Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 41 (18.12.1887)
- Date
- 1887-12-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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dieser speckige Klang beseitigt; weil nun die rechte Muskelthätigkeit ungehindert wirken kann, nicht gedrückt durch die Mandeln und die Zunge, so kann auch der wahre Wohlklang und Metallgehalt der betreffenden Stimme zum Vorschein kommen; ja durch Entfernung des Güumeutons wird jede Stimme noch in anderer Beziehung freier, sie wird auch größer an Kraft und an Umfang (in der Höhe und Tiefe), kurz die Stimme gewinnt intensiv und extensiv, wird wie neugeboren und lässt sich von nun an mit Leichtigkeit zu viel schwierigeren Aufgaben gebrauchen, während dem Gaumenton-Sänger früher bei wenigen Tönen schon der Schweiß auf die Stirne trat und ermattender Kopfschmerz für seine Gesangslust lohnte. Der Gaumenton erschwert das Singen ungeheuer, indem er solche Muskeln mit zur Thätigkeit ruft, welche durch ihre Thätigkeit die freie Thätigkeit der zum Singen nothwendig wirkenden Muskeln hindern und oft ganz unterdrücken. Der unnatürliche Druck im Halse, das Verziehen der Gesichtsmuskeln, das Runzeln der Stirne, das Gesichterschneiden, das Verschieben der Lippen und des Unterkiefers, sei es zur Seite des rechten oder linken Ohres, das Emporziehen der rechten oder linken. Schulter, das Verdrehen der Augen, das Gezwungene der ganzen Haltung, — Alles dies ist nur die natürliche Consequenz des Gaumentones, denn das anfangs oft kleine Nebel greift immer weiter um sich und ruft zuletzt den ganzen Muskel- Complex des menschlichen Körpers zu Hülfe. An die Stelle der Einfachheit, Natürlichkeit und Leichtigkeit tritt eine unnatürliche Erschwernis, und statt die Gesundheit zu fördern geht durch solches Singen oft schon sehr frühe mit der Stimme auch das körperliche Wohlbefinden unter. Die richtigen Mittel zu der Entfernung des Gaumentons haben wir schon angegeben; dennoch tritt oft den l Bestrebungen des Lehrers ein anderer Hemmschuh dabei entgegen,^ wir ׳meinen das Wohlgefallen des Schülers an seinem früheren Gaumenton, der noch so süß in seinen Ohren kingt, zumal im Vergleich zu der im Anfang des Studiums fast immer unerlässlichen' Verdunkelung des Vokals. Der Lehrer setze einem solchen Schüler auseinander, warum der Ton gewöhnlich zuerst etwas verdunkelt werden muß, und dass er später wieder immer Heller werde ohne Gaumenton und dann erst brauchbar sei zum Durchleuchten der Seele. Kann der Schüler gegenüber solchen Wahrheiten seine Gaumenton-Sehnsuctt nicht unterdrücke, so ist alle Mühe des Lehrers umsonst, und ein gewissenhafter Lehrer wird wissen, was er sich und seiner Sache schuldig ist zu thun. Geht aber der Schüler auf des Lehrers Rath mit vollem Vertrauen ein, so wird er schon nach wenigen Stunden eine wohlthuende Erleichterung fühlen, welche ihm zugleich der volle Beweis für die Richtigkeit dieser natürlichen Methode sein kann: denn wäre seine Thätigkeit verkehrt, so müsste das Singen immer schwerer werden; wird es aber immer leichter, so muß ja die Thätigkeit die natürlich richtige sein. Auch ist klar, dass diejenigen' Töne die schönsten sind, dem Klange nach, welche die leichtesten und natürlichsten sind in ihrer Entstehung, also weg mit dem Gaumenton.. Wie die Mandeln, so hat auch die Zunge gar Nichts zur Erzeugung eines Tons zu thun; letztere ist dagegen wesentlich zur Herstellung der Sprache, und eine völlige Freimachung der Zunge ist daher wie zur richtigen Erzeugung eines guten Tons, so auch zur , leichten Erzeugung der Sprache sehr wesentlich. Und wie zur Erzeugung eines Tons die Mandeln und die Zunge gar nicht mitzuwiken haben, ebenso sind die Gaumenbögen und das Zäpfchen, - welches im Munde herabhängt, dabei nicht thatig, wenigstens nicht; actio, vielmehr ist die Annäherung der Gaumenbögen und das Zurückziehen des Zäpfchens bei den höheren Brust- und Falset-Tönen eine bloße Mitbewegung, welche durch die Anstrengung der MuSkeln des Kehlkopfs veranlasst ist; vickleicht ist die Resonanz stärker, wenn sie angespannt sind./— Wenn aber auch nicht bei Erzeugung, so hat dagegen bei Nüaneirung des erzeugten Tons das Ansatzrohr seinen wahren Beruf. Dass der Hintere Theil, der Schlund, überhaupt so geweitet fei, dass der Kehlkopf nicht gedrückt ist, haben wir durch Beseitigung der gequetschten Töne errungen; dennoch stellt sich beim weiteren Ausströmenlaffen der Luft gerne eine anderer, jedoch sehr ähnlicher Fehler ein, wir meinen den Rasenton, welcher jede Stimme hart, spröde, schneidend und etwas heiser erscheinen lässt und oft zum schmetternden Gekrächze wird. Die gewöhnliche Ansicht seiner Entstehung ist fciefc er rühre daher, dass man die Luft durch die Nase ausströmen kaffe, und als sicherstes Mittel M sein« Entfernung wurde daher von Vielen ein äußerliches sanftes Zusammendrücken der Nasenlöcher bezeichnet, wodurch eie Lust gehindert wird, durch die Rase auszuströmen. Die Ansicht wird einfach durch die Thatsache widerlegt, dass man auch dann noch den Nasenton haben kann, auch dann noch näseln kann, wenn man die Nase wirklich ganz zugehalten hat. Die Ursache dieses Fehlers und das Mittel, ihn zu heben, muß also wo anders gesucht werden. Betrachtet man während eines solchen Nasentons den innere» Mund, so sehen wir, dass dabei die Gaumenbögen sich verengen, wodurch der obere Raum über dem Klehlkopf kleiner gemacht wird : also ähnlich wie beim gequetschten Ton, nur dass bei diesem hauptsächlich der Raum neben dem Kehlkopf, durch An- Näherung der Mandeln verkleinert war; und endlich, wie die Zunge beim gequetschten Ton durch ein Drücken nach unten thätig sein wollte, so ist es hier dadurch, dass sich der Zungenrücken dem Gaumen nach oben nähert. So sind beide Fehler einander sehr ähnlich, indem bei beiden sowohl eine fehlerhafte Verengung des Raums, als eine überflüssige Thätigkeit der Zunge, aber bei jedem in anderer Weise, die Schuld trägt. (Forschung folgt). Litterarisches. Aer Heistesschah der WSek betitelt sich das neueste Werk des bekannten Litterate« I. Baum, gegenwärtig Religionslehrer in Reichenau a K. Ueber die Intentionen, die den Verfasser leiteten, sowie über den Zweck, dM das lehrreiche Werk verfolgt, lassen wir den den ersten Druckbogen begleitenden Prospect sprechen: ״In einer Zeit, wie die gegenwärtige, in der religiöses Wissen und Leben, sowie der Sinn und das Interesse für biblische Wahrheilen immer mehr abhanden kommen, ist es eine heilige Pflicht, das Interesse lür die Bibel , nach Möglichkeit anzuregen nnd zu beleben und das Lesen und Forschen in diesem ״Buche der Bücher," welches die Wurzel und den Kern aller Religion, alles höheren Denkens und edleren Strebens bildet, zu fördern und für die vermehrte Kenntnis und ein gründliches Verständnis dieses heiligen Buches mit allen Kräften zu wirken. Einer solchen Aufgabe haben wir uns durch Bearbeitung von Dissertationen, leitenden und exegetischen Aussätzen über die 24 Bücher der h. Schrist unterzogen. Diese Ausgabe ist — wir müssen es offen gestehen — keine leichte; doch hoffen wir, unter Gottes. Beistand und mit Hilfe tüchtiger Fachgenossen und wohlwoklender Gönner dieselbe glücklich zu lösen. Ein großer Theil dieser Arbeit ist mit Gottes Beistand bereits vollendet und liegt drücksertig vor, ebenso sind viele für's Ganze getroffene Vorarbeiten und Studien bereits gemacht. 1*x-e£3itü*rmxfr1L31*mf rfimimiia W