Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 41 (18.12.1887)
- Date
- 1887-12-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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. - *V, .;I. — 3 — Wir ersuchen daher eindringlichst, mit uns Nr. 17 des Lewandowski'schen Fodu ^ve'simra aufzuschlagen und die Nummer ruhig, und bedächtig dürchzuspielen, so wird man, trotz der schon äugedeutkten, fein durchdachten Harmonisirung nach D moll und A dur,'ber sicheren Ueberzeugung leben, dass dieser Gesang nicht auf der D. sondern" auf der E-Basis ruhe; der Autor selbst wird ja auch durch die unbezwingbare Macht der gegebenen Intervallenfolge von der unbequemen Harmoniesphäre abgeleitet und sieht sich nothgedrungen, im achten Takte eine kühne Schwenkung nach E zu unternehmen, um dann vom zehnten Takle bis zum Schlüsse der E- Harmonie das domiuirende Recht einzuräumeu. Die Piece beginnt demnach streng nach der Vorzeichnuug in D moll, schließt jedoch, ganz entgegengesetzt der Vorzeichnung, in E dur. Ferner soll das vorgezeichnete B, wie üblich, für das ganze Musikstück wesentlich fein, weshalb erscheint dasselbe bei jeweiliger Wiederkehr beharrlich nach H ansgelöst, so d a s s die ganze Piece weder in der Melodie, n o ch i n d e r B e g l e i t u n g k e i n e i n z i g e s B anfweist, welches das vorgczeichnete B wenigstens rechtfertigen könnte. Betrachten wir die Nummer weiter und zwar bezüglich der Zntervallenfolge, so fällt uns die übermäßig große Anzahl von Erhöhungs-, Vermindernngs- und Auflösungszeichen unlieb auf. Was mag das wohl für ein Musikstil sein, fragen wir, bei welchem ein ewiges Erhöhen nnd Vermindern, ein immer wiederkehrendes Fcßstrllen und Auflösen nöthig erscheint? Wie immer die Antwort auch ausfalleu mag, das Eine dürfte kaum in Abrede gestellt werden, dass ein solcher Musikstil für den Mindereingeweihten etwas Drängendes, Zerklüfteudes und Beunruhigendes im Gefolge haben muß, weil es jedem sicherlich einlenchtet, falls die verschiedenen Fis und.618 wirklich für das ganze Stück bedeulungsvoll sein sollen, weshalb am Beginne nicht die üblichen zwei Kreuze stehen und wieder umgekehrt, falls die 4. Stufe wirklich ein El sein muß, weshalb an! Kopfe das bedeutungslose B angebracht erscheint. Deshalb gestatten auch wir uns, hier unumwunden unsere Ansicht kund zu geben. Die Piece ist zweifellos in der von uns in den ״Tonarten rc." nachgewiesenenjwclrtabLLli-Steigerskala und zwar hier nach der Skala E. F. Gis. A. H. C. D. E., demnach auf der E-Basis gearbeitet; erschiene dementsprechend das nur vereinzelnt austretende leitersremde Fis eliminirt und wäre das Gis, so wie vom 5. Takte an und namentlich in den letzten 4 Schlusstakten als integrirendes Intervall aufgestellt, über der ganzen Nummer ergösse sich dann ber beruhigende Hauch der Gesetzmäßigkeit und der Einheitlichkeit. Der verehrte Autor selbst kann sich ja des Zaubers der von uns ausgestellten Anschauung nicht entwehren, indem er, namentlich in den letzten 4 Takten, überall F. Gis. H. und im vorletzten und letzten Takte geradezu wie ein abgerungenes Zugeständnis El. A. Gis. F. E. zum Beweise dafür hinstellt, dass zum Schlüsse, da wo die Tonartbasis endlich klar auftreten musste, keine Auswege und Ausstüchte angewendet werden dürfen. Wir wendeten dieser interessanten Nummer deshalb abermals unsere Aufmerksamkeit zu, weil wir auch hier die Mahnung erheben müssen, dass die angedeutete Richtung eine unabsehbare Kluft zwischen dem traditionellen Gesänge und den Errungenschaften der modernen Musik bilde und dass cs wohl der angestrengten Arbeit der Allerbesten von uns werth sei, diese gähnende Kluft auszufüllen, indem sie ihr ganzes Wissen und Können diesem überaus heiligen Gegenstände zuwenden und etwas eingehender und . umfassender sich beschäftigen mit den Tonarten des traditionellen Gesanges. (Fortsetzung folgt.) Wahrheit nnd Dichtung. (Bilder aus dem Leben der Erzväter, historisch, allegorisch, mytisch und epogetisch.) I. Allgemeine Bemerkungen. Eine Menge von Umständen, theils aus dem Innern der Nationen hervorgehend, theils außerhalb derselben entstehend, beschlennigte und hemmte die Entwicklung all' ihrer Kräfte. Unter den letzteren ist die der Menschheit auferlegte Verpflichtung, iu ihrem ganzen Umfange zu ihrem Ziele zu gelangen der wichtigste. Völker, welche, in irgend einem Punkte ihren Zeitgenossen voreilen, sahen sich bald angehakten und selbst aufgelöst, um der übrigen Menschheit Zeit zum Nachkommen zu lassen. Es fließen daraus mannigfache Ber- Wicklungen, welche die Geschichte sorgsam zu entwirren hat, und hier ergibt sich, dass jedes Volk in irgend einem Punkte auf Uebergewicht. über alle andere Anspruch hat, und wiederum in anderen Punkten vom Vorwurf, den übrigen nachzusteheu, nicht frei bleibt. Der Vorsprung, welchen das jüdische Volk mit dem ersten Schritte auf einem besonderen Gebiete des Geistes gewann, war so bedeutend, dass es allsogleich aus dem gewöhnlichen Kreis der Dinge heraustrat, so dass es den Allermeisten eine unerklärliche Ausnahme zu sein schien, und dass sich unsere Zeit in gewisser Beziehung noch kaum auf einem Höhepunkt befindet. Alle Völker, die sich während ihres politischen Lebens hervorthateu, folgten einem Banner von verschiedenen Farben. Die Fahne Indiens und Aethi opiens führte die Worte: P r i e st e r, K a st e n, Geheimniße; Egypten fügte hinzu: Wissenschaft und Handwer k: Babylonien: Pomp und Vergnügen; Athen nahm unter die )einige: D i e schönen Künste; Sparta: Das Vaterland; Sidon, Tyrus und Karthago: Den Handel; Rom: Den Krieg. Alle hatten eine Seelenwanderung, ein Elisium, einen Tartarus, eine Hölle. Israel aber schrieb an seine Fahne: Gesetz und um dieselbe: Fr i e den, Ue b er f l uss, laug e s Leb en, Glücks e l i g k e i t. Und eben diese Standarte entfalten die neueren Völker wieder, weil unter ihrem Schutze alles, was die anderen Gutes und Wahres darbieten, blühen muß. Das noch unvollkommene Ideal dieses Volkes entfaltet sich im Haupte eines mit hoher Eiltsicht begabten Mannes und seine Nachkommen überlieferten sich feine Ideen bis zur Zeit, lvo einer von ihnen die erforderliche Kraft besitzt, um zu ihrem Urquell zurückzukehren, um sie zu erweitern und zu verwirklichen. Alle Episoden reihen sich dieser Haupthandlung au, entweder durch ihr Wesen oder durch die Form; alle stellen irgend einen politischen und moralischen Grundsatz, der bei einem״ Volke herrschen muß, an's Licht. In der Zerstreuung über die Erde nimmt jeder Theil der großen Familie Noa's eine verschiedene Richtung. Eine von diesen Familien bleibt der Natur näher als alle übrigen, ihre Aufgabe wird es sein, nur der Vernunft zu huldigen und sie wird nach zahllosen Hemmungen die ganze Menschheit mit den Ergebnißen ihrer Gedanken erfreuen. Wenn auch das Hirtenleben der Kindheit der Gesellschaft angehört, insofern es sich nämlich dem Nomadenzustande anfchließt, so erwacht die Viehzucht doch auch in ihrem späteren Alter zu großer Regsamkeit. Je mehr Fortschritte die Kultur macht, um desto größere Wichtigkeit gewinnt die Sorge für die Heere. Es sind zahlreiche Heerden erforderlich, damit die ganze Bevölkerung eine gesunde Nahrung habe, zahlreiche Heerden, damit sie sich mit geeigneter Kleidung bedecke. Abraham darf als Gesetzgeber der Hirtengesellschüft betrachtet werden, er ist das Ideal des späteren Iudenthums,