Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 39 (2.12.1887)
- Date
- 1887-12-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Urarnirn eralionspreis Für Verein smittzNede*. tz'a..;iührig fl- S — Halbjährig fl. 2.50 Vilrtkljöhrig fl. 1.25 ־ Für Nichtnilgiieder Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig 4L 3.— Wirrte ljährig fl. 1.50 Für daS AuSla» v Ganzjährig ' fl. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. . ־ Oesterreiehisch -ungarische Zoitnng. Organ för De KnteMen WWer st-sntore« Mil ^'ultnsbeamten. Erscheint jeden achte nLag. Begründer: Obercantor ^Lvod Bauer. Webaction und Administration Wie n, II., Novaragaffe Nr. 2? Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 39. Wien, 2. Dezember 1887. 7. Jahrgang. Meber die Entwicklung -es Synagogengesanges von Ober-Cantor I. Singer in Wien. n. Serie. -XII. Der von uns bis nun erbrachte genaue Nachweis bezüglich der Lewandowskischen Bearbeitungsmethode synagogaler Musikmotive wäre unseres Erachtens hinreichend, um auch aus den weiteren, trefflichen Inhalt der in dem Werke 106011 we’simrah sich vorfindlichen Synagogengesäuge erschöpfende Folgerungen zu gestatten, und im großen Ganzen suhlen wir uns auch thatsnchlich' der Ausgabe überhoben, aus jede einzelne Nummer des umfangreichen Werkes speciell hinzu- , weisen. Welches Blatt und welche Nummer wir auch ausschlagen, wohin wir unseren prüfenden Blick auch richten, überall strömt uns eine.Fülle musikalischer Schönheiten, ein gesättigtes, fachmännisches Zielbewusstsein und, um es doch wenigstens zu erwähnen, eine Reinheit des Stiles entgegen, wie man ihn leider bei synagogalen Componisten nur älißerst selten zu begrüßen Gelegenheit hat. Trotzdem erachten wir es als eine.angenehme Pflicht, auf einige Piecen insbesondere aufmerksam zu machen, weil auch diese haarscharf die Tendenz zeichnen, welche Lewandowski bei Bearbeitung seiner Synägogencompositionen leitet. Da ist nichts von jenem allbeliebten Dämmerscheine 31t bemerken, der kaum die Umrisse einer Gestaltung erkennen lässt,-unter dessen trüben Schimmer es daher auch leicht möglich ist, die verschiedenartigsten Stile nebeneinander oder gar ineinander zu verarbeiten. .Was Lewandowski gestaltet, das ist, streng einheitlich gefügt, einfach und stilrein nicht blos in einzelnen Partien, sondern dem Gesammtumfange des Werkes nach, durchgeführt. Deshalb ist auch die Wirkung der Lewandowskischen Synagogenmusik keine verblüffende, unbegreifliche, sondern eine ergreifende, wohlthuend besänftigende, was ja auch der Zweck jedweder religiösen Musik sein soll. Dass Lewandowski für seine Synagogengesänge keine neuen Motive erfindet, insolange er nur irgendwie an Althergebrachtes anknüpfen kann, haben ׳wir wiederholt und erschöpfend nachgewiesen; allein er weiß auch meisterhaft zu specialisiren, wenn er es untiM nimmt, eine dieser exotischen Melodien zu harmonisiren.*) Keiner, wie Lewandowski, verstand es so trefflich, nicht blos die Gattungen genau von einander zu scheiden, sondern auch dem Inhalte jeder einzelnen gemäß auch die entsprechende Harmonie anzupassen. Wenn wir Nr. 193 Weje’esoju chol leowdecho in F-dur, eine Piece für Cautorfalo, Chor und Orgelbegleitung, mit ihren interessanten Modulationen, äußerst wirksamen Harmonieen und picanten׳ Rhytmuswechsel betrachten, so erblicken wir sicherlich nichts anderes, als eine Prachtnummer musikalischer Darstellung, die selbst einem Anhänger der nrodernsten Musikrichtung Achtung und Lob abzuringen im Stande ist; trotzdem blickt allerwegen aus jedem Tacte dieser Compofition der Schalk hervor, der uns lächelnd zuruft: ״Erkennst du mich wirklich nicht?" Und wie sollten wir ihn auch nicht erkennen? Setzen wir beispielsweise statt der am Kopfe der Compofition sich vorfindlichen Bezeichnung Molto lento maesto einfach Allegretto und behandeln wir auch das Andantino Seite 204 diesem von uns vorgeschlagenen Zeitmaße entsprechend, entkleiden wir weiters die Gesammtmelodie ihres harmonischen Schmuckes sowohl in vocaler als instrumentaler Richtung, so stehen wir sofort einem liebenswürdigen, volksthümlichen Gesänge (Nigendl) gegenüber, wie derselbe nicht erschöpfender und hinreißender der begeisterten Phantasie eines am Samstagabends Lemirotti-singenden polnischen Chassid entstammen könnte. Der sentimental zuversichtliche Ton der ersten Melodieperiode 6c i weje’esoju chol leowdecho, der wilde Begeisterung ausdrückende'Aufschrei bei den Worten jisbechu lecho ess siwchehem, wie nicht minder die in As-dur düster und dumpf gezeichnete Beth- ן harnidrascli-Singiveise vereinigen sich zu einer Totalwirkung, die auch den Mindereingeweihten sofort s ü r unsere Anschauung stimmt, zugleich aber auch eine Erscheinung zu Tage fördert, der gegenüber die mannigfachsten Bedenken auftauchen, die verschiedensten Fragen zu stellen wären. Allein wir wollen nicht dem argen Fehler der *) Nicht blos bei den synagogalen Compositio en Lewaudowski's bildet die Hinneigung .zur spec>fisch jüdischen Melodie eine bemerkenSwerthe Eigenthümlichkeit des Meisters; dieselbe ift auch bei vielen seiner weltlichen Arbeiten anzutrefstn. (Siehe Bioliu Concert)