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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-01-05 · Heft 1 (5.1.1888) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 1 (5.1.1888)
Date
1888-01-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — mannigfache Freude, so wahrhafte Befriedigung, solche rein künstlern chen Genuss geboten. Ob in der freien Natur Lerchenklang unser Ohr berührte oder ob die Winterstürme gewaltsam unser Haus umtobten; ob Glück und Besecligung unser Herz erfüllte, oder ob auch düstere Schatten und schwere Sorgen uns umgaben, immer und immer fanden wir in dem Lewandowski'schen Buche Todah wesimrah die rechte Illustration für die momentane Stimmung. Es erschien ,!ns demnach wie ein Frevel und eine Versündigung am Guten und Edlen, wenn wir jetzt am Schlüsse unserer Erörterungen über die Lewandowski'schen Synagogengesangs-Werke es nicht rückhaltlos anssprächen, dass dieselben ihrem ganzen Umfange nach, als meisterhaft gearbeitet sowohl für die Aufführung in unseren Gotteshäusern, gleichzeitig aber auch als Ruhmeshalle der synagogal-gesanglichen Bestrebungen des 19. Jahrhunderts für komwende Geschlechter hingestellt werden müssen. Deshalb ergeht an all' diejenigen, denen die künstlerische Entwicklung des Synagogengesanges wahrhaft am Herzen liegt, die stehende Aufforderung, dafür zu sorgen, dass der falschen Münzen immer weniger werden und das redlich erworbene, ehrliche Geld zur alleinigen Werthschätzung gelange. Unsere, d. h. die synagogalen Musikzustände wären schon längst bessere geworden, wenn nicht alles Neue auch als selbstverstündlich zweckentsprechend begrüßt und gefördert und hiedurch die echte Bestrebung an der freien Entfaltung gehindert worden wäre. Darum sorget ehrlich und unverdrossen für die weitgehendste Verdreitung der von Lewandowski veröffentlichten Syuagogengesangs- Werke, in allererster Reihe jedoch für die Verbreitung des Buches Todah wesimrah. (Fortsetzung folgt.) Wahrheit und Dichtung. (Bilder aus dem Leben der Erzväter, historisch, allegorisch, mytisch und exegetisch.) II. Geburt Abrahams. Es wird in der Bibel nur erzählt: ״Terach zeugte den Abram" (I. M. lj, 27), gleich darauf folgt seine Verehelichung mit Sarah. Zwischen der Geburt und Verehelichung besteht eine große Lücke in der Lebensgeschichte dieses seltsamen Mannes, und eben diese dunkle Seite gab Veranlassung zu mancher Mythe, wie wir sie in den hagadischen Schriften finden, besonders aber in dem Buche ״Jaschar" (ספר הישר), welches, wie in der Vorrede zu diesem Buche bemerkt wird, zur Zeit der Zerstör ung des zweiten Tempels durch die Römer, gefunden wurde. Wir lesen darin über die Geburt Abrahams Folgendes: Es war eine schöne, heitere und wolkenlose Nacht, als die Großen und Weisen des babylonischen Reiches in dem Hause des angesehenen Heerführers Terach in Menge sich versammelt hatten, um an der Familienfeier, bei Gelegenheit der Geburt seines Sohnes Abraham, den herzlichsten Antheil zu nehmen. Im traulichen Zirkel blieben sie beisammen, überließen sich der Lust einer ungestörten Freude, und die Mitternachtsstunde war schon längst vorüber, als sie das Mahl verließen und jeder in seine Wohnung zurückkehrte, um zur Ruhe sich zu begeben. Während deffen sie so im Gespräche über die stille Straße wandeln, erheben sie plötzlich den Blick nach dem blauen Himmel, von welchem zahllose Sterne in ihrem Goldglanze ihnen entgegen, stammten. Und o, welch' ein Wunder! Sie sehen gegen Osten einen Planeten von ungeheurer Größe aufsteigen, der mit vier anderen aus verschiedenen Weltgegenden zujammenstoßt, sie allesammt verdeckt und aus dem Gesichtskreise wieder verschwinden lässt. In einem solchen abergläubischen Zeitalter, das aus den verschieden«!:- tigen Bewegungen der Himmelskörper seine Ankunft oft zu lösen glaubte, kann eine derartige Lusterscheinung nicht gleichg ltig bleiben. Gleich nehmen sie Zuflucht zu Deuteleien und Auslegungen, bringen diese seltene Naturerscheinung in Einklang mit dem Kinde, deffen Geburtsseft sie eben gefeiert hatten, und folgern die prophetische Vorbedeutung, dass auch dieses Kind einst als großes Licht mit seinem Geiste die Welt überstrahlen und das Heidenthum niederschmettern und vernichten werde. Tags daraus begeben sie sich allesammt zum Könige Nimrod, machen ihn aus das wunderbare Ereignis aufmerksam und rathen ihm zugleich einstimmig, frühzeitig schon die Gefahr zu beseitigen und den neugeborenen Sohn Israels, bevor es zu spät geworden, aus der Welt zu räumen. Und der thörichte König Nimrod, mit Blindheit seines Zeitalters selbst geschlagen, wird von der Furcht und Angst so plötzlich ergriffen, dass er sogleich um Terach schickte, und bietet ihm königliche Schätze für das Leben seines neugeborene!: Knäbleins an. Doch was vermögen alle Güter dieser Erde über das Herz eines zärtlich liebenden Vaters? In seiner großen Bestürzung und Verlegenheit wollte Terach den König von seinem unnatürlichen Verlangen durch ein Beispiel, das er ersonnen, abbringen. ״Der König war so gnädig," sprach Terach, ״zufolge meiner schwachen Verdienste, mir ein Ross als Geschenk und Auszeichnung zu ertheilen, desgleich n man weit und breit nicht findet. Run kam gestern ein Mann zu mir, bot mir eine große Summe Geldes für dasselbe an und noch dazu, alle meine Magazine mit Futtervorräthen zu füllen, wenn ich ihm das kostbare Thier überlasse." ״Das wäre sehr thöricht vom Dir, ein solches Geschäft einzugehen," entgegnete Nimrod. ״Solltest Du ein Geschenk des Königs so geringfchätzen und bist Du nicht reich genug, um ein solch' seltenes Thier für Geld zu vertauschen. Und was diese Futtervorräthe betrifft, wozu sollen Dir diese, wenn Du kein Pferd hast?" Daraus antwortete Terach : ״Ichbitte, mein Herr und König, das ist ja auch meine Ansicht. Ist ein Kind nicht auch ein kostbares Ding, ein Geschenk der Götter, wäre das nicht ein Frevel, wenn ich es für Geld preisgeben möchte, und wozu soll mir überhaupt Reichthum, wenn ich kein Kind habe?" Als der König diese Worte und dieses Gleichnis hörte, durch seine eigene Ansicht gefangen, da entbrannte sein Zorn sehr, und Terach merkte, in welche Gefahr er sich gebracht hat. Da fasste er sich schnell, um nicht ganz in Ungnade zu fallen, fügte er sich zum Scheine dem Wunsche des Königs zu erfüllen, ihm feinen Knaben auszuliesern, ohne jede Vergütung, nur bat er um drei Tage Zeit, damit er die Mutter darauf vorbereiten kann, sie für die Angelegenheit des Königs zu gewinnen, ein Mutterherz verdient doch diese Schonung, und der König ging darauf ein. Während dessen findet der bedrängte Vater Dtuße, das bedrohte Kind sammt einer Amme heimlich sortbringen zu lassen, verbirgt sie beide in eine Höhle, um den eifrigen Nachforschungen des Königs glücklich zu entgehen, wo er sie heimlich verpflegte. Am dritten Tage forderte der König sein Opfer von Terach, mit der strengen Drohung, wenn er sein Versprechen nicht erfülle, ihn und sein ganzes Haus zu vernichten. Aber Terach wusste Rath; in derselben Nacht, als Abraham das Licht der Welt erblickte, ist auch eine Sclavin mit einem Knaben entbunden, diesen brachte Terach statt seines Sohnes dem König, der sich täuschen ließ und den Terach dafür reichlich belohnte. Zehn Jahre blieb Abraham unew deckt nt der Höhle, und Gott war mit ihm. In der Meinung, das gefährliche Kinh Terach's getödtet zu haben, ver^

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