleiben mußte, den Keim oder die Ursache des späteren Geschickes dieses Volkes: Die Auslösung und der Untergar g seines Staates und Israels Zerstreuung unter den Völkern. J'cheskel sagt im Namen Gottes: ״Auch habe ich es in der Wüste geschworen, sie zu zersplittern unter die Völker und zu zerstreuen in viele Länder". Dasselbe sinden wir in den Psalmen und bei den Agadisten. Nach dem Tode des Moscheh übernahm J'hoschua die Führung des Volkes, er eroberte K'naan; Ephraim erhielt das Centrum des Landes mit offener Stromstraße im Osten und dem Meere im Westen. Er konnte mit seiner Rechten den Süden, mit seiner Linken dm Norden beherrschen. Sch'chem wurde zum Sitze der Regierung bestimmt uud Schiloh zur Stätte des Heiligthums, beide in Ephrajim. Die Vertheilung der Städte für ^Priester und Leviten hat derart staügefunden, dass die Aharoniden ihren Besitz größtentheils in ZHuda erhielten, deren Rivalen, die übrigen K'hathiden, aber in Ephrajim. Die Priester waren wie natürlich an die heilige Stätte Schiloh gefesselt und durch sie sollte J'huda im Zaune gehalten sein. Die übrigen levitischen Städte wurden plangemäß bestimmt, um das ganze Land unter den wachsamen Augen der levitischen Polizei G'Ww) zusammenzuhalten. So hatte J'hoschua den Ephraimiten die Führerschaft gesichert. Ans J'hoschua folgte die- Führerschaft Ephrajims, die män gewöhnlich die Richterperiode nennt. Le der besitzen wir keine eigetttliche Geschichte -jener -Zeitereignisse. Das Buch ״Richter" ist, wi? schon aus der oft wiederkehrenden Phrase: ״Zu jener Zeit gab es keinen König in Israel, jedermann konnte thun, was ׳ er:wollte" klar ersichtlich, unter dem Königthum und zu Gunsten desselben geschrieben; wahrscheinlich unter den Daviden, und zwar: mit der deutlich hervortretenden Absicht, jene ganze Periode herabzusetzen. - Manches aus dem genannten Buche, wie auch ein Psalm und ferner eine Rede des Propheten^ Jirmijahu eröffnen uns einen Einblick in jene Zeit. Wohl weiß das Buch ״Richter" von Ephrajim nichts zu erzählen, als dass dieses gegen die Retter Gideon und Jiphtach gemurrt, aber das D'bhorah-Lied verherrlichtEphrajim an der Spitze der zum Ruhm genannten Stämme. In einem Psalm lesen wir, dass Ephrajim ein tüchtiger Stamm mit geübten Bogenschützen war, wodurch er sich die Führerschaft errungen. Doch hat er sich am Schlachtentage nicht bewährt und seine Macht war gebrochen. Bezeichnend sind die Worte und die Schilderung, die der Psalmist von dem Untergange des Hauses Joseph und der Verwerfung Ephrajims entwirft. Wir glauben Jirmijahu aus den Ruinen Jerusalems zu hören, wenn der Psalmist uns den Untergang Schilohs vorführt. Es ist ersichtlich, dass Joseph-Ephrajim in der sogenannten Richterperiode eine viel größere Bedeutung hatte und eine wichtigere Rolle gespielt hat, als es der Schreiber des Buches ״Richter" verrathen will. Hierbei muß noch in Rechnung gezogen werden, dass der levitische Psalmsänger Assaph, dessen Tendenz gewesen, Jerusalem und die Daviden zu verherrlichen, auch kein Panegyrist Ephrajims sein will. Aus Jeremia erfahren wir, dass das damalige Israel den Namen Ephrajims geführt, wie seinerzeit den Namen J'hudas. Jerusalems Untergang und die gebrochene Macht J'hudas verkündet Jirmijahu unter Hinweis auf Schiloh und Ephrajim: ״Gehet doch", ruft er ״nach meiner Stätte, die in Schiloh war, wo ich meinen Namen vormals herrschen ließ nnd schauet, was ich an derselben gethan der Schlechtigkeit Israels wegen, und nun da ihr dasselbe thüt .... da werde ich ausüben an dem Hause, das nach meinem Namen genannt wird .... wie ich es in Schiloh gethan und werde euch aus meinem Gesichte wegwerfen, wie ich weggeworfen alle eure Brüder den ganzen Stamm Ephrajims." Wollen wir jene Periode richtig erkennen und würdigen, so müssen wir uns Schiloh wie das spätere Zion und die Herrschaft Ephrajims wie die J'hudahs denken, und den Untergang Ephrajims und Schilohs gleichstellen dem Untergange J'hudas und Jerusalems durch N'bhukhadnezar. Thatsächlich finden wir in einer absichtslosen Notiz die richtige Bezeichnung dieses ersten Unterganges 711^ (״עד יום הארץ). (Fortsetzung folgt.) Vereiusnachrichten. Für die Witwe des verstorbenen Collegen und Vereinsmitgliedes, I. Blum, Troppau, sind weiters folgende Pflichtbeiträge per 1 fl. eingelaufenI. Weiß, Tobitschau; A. Krämer, Freudenthal; S. Weiß, Ung.-Brod; A. Freisinger, Pilsen; A. Adler, Ung.- Hradisch; S. Beinkeles, Snehomast; H. Lembcrger, Kuttenvlan; L. Blum, Schlan; A. Singer, Neubidschow; M. Papo, Wien; A. Nähnadl, Tachau; S. Notter, Polna; I. Pssamentir, Humpoletz; S. Neumann, Ober-Hollabrunn; Th. Fleck, Wien; C. Grünfeld, Wien; W. Löwensohn, Eibenschütz; L. Grünhut, Klosterneubürg; B. Haas, L. St., Miklos; L. Rosenberger Komotan.

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