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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-12-02 · Heft 39 (2.12.1887) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 39 (2.12.1887)
Date
1887-12-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Gegenwart anheimfallen, der alles zu verdeutlichen strebt und bei -er Sucht, das Object auf seine Einzelheiten zu bestimmen/ den geheimnisvollen Reiz dies Ganzen zu vernichten strebt. Nur insofern, als wir hier abermals den didaktischen Werth der Lewandowskischen Arbeiten kennzeichnen, muffen wir das geheimnisvolle Dunkel mit dem Glühlichte der'Untersuchung etwas zu erhellen suchen. Wie bringt es Lewandowski zu Wege, einen einfachen polnischchaffidischen Volksgesang in eine Prachtnummer des modernen Synagogengesanges umzuwandeln? Darauf muffen wir mit der bereits oben angeführten Anschauung antworten: Weil Lewandowski meister- Haft -zu specialisiren versteht Specialisiren nennen wir, Gattung von Gattung genau, ja ängstlich unterscheiden und jede nach ihrer Eigenart musikalisch behandeln. Nicht, wie es üblich,׳ den cantus firmus einer älteren Periode mit einer moderen Harmonie, mit einem unpassenden Rhythmus zu versehen und-die. derart' verballhornten Merkchen als aus, dem tiefen Schachte vergangener Jahrhunderte ausgegrabene und blos mit modernem Flitter aUsgestattete Kunstwerke der Mtt- und Nachwett zu übergeben. Denn ist beispielsweise die Löhmische Melodie wirklich eine alte, wer erkühnt sich, dieselbe aus eigener Machtvollkommenheit zu rhythmisiren und modern zu harmonisiren? Oder gelingt es Jemandem, diese Melodien nur einigermaßen correct modern zu harmonistren, wie wird der zuverlässige Nachweis erbracht, dass die Melodie wirklich eine alte sei? Oder aber, trägt die böhmische Melodie wirklich die Signatur des Atters und wird dieselbe gewaltsam in die unpassende Gewandung einer modernen Harmonie hineingezwäugt, wie soll der einstige Wissenschaftliche Beurtheiler eine Periode kennzeichnen, in der solche Zwitter-׳ gestatten als Kunstschöpfungen hingestellt wurden? Deshalb müssen die besser denkenden jüdischen Cantoren der Gegenwart solch' Zweifelhaste Erscheinungen ernstlich von sich weisen und es tiefstens bedauern, dass sich sogar noch einzelne, uns - sonst liebwerthe Persönlichkeiten^ finden, die solch'trüben Künstbestrebungen das Wort reden, und nur' deshalb muß es hier abermals erörtert werden, wie Lewandowski streng -und unerbittlich über die Eigenart der zu behandelnden Melodie wacht und stets bestrebt ist, jeder Gattung die ihr innewohnenden wesentlichen Merkmale zu erhalten. Was hätte ein weniger, rigoroser Tonsetzer in harmonischer Richtung nicht alles diesen vorliegenden Melodien Nr. 193 aufgeklügelt und aufgedrängt, Lewandowski verzichtet aber auf . alle rauft־ kalisch-verblüffenden Behelfe, sondern begnügt sich, wie beispielsweise in den ersten vier Tacten, sogar nur ׳ mit einer einfachen Sexten- Begleitung, um nur den Charakter der Volksmelodie nicht zu verwischen und durch blendende Harmonien die Aufmerksamkeit des Hörers von derselben abzulenken. . Eine weitere bemerkenswerthe Methode der Lewandowskischen Synagogengesangs-Arbeiten zeigt sich in der strengen Gruppirung derjenigen Melodienfragmente, die sich für den Solo- und derjenigen, die sich für den Chorgesangsstil eignen, welche dem Ganzen ein interessantes, abwechslünzreiches Relief verleihet und sogar der charakteristischen Gesangsmanier des Chasen (im Gegensätze zum Sänger) freien Spielraum gestattet. Aehnlich Rühmliches ist auch von Nummer 222 Wehaköhanim zu verzeichnen. Die sattsam bekannte, reich mtt Rouladen und Eoloraturcn ausgestattete Weise ist ja jedem von uns geläufig, und wir wissen ja auch, wie die modernen Cantor-Componisten sich diesem Opus gegenüber verhielten. Der Eine entkleidete die heilige Melodie ihres coloristischen Schmuckes und stellte, den charatteristischen Stil ganz außer Acht lassend, glatte Töne hin, die verirrten.Wanderern gleichen, welche vergeblich nach Anhaltspuntten für ein endliches Zurechtfinden ringen, deshalb auch , den andächtigen Zuhörer unbefriedigt lassen. Der Andere, dem die Beibehaltung der Verzierungen einleuchtete, suchte durch pikante Modulationen und neuartige Verzierungen dem Ganzen den Stempel des Modernen, aufzudrücken, musste daher mit seinem eigenmächtigen Vorgehen gleichfalls Schiffbruch erleiden.. Doch wie einfach und zweckentsprechend verarbeitet Lewandowski. diesen scheinbar spröden Stoff? Auch er ist sich vollauf bewusst, dass die schwierigen Verzierungen von der Kehle eines Chor-Cantors nur äußerst selten bewältigt werden dürften, ja, dass die laugathmigen Coloraturen ohne Text in der modernen Synagoge nicht erlaubt sind; trotz alldem erkühnt sich-der Meister ntcht, die Originalität heralte« Melodie auch nur durch die winzigste Veränderung anzutasten. Hier wie oben zeigt es sich wieder, wie Lewandowski-zu specialisiren und zu gruppiren versteht. Durch den Kunstgriff, dass das Me l i s nt « tisch e der Orgel und die D e c l a m a t i o n des Wortes dein Cantor zugerheilt erscheint, wurde die volle-Charakteristik des Tpuftückes gewahrt und wird nun seinem ganzen Umfange nach in derselben Weise, wie es in vergangenen Jahrhunderten von den leichtbeweglichen Kehlen der alten Chasanim vorgetragen wurde, unangetastet mtd stilrein auch späteren Geschlechtern überliefert. Missvergnügte werden allerdings auch bei dieser Gelegenheit auf den landläufigen Hinweis nach dem Cotumbusei nicht verzichten ׳ wollen; wir aber haben jedoch nur zu registriren, dass der nachgewiesene. Kiwstbehelf den Vorgängern Lewando vski's eben n i ch'i einfiel- und fühlen wir uns zu dem' Ausspruche gedrängt, dass, wenn in kommenden Jahrhunderten über die Kunstbestrebungen der in unserer Periode lebenden synagogalen Componisten zu Gerichte gesessen werden sollte, diese beiden Nummern 193 Weje’esoju ckol leow^echo und 222 Wehakokanim aus dem Wüste zweifelhafter Compositionen sicherlich wie zwei Lichtgestatten sich-erheben ttnd Zeugnis dafür ablegen werden, dass auch in unsrem Zeitalter Mä ltner gewirkt haben, denen in der Umgebung so vieler fachmännisch-unreifer Streber der Hinblick auf formgerechte Gestattung und ideale Anschauung nicht abhanden gekommen ist. (Fortsetzung folgt.) Für die Briefmappe -er Laubhütte" . Nr- 46. Tie verehrliche.Redaction der genannten, werthen Zuschrift hat Veranlassung genommen, an bezeichueter Stelle auf tneinen Artikel: ״Die Blumenbekränzung der Särge u. s. w." (siehe Nr. 27 .und 28 dieses-geschätzten Blattes) zurückzukommen und meine dortigen Deduktionen mtt folgenden Argumenten zu widerlegen: ״Aus dem Worte ״Hackass" können Sie nur beweisen, dass es Sitte war, einen Myrthenzweig auf den Sarg zu legen'; sonst Nichts. Uebrigens ist ttalacttisctt zu berücksichtigen, dass spater aller Prunk in Kleidung rc. gesetzlich' beseitigt-worden ist und deshalb entgegenstehende Bemerkungen aus früherer Zeit nicht mehr beweiskräftig sind." ' . Weil ״Ha6a88" speziell Myrthenzweig heißt, deshalb sind andere Blumen uud Pflanzen noch nicht davon ausgeschlossen. Da es doch hier sich nur um den Wohlgeruch der Hiezu gebrauchten Gewachse handelt, warum sollte man unter ihnen einen Unterschied machen? Höchstens kann man daraus schließen, dass zu jener Zeit und besonders injenen Ländern' die .Myrthenkultur eitle allgemein ausgebreitete war, und so hat man den ausgiebigsten Gebrauch dieser wohlriechenden Pflanze, selbst zur Vertre bung des unleidlichen Leichengeruches, sich wohl erlauben dürfen. - Desgleichen könnte man ja auch sagen:: weil das Wort: "nvv" j ein Bett bedeutet, so darf die Leichenbahre, d e bekanntlich überall

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