Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 41 (18.12.1887)
- Date
- 1887-12-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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der Träger der - erhabenen -Gottesidee!. Er nannte sich anfänglich *Ab-ram», erhabener Vater, doch wurde dieser Name dem Gebrauche -er Morgenlander gemäß, die bei außerordentlichen Bege- Lenheiten ihres Mens ihren Namen vertauschten, in »Abraham« umgesetzt, als ihm die Hoffnung ward, der Vater einer Menge von Völkern zu werden. Seine Gefühle und die der Pattiarchen, welche ihm folgten, bieten besonders als Sittenschilderung eine Reihe kleiner, durch Sinn und Ausführung gleich merkwürdiger SittengernäLe dar, nnd wie viele Zeugniße gibt es, um ihre Treue zu er-: weisen. Noch in unseren Tagen glaubten viele Reisende, indem sie Arabien durchzogen, unter die Zelle Abrahams versetzt zu sein, dieselbe Gastfreundschaft, dieselbe Einigkeit der Familie, dieselbe Achtung vor dem Haupte derselben, dieselben Arbeiten, dieselbe Phy. siognomie, dieselben Gebräuche, alles endlich rief die Erzählungen in ihr Gedächtnis zurück, mit denen man sie in ihrer Kindheit eingewiegt, hat und versetzte sie, wie wider ihren Willen, in die Wiege der Menschheit. Abrahams Vater war ein Götzendiener, so wurde auch er als Kind in diesem Irrglauben erzogen. Aber schon als dreijähriger Knabe soll er — nach der Hagada — Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, erkannt haben. Alle seine Gedanken strebten seinem zu diesem Wesen hin, alle seine Wünsche wollten nur die Beziehungen desselben zum Dasein des Menschen begreifen; so dass daraus ein anhaltendes Nachdenken, ein geistiger Umgang mit demselben, Visionen und Extasen entstanden. Abricham wurde von seiner Umgebung ״Fürst Gottes" genannt;*er war ein Mann von höherem Verstände:und großer Beredtsamkeit, der den Menschen eine weit vollkommenere Kenntnis Gottes mittheilte, als sie vor ihm besaßen. Und wenn auch diese Eigenschaft wohl in der Bibel nicht ausdrücklich betont wird, so ist doch eine weise Beredtsamkeit vorauszusetzen bei einem Manne, dem von Gott die Aufgabe zutheil wurde, die Menschen zu belehren und zu bessern, ״auf dass es ein Segen werde für alle Geschlechter der Erde". Die niedrige Stufe der Cultur, auf welcher die damaligen Menschen standen, die nur für das Sinnliche Begriff und Verständnis hatten, zur Verehrung und Anbetung eines ewigen Gottes zu bewegen, den man nicht sehen und nicht fassen kann, wahrlich dazu gehört eine Überzeugungskraft und eine Beredtsamkeit, welche besonders hervorgehoben zu werden verdient. Abraham war der erste, der es behauptete, dass Sonne, Mond und Sterne keine selbstständige Kraft besäßen und dass sie einer höheren unsichtbaren Kraft unterworfen seien, welche ihre Bewegungen anordnen. Die Chaldäer und die allderen Völker Mesopotamiens konnten auch seine Lehren nicht ertragen und thaten sich wider ihn auf. Damals mag auch der Gottesbefehl an ihn ergangen sein: ״Ziehe fort von deinem Lande, von deinem Geburtsorte, verlasse dein Vaterhaus und ziehe in das Land, das ich dir zeigen werde, nach Kanaan." W.....1*. (Fortsetzung folgt.) Methodik -er Gesangskuust. X. Es gibt aber auch Lehrer, welche trotzdem dem Munde eine größere Mitwirkung bei der Ton-Erzeugung vindiciren, indem sie behaupten, dass zur Erzeugung verschiedener Töne auch eine verschiedene Mundöffnung, bei den höchsten Tönen also die größte MundöAnrng nöthig sei. Ganz einfach widerlegt sich diese Ansicht durch Versuche, indem man alle Töne bei ganz abgeschnittenen Ansatzrohr hervorbrachte, und jeder Sänger kann sich an sich selbst überzeugen, dass er seine ganze Scala bei derselben mäßig weiten Mundöffnung erzeugen kann, wenn er nur denselben schwachen Athem überall beidehält, d. h. jeden Ton in gleicher Stärke singt und bei Zeiten ins Fasset übergeht. Die größere ödere geringere Mundöffnung ist jedenfalls eine bloße Mit oder Nebenbewegung und erscheint somit bei der Ton-Erzeugung passiv, nicht activ wirkend. Eine mittlere Mundöffnung reicht überall hin. Schon im Vorhergehenden haben wir bei Feststellung der einzig richtigen Funktion bei Erzeugung der Töne nach ihrer Höhe und Tiefe gesehen, dass cs falsch ist, wenn man gewisse Theile des Ansatzrohres als active Beihilfe zur Erzeugung der Töne benützen will, und die so entstehenden Töne mit einem hiefür gewöhnlich gebrauchten Ausdruck kurzweg die gequetschten genannt. Wir müssen nun auf diesen Fehler naher eingehen. Die dabei angewandten Theile sind die zunächst am Kehlkopf liegenden, die Mandeln. und der Hintere Theil des Zungenmuskels; jene werden zu diesem Zwecke zusammengezogen und die Zunge wird hinten hinabgedrückt; es entsteht so ein Druck von der Sette durch die Mandeln und von oben durch die Zunge. Durch beides aber wird der llächste Raum am Kehlkopf verengt und die Luft gehindert, frei heraus über die glatt liegende Zunge wegzugleiten. Es ist also bei den gequetschten Tönen, welche man auch Gaumentöne oder Kehltöne nennt, ein doppelter Fehler, im Ansatzrohr zugleich vorhanden, der eine liegt in der Annäherung der Mandeln, der andere in dem Hinabdrücken der Zunge. Eben darum können auch .diese Töne nur durch Anwendung eines ebenfalls doppelten Mittels beseitigt werden, und diese sind die Auseinanderhaltung der Mandeln (Ausweitung des Raumes um den Kehlkopf herum, des Schlundes) und die Legung der Zunge. Wie wird jene, wie diese bewerkstelligt? Jene dadurch, dass man. irgend einen beliebigen Ton, den man sonst hell zu singen gewohnt war, nur für den ersten Anfang in etwas dunklerer Farbe zu produciren sucht, so dass der Klang sich mehr dem Vokale o, als dem . Vokale a nähert, und so dann bei allen Tönen der Scala. Das Ganze aber beruht auf der Erfahrung, die Jeder an sich selbst machen kann, dass, je . dunkler und tiefklingender ein Ton ist, desto weiter der Hintere Theil des . Ansatzrohres, der. sogenannte Schlund, der auf den Seiten von den Mandeln umschloffen ist; man singt dabei gleichsam in sich hinein und zieht den Kehlkopf etwas hinunter. Diese endlich, die falsche Mitwirkung der Zunge, zeigt sich sogleich an ihrer ganzen Haltung: während sie nämlich hinten hinabdrückt, steigt sie im Munde, wo sie frei, leicht und gerade ausgestreckt liegen sollte, krampfhaft in die Höhe, ist hart und steif. Der Verfasser dieser Zeilen hat seinerzeit, selbst als Natursänger wesentlich an dieser Mitwirkung der Zunge laborirt und ihre Legung nun einfach auf mechanische Weise bewerkstelligt, indem er theils mit einem Bleistift die Zunge niederdrückte, theils die Zungenspitze fest an die untere Zahnreihe andrückte und dabei einen Ton aushielt, ohne dass die die Zunge sich irgendwo erheben durfte. Allmählig gewöhnte sich so die Zunge an diese ruhige Lage, und der Krampf, in welchem sie anfänglich war, verschwand von selbst; zu gleicher Zeit halte man einen kleinen Sr'egel vor den Mund, um zu sehen, ob die Zunge ruhig und gerade ausgestreckt liege, oder an welcher Stelle sie sich .zu erheben geneigt ist. Sollte aber bei einem Schüler obiges Mittel nicht zu einem erwünschten Resultate führen, so lasse mau ihn einige Mal mit zum Munde herausgestreckter Zunge seine Töne angeben; und endlich lasse man ihn beim ׳Aushalten eines Tones die Zunge im Munde hin und her bewegen, dann muß ja die Zunge frei vom Krampfe werden und dienstbar unserem Willen. Auch achte man streng darauf, ob der Ton nicht speckig klingt der sogenannte Kehlklang)/ Verschwindet der Gaumenton, so ist auch