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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-12-02 · Heft 39 (2.12.1887) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 39 (2.12.1887)
Date
1887-12-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— — sich dann allmählig der Ton von selbst verlängern, indem sowohl der Athem als die Musketthätigkeit 'dadurch intensiv und extensiv erstarkm. Besonders aber berücksichtige man noch, dass diese Uebung auf jedem Ton muß gemacht werden können, auch auf jedem Falset- Ton, so dass man jeden mit dem zartesten Hauche beginne, zum forte und ff übergehe, und endlich wieder zu ganz demselben zartesten Hauche zuruckkomme. Die Lunge hat also bei der Nüanzirung eines Tones hinsichtlich der Starke immerhin das Hauptgeschäft, doch.muß die Muskel: thätigkeit im Halse im richtigen Verhältnis dabei Mitwirken: au ch das richtige Nachlasien der Stimmbänder bei stärker werdendem Athem setzt eine richtige Thätigkeit der Muskeln und Herrschaft über dieselbe voraus; da wir aber auf diese Muskeln nur durch denn Lünern Tonsinn oder den Gedanken des Tons einwirken können, so muß mit jener Uebung, wenn sie ganz rein vor sich gehen soll, ein die ganze Dauer des Tones währendes bestimmtes Denken des Tones sich' verbinden. Dass aber selten eine Gesangschule die Wichtigkeit des innern Tonsiuns erkannt hat, ist leider nur zu wahr und ein sehr schlagender Beweis der bisherigen Oberflächlichkeit der Lehrer. Mes bisher Gesagte nun findet bei allen Tönen der menschlichen Stimme seine Anwendung, sie sei männlich oder weiblich, sowohl bei den Brustals bei den Falsettönen. Auch die letzteren werden mit dem schwächsten Athem nur durch die Spannung der Stimmbänder, also durch Muskelthätigkeit, erzeugt, denn wir erhalten sie auf diese Weise auch am ausgeschnittenen Kehlkopf, sie unterscheiden sich jedoch von-den Brusttönen wesentlich dadurch, dass bei ihnen blos die feinen Ränder der Stimmbänder, bei den Brusttönen aber die ganze Breite derselben sehr lebhaft schwingen. Bei dm Falsettönen also schwingt nur ein Theil der Bänder, nämlich der Breite nach, die Länge bleibt dieselbe, und die Spannung nimmt zu bei dm höheren Tönen. Die höheren und höchsten Töne, wenn man sie zart anbläst, sind dann gewöhnlich schon von selbst Falsettöne, indem nämlich der schwache Athem nicht stark genug ist, um die gauzm Bänder schwingen zu machen, sondern nur einen Theil ihrer Breite: werden dagegen die Stimmbänder stärker angeblasen, so mtstehen auch noch einige höhere Brusttöne. (Fortsetzung folgt.) emlletoy. Der junge Cantor. Eine Erzählung von Cäcilie L ö w y. (23. Fortsetzung.) Frau Rachel ließ Rabbi Baruch den Entschluss ihres Mannes meldm, denn dieser hatte den Wuusch geäußert, dass man ihm berichten möge, wenn Dessauer wieder das Gotteshaus besuchen wolle. Als Hannah zum Rabbiner kam, saß Cantor Behrens bei Rabbi Baruch, und beide Herren waren so vertieft in einen talmudischen Disput, dass sie das Oeffnen der Thür überhörten. Erst als Hannah, die bescheiden bei der Thüre stand, sich räusperte, lenkte sie die Aufmerksamkett auf sich. Rabbi Baruch richtete einen fragenden Blick auf das Mädchen, und diese sagte schüchtern: ״Frau Defsauer lässt sich, empfehlm, und erlaubt sich, dem-Herrn Rabbiner zu berichten, dass Herr Deffauer morgen die Synagoge besuchen werde." Als sich das Mädchen entfernt hatte, sahen sich Beide mit verschiedenen Empfindungen an. ״Endlich", Hub Rabbi Baruch an. ״Ach, mein lieber Herr Behrens, jetzt gilt es, das Herz eines edlen Mannes für die Reform, die durch . Sie in unserem Gotteshause eingeführt wurde, empfänglich zu machm, nehmen Sie alle Mittel, die Ihrer schönen, geschulten Verband -er Thierschutz - Vereine -es deutschen Reiches wider Indenthum, resp. Iudenheit. (Orig. Correspond, vom Riesengebirge.) (Nachdruck verboten.) (Schluss). -- Der natürliche Genuss des Menschen ist Speise ׳aus dem Pflanzen- und Thierreich. Die entsprechendsten Nährtiere sind und bleiben — woran kein vernünftiger Arzt zweifelt —.die von der Thorah uns erlaubten Haus- und Wildthiere. Da der Fleischgenuss zu unserer Erhaltung notwendig ist,, so war die Torah bedacht, die leichteste, schmerzloseste und unempfindlichste Schlächiweise, V. B. M. 20. 21, mit den Worten zu geben: - ״Du kannst schlachten von deinen Rindern und Schafen, welche Gott dir gegeben, wie ich dir ' befohlen. Diese Schlachtart ist aber in der-h. Schrift nirgends weiter erörtert. Sie beruht ganz und gar auf Tradition, die bis zumgrößten Humanisten, den wir Epigonen noch lange nicht erreicht haben und schwerlich je erreichen werden, bis zum Patriarchen Abraham hinauf reicht. Strengstens verpönt ist darum jede Thierquälerei durch unritu- ' elles Schächten oder gar Genickstich rc. Hierher gehört auch das Verbot III. B. M. 22. 27: ״Die Mutter nebst ihrem Jungen sollst du nicht schlachten an' einem Tage". Hüte dich und halte dich fern zu schlachten vor Beiden — das Junge vor den Augen der Mutter, weil der Gefühlsschmerz ein gewaltiger ist. Letzterer ist bei Mensch und Thier derselbe; denn die Mutterliebe und deren. Gefühle für ihr Junges sind nicht Folge des Verstandes, sondern die des Vorstellungs- Vermögens, das bei den meisten Thieren ebenso wie beim Menschen sich vorfindet. Dies Verbot ist besonders bei den Hauslhieren Kuh, Lamm, Ziege angeordnet, weil deren Genuss üblich und gestattet ist und man von diesen Mutter und Junges genau kennt. . Aus ähnlicher Ursache folgt das Vogelnest-Verbot, V. B. M. 22. 6: ״Wenn du einem Vogelnest auf dem Wege,- auf irgend' einem Baume oder auf der Erde begegnest, Küchlein oder Eier, und die Mutter liegt auf den Küchlein oder Eiern, so sollst du nicht nehmen die Mutter über den Jungen. Liegen lasse die Mutter, und die Jungen nimm dir, auf dass.es dir wohlergehe und du.lange lebest." Denn sowol die Eier, auf denen die Mutter gesessen, wie die Küchlein, die der Mutter bedürfen, sind größtenteils zur Nahrung ungeeignet. Entlässt man vorher die Muttex, so schmerzt sie nicht die Beraubung ihrer Jungen, und meistens wird die . Folge der Be- Stimme zur Verfügung stehen, zusammen, und überzeugen Sie den würdigen Herrn Dessauer, dass unsere Gemeinde in Ihnen einen Mann gesunden, der den Traditionen unseres Glaubens treu geblieben, und die kunstgerechten Töne, die die moderne Judenheit im Gottes- Hause hören will, nur geübt, um dem Zeitgeifte Rechnung zu tragen."- — Rabbi Baruch hatte diese Worte mit gesenktem Haupte gesprochen, jetzt hob er den Blick und sah die Augen des jungen Cantors ernst und sinnend auf sich gerichtet; da fügte er noch leise die Worte hinzu: ״O, glichen alle Ihre Collegen Ihnen, lieber Herr Behrens, so. wollte ich beruhigt einer hoffnungsvollen Zukunft entgegen sehen." Behrens erhob sich und reichte dem Rabbi die Hand, indem er sprach: ״Entschuldigen L>ie, wenn ich Sie schon verlasse, ich will Ihrem Wunsche Folge leisten und mich, da in wenigen Stunden Sabbath ist, für meine gottesdienstliche Function vorbereiten׳" Rabbi Baruch begleitete den sichtlich erregten jungen Mann bis zur Thür und nahm dann wieder den Platz vor seinen Büchern ein. Er sann nach über einen Text zu seiner morgigen Predigt, in welcher er׳ seines Freundes Dessauer gedenken und dem Allgütigen ein Dankgebet für dessen Genesung darbringen wollte. . Indes durchmaß Behrens mit langen Schritten, sein Gemach, indem er verschiedene Melodien summte, dann öffnete er seinen Flügel, schlug einige Accorde an und sang mit seiner senoren Tenorstimme den Text der Muffaphgebete. Der Gedanke beseelte ihn, auf den Vater :des Mädchens, das er liebte und schätzte, einen tiefen Eindruck zu machen, und seine Töne, die erst zagend und vibrirend hervorkamen, gewannen allmälig au Fülle und Stärke: und verliehen seiner klaren,׳ Hellen Stimme eine Innigkeit, dass er selbst empfand, sie müssen zum

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