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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-01-05 · Heft 1 (5.1.1888) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 1 (5.1.1888)
Date
1888-01-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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gaßen der König und seine RLthe des ganzen Vorfalls, Abraham \ tonnte die Höhle verlassen, begab sich zu Noa, besuchte die Schule! des Sem und blieb daselbst neununddreißig Jahre. Fragen wir nun, wie mag diese Mythe entstanden sein, finden sich gar keine Anhalrspunkte dazu in der Bibel, ist sie so ganz aus der Luft gegriffen? Zwei wichtige Momente, welche in dieser Sage Vorkommen, die Erscheinung der Weisen Babyloniens am Sternenhimmel und das Gleichnis Terach's, womit er dem König angedeutet, wenn er ihm seinen Sohn nimmt, wozu nützen ihm die irdischen Güter, lasten vermuthen, dass diese Mythe aus folgender Bibelstelle gestoffen ist (1. M. 15, 1—6): Gott sprach zu Abra- Ham, fürchte Dich nicht Abraham, Dein Lohn soll sehr groß sein, und Abraham sprach: Ewiger Gott, wozu gibst Du mir, da ich keine Nachkommen habe. Da führte ihn Gott hinaus in's Freie und sprach, schaue doch hinauf zum Himmel und zähle die Sterne, ob Du sie zählen kannst, so zahlreich werden Deine Nachkomen sein. W.r. (Forschung folgt). Methodik der Gesangskunst. XII. Wenn auch das Ansatzrohr die Hauptfunktion bei der Nüancirung des Tons hinsichtlich des Klanges hat, so haben doch auch hier die beiden anderen Factoren immer mitzuwirken. Eine andere Art der Athemgebung bringt auch einen andern Klang mit sich; besonders deutlich zeigt sich dies bei der sogenannten heimlichen Stimiue, welche auf einem möglichst tief genommenen Athem beruht. Als oberster Satz muß aber hier immer dieser gelten, dass die Wahl״ des Tonklangs vor Allem nach einer bestimmten geistigen Erregung und Sttmmung sich richtet: das Ansatzrohr ist dann freilich das nächste Mittel zur Aenderung des Klanges. Es lasten sich jedoch die Erregungen der Seele nicht trennen von einer gewissen Erregung auch des Körpers. Der Geist wirkt unmittelbar ein auf die Leiblichkeit, und die Art der Athemgebnng sowohl, als die Jntension der Muskeln und der gespannten Stimmbänder wird dadurch von selbst eine andere, je nach der Stimmung der Freude oder des Schmerzes und je nach dem Grade dieser Empfindungen selbst. Dies äußert sich denn auch sogleich im Klange des Tons, und beide Factoren, Lunge und Muskeln, wirken somit auch hier, jedoch in untergeordneter Weise, mit. Bei Sängern freilich, welche nicht selbst auch innerlich ergriffen sind, verschwindet dies, eben deshalb aber fehlt ihrem Gesang das innere Leben, die innere Wahrheit, sie sind kalt und lassen kalt. Wir haben somit eine doppelte Tonfarbe, eine Helle und eine dunkle; wie wird nun der gute, künstlerisch gebildete Ton klingen, wenn auch noch keine Sprache sich damit verbunden hat, wenn sowohl Mundals Schlund-Oeffnung in ihrer ruhigen Haltung sind, oder vielmehr, wenn keiner von diesen beiden Theilen des Ansatzrohrs vorzugsweise weit geöffnet ist? — Der gute Ton wird weder Hell, noch dunkel, sondern die Mitte beider sein, zwischen a und u: er wird so zu sagen farblos, der noch reine Hauch sein, der zu Beidem, zum Hellen und zum Dunklen mit ihren vielen Abstufungen die Fähigkeit in sich trägt, für beides empfänglich ist, so dass nun die Sprache und d'ie Empfindung nur hervortreten darf, um ihm die beliebige entsprechende Farbe zu geben. Dies ist der primitive Klang des Kunntons, der von aller unnöthigen materiellen Beigabe (Kehl- und Nasenklang) entkleidet, den wahren noch rein-materiellen Wohl- Nang und Metallgehalt einer jeden Stimme sogleich offenbart und nur vom Geiste seine Erfüllung erwartet. Von selbst versteht es sich, dass mail diesen primitiven Klang mit Worten nie so beschreiben kann, dass diese genügten, um ihn dem Schüsex, durch das ׳bloße Lesen seiner Beschreibung beizubringen: man kann immer nur sagen, was dieser Klang nicht ist, nämlich kein a, kein u, kein o 2c., überhaupt noch gar kein bestimmter Vokal. Aber was er positiv ist, wie er rvirklich klingt, das kann man nur durch das Hören desselben selbst bestimmt erkennen. Auch gibt es kein Instrument, welches diesen primitiven Klang auch nur annähernd hervorbrächte; der Schüler kann dies nur von einem Lehrer lernen, welcher selbst kunstgebildtter Sänger ist und ihm diesen Klang durch eigenes Vorsingen zum Ohr und damit zum Bewusstsein bringt. — Aber auch dieser primitive Kunstton ohne Sprache ist immer noch natürlich bestimmt, nicht btos hinsichtlich der Stärke, sondern auch hinsichtlich des angeborenen Klanges selbst, durch die verschiedene Beschaffenheit der das Ansatzrohr bildenden Theile und ihre verschiedene Resonanzfähigkeit, daher jede Stimme ihr eigenthümliches Timbre hat, sowohl in dunkler als in Heller Klangfarbe, und darin eben besteht der — ich möchte sagen — persönliche Reiz jeder Stimme, sowie die Schwierigkeit für den Lehrer, welcher die individuelle Stimn-Begabung des Schülers genau erkennen muß und nie verlöschen, sondern nur ausbilden darf. .. Und so haben wir nun einen Ton, welcher nur durch die natürlich nothwendigen Mittel, ohne Beihülfe erzeugt und ohne Beigeschmack ausgeströmt ist, einen Ton, der eben darum durch die Theile des Ansatzrohrs ganz modulirbar und doch immer richtig ist. Beides, die Erzeugung und Nüancirung des Tons, ist von einander unabhängig geworden, Keines hindert das Andere: der Kehlkopf hat seine Unabhängigkeit erlangt vom Ansatzrohr, und dieses (besonders die Zunge) von jenem; jedes kann, ungehindert dnrch das Anrere, eine freie Thätigkeit entfalten. Diese Unabhängigmachung, diese Befreiung aus unnatürlichen Banden war unser Ziel. Die freie Thätigkeit der Zunge und Lippen ist nun fähig, bei fortlaufendem Ton die Sprache zu bilden (was nie ordentlich der Fall sein könnte, wenn die Zange noch steif und zu andern Dingen verwendet wäre); und der von aller Beihülfe befreite Ton ist fähig, ohne Beigeschmack rein mit der Sprache sich zu verbinden, und die vielen verschiedenen Erregungen der Seele durch die Wahl der Tonfarben und ihrer Uebergange in einander, unter Anwendung verschiedener Grade von Stärke ganz nach freiem Willen wiederzngeben. Wir haben den Ton von jedem unnöthigen, materiellen Beigeschmack befreit, nun ist er fähig, durchsichtig für die Seele zu sein und ihr allein zu dienen: die materielle, physische Seite des Tons ist so flüssig, so nachgiebig geworden, dass der Geist aus ihr machen kann, was er will. Die Materie ist dem Geiste unterworfen. Wie sich jedoch die Seele in Sprache und Ausdruck mit diesem richtigen Tone verbindet, werden wir erst später sehen, zuvor müssen wir noch den Ton als Glied einer Reihe betrachten. Bisher haben wir die allgemeinen Anforderungen an jede guten Ton, wie sie von der Natur selbst vorgeschrieben sind, erkannt. Alle Töne müssen diesen Anforderungen vor Allem entsprechen, weil sie die natürlich gebotene Grundlage und nothwendige Voraussetzung jedes weiteren Studiums bilden. Auf dem bisherigen physiologischen Theil ruht der folgende, mechanische oder technische Lheil. Beide sind aber nicht ein und dasselbe, denn wenn jener jeden Ton als einzelnen für sich allein behandelte, so hat dieser es mit dem Ton als Glied einer Reihe, d. h. mit der Scala, mit der ganzen Reihe der Töne zu thun, und es entstehen bei Aneinanderreihung der Töne, bei Herstellung einer gleichen in der Musik brauchbaren Reihe von Tönen ans jener Grundlage noch weitere neue Gesetze I für die Handhabung des Athems sowohl, als für die Muskel-

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