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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-11-24 · Heft 38 (24.11.1887) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 38 (24.11.1887)
Date
1887-11-24
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— e — dürste jenes bekannte Sprichwort ״Bist du Gottessohn, so hilf dir selbst", stammen. Menschenschuh ist ihnen thatsachlich fremd, und das ist gar nicht so ungerechtfertigt, wie es dem oberflächlichen flüchtigen Denker scheinen mag. Thatsachlich hat Gott der Herr den schwachen Menschen mit Vernunft und Erkenntnis begnadet, um sich gegen Gefahr und menschliche -Unbill zu schützen, und wir vermögen dies bester als die stärksten Thiere mit ihren.Naturwaffen. Doch aber sind wir gegen Ucbermacht oder gar Dummheit macht- und wehrlos. Gegen Letztere soll doch — einem bekannten Dichterausspruch zufolge — selbst ein Gott vergeblich kämpfen, wie dies die 5000jährige biblische Menschen-Erziehung leider bekundet. Die Dummen sind noch nicht äusgcstorben — und man möchte bei der großen Schaar, die in unfern berühmten Culturstaaten leider noch vorhanden, schier bezweifeln, ob sie überhaupt jemals enden und aufhören werden. Gegen die Herren Antisemiten, mit denen wir uns übrigens bereits in diesem geschätzten Organ mit unserer Studie: ״Semit und Antisemtt" in Nr. 43, Jahrgang 1884 und Nr. 1, 2, 3, 1885 negativ abgefunden, indem wir die große Bedeutung der Semiten in der biblischen Erziehung des Menschengeschlechts erörterten, anzu׳ .kämpfen, spüren wir überhaupt nicht die mindeste Neigung Das I sind menschliche Wesen, die einfach Wahrheit nicht hören mögen,, noch weniger von ihr belehrt sein und sie beherzigen wollen. Da gilt das Wort des n. Testamentes Matäi: ״Herr verzeihe ihnen — -." Doch aber für den Verband der Thierschutzvereine rc. zestatte ich mir eine Aehrenlese der mosaischen Thierschntzgesetze auf die die jüdische Schlachtart fußt, zu bieten. Nach der Sündfluth im 2. Jahrtausend biblischer Zeitrechnung, wird den Noachiden, der damaligen Menschheit überhaupt, I. B. M. Cap. 8. 3. geboten: ״Alles was sich reget, was da lebet, euer sei es zum Esten; wie das grüne Kraut gebe ich euch Alles." ״Das Fleisch mit seinem Leben, seinem Blut sollt ihr nicht essen." Hier wird klipp und klar der Menschheit ausdrücklich ewer min liocliai, d. h. Fleisch- und Blutgenuss, ersteres solange das Thier noch lebt, ein Glied vom lebendigen Thierkörper geschnitten, und Letzteres Blutgeuuss überhaupt verboten. Um nicht weitspurig zu werden und den geneigten Leser zu ermüden, haben wir uns entschlossen, aus der über unser Thema handelnden Littcratur, die von Bibel, Talmud, früheren und späteren rabbinischen Autoritäten in fast unzählb aren Werken leider vorhanden ist, nur eine Autorität herauszugreifen, gegen die hoffentlich der Verband der Thierschutzvereine d. d. R. zu welchem nahmhafte, Gelehrte, Humanisten zählen, nichts zu erinnern haben wird. Der II. Moses, Gesetzlehrer der Juden, äußert sich in seinem weltberühmten Werke More Nebudiim Dr. perplexorum Theil Hl, Abschnitt 48 über unsere Materie, — Thierschutz und Todtungsart — die wir Zn gedrängter Kürze auszugsweise hier übertragen, wie folgt: ״Im Allgemeinen, führt Maimonides an, hat alles was die Thora uns verboten, wie das Schwein, Unschlitt, Blut, Fleisch in Milch oder Brüter zubereitet, für unsere Gesundheit theils seelisch, theils aber körperlich, entschieden nachtheilige Folgen, und wem sein psychisches und physisches Leben lieb und theuer ist, der hält sich fern vom Genüsse verbotener Speisen. Der Grund des Verbotes des Fleisches von lebendigen Thieren, n״v״rr das doch anstandslos früher gegessen wurde, ist einmal, uns vor Gefühllosigkeit, Härte und Unmenschlichkeit zu wahren, dann aber auch, weil es zur mosaischen Zeit ein allj gemein verbreiteter Götzenbrauch war, wovor die Thora bekanntlich j durch mannigfache Gesetze nicht genug zu schützen weiß. Dieserhalb ist auch ב״ב i. e. Fleisch in Milch oder Butter zubereitet, uns strengstens verboten, weil es erstens nachtheilig auf unsere Gesundheit wirkt, dann aber auch ein götzendienerischer Brauch war. Darum erscheint das Verbot ב״ב II. B. M. Kap. 23. 20 und 34. 25, endlich zum drittenmal V. B. M. Kap. 15. 20. zweimal sogar mit dem Gebot, des dreimaligen jährlichen Erscheinens vor Gott in Verbindung. Gleichsam lehrend: wenn ihr vor mir erscheint — dürfet ihr euch nicht götzendienerischer Mahle — ב״ב Fleisch in Milch zubrreitet — bedienen. Welche Revolution dieses dreimalige Verbot.in jüd.' Haus- Haltungen noch gegenwärttg bewirkt, laste ich als sattsam bekannt, unerörtert. Noch mehr aber thut dies die mosaische Schlachtweise. (Schluss folgt.) . Kleine Chronik. Mett. Der Verein zur Unterstützung armer israel. Studierender in Wien versendet soeben den 26. Jahresbericht, dem wir folgendes entnehmen: Indem wir hiermit den Bericht üt er das abgelaufene Studienjahr erstatten, drängt es uns, den Gönnern und Förderern unseres Vereines auf das verbindlichste zu danken. Wie schon seit Jahren nicht, wurden wir diesmal bedacht. Es spendeten: Die erste österreichische Sparcasse fl. 100. Herr Hofrath I. M. Ritter v Pfeiffer bei Gelegenheit des Ablebens seines Herrn Sohnes, durch Herrn Baron Heinrich von Königswarter fl. 100. Frau Henriette v. Wiener, hat aus Anlass des Hinscheidens ihres Gatten, des Herrn Eduard Ritter von Wiener, dem. löbl. Vorstande dev isr. Cultusgemeinde eine Spende von fl. 10.000 zugehen lassen.!Von dieser Summe wurden unserem Vereine fl. 300 zugewiesen. Dieser Bettag sollte wesentlich jenen zu statten kommen, die angesichts der damals herannahenden, rauhen Jahreszeit den peinlichsten Sorgen ausgesetzt waren. Diese Summe wurde auch sofort verthcilt. Im Sinne der testamentarischen Anordnung spendeten die Erben des Herrn Eduard Ritter von Wiener ferner fl. 500. Im Hinblick aus die ersprießlichen Leistungen des Vereines zur. Unterstützung mittelloser isr. Studierender, gewährte die löbl. israel. Allianz, in Wien pro 1886/7 den Bettag von fl. 300. Frau Regierungsräthin Marie Kompert spendete zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten Herrn Regierungsrath Dr. Leopold Kompert, ־ der in seinen Werken Juden und Judenthum poetisch verklärte fl. 200 Noten-Rente. Frau Baronin Sophie Todesco spendete durch Herrn Michael Biäch fl. 500. Ferner gingen uns zu: Von Herrn Philipp Bondi bei Gelegenheit seiner silbernen Hochzeit durch Herrn Michael Biach fl. 50. Von Herrn Sal. Kohnberger fl. 50' Von Herrn Moriz Ritter v. Goldschmidt am Sterbetage seines Sohnes Salomon fl. 10. Von Herrn Med. Dr. Anton Waßniz in Wildbad-Gastein fl. 5. Von Herrn M. L. Baruch fl. 5. Von Frau Fanny Klein in. Neu- Häusel fl. 5. Von Herrn Dr. G. Wolf Erlös eines Tempelsitzes fl. 15. In diesem Jahre wurde auch das Legat des sel. Herrn Moriz Goldberger pr. fl. 2000 liquid, bei welcher Gelegenheit der mit- Unterzeichnete Herr Dr. E. Schiffmann, k. k, Notar, interycnirte. Seiner Intervention haben wir es auch zu verdanken,, dass das k. k. Centtal-Taxamt unserem Vereine die Befreiung von Gebührenaequivalenta vom beweglichen Vermögen anerkannt hat. Hierzu koinmen noch Bethausspenden fl. 598. Wir danken allen, die nns die Spenden gegeben und jenen, die sie veranlasst haben. Hingegen blieb die Zahl der Mitglieder unseres Vereines fast stationär und diese bilden doch zunächst den Verein. Im verflossenen Jahre zählten wir 126 Mitglieder, welche fl. 1399 Jahresbeittäge leisteten und Heuer zählen wir 132 Mitglieder mit fl. 1449 Jahresbeiträgen. Trotz der ansehnlichen Spenden, die wir erhielten, war es uns jedoch nicht möglich, sämmtliche 635 Petenten zu bedenken. Es wurden 292 Gesuchsteller bedacht und zwar 190 Studierende der Medicin, 56 Hörer der Rechte, 21 Techniker und 21 Veterinäre, zwei Studierende der Philosophie und zwei Pharmaceuten. Dem Väterlande nach waren: 13 aus Wien und 3 aus Niederösterreich, 88 aus Ungarn, 76 aus Galizien, 54 aus. Mähren, 26, aus Böhmen, -13 aus Rumänien, 8 aus der Bukowina, 6 aus österr.- Schlesien, 3 aus Croatien und je. Einer aus Oberösterreich und Siebenbürgen. Der Vorstand des Vereines zur Unterstützung mittelloser israel. in Wien. , ... Wiett. Sonntag den 20. November 4 Uhr Nachmittags fand im. neuen türk. Tempel die Trauung des Chordirigenten Herrn Isidor Löwitmit Fräulein Josefine Albachari vor einem. außerordentlich zahlreich versammelten Publicum statt. Unter den Anwesenden bemerkte man viele Cantoren, Sänger und Säugerinen. Die Funktion versah Chacham M. Papo und Obercantor I. Bauer. - * Wien. Einem alten Herkommen entsprechend, brachte auch Heuer eine jüdische Deputation aus Pressburg, .bestehend aus dem Cultusvorstande und einigen Vertrauensmännern, am Marttnitage die üblichen zehn Martinigänse, welche für die kaiserliche Tafel bestimmt sind, an den kaiserlichen Hof nach Wien. Wie der ״Wr. Israel." mittheilt, werden für diesen Brauch schon einige Zeit vorhev große Vorbereitungen getroffen. Die Pressburger Judengemeinde kauft durch ihren Vertrauensmann in der Regel fünfundzwanzig

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