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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-12-10 · Heft 40 (10.12.1887) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 40 (10.12.1887)
Date
1887-12-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 fchreht, und hat' inüN so den Ton piano mit Bruststimme, so s pann msn die Bänder noch mehr und singe den Ton mit dem zartesten Athcm nur aushauchend im Falset. Per Uebergang vom Falset in Bruststimme und umgekehrt muss also immer noch bei schwachen Athem, im piano geschehen; bei starkem Athen! ist der Uebergang nicht mehr zu bewerkstelligen, und die ganze Manipulation beruht somit nur darauf, dass man bei jedem Ton, auf welchen man diesen Uebergang anbringen will, dasjenige geringste Maß des Athems aufsuch; und finde, womit derselbe als Brnststl'mme noch erzeugt werden kann.. Der schon etwas starker gewordene Falsetton wird dann leicht in diesen piano-Brustton über stießen, und umgekehrt. — Auch die verschiedenen Falsettöne beruhen auf die verschiedene Spannung der Stimmbänder. Bei jedem Ton dieser zwei Register also ist die Spannung der Stimm- Länder durch Muskelwirkung die Hauptsache zur Erzeugung; dabei klingt allerdings eine Stimme Heller und voller als die andere. Dies hat theils in der natürlichen Beschaffenheit, besonders in der verschiedenen Schwindungs-Fähigkeit der Stimmbänder, theils auch in der natinkichen Beschaffenheit der Wände des Stimmorgans, welche zur. Resonanz dienen, sowie in den Lungen seinen natürlichen, nicht näher zu erklärenden Grund; es entstehen so die natürlichen Bestimmtheiten jeder Stimme und diese bedingen zugleich ihren eigenthümlichen Reiz. Die Funktion zur Erzeugung der Nuancirung eines Taues bleibt dabei doch immer die gleiche, nur wäre daran noch zu erinnern, dass, man auch bei'den Uebungen jede Anstrengung Wer junge Cantor. Eine Erzählung von Cäcilie L ä w y. (Schluss). Die Hochzeitsfeierlichkeit bei Familie Bärwald war unter Betheiligung vieler Gäste still und andachtsvoll vorübergegangen. Verwandte und Freunde brachten dem Neuvermählten Paare ihre Glück- und Segenswünsche dar, und die glückstrahlende junge Frau dankte, Thränen der Rührung in den Augen, Allen mit herzlichen Worten. Die Hochzeitsgäste begaben sich von der Synagoge in die Räume des Bärw.ald'schen Hauses, das mit allem Comfort ausgestattet war. Die jungen Mädchen und Herren promenirten scherzend und plaudernd in dem großen Salon, der zum Tanze hergerichtet war und freuten sich auf das bevorstehende Vergnügen. Frau Süßkind ließ unter den jungen Mädchen ihrer Redseligkeit freien Lauf und hielt sich an der Seite Deborah's, welche der liebenswürdigen Frau auch ihre volle Aufmerksamkeit schenkte. ״Ach, liebes Fräulein", sagte Frau Süßkind, ״mit Ihnen kann man doch ein Wörtchen sprechen, die anderen jungen Mädchen schweben alle schon im Vorgefühle der nahenden Tanzunterhaltung in höheren Regionen. Nun, sagen Sie mir aber auch, liebe Deborah, welchen. Eindruck hat denn beim Sabbatgottesdienste der junge Cantor auf Ihren Herrn Vater gemacht? Ich frage Sie wirklich nicht aus Neugierde, nur die Theilnahme für Ihre, werthe Familie zwingt mich dazu. Der Gesang des Herrn Behrens war ja entzückend, so scelenvoll hat er noch nie gesungen. Wie wundervoll trug er z. B. das Gebet zur Einsegnung des Neumondes vor! Ich wünschte, Sie hätten es gehört, welche Macht sein Gesang auf das Gemüth des Hörers übt. Alle, die im Gotteshause waren, drückten ihre Begeisterung unverhohlen aus." Deborah schwieg und Frau Süßkind bemerkte, wie das junge Mädchen plötzlich erröthete und schnell wieder erblasste. ״Ach, wenn ich' eine wunde Stelle in Ihrem Herzen, liebes Fräulein, berührt habe", sagte Frau Süßkind, ״so verzeihen Sie, ich hatte die beste Absicht und will bei diesem Thema nicht länger verweilen" evermeideil muss, indem sowohl die Stimmbänder selbst durch zu °fte Aenderung ihrer Spannung sich etwas ändern, als auch die Muskeln besonders leicht ermatten können und dann dem Willen nicht mehr streng gehorchen; bei zu großer Anstrengung detonirt man gerne, die Reinheit^ der Töne leidet Noth durch die geschwächte Muskelkraft. Vor allem aber ist,. um jedem Ton seinen reinen Werth zu geben, ein gutes musikalisches Gehör, ein geschärfter Tonsinn die nothwendigste natürliche Voraussetzung. Der durch die Spannung der Stimmbänder mit schwachem Athem erzeugte Ton wird durch das Ansatzrohr modificirt hinsichtlich des Klangs in doppelter Weise, theils überhaupt durch richtiges Ausströmenlassen der Luft (besonders Entfernung des Nasenklangs), theils durch Aenderung der Stellung der Schlund- und Mundhöhle zu enrander bei Erzeugung verschiedener Tonfarben. Nur bei richtiger Thätigkeit auch dieser Theile kommt ein gebildeter, künstlerischschöner Klang zu Tage. — Dass das Ansatzrohr, welches aus dem Hinteren und vorderen Munde, mit anderen Worten aus Schlund- und Mundhöhle besteht zur Erzeugung eines Tons nicht wesentlich ist, ersehen wir ganz klar daraus, dass wir am ausgeschnittenen Kehlkopf bei ganz fehlendem Ansatzrohr alle Töne deutlich hörbar Hervorbringen. Also zur Erzeugung eines Tons dienen alle diese Theile, welche über den Stimmbändern liegen, eigentlich nicht: der Ton ist schon ohne sie nnd unter ihnen erzeugt, vielmehr muß der Ton oder tönend gewordene ausströmende Luftstrahl beim lebenden Menschen nur einen Ausgang an ״O nein" antwortete Deborah rasch, ״Sie täuschen sich, ich kann Ihnen in dieser Hinsicht die beste Auskunft ertheilen. Mein lieber Vater sprach sich bis jetzt nicht aus, aber ich sehe es an seiner zufriedenen Miene, an der Theilnahme, die er bekundet, wenn von den Leistungen des Cantor Behrens gesprochen wird, dass sich sein Herz beruhigt. Dazu trug auch nicht wenig die Predigt des Rabbi Baruch bei,, der eine Parallele zwischen den Juden der Gegenwart und denen der Vergangenheit zog und klar und deutlich die Idee entwickelte, dass die politische Freiheit das Geistesleben der Juden gehoben und ihren Geschmack verbessert hat, doch dürfe das wahre religiöse Gefühl heute wie ehedem nicht verdrängt werden. Mein Vater spricht oft diese Gedanken aus und scheint durch den zur Andacht stimmenden Gesang des jungen Cantor auch von der Wahrheit derselben überzeugt zu sein. O die Aussicht, dass unsere stille Häuslichkeit wieder vom Geiste des Seelenfriedens durchweht sein wird, macht mich froh und lässt mich in eine freudenreiche Zukunft sehen". ״Das wünsche ich Ihnen von Herzen, liebes Fräulein", sagte Frau Süßkind. Da nahte sich den Beiden Flora Berliner, die ihren Arm in den Deborah's schob und sprach: ״Darf man vielleicht theilnehmen an der eifrigen und, wie es scheint, so ernsten Unterhaltung? Was gibt denn in dem Trubel hier Stoff zu solchen Gesprächen? Darauf bin ich wirklich neugierig. Du scheinst zu vergessen, wo du bist, liebe Deborah, heute gilt es, allen Ernst des Lebens abzustreifen und heiter unter den Lustigen zu sein. Du wirft dir doch nicht für ewig diese Würze des Lebens versagen wollen? Wenn du gestern Abend hier gewesen wärest und der Aufführung unserer Soloscherze beigewohnt hättest, so würde dich die Erinnerung noch heute erheitern, aber man wartete vergebens auf dich. Heute haben wir sicher Ihnen, gnädige Frau, die Gegenwart Deborah's zu verdanken". Frau Süßkind erwiderte, dass Deborah aus eigenem Antriebe dem Hochzeitsseste Lieschens beiwohnen!sollte. ״So", sagte Flora, ״das ist lobenswerth — doch eben hat Herr Bärwald die Gesellschaft ausgefordert, zu Tisch zu gehen und die Herren wählen bereits ihre Damen; ich will doch sehen, wer uns die Ehre geben wird; warten wir ab". Deborah hatte nicht Zeit, auf den Redestrom Fkora's zu ant- Worten, denn schon nahten Herr Felix Weinstein und Cantor Behrens den beiden jungen Mädchen. Felix reichte Deborah den Arm, bevor Behrens dazu kam, um diese Erlaubnis zu bitten. Flora

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