Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 40 (10.12.1887)
- Date
- 1887-12-10
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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— e 3>en mdften Gemeinden werden am Bußtage des Versühnuugstages Geschenke gegeben. Satumajo war nach dem Arüeh. ein Fest des Friedens utid der Freude, das am Ende des Jahres durch Opfern gefeiert.wurde, und dieser fügt wieder hinzu : »hoju schulchin monaus isch lereehu«. Saturnalien war ein Fest, au dem die Eltern den Kindern durch Geschenke Freude machten, an dem sich Me, die Herren, Sklaven, der Fremde betheiligten. Es wurden große Gastmäler gegeben und der Fröhlichkeit überließen sich Alle ohne Unterschied des tragen sich ׳-mitder ׳ heutigen׳- Erziehung, wir sollen dahev' anstatt üU-׳ Tempelweihfest den Kindern einen Christbaum aufzüst^ellen/dessen' Stamm nicht im JudenthnM wurzelt, lieber den e2׳ LUehasim^ den Bäum des freuenden und, erfreuenden Lebens das ׳ Perz des noch unentweihten Boden der Jugend pflanzen," dieser Bäum ist die Religion, welche herrliche Früchte trägt zur Labung deA Geistes und Erquickting der Seele, dann wird die Heranwachsende Generation sein, wie ein Baum gepflanzt am Wasserbache^ dessen.- Blätter nie verwelken. " - -. - Standes und des Ranges. Dieses Fest gleicht" unserem Purim/ wo früher an der reichbedeckten Tafel des Reichen Alle theilnehmen konnten, weil an! Purim alles erlaubt war, und auch Geschenke werden an die Armen vertheilt. Was Charistim bedeutet, darüber sind die Meinungen verschieden. Nach Gemara Tosafot und Aruch ist es das Fest, des Doppelsteges, nach andern ist es das bei Griechen und Römern bestaudcne Familienfest, welches Charsistia hieß und zur Ausgleichung von Zwistigkeiten unter -Verwandten mittelst einer gemeinschaftlichen Mablzeit gefeiert wurde. Die Römer feierten es am 20. Februar, die Griechen am 22.; also auch dieses Fest chatte einen humanen Zweck, sie wurden doch verpönt, weil sie erstens mit dem Götzendicnste und zweitens mit dem Feste der Feralien oder Parentulien (Todtemeste) siwche messim in Verbindung waren. . Auch wir Juden haben in unseren Gebräuchen anderen Glaubensgenossen nachgeahmt, so nennen wir sehr gerne unsere Feste nach den Namen der der Christen, unser Ueberschreitungsfest nennen wir Ostern, und dies Fest ist die Auferstehung Jesu. Ostern ist entlehnt dem Feste der Göttin Qstera, welche die Schöpferin des Wiederauflebens der Natur im Frühling ist. Und wahrlich wir Juden haben keine Ursache ein solches Fest, welches in uns Wehmuth hervorrnft, zu feiern; wollen wir das Peffachfest nicht das Fest des ungesäuerten Bwdes nennen, so nennen wir es das Fest der Befreiung, welches doch ein erhebender und belebender Name ist. Das Schewuothfest nennt man Pfingsten, wenn auch der Name von dem griechischen Pentekoste d. h. 50 abgeleitet wird und das Schewuothfest auch Wochenfest genannt wird, weil am 50. Tag vom ersten Pessachtage an dieses Fest gefeiert wird,-so hat das Pfingsten bei Lei den Christen eine andere Bedeutung, es wird geweiht der Erinnerung an die Ausgießung des heiligen Geistes und der Stiftung der ersten christlichen Kirche. Wollen wir dieses Fest nicht Wochenfest nennen, so nennen wir es das Fest der Gesetzgebung, welches wahrlich ein klangvoller Name ist. Unser Purim nennen wir Fasching, welches doch Fastnachtschmausen bedeutet und an die heidnischen Bachanalien erinnert; wahrlich der Talmud hat Recht, wenn er sagt, מתוקניין שבהם לא עשיתם מקולקליץ שבהם עשיתם Bleiben wir bei den Namen und bei der Bedeutung unserer Feste, freuen wir uns und erfreuen wir auch andere an denselben; auch wir sollen wie unsere Väter unsere Kinder durch Spiele ergötzen lasten, damit sie lernen, an den Festen sich freuen. An den ahoi hsmoeätagen hat man ihnen Nüsse gegeben, wenn ein Nuss- Haufe von einer Nuss getroffen und umgeworfen wurde, wurde gelacht. Am Purimfeste war es das Ratschen und Klappern, es war das Hammerklopfen, welches an den Untergang des größten Judenfeindes erinnert, am Feste der Thora erscheinen die Kinder in der Synagoge mit ihren Fähnlein, am Chanukafest war es das Trenderl, , welches eine große Rolle spielte, dieses war mit vier Buchstaben versehen, nämlich ב."ג "ה "ש', welches bedeutete ness godaul hojoh. schom und die Kinder an die großen Wunder Gottes. erinnerte. Wahrlich solche Spiele, welche den unschuldigen Kindern Freude verursachen und zugleich geschichtliche Momente veranschaulichen, ver- Siklos, 1. Dezember 1887. Fron MW Bez.-Rabbiner. Eiligejen-et. Geehrter Herr Redacteur! Auf Ihre Objectivität vollkommen vertrauend, ersuche ich- Höf-- lichst um die Aufnahme nachfolgender Zeilen in die nächste Nummer unseres Fachblattes: Nur mit Widerstreben ergreife ich heilte die Feder, um gegen gewisse Ausführungen und Angriffe, die heute in dem Leitartikel der vorletzten Nummer 37 der ״Oesterr.-nng. Cantoren-Zeitung" unserem sehr geehrten Recensenten vorgeführt werden, laut meine- Stimme erheben , muß. Der Herr Referent bespricht wie bekannt, mit vieler fachmännischer und theoretischer Kenntnis die meisterhaften Compositionen Levandowski's, und obwohl die Arbeiten dieses Meistersin früheren Nummern der- ״Cont.-Ztg." gebührende Würdigung gef,luden Habel,, werdel, heute dieselben wieder vom Standpunkte destraditionellen Gesanges beleuchtet. Was dieser Meister aber von traditionellen Gesängen ur seinen Schöpfungen anführt, fiub blos Motive und Fragmente desallbekannten Sabbath-Chasonus, und Alles das ist gewiss trefflich- und bedarf keiner weitern Auseinandersetzung. Aber unser geehrter Herr Recensent übergeht von diesem' Thema als Gegensatz, stillschweigend von einer Namensbenennung, auf ein anderes in dev letzten Zeit erschienenes Werkchen, welches den Zweck hat, dasganze alte Chasonus in seiner Totalität möglichst taktlich-und harmonisch darz'ustellen. Der geehrte .Herr Referent sagt, ganz richtig: ״Zur Ueberbrückung vom Alten zum Neuen gehört Wissenschaft und Kunst" undübersieht, dass wir auch zwischen dein. Zeilen lesen können ulldwissen, er habe das eben erwähnte Werkchen im, Sinne, und anstatt einen strebsame, musikalisch gebildeten Jünger aufmunternd zu belehren, dessen Absicht es nicht ist, als Compositeur sich geltend zu machen, oder aus seiner Arbeit sich ein Geschäft machen zu wollen, indem er nicht einmal einen Preis auf sein Werkchen setzen ließ, ergeht sich derselbe in verunglimpfenden Auslastungen, ohne zu bedenken, dass er nicht nur den Verfasser, sondern auch die Autorität eines berufenen Arbeiters in den bedeutendsten Tages- und Fachblättern selbstgefällig übergeht. Was die Berechtigung zur Herausgabe dieses Merkchens betrifft, beruft sich unser Verfasser nicht׳ auf griechische'und römische- Namen, auch nicht auf Händel und Bach, sondern er ehrt das Andenken derjenigen alten, berühmten Chasanim, die als die eigentlichen Schöpfer des alten traditionellen Gesanges in der Synagoge zu betrachten sind. Die vielen sich widersprechenden Meinungen und Zweifel, wo der eigentliche Ursprung des jüdischen Synagogengesanges zu suchen wäre, zu besprechen, liegt außer unserer Sphäre; die Synagoge verlangt keine Theorie, sondern Praxis. Weder Reform noch Orthodoxie wünschen Kunstgebilde; harmonischen Gesang gepflanzt auf