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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-12-10 · Heft 40 (10.12.1887) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 40 (10.12.1887)
Date
1887-12-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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und unser trag gewordenes Blut stärker in Bewegung setze, nur die Freude M;wie ein Sonnenblick durch, düsteres Gewölk, die Freude ist 5 einenHimmelskost, die wir an den Feiertagen genießen sollen,, weil »en:; haschchino schuröh elo mitoch hasimcho« und wir sollen uns 9 doch an Sabbath- und Festtagen den göttlichen Zwecken weihen und. widmen ־ ־';• Unsere Religion will nicht haben, dass wir diese schöne Welt stets als ein Jammerthal betrachten;-diese Anschauungsweise ist eine unrichtige und gefährliche. וה־ית אך שפח ift d e Parole des Judenthums, einer pessimistischen Weltanschauung haben die Juden sich nie zu» geneigt und das hat sich .trotz aller Drangsale des Lebens erhalten. Herr Dr.. Jellinek sagt: ״Der ausgesprochene Optimismus des jüd. Stammes kommt in der Religion, Litteratur und Geschichte zum Vorscheine". *) Aber der Jude soll an den Festtagen nicht nur sich selbst freuen, unsere Religion verlangt, dass er an denselben auch andere erfreue; »Somachti wesimachti« soll der Wahlspruch der Juden sein, beim es heißt in der heiligen Schrift: ״Freue du dich und dein ganzes'Haus'wie auch dein Diener, deine Magd, der Fremde,-die Waise und die Witwe," weil nichts so die Seele erfreut als die Theilnahme an den Leiden uud Freuden seines Nächsten. Das jüd. Rachmones, welches, wie Herr Dr. Jellinek sagt, ein weicher Silbcrton des zartbesaiteten jüdischen Herzens ist, und wenn der Jude: Rachmones ausspricht, so werden alle Tiefen seiner Seele *) Der jüd. Stamm von D--- Jellinek. Seite 167. ״Sie schauen so ernst drein, Frl. Deborah", sagte Behrens, ״finden Sie an dem Tanze denn kein Vergnügen?" ״Nein", antwortete das junge Mädchen, ״ich habe mir mehr zugetraut, als ich ertragen kann, an Alles muß man gewöhnt sein, der Trubel macht mir Kopfweh, ich wünschte, ich wäre schon zu Hause beimeinen Eltern, die mich gewiss vermissen". »Ich glaube, Ihre werthen Eltern werden froh sein, Sie vergnügt zu wissen und werden vielleicht in der Unterhältung mit meiner.Mutter Zerstreuung finden, denn diese hatte die Absicht, sich für meine heutige Abwesenheit durch einen Besuch bei den werthen Ihrigen zu entschädigen". - . " ״Ach, das freut mich", sagte Deborah, zum ersten Male ihre leuchtenden Augen auf den jungen Mann richtend, ״meine Mutter fühlt sich sehr sympathisch zu Frau Behrens hingezogen, und ich empfinde schon-.mehr Beruhigung bei dem Gedanken, dass sie sich in angenehmer Gesellschaft befindet". Behrens' fühlte sich durch ׳ den vertrauten Ton ermuthigt und sagte-: ״Und ich wünschte, dass die Sympathie unserer Mütter auch ein wenig auf ihre Kinder übergienge". Deborah senkte err-öthend den Blick und Behrens sprach weiter, indem er sich ans einen Sessel zur Seite des jungen Mädchens niederließ: ״Gestehen Sie mir, dass mich mein Herz nicht tauschte, als ich empfand, dass ich Ihnen nicht gleichgültig bin. Mir ist es, als ob eine höhere Macht unser Geschick lenke, als wären wir bestimmt, vereint mlteinander durchs Leben zu gehen, denn seit ich Sie sah, verließ mich weder wachend noch träumend Ihr liebes Antlitz und Sie würden mich zum - Glücklichsten auf Erden machen, wenn Sie mir antworten wollten, ob Sie mich nur ein wenig lieb haben könnten für die unendlich große Zuneigung, die ich für Sie empfinde". Deborah ließ es gewähren, dass er ihre Hand ergriff und sprach nach einem tiefen Athemzuge: ״Ja. — Doch könnte ich an Ihrer Seite nur dann glücklich werden, wenn mein theurer Vater uns mit ganzem Herzen seine Einwilligung gibt". — Sie entzog schnell ihre Hand dem jungen Manne und sagte aufstehend: ״Bewahren wir bis dahin unser Geheimnis vor den Augen der Welt. Ich sehe, man wird bereits aufmerksam auf uns. Ich bitte Sie, sehen Sie 'mit Gleichgiltigkeit auf mich, denn die Neuvermählten -näherp sich uns. Lieschen's schelmischer Blick verräth mir, dass sie ahnt, wovon wir gesprochen". aufgewühlt, und ein Engel des Mitleides steigt aus seinem Innern auf, der ihn für die edelsten/menschenfreundlichsten Handlungen begeistert, **) must an den Festtagen besonders am eklatantesten zum Ausdrucke gebracht werden. Die Feste heißen nicht nur »chagimc von »chugog«:;,vor Freuden sich kreisen, bewegen", sondern auch jomim towim, sie waren für die Reichen wie für die Armen gut und tow lew mischteh tomid. Mit den Festen einen humanen Zweck zu verbinden, war. selbst bei den Heiden eine Gepflogenheit, die sie den Juden nachahmten. Im Talmud ***) werden die heidnischen Feste erwähnt, nämlich Kalendae, Saturnajo, Charistim. Kalendae mar der Name jedes Neujahrtages; man feierte diesen Tag mit Opfern, Schmausen und anderen festlichen Aufzügen, wie auch, sagt der Spruch, schehoju schulchin monaus isch lereehu. Nach dem Jeruschalmi ist das Wort zusammengesetzt von Kälon, welches auf griechisch schön, gut bedeutet, und Dies Tag, es entspricht also unserem jom tow ****). Die Neujahrsgeschenke waren noch im alten Nom gebräuchlich, bei Einführung des Christenthums kamen die Neujahrsgefchenke durch die Weihnachtsgeschenke immer mehr außer. Gebrauch nur׳ in Frankreich, wo man diese nicht kennt, wurden sie berbehallen. Bei uns Juden werden noch heute in Gemeinden Neujahrsgeschenke unter die Armen vertheilt, aber in **) Dort S. 178. ***} Aboda Sora 8. »***) Siehe Aruch ju קליבדא und Landau da'elbst. ״Wo bist du, meine liebe Deborah", sagte die junge Frau schon in einiger Entfernung, ״ach, du langweilst dich gewiss beim Tanze und ich muß fort, denn wir entfernen uns ohne Abschied von der. Gesellschaft, da wir bald unsere Hochzeitsreise antreten. Doch von dir wollte ich nicht scheiden, ohne dich an's Herz gedrückt zu haben". Sie umarmte Deborah mit feuchten Augen und flüsterte: ״Werde so glücklich, meine gute Freundin, wie ich". Deborah verließ auch bald mit Süßkinds die fröhliche Gesellschuft; sie fand ihre Eltern bereits in tiefem Schlafe Am anderen Tage fühlte sie sich recht ermüdet; ihre Eltern fragten theilnehmeud, wie sie sich' unterhalten, bemerkten aber an ihrem Kinde eine Aufregung, die ihnen sonderbar vorkam. Frau Rachel warf ihrem Manne einen bedeutungsvollen Blick zu und dieser wandte sich hierauf mit ernster Miene an seine Tochter mit den Worten: ״Hast du gestern mit Cantor Behrens gesprochen, mein Kind? Sei aufrichtig. Seine Mutter enthüllte uns in ihrer schlichten Art; dass ihr Sohn dir zugethan ist. Schütte vertrauensvoll dein Herz vor deinen Eltern aus. Deine heutige Aufregung beunruhigt mich sehr, ich wünschte, dich glücklich und zufrieden zu sehen". Deborah wagte es nicht, ihre. Eltern anzusehen, nur Thränen perlten aus ihren Augen auf ihre gefalteten Hände nieder. Da pochte es leise an die Thüre und Cantor Behrens trat ein, sich nach dem Befinden des Frl. Deborah erkundigend, da sie am Hochzeitstage über Kopfweh geklagt. ״O", sagte David Dessauer, dem Gaste die Hand reichend, ״das gestrige Vergnügen har meiner Tochter manches Weh verursacht, Sie könnten mir vielleicht eher Aufschluss geben, denn auf meine Fragen hat mein Kind nur Thränen". Behrens erfasste die Situation, hatte ihm seine Mutter doch schon die beste Hoffnung gegeben. Er näherte sich daher dem״ jungen Mädchen und sprach: ״Stehen Sie mir bei, liebe Deborah, Ihren theuren Vater um seinen Segen zu unserem Herzensbunde anzuflehen". David Dessau r ergriff die Hand Deborah's und legte sie in die des jungen Cantor, indem er feiert ch sprach: ״Der Allmächtige segne euch!" <End e.)

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