Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 40 (10.12.1887)
- Date
- 1887-12-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ü : . i ()esterreichiseh -ungarische H'rürnimeraliorlspreis FS« tz'auzjShrig flr — Halbjährig p: 2.50 Di.rtrljShrig fl. 1.25 j FS« Nicht« klglit»«« j Ganzjährig - fl. k.— Halbjährig- ' fl. 3.— | ' Vi«rk,ljühr1g fl. t.30 Fs« LaA AuSla, d Ganzjährig fl. 7 — 1i Mark rdrr « Rubtl. t Organ für die ptereffen Wfcher Arntnren unil ^-ultnsbenmten. L r s ch e i « t j e d c n a|i e# |flj. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Medacliou und Administratio« Wie», II , Novaragafle Nr. 2?. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirr. Nr. 40. Wien/1V. Dezember 1887. 7. Jahrgang. Israel Vlinn, geV. 7. Aevruar 1829 in Firornau, -.׳. gest. 28. Movemöer 1887 in Kroppau. Ein unabsehbarer, fast nicht endenwollender Leichenzug bewegte sich langsam und ernst durch die Straßen, und Jedem, der dem Zuge gefolgt oder an dem der Zug vorbeikam, konnte man eine aufrichtige, herzliche Trauer vom Gesichte lesen. Galt cs doch dem hier so sehr beliebten und allgemein verehrten Herrn Ober^ Cantor, Israel Blum, das letzte Geleite zu geben. Israel Blum, der mit 3Vstähriger Unterbrechung beinahe 35 .Jahre in der hiesigen Cultusgemeinde als Obercantor gewirkt hat, ist in Krömau 1829 als Sohn sehr geachteter Eltern geboren. Schon in seiner frühesten Jugend erwachte in ihm ein mächtiges Verlangen, sich der Musik zu'widmen. Der Vater des später so berühmt gewordenen Tenoristen Ander war es, der ihm den ersten Musik unterricht crtheilt hat. Dann wirkte er als Chorknabe bei verschiedenen Cantoren mit. 1847 pilgerte er nach Wien mit׳ dem Vorsatze, sich dort dem Cantorate zu widmen und bei Meister Sulzer weitere Studien zu machen. Seine vortreffliche Stimme,' sowie seine musikalischen Kenntniße müssen 1 Herrn Pros. Sulzerl vollauf befriedigt habeltz denn er.wurde sofort als-Tcnorist an ״dem 'unter Sulzers Leitung stehenden Tempel-Chor angestellt. Während dieser Zeit konnte .der für den Cantor-Berus begeisterte Jüngling bei dem edlen und gewaltigen, Vorbilde׳ eines Sulzer sich voll und ganz für den erhabenen Beruf eines Cantor ausbilden. Dass ihm aber auch dieses. Bestreben gelungen, geht aus dem Schreiben des Prof. Sulzer hervor, das derselbe. 1851 an die hiesige Cultusgemeinde gerichtet hat. Da heißt es unter Anderem: ״Herr I. Blum, besitzt 'eine vortreffliche, sehr sympathische Stimme und sehr gute musikalische Kenntniße". Und zum Schluffe: ״Ich glaube, Sie versichern zu dürfen, ׳dass der Empfohlene Ihren Erwartungen vollkommen entsprechen wird, da er ein sehr׳ befähigter, braver, und zugleich ׳bescheidener-, junger Mann ist. Prof. Sulzer."׳ Ebenso -schrieb der damals in fast ganz Europa von sich redenmachende Tenorist Alois Ander dem begabten, angehenden jungen Cantor irr sein Zeugnis: ״Herr Blum besitzt eine sehr schöne^ hohe Baritonstimme und ist sehr musikalisch: Bei einer höheren Ausbildung verspricht ׳derselbe ein bedeutender Gesangs künstter zn werden." - Auf diese Zeugniße "hin wurde er 1851 nach Tröppan als Cantor berufen. Begeistert für den erhabenen und würdigen Gottesdienst, den er unter dem gottbegnadeten Sänger Sulzer gehört, gieng er sofort daran, den seiner Zeit hier eingeführten, regellosen ingsang aus dem Tempel zu bannen und dafür jene herrlichen und gewaltigen Chöre aus dem Schir Zion einzuführen. Und hierin liegt das größte Vcrd'enst des Verblichenen. Er war's, der hier dem unwürdigen regellosen Singsang im Tempel ein Ende machte und dafür einen würdigen und schönen Gottesdienst eingesührt hat. Troppau, als Landeshauptstadt, wurde auch für die umliegenden Städte maßgebend und die größeren Gemeinden in der Umgebung bestrebten sich', ihren Gottesdienst, gleich dem Troppauer, würdig und andachtsvoll zu gestalten. So hat der nun in Gott Ruhende sehr vieldazu beigetragen, dass .die erhabenen Ideen Sulzer's hier Verbreitung und Anerkennung gefunden haben. Und wahrlich, einen, besseren Interpreten für seine Reformen konnte sich Prof. Sulzer selbst nicht wünschen. Schrieb Sulzer ihm doch selbst in's Abgangs-Zeugnis: ״er besitze ein besonderes Talent inr Einftudieren der Tempel-Chöre." Und noch heute spricht jeder Musikfreund mit Begeisterung' von dem herrlichen Chorgesang unter des Verblichenen Leitung. 1859 wurde er als 2. Cantor nach Brünn berufen und nach kurzer Zeit folgte er dem ehrenvollen Ruf als 2. Cantor im großen Tempel nach Pest. Nach dreijährigem segensreichen Wirken daselbst wurde er wieder nach Troppau. als Obercantor znrückberufen. In seinem Abgangs-Zeugnis aus Pest heißt es unter Anderem: ״Zudem ist er von der Heiligkeit und Würdigkeit, seines Berufes durchdrungen, und hat er stets soviel ernsten und frommen Sinn, seltene Pünktlichkeit.und Amtstreue und einen so musterhaften Charakter bekundet,.׳ dass wir seinen bevorstehenden Amtsaustritt aufrichtig bedauern".