Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 40 (10.12.1887)
- Date
- 1887-12-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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diesenTheilen vorüber und zwischen ihnen durch nehmen. Bleibt das' Msatzrohr, zunächst der:Mund, geschloffen, ^so Dann der Ton rricht . Ringen; erckommt aber gar uicht nach außen, ist gor nicht hörbar, ja kann gar nicht erzeugt werden, wenn vollends auch die Nase zugedrückt und so. der ausströmen wollenden Luft jeder Ausgang versperrt' ist. Wir wissen -ja schon aus Früherem,' dass nur beim Ausachmea ein Ton entsteht; um aber ausathmen zu können, muß der Athen! einen Weg haben, eine Oesfnung, durch die er ausströmen kann : ist somit das Ansatzrohr ganz geschlossen, außer dem Mund auch die Nase, so hört auch das Ausathmen aus, und man. kann gar keinen Ton her Vorbringen; ist dagegen blos der .Mund geschloffen, die Nase aber offen gelaffen (nicht äußerlich zusammengedrückt)- so ist das Athmen wieder möglich, es entstehen auch sogleich wieder. Tone, aber solche Töne, welche in der Musik nicht brauchbar sind, weil sie nämlich die Resonanz der Mundhöhle enthehren, und die- Luft überhaupt, wenn sie nur.durch die Nase ausgetrieben wird, auch mit der Sprache sich, verbinden kann׳; es ist ja dadurch, dass der Mund geschloffen ist. schon .zum Voraus die Sprache'unmöglich. So ist es also klar, dass der Mund beim 'Singen geöffnet sein muß, damit die Luft durch ihn ausströmen kann. Das Ansatzrohr muß offen sein; dieses paffive Verhalten desselben ist sein ganzer Antheil' bei der Ton-Erzeugung: es muß den erzeugten Ton nach außen hervortreten lassen, und zwar so ungehindert, dass.auch alles Zischeln beim Durchgang der Luft durch die Zähne, der sogenannte ,.Zahnklang", sogleich wegfällt, indem die beiden Zahnbiss sich auf die Lippe und machte sich, ihren Aerger verbergend, an ihrem Armbande zu schaffen, da nahte aber schon mit §turmesschritt Emil Bärwald und bot Flora den Arm, indem er Behrens aufforderte, sich eilends zu Tische-zu begaben, da bereits aufgetragen werde. . ' Dieser blickte verlegen auf Frau Süßkind, die ihren Mann erwartet hatte; doch als dieser sich nicht blicken ließ, sagte sie: ״Nun, Herr Behrens, so bleibt mir nichts übrig, als Sie zubitten, mein Tischnachbar zu sein. Ich muß mich doch an meinem Manne ein wenig rächen, der es sich gewiss nicht nehmen ließ, - die Hausftau zu Tische zu führen". Behrens begab sich zu Tisch und sein Blick flog über die Gesellschaft und blieb auf Deborah haften. Er bemerkte, wie Felix auf sie einsprach, doch schien ihre Aufmerksamkeit nicht Lei ihm zu .sein, denn sie sah zerstreut um sich, als suche sie Jemanden; endlich schien sie die Person, nach der sie ausschaute, erblickt zu haben, denn sie wandte sich mit einer Frage an Felix, die dieser achselzuckend erwiderte. Darauf hob sie wiederden Blick. und als sie Behrens an der Seite ber Frau Süßkind sah, senkte sie wie befriedigt die Wimpern und schwieg. Felix neigte sich zu ihr und flüsterte: ״Haben Sie schon ver- ־ geffen, Fräulein Deborah. was ich Ihnen, einst sagte? O, meine Gefühle sind noch immer dieselben geblieben und ich hoffe, dass sich auch Ihre Gesinnungen geändert haben; antworten Sie mir. Bei dieser heitern Unterhaltung hört uns Niemand; ich beschwöre Sie, theures Fräulein, bleiben Sie wirklich bei dem für mich so harten . Ausspruche, dass unsere gesellschaftlichen Verhältniße unsere Neigungen trennen müssen?" ״Noch immer!" sagte Deborah, ohne den Blick zu erheben. ״Doch dass ich Ihr Empfinden schätze, davon soll Ihnen ein aufrichtiges Wort von mir einen Beweis geben. Ich bitte Sie aber, wenn Ihnen meine Person Interesse einflößt,, es zu beachten. Wir Mädchen haben in zarten Herzensangelegenheiten einen sicherer» Blick als die Männer und ich kann Ihnen daher mit voller Bestimmtheit sagen, dass ein junges, schönes und liebenswürdiges Mädchen sehr unangenehm berührt wurde, als Sie mir den Arm boten; ich weiß es, Sie werden von Flora geliebt. Lassen Sie nicht die Hoffnungen dieses Mädchens, das so wenig an Widerspruch gewöhnt ist, scheitern an dem unseligen Wahn, der Sie befangen hält,' Ihr Geschick mit dem meinen vereinen zu müffen. Wenn Sie mich wirklich schätzen, so folgen Sie meinem Wunsche, wagen Sie ein Wort an Flora reihen ziemlich weit auseinander gehalten find, - ja anch alle andern Nebenklänge :vor dem? Auftreten eines Tons oder Vokals rühren einfach daher, dass der Mund nicht schon, vyr dem Auftreten -des ,Tons gehörig geöffnet ist. Der Mund muß schon offen sein, wenn -der Ton kömmt, damit er sogleich in der Bestimmtheit -ausströmen kann, ' wie er vom Sänger gedacht wurde^ ohne Anhängsel und Neben klänge. - Ebenso muß der Mund so lange offen bleiben, bis der Ton verklungen ist; und wenn manche die Neigung haben, ihre Töne überhaupt rasch abzuschneiden oder abzusägen, so.ist das einfachste - Heilmittel dieses, dass der Mund noch gleich weit offen bleiben muß, wenn , der Ton schon beendet ist, d.. h. die Oeffnung des Mundes auch ohne Ton. _ _ (Fortsetzung folgt.) Die jüdische» Fest- und Feiertage. An den Festen, die wir feiern, sollen wir uns, nach den . Worten der heiligen Schrift, freuen und eine lichte Stimmung soll sich unser bemächtigen. Unser Alltagsleben ist so voll von beängstigenden Sorgen, hat so viele Unannehmlichkeiten verschiedener Art, dass wir nicht nur der Ruhe des Körpers sondern auch der der Seele bedürfen.' Es ist nothwendig, dass von Zeit zu Zeit etwas Lebhafteres und Erfreuendes den trägen Lauf der Stunden unterbricht und Sie werden erfahren, dass ihr Herz Ihnen, gehört. Sie wird Sie beglücken, und ich will meine innigste Freude daran haben, denn -ich werde Sie für das Geheimnis Ihres Herzens, das Sie mir enthüllt, stets achten und. warmes . Interesse an Ihrem Schicksale nehmen". . - ׳_־■■_ Deborah schwieg unb ihr Blick schweifte wieder zu Behrens, der sein Ohr den Worten der Frau Süßkind zuneig'te, dessen Gedanken aber sichtbar wo anders weilten. Er erröthete, als Deborah .die Angen auf ihn richtete. Flora saß ׳znrückgelehnt und blickte blass und theilnahmslos auf die Anwesenden. - Die-Speisen folgten schnell auf einander, Toaste wurden ausgebracht und die Unterhaltung gerieth dann alliMig in's.Stocken. Endlich wurde der Cantor anfgefordert, das Tischgebet zu sprechen, und bald darauf begab sich die Jugend auf den Tanzboden, ' wo bereits die kolonLise gespielt würde.. /Jeder Herr äbsolvirte den ersten Tanz mit seiner Tischdame, dann begannen die Rnndtänze. Die älteren Herren zogen sich in die mit Spieltischen versehenen Nebenzimmer zurück, wo sie sich bei einer Partie Whist die Zeit angenehm vertrieben. Flora Berliner begab sich in eine Fensternische und schien kein Vergnügen an dem Tanze zu haben. Deborah bemerkte es. und ließ sie, indem sie an dem äußersten Ende des Saales Platz nahm, nicht aus dem Auge. Da bemerkte sie, wie-Felix die Dame, mit der er eben tanzte, zu ihrem Sitze führte und sich schnellen Schrittes dein Fenster, in dessen Vertiefung Flora stand, näherte. Deborah fühlte in ihrem Herzen eine Erleichterung und war froh, dass ihre Worte den gewünschten Erfolg hatten: ״Endlich haben wir Sie gefunden", sagte Frau Süßkind, die mit ihrem Manne und Cantor Behrens heran kam, ״ wir suchten Sie unter den-Tanzenden und finden Sie hier wie verloren am äußersten Ende des Saales. Wo haben Sie denn Ihren,Tischnachbar.?" ״Ah, ich sah ihn im Gespräche mit Frl. Berliner", sagte Herr Süßkind, als wir eben jenes Fenster dort passirteü. Wie konnte er Sie aber so vernachlässigen", sprach er weiter, Deborah mit Staunen betrachtend, ״Sie sehen ja heute entzückend aus". ״Nün, dieses Compliment könntest du jüngeren Leuten überlassen", sagte Frau Süßkind, ihrem Manne einen leichten'Schlag mit dem Fächer gebend- ״jetzt wollen wir auch einmal nach langer Zeit einen Wälzer tanzen. Herr Behrens wird wohl - gern geneigt sein, Frl. Deborah zu unterhalten." Nach diesen Worten zog sie ihren Mann zu den tanzenden Paaren. '