Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 39 (2.12.1887)
- Date
- 1887-12-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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sucht rc., so lange haben wir die Missstande in unserem eigenen Hause zunächst zu beseitigen, damit uns das Wort: ״vom Sehen des Splitters im Auge des Nächsten und vom Nichtsehen des Balkens im eigenen Auge" berechtigter Weise nicht zugerufen werden kann." Das Lebm des Gestügels scheint übrigens dem löbl. Verband der Thierschutzvereine vollständig vogelsrei zu sein. Mächten doch diese Herren eine Umschau Ln ih-en eigenen Küchen halten und die humane Schlachtweise ihrer Küchenfeen beurteilen, die mit den» ersten bestschartigen Messer oder gar durch Todschlag an der Wand bewirkt wvd. Kurzum, es bewährt sich hier wiederum jenes Sprichwort von der Klugheit den Eier gegenüber den sie legenden Hühnern. Das bischen Humanität, deren sich die civilisirte Menschheit erfreut, ist wahrlich — das wird doch der Verband der Thierschutzvereine wohl zugestehen — nur ein Ausstuss des Mosaismus, und so rufen wir ihnen zum Schlüße jenes bekannte Heineffche: ״Lasst die Juden u s. w." zu. Denn trotz aller Thierschutzverbände wird der Thierschutz nicht annähernd die humane Schlachtweise der Juden erreichen und zwar ganz einfach deswegen nicht, weil polizeiliche Anordnungen, selbst wenn sie unserem Gefühle und Gemüte entsprechen, himmelweit von religiösen, durch Jahrtausende sanctionirten und mit peinlicher rabbinischer Gewissenhaftigkeit geübten, verschieden sind. Indes trotz der 4L Gutachten, die fast einstimmig der Christenheit die mosaische Schlachtweise empfehlen, hat dies wahrhas! tragisch-komische Spektakelstück, wie der Bureaudircctor des hohen deutschen Reichstages, Herr Knack, unterm 10. Jänner 1887 säm.mtlichen petitionireuden Judengemeinden mittheilt, noch lange nicht ausgespielt. Dasselbe lautet: ״Urschriftlich mit demergebenen Benierken zurückgesandt, dass anliegende bei dem Reichstage.eingereichte Petition in Folge Auflösung des Reichstages nicht mehr zur Berathungund Beschlusssassung gelangen kann e. Indem ich mich beehre, hievon Mitlheilung zu machen, bemerke ich zugleich, dass nach §. 70 der Geschäftsordnung des Reichstages Petitionen mit dem Ablaufe der Sitzungs- Periode, in welcher sie eingebracht und noch nicht zur Beschlussuahme gediehen, geschäftlich als erledigt zu erachten sind und demzufolge Lei dem Beginne einer neuen Session ohne weitere Veranlassung nicht wieder ausgenommen werden können". Inzwischen hat der- Verband der Thierschutzvereine eine Abwehr, resp. ״aufgedrungene Richtigstellungen" ohne Dalum, die wir übrigens der löbl. Redaction originaliter übermitteln, erlassen. Dieselbe lautet am'Schlüße: ״Unser Standpunkt ist der : Bei der heute üblichen Art zu schlachten ergeben sich vielfache Missstände, die wir vom thierschützerischen Standpunkte zu bekämpfen haben, um deren Abstellung durch Gesetz wir beim Reichstage pet tionirt haben.. Fallt darunter auck das rituelle Schächten der Israeliten^ so können wir das, weil diese Wert darauf legen, bedauern, können darum aber von unserer Bitte um gesetzlichen Schutz der Tiere auch in dieser Sache nicht abgehen und müssen es den dazu berufenen Instanzen überlassen, ob sie es für nötig erachten, Ausnahmebestimmungen für die 1, 2°/0 der Gesammtbevölkerung des deutschen Reiches, die sich zur Israelirischen Religion bekennen, zu machen. Mithin können wir zweifelsohne bei dem am 24. d. M. eröffneten h. Reichstage der Wiederaufführung dieses interessanten Spektakelstückes — Thierquälereischutz wider Menschenquälerei — durch ' gegenseitige Petitionen entgegensetzen. Ueber den Erfolg werden wir picht ermangeln, zur Zeit zu berichten. Gingesendkt. Hochgeehrter Herr Redacteur! Verschiedene private Verhältniße und Berufspflichten . haben mich. - diesmal abgehalten, in Angelegenheit der von der hohen f. k. Statthalterei beanständeten §§. der neuen Statuten.auch mein bescheidenes Votum abzugeben. Da nun der löbl. Vorstand den ganz correcten Beschluss gefasst hat, diese wichtige Frage in einer außerordentlichen Geueral-Versammlnng zur Sprache zu. bringen, so erlauVe ich mir den Vorschlag zu machen, wie er auch vom Vorstande angedeutet wird, dass der Vorstand aus der Mitte der Vereinsmitglieder mindestens zwei Vertrauensmänner, einen aus Oesterreich und einen, aus Ungarn, wähle, welche auf Vereinskosten (selbstverständlichblos die Reisespesen) zur außerordentlichen General-Versammlüng zu erscheinen hätten. ־ V Diese hochwichtige Angelegenheit ist eben einer jener Fälle, die unverhofft eintreten können und für welche. im §. 25, lit. g auf meinen Antrag bei dem letzten Cantorentage vorgesorgt wurde, wo ׳ die Meinung und das Votum auswärtiger Mitglieder׳ angehört werden muß. Als Termin für die außerordentliche General-Versammlung, würden sich, wie der Vorstand selbst bemerkt, am besten die Weih-- nachtsfeiertage eignen. I. Stransky> Trautenau. Kleine Chronik. Israel Blum. Kurz vor Schluss des Blattes kommt uns . die betrübende Nachricht von dem Hinscheiden eines Collegen und Vereinsgenossen, des Herrn. Israel Blum, pensidnirter Obercantor der israel. Cultusgemeinde in Troppau zu, welcher nach langem, schmerzlichen Leiden, im 57. Lebensjahre Montag-, den 28- November in ein besseres Jenseits abberufen wurde. Der Name des Heimgegangenen wird stets in gutem Angedenken bleiben. Die׳ Einfachheit und Schlichtheit seines- Wesens, die liebenswürdige Bescheidenheit im Umgänge, die treueste Pflichterfüllung während seiner langjährigen Beamtenthätigkeit, das. lebhafteste und aufrichtigste Interesse an allen Angelegenheiten unseres- Standes, das er noch am letzten Cantorentage in manifester Weisebekundete, dies waren die schönen Eigenschaften, welche ihn als. Menschen und Beamten zierten und ihm die Liebe seiner Standesgenossen, wie nicht minder die-vollste Anerkennung und Hochachtung, von Seiten seiner Gemeinde sicherten. ■.תיניצ״ב״ה Wien. (Vorstandswahl der isr. Cultusgemeinde.) Sonntag den 27. November fanden die Ergänzungswahlen für den .Vorstandder isr. Culusgemeinde statt. Den Wahlact, der von 9 bis 2 Ubr währte, leitete unter Intervention von' zehn Vertrauensmännern- Architect. Fleischer. Die Betheiligung war eine ziemlich rege; es wurden 567 Stimmen abgegeben. Um 5 Uhr wurde das Scrutinium vorgcnommen, welches folgendes Resultat ergab: Wiedcrgewählt für die 4jährige Funktionsperiode wurden die-Herrn Jul. R. von Goldschmidt mit 558, Baurath Stiaßny. mit 544, Josef Ritter von Pfeifer mit 539 und Wilh. R. v. Guttmann mit 538 Stimmen^ Mich. Biach für die 1jährige Functionsperiode mit 511 Stimmen,, und neugewählt für die 4jährige. Functionsp.eriode Regier. Rath׳ Sam. R. v. Hahn. Auf Herrn Kammerrath Beruh. Singer entfielen 58 Stimmen. Die -übrigen waren zersplittert. Urauteuau (Orig. Corresp.) (Eine Massentaufe — diedrei musikalischen Cultusvorsteher — -die verweigerte Concession einer כשר Restauration.) Vor einigen Tagen hat eine jüdische Mutter, dieselbst eine eifrige Tempelbesucherin ist, ihre fünf schulpflichtigen Kinder in die hiesige katholische Kirche zur Taufe geführt; der Vater dieser Kinder ist ein Engländer und bekennt sich zur anglikanischen Kirche. Also ein Ideal einer interkonfessionellen Familie, in welcherdie Festnnd Feiertage nie ausgehen. — Als eine Seltenheit kann hier auch angeführt 'werden, dass an den verflossenen hohen Feier-׳ tagen drei Cultusvorsteher in der hiesigen Gemeinde ihr musikalisches,, beziehungsweise auch gesangliches Talent beim Gottesdienste leuchten ließen. Der Eine, ein gewesener Vorsteher spielte die Orgel, dev Andere fungirte in trefflicher Weise am ״כ? als ב״ת NMv und dev Dritte blies am ,ר״ר in virtuoser Weise den ש81ר. Nun, mehr kann man von einer modernen Fortschrittsgemeinde -nicht-verlangen. — Vor einiger Zeit suchte ein Mitglied einer Cultusgemeinde.um -die Concession einer כשר Restauration bei der competenten Behörde, an. Dieselbe wäre ihm auch ohne Zweifel ertheilt wurden, wenn — —