Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 40 (10.12.1887)
- Date
- 1887-12-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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— 2 — Methodik der Gesimgskunst. . Seit dem Zähre 1862 wirkte nun der Verblichene ununter- Krochen als Obercantor an der hiesigen Cultusgememde, bis ihn vor 3 Jahren eine tückische Krankheit gezwungen, sein ihm so lieb gewordencs Amt aufzugeben ׳und in Pension zu gehen. Durch seinen edlen Charakter, sein bescheidenes und friedliebendes Wesen, durch seinen wundervollen Gesang im Tempel und außerhalb desselben, wusste der Verstorbene sich die Herzen Aller, ohne Unterschied des Glaubens undder Stellung, zu erwerben. Er verstand es nicht nur durch seinen edlen und würdigen Vortrag der Gebete, durch die herrlichen Tempelchöre die Betenden zur wahrhaften Andacht zu stimmen, sondern auch durch seine herrliche Baritonstimme und schöne Sangesweise in öffentlichen Conccrten die Zuhörer zu begeistern. Als Anerkennung für seine Verdienste als Solist um -den hiesigen ״MLnnergesangs-Verein" wurde ihm von demselben vor' einigen Jahren eine silberne ״Beethoven-Medaille" überreicht. Mit sehr gutem Erfolge wirkte er lange Jahre als Chormeister an dem hies. Gesangschor des ״I. Schlesischen Arbeiter-Vereines". Der Verstorbene wusste auch in dieser.Stellung nicht allein als tüchtiger Musiker, sondern auch als Mensch sich die allgemeine Verehrung und Liebe zu verschaffen. Diese allgemeine Liebe und Achtung für den theuren Verblichenen, in jeder Schichte der Bevölkerung, gab sich bei seinem Leichenbegängniße kund, welches die löbl. Cultusgememde, die in dem Heimgegangenen einen ihrer treuesten und gewissenhaftesten Beamten ,verehrt, auf's Schönste ausstatten ließ. Das Leichenbegängnis .fand am 31. v. M., Nachmittags 3 Uhr, statt. Schon lange, vor der festgesetzten Stunde versammelte sich eine große Menschenmenge vor dem Trauerhause. Im Hause des Dahingeschiedenen, wo der Conduct aufgebahrt war, wurde vom Unterzeichneten schmerzerfüllt der Psalm »Josckew besesser« recitirt, worauf der Tempelchor das »eriosch k’diozir jomow« intonirte. Der Leichenzug war, wie oben erwähnt, . ein fast unabsehbarer. Voran schritten die Schüler der hies. israel- Volksschule, der gesummte Tempelchor, die Cantoren und der Rabbiner. Dem Leichenwagen schloß sich der Vorstand der Cultusgememde in corpore an. Diesen folgte der Troppauer Männergesangs-Verein und der Arbeiter-Verein, der es sich auch nicht nehmen ließ, einen herrlichen Kranz auf den Sarg zu legen. Hieran schloßen sich die endlosen Verehrer und Theilnehmer, und so bewegte sich der Zug langsamen Schrittes zum Friedhof hinaus. Hier angelangt, trug Unterzeichneter das »hazur tomim« vor. Sodann hielt der Rabbiner, - Herr Dr. Blüh, die Grabrede und würdigte in tief ergreifenden Worten die erheblichen Verdienste des Heimgegangenen. Sodann sprach der Leiter ler hies. israel. Volksschule, Herr Oberlehrer M. Blatt, ' einige herzliche und innige Abschiedsworte an den treuen Freund und Covegen. Darauf׳ wurde vom Unterzeichneten das »Schiwisi« ge- ' sangen, welches der Tempelchor mit sichtlicher Wehmüth wiederholte. Nachdem der Sarg in's Grab gesenkt wurde, trug, der Männergesang-Verein das Mcndelsohn'sche: ״Es ist bestimmt in Gottes Rath" vor.. Diesem Chore schloß sich der Spohr'sche. Grabgesang seitens des Gesangs-Chores des I. Schlesischen Arbeiter-Vereines an. Von auswärtigen College», dieherbeikamen, um dem treuen, lieben College» und Freunde die letzte Ehre zu erweisen, sahen wir die Herren Grünblatt, Jägerndorf, Herrn Prediger Anschlowitz aus Jägerndorf, Herrn Türk, Mähr.-Ostrau, Herrn Singermann, Kätscher. Und so gaben wir der Erde zurück, was ihr gehört, den Körper, doch der Geist dieses edlen Mannes wird in unserer Gemeinde stets fortleben. Lecker zaddik liwrocho. So ging er hin der edle Freund, in das ewige himmlische Reich, in das Reich der dissonanzlosen Harmonien. — Möge ihm die Erde leicht sein. — War SrngerrrmiM, Obercantor. ' IX. v;; " '• ' H/' יי Wir ersehen aus dem Gesagten, dass die höheren Musttöne׳ schwerer ansprechen bei zartem Hauch, als dieselben Töne im Falsett Eine kleine Reihe von Tönen kommt daher piano angeblasen als Falset, etwas stärker angeblasen als Brusttöne zum Vorschein. Daraus folgt, dass ein Sänger, wenn er noch einige höhere Töne mit Brust sicher fingen will, allerdings etwas mehr Lust anwenden muss, aber erst von da an, wo sich die Neigung einstellt, dass die Töne, wenn sie piano angeblasen werden, im Falset׳ ansprechen wollen; und jedenfalls hat der Sänger auch hiebei immer das geringste Maß von Athem suchen welches zur Erzeugung eines solchen Tons im ׳Brustregister uöthig ist, damit ihm noch ein Anschivellen übrig bleibt und die. Hanptthütigkeit bei Erzeugung des Tons doch in der Spannung der Stimmbänder׳ gegründet erscheint (also auch hier noch immer kein Schreien und Stoßen!). Die höchsten Töne sodann existiren nur im Falset, der Unterschied beider Stimmregister aber tritt beim mänulichen Kehlkopf deutlicher und hörbarer zu Tage als beim weiblichen. Viele Gesangslehrer haben auch schon behauptet, dass die Falsettöne im Gesang nicht brauchbar seien; dies ist eine offenbare Sünde gegen die Natur, ' denn die Natur selbst gibt ja auch diese Töne an die Hand; also dürfen, ja sollen und -müssen sie auch angewendet werden. Ferner sind sie, wie die Brusttöne-jeder musikalischen Modulation fähig, nur ist allerdings der. Uebergang beider Stiinmarten in einander etwas schwierig und setzt ein genaues Studium voraus, . welches jene Gesanglehrer noch gar nicht kennen und verstehen. Aber auch hier zeigt uus die Natur selbst wieder den besten Weg, indem auch am ausgeschnittenen Kehlkopf bei ein und demselben schwachen Athem beide Register sich erzeugen lassen, nur durch Spannung der Stimmbänder. Man suche nur denjenigen hohen Brustton, welcher noch mit demselben schwachen Athem (wie die niederen) angegeben werden kann, der bei dem folgenden das Falset hervorruft. Hier liegt immer die natürliche Grenze der Bruststimme;, nämlich also da, wo es nicht mehr möglich ist, einen weiteren höheren Brustton ebenso piano zu beginnen, wie die tieferen. Nun aber übe man sich, ein und denselben Ton mit Falset beginnend in Brust übergehen zu lassen und wieder zurückzukehren ins Falset. Auch dies beruht auf demselben Gesetz, wie die.rnessa di voce; bedarf aber noch viel größerer Kraft und genauen Untersuchung und Ermittelnug des Punktes, wo der Uebergang ohne alle Störung ganz unvermöglich ist. Dieses ganze Verfahren ist aber offenbar nur in derjejenigen Region der Töne möglich, wo beide, Brust- und Falsettöne, zugleich Vorkommen, und das Auftreten dieses oder jenes nur vom Athem abhängt; also z- B. bei einem Tenoristen von d bis § oder a. Diese ganze Uebung muß aber so bewerkstelligt werden: man beginne den Ton pp mit Falset, nimmt nun der Ton etwas zu, geht der Ton vom pp zum p über, so kann bei diesem piano bereits d e Spannung der׳ Stimmbänder etwas Nachlassen, und lasse nun. den Athem immer stärker werden, so wie die Bänder sich abspannen. In dem Punkte nämlich, da man vom p zum f übrgehen will, in dem Momente, wo man den, Athem stärker werden läßt, lasse man auch die Stimmbänder etwas nach, und so entsteht der Brustton, d. h. derselbe Ton, bei welchem pp angeblasen, nur die Ränder der sehr gespannten Stimmbänder ansprachen und schwangen (Falset), wird Brustton in dem Augenblick, da die ganzen etwas nachgekissenen Bänder durch das etwas stärkere Blasen in Schwingung gerathen. — Auf dieselbe Weise nun gehe man von der starken Bruststimme wieder zurück zur schwächeren Bruststimme, was durch etwas größere Anspannung der Bänder und gleichzeitiges Nachlassen des Athems ge-