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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-12-02 · Heft 39 (2.12.1887) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 39 (2.12.1887)
Date
1887-12-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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wbachtung dieses: Gesetzes sein, dass das Vogelnest ungestört bleibt, was für die Erhaltung unserer Natursänger sehr förderlich ist. Maimonides bemerkt ferner, wenn nun die Thorah den Gefühlsfchmerz der Thiere Und Vögel vermieden wissen will, um wie viel mehr erst den Seelen- und Gefühlsschmerz der Menschen. Die Wiederholung des Verbotes des thierischen Blutgenusses ist in der h. Schrift der verbreiteten götzendienerischen Unsitte wegen sehr mannigfach. Wir beschränken uns nur auf die Anführung der Stelle, IH. B., M. 17. 10: ״Jeder aus dem Hause Israel und von den Fremdlingen, die unter ihnen weilen, der irgend Blut isset, so werde ich meinen Zornblick richten auf die Person, die das Blut gegessen, und werde sie ausrotten aus der Mitte ihres Volkes; denn das 'Leben alles Fleisches ist das Blut n. s. w." Was Talmud und die rabb. Codices aus dem Blutgenuss-Verbot gemacht, wie unendlich ihre 'Anordnungen zur möglichsten Verhütung desselben sind, weiß nur der, welcher eben m t dieser eigenartigen Litteratur vertraut ist. Wir bemerken im Allgemeinen, . dass die Juden durch dieses Blutgenuss- Verbot die größten indirecten Steuerzahler der civilisirten Welt sind. ׳Sie haben entschieden den größten Salzbedarf, so sie rabbinisch-riturlles Fleisch genießen. Auf Proverb. 12. 10: ״Es kennt der Gerechte die Seele (Empfindung) seines Viehes,, während der Frevler selbst gegen Verwandte — Mensch gegen Mensch — grausam ist", basirt bas Verbot der Thierquälerei bei den Juden überhaupt. Von den Präservativen Schutzmitteln der gegenwärtigen Humanisten zur Vermeidung der Thierquälerei, wie Betäubung durch Kopfschlag, Genickstich, Todtenmaske oder elektrische Tödtung, können׳ leider selbstverständlich die Juden keine Notiz nehmen, weil einfach nicht nur das uns so sehr verpönte Blut nicht entfernt, sondern dadurch thatsächlich sich im thierischen Körper festsetzen würde und durch die gesetzliche Salzbeize nicht zu entfernen wäre. Wie bereits erwähnt, fühlten wir uns zu den Thierschutzvereinen immer sympathisch, und hochachtungsvoll hingezogen, weil wir eben in diesen Vereinigungen feinfühlende Männer, Humanisten wähnten, die der Thierquälerei steuern und Menschlichkeit, Schmerz und Erbarmen gegen alle Gottesgeschöpfe — im Sinne Psalm 149. 9: ״Gütig ist der Herr gegen Alle, und seine Liebe erstreckt sich über -alle seine Geschöpfe" — lehren und zu verbreiten beabsichtigen. Durch die erneute Bitte des Verbandes der Thierschutzvereine des d. R. an den hohen deutschen Reichstag, durch Erlass eines Reichsgesetzes auzuordnen, ״dass Schlachtthiere erst nach vorausgegangener Betäubung durch Blutentzkehung getödtet werden dürfen", sind wir aber leider vollständig enttäuscht und überzeugt worden, dass diese ursprünglichen Humanitären Vereine sich in das Schlepptau unserer lieben Antisemiten nehmen ließen und den vorgeblichen Thierschutz, resp. Verhütung Herzen desjenigen dringen, an den er dachte, und den er empfänglich machen wollte für den modernen Gottesdienst, der nicht den wahren Glauben aus der Mitte Israels verdrängen soll, wie der alte fromme Dessauer und viele andere seiner Gesinnung dachten. Nur der Form solle Rechnung getragen werden, nach musikalischen Regeln sollen die Gesänge im Gotteshause vorgetragen werden, dachte Behrens, und in dieser schönen Form können der alte Geist, die Liebe zum Glauben unserer Väter, schöner und herrlicher zum Ausdruck gebracht werden. .״O, ich fuhl's, der Vater Deborah's muß ein edles Herz haben, in welches die Idee alles Schönen-und Guten Eingang findet — und wenn er erst überzeugt ist, dann darf ich . wohl hoffen, meinen Traum einst verwirklicht zu sehen Ach, warum soll ich's leugnen, warum soll-ich mir selbst den Muth rauben, weiß ich es doch, dass ich ihr nichl gleichgiltig bin, dass sie zagt und zittert, ihre Gefühle zum Ausdrück, zu bringen, aus Furcht, ihren teuern Vater zu kränken; und -liegt' es nicht nun an mir allein, dieses Hindernis zu bekämpfen? — So -verleihe mir denn, mein geliebter Gott, deinen Beistand, den innigen Wunsch meines Herzens befriedigen zu können." - Und. sinnend schloß er das Instrument, sein ferneres Geschick dem Walten des Höchsten anheimstellend. Da fühlte er plötzlich den leichten Druck einer schmalen Hand aus seiner Schulter;, er wandte sich erschreckt -um und blickte in das Antlitz seiner Mutter, in deren Augen Thränen schimmerten. Der Gesang ihres Lohnes hatte sie herbeigelockt. Simon, hatte sie, vertieft in seinen'Gedanken, nicht gehört. Sie Lauschte seinen Tönen und hörte dann sein. Selbstgespräch, und so offenbarten-׳sich die innersten Geheimniße ihres geliebten Kindes dcm besorgten Mutterherzen. der Thierquälerei zu antisemitischen Zwecken, zur Menschenquäkerei und Gewissensqual misbnmcherr. Die lieben Antisemiten stehen dem Balak^ IV. B. M. 23. 24, der doch nur aus vermeintlicher politischer Notwendigkeit dem Biliam zurief: ״Komm doch, ich will dich an einen andern Ort führen, vielleicht gelingt es dir, von dort aus Israel zu verwünschen", tief nach oder find ihm weit über. Nachdem dieselben vergeblich sich mühten, den Nachweis zu führen, dass die Israeliten religiöse Christenfreffer sind, mindestens aber Christenblut zu ihren Osterkuchen verwenden müssen — wie weiland der Tisza-Eszlar- Scandal zur ewigen Schmach des 10. Jahrhunderts bekundet — versuchen sie nun, mit Hilfe des Verbandes der Thierfchutzvereine des d. R., mit dessen Mitwirkung der Judenheit einen Genickstich zu versetzen, sie durch Uebertretung ihrer 4000jährigen religiösen Satznngen, durch Gewiffensqual zu peinigen oder mindestens zu Vegetarianern zu machen. Die Petition des Verbandes der Thierfchutzvereine liegt uns zwar originalster nicht vor, wir vermögen jedoch aus der Gegenpetition fast sämmtlicher namhafter Gemeinden Deutschlands, die uns vorliegt, den boshaften teuflischen Plan der Antisemiten wohl zu übersehen und die große Gefahr zu ermessen, in der Judentum und Judenheit unter der menschenfreundlichen, wolwollenden Thierschutzmaske geschwebt und eigentlich sich noch befindet. Nicht weniger als 46 Gutachten von christl. Capacitäten, Professoren, Beterinäre, Physiologen — man ist tatsächlich verlegen, aus diesem gelehrten Kreise Namen gu nennen — bekunden das gerade Gegentheil der Behauptung der Petition des Verbandes der Thierfchutzvereine. Wir begnügen uns, aus der stattlichen Fülle der eingeholten Gutacht n nur einen gedrängten Auszug aus dem letzten, das des Herrn Professors Dr. Fried. Anton Zürn, Director der Veterinär-Klinik der Universität zu Leipzig, ddo. 22. December 1886, zu ge en. ״Das Schächten ist eine gute und zweckmäßige Schlachtmetode. Weder der r tuelle Act des Schächtens, noch das den mosaischen Gesetzen entsprechend geschehende Niederlegen des Schlachtthieres darf als thierquälerische Handlung angesehen werden; auch ist vom ethischen Standpunkte gegen das Schächten nach mosaischem Ritus nichts mehr einzuwenden als gegen das Schlachten von Thieren überhaupt. Aus dem unter a und b Gesagten geht unzweifelhaft hervor, dass das Schächten eine der besten Schlachtmetoden ist, die es gibt. So lange in Deutschland der Gebrauch des Beiles zum Fällen der Schlachtrinder geduldet wird, so lange noch der Bruststich oder Kehlschnitt bei Schlachtschweinen, ohne dass vorher in richtiger Weise Betäubung der Letzteren ermöglicht wurde, nicht verboten ist, so lange man noch Kleinthiere, die oft grausam geknebelt und roh auf den Schrägen geworfen werden, zu tödten Behrens empfand, dass er sich verrathen und warf sich, nicht mehr Herr seiner Gefühle, schluchzend in die Arme seiner Mutter. Diese strich ihm liebevoll das lockige Haar aus der Stirn und sprach mit ihrer sanften Stimme beruhigend auf ihn ein: ״Sei frohen Mutes, mein Kind, ich billige die Wahl Deines Herzens, ich habe die Eltern des Mädchens kennen gelernt und glaube fest, dass ihre Tochter ihnen alle Ehre macht. Die Schönheit Deborah's entzückt mich selbst, und wenn sie Dir einst liebevoll ihre Hand reicht, so will ich freudigen Herzens meinen Segen zu Eurem Bunde geben." Behrens bedeckte die Hände seiner Mutter mit Küssen und fragte sie dann mit ernstem Blicke: ״Und wirst Du Dich begnügen, wenn meine Liebe nicht ausschließlich Dir gehört?" ״O, Simon, was sprichst Du, ich werde ja gewinnen, bringst Du mir doch eine Tochter in's Haus, die für mich gewiss kindliche Liebe empfinden soll, denn wer meinem Kinde gehört, soll auch mir mit ganzem Herzen angehören. Sei nur heiter und wohlgemut, und lass Dein Mitterchen nun auch ein wenig für Dich sorgen, es soll alles seinen guten Ausgang nehmen. — Bereite Dich nun vor, das Gotteshaus zu besuchen, es ist spät geworden, geh', mein Kind, ich werde die Sabbathlichter auzünden, und morgen will ich Dich wieder an heiliger Stätte so singen hören, wie ich Dich eben belauschte." Behrens legte das vorbereitete Synagogen-Ornat mit Hilfe feiner Mutter an und begab sich, von ihren Segenswünschen begleitet, in's Gotteshaus. ' -(Schluss folgt.)

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