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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-11-24 · Heft 38 (24.11.1887) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 38 (24.11.1887)
Date
1887-11-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Theile atterirt sind; die geschrieenen und gequetschten Töne sind beide mnedel und zum Durchleuchtenlassen der Empfindung unfähig; nur der mit ruhigem, schwachem Athem erzeugte freie Ton der successiv gespannteren und ungehindert schwingenden Stimmbänder allein ist gut, ohne dass irgend etwas weiteres nachhelfen dürste. Weil aber nun die Erzeugung des Tons wesentlich auf der Spannung (Schwingung)' der Stimmbänder beruht, diese aber durch Muskeln geschieht, .so ist das Singen, materiell und physiologisch betrachtet, vor allem eine Muskelthätigkeit, die Bewegung des Schildcknorpels vor- und rückwärts oder nach unten und nach oben durch das Sichzusammenziehen oder Äusdehnen der Ring-Schildknorpel- -müskeln.' Bei. den Versuchen am ausgeschnittenen Kehlkopf ersetzt man die Kraft d׳eser Muskeln durch das verschiedene, in die Wagschale gelegte Gewicht, welches den Schildknorpel nach unten zog und so die Stimbänder verschieden anspannte, und zwar reichte bei den -tieferen Tönen gegen 72 Loth Gewicht hin, den Ton um e nen -halben Ton zu erhöhen: bei stärkerer Spannung aber wurde mehr, zuletzt sogar. . 3 Loth erfordert, um eine Veränderung von einem halben Ton hervorzubringen. Im Ganzen aber zeigte sich, dass -durchschnittlich ungefähr ein Pfund Gewicht (Muskelkraft) die Töne im Umfang von 2 bis 3 Octaven hervorbrachte, ohne dass dabei -ein stärkeres Blasen oder sonst etwas mitwirkte. Die Bewegung des Schildknorpels ist dabei auf einen kleinen Raum beschränkt, und je -mehr die Bänder schon gespannt sind, desto mehr Kraft (Gewicht) wird, nöthig, um einen kleinen Ruck desselben weiter nach unten hervorzubringen. Schon eine ganz kleine, kaum sichtbare Bewegung des Schildknorpels, . welche durch ein kleines Zusammenziehen der be- ,treffenden Muskeln bewirkt wird, verändert die Spannung und damit die Schwingung der Bänder und den Ton. Will man also einen 'Ton ingleicher Höhe (und Stärke) anhalten, so muß auch die Spannung ganz dieselbe bleiben, d. h. der Schildknorpel darf nicht um ein Haar seine Stellung ändern; ändert er sie nur ein wenig rück- - wärts oder nach oben zu, so dass die Spannung der Stimmbänder geringer wird, so sinkt auch, der Ton sogleich, ändert er sie nur ein wenig vorwärts oder nach unten zu, so dass die Spannung stärker wird, so steigt auch der Ton sogleich; in beiden Fällen aber detonirt der- Sänger. Vor allem also muß der Sänger durch Uebung die Muskelkraft erlangen, vermöge welcher er die Stimmbänder gleich gespannt halten kann; was dadurch geschieht, dass er oft ein und denselben Ton in gleicher Stärke aushält, so lang er kann, mit -möglichst wenig Athem. Beim lebendigen Organ geschieht jene Zusammenziehung oder Ausdehnung der Muskeln nur in Folge des inneren Gedankens eines bestimmten Tons, indem vom Gehirn aus der Nerv blitzschnell auf die Muskeln einwirkt. Kann, der Sänger einen Ton auf diese Weise, ohne zu detoniren, (wozu der innere Tonsinn wesentlich mitwirkt) aushatten, so . bewege man schnell den Schildknorpel nach unten, wodurch die Stimm- Milder eine größere Spannung erhalten, und ein höherer Ton entsteht. Ja durch diese Bewegung des Schildknorpels allein ist die ganze Reihe der Töne möglich, mit ganz schwachem Athem; jener -Ruck des' Schildknorpels oder jenes Sich-weiter-in-sich-Zusammenziehen der Ring-Schildknorpel-Müskeln muß aber ganz bestimmt geschehen, ohne Schwanken, so dass der Schildknorpel sogleich wieder einen ganz fixen Platz einnimmt und auf diesem unveränderlich . beharrt. Jeder Ton muß demgemäß sogleich in seiner vollen Bestimmtheit und ohne Umwege (nicht von oben oder unten herkommend) auftreten oder angegeben werden, d. h. sogleich rein intoniren . und ganz derselbe bleiben, gehorsam dem inneren Tonsinn, welcher jaallein jene Muskeln (es sind deren 2, für jedes Stimmband -einer) so zusammenzieht, wie es zu dem betreffenden gedachten Ton nothwendig ist. Auch hier, rn der Fortschreitung der Töne, ist die beste Uebung diese; wen« man mit wenig Athem in gleicher Stärke die Scala singt, anfangs langsam, dann schneller, ^und jeden Ton sehr bestimmt von dem anderen nnterscheidet, so dass man daraus die fixe Stellung und Haltung des Schildknorpels recht bestimmt erkennen kann. (Fortsetzung folgt.) Verband -er Thier schuh - Vereine -es -eutjchen Meiches wi-er Iu-enlhum resp. In-enheit. (Orig. Correspond, vom Riesengebirge.) (Itach druck verboten.) Im Judenthum gibt es Fragen, die wie es scheint, unlösbarer Art sind; sie tauchen darum, so zu sagen, periodisch wieder auf. Hierzu gehören zweifelsohne zwei ganzverschiedene Fragen, die nur ganz entfernte Berührungspunkte bieten. Wir meinen die hebräische Unterrichts- und jüdische SchLachtfrage. Die Berührungspunkte sind in erster Linie hierin zu suchen und zu finden, dass sie beide Gebote Gottes, die Grundpfeiler und Stützen des Judeuthums sind, und in der Dispora auch bleiben werden; — dann aber finden sie sich in kinem Len-3elr'schen Bonmot vereint. Letzterer geißelte einst in seiner kaustischen, witzigen Weise die frühere Unsitte: Die Vereinigung des ganz unpädagogischen, polnischen Lehrers und Schächters in einer Person — mit einer Anspielung auf Jesaias 57. 5. und nannte sie kurzweg: melamde wokor, weschochte jelodim Nun, bei der Unterrichtsfrage sind wir in der angenehmen Lage, schnell fertig zu werden. Wer sich für diese, jedem Israeliten hochwichtige Frage interessirt, den verweisen wir auf die in Nr. 20 incl. 22, Jahrgang 1885 von uns ziemlich erschöpfend in diesem geschätzten Blatte erörterte Abhandlung: Soll der hebräische Unterricht goris passiv oder dojek actio ertheilt werden? — Wir können demnach nunmehr unsere Muße ungetheilt der Schlachtfrage widmen. Dass diese periodisch austaucht und nie und nimmer zur Ruhe kommen kann, beweist die freie Schweiz. Schon an! 23. December 1854 erließ der Canton Aargau ein Gesetz gegen Thierquälerei überhaupt, insbesondere aber gegen das rituelle Schächten der Juden. Diesem rühmlichen Beispiele folgten dann die Cantone Bern, Soloturn und Aarau. Selbstverständlich ereiferten sich die schweizerischen Thierschutzvereine, pur nur aus thierisch-humanitären Rücksichten, über das rituelle Schächten — und können sich durchaus mit demselben nicht befreunden, brmgen vielmehr periodisch, wenn sie nichts Besseres zu thun haben, was leider oft der Fall ist — dieselbe nach einiger Pause immer wieder auf's Tapet; obwohl namhafte, unparteiische christliche Gelehrte, wie Fachmänner bis zur Evidenz bewiesen haben, dass nur die mosaische, resp. jüdische Schlachtweise, die auf V. B. M. 12. 21: ״So kannst du schlachten von deinen Rindern und Schafen, die Gott dir gegeben, ganz so wie ich dir geboten habe", sich gründet — die unübertrefflichste ist. Einzig und allein auf den letzten drei Worten basirt unsere Schlachtweise, mit ihren fast ins Unendliche geweiteten, traditionellen Observanzen, die entschieden fürs Thier die unempfindlichste und für die Menschen die humanitärste ist und bleibt — so lange wir über- Haupt nicht auf Fleischgenuss verzichten und Vegetarianer werden wollen, wie dies von christlich fachmännischen Autoritäten bezeugt wird.. Bislang hegten wir für die Thierschutzvereine und gar für den Verband der Thierschutzvereine des deutschen Reiches eine große Sympathie. Gehört doch zu ihnen die Elite Deutschlands, Humanisten, die der Volksrohheit möglichst zu steuern suchen und sich bemühen, Menschen — Ebenbilder Gottes mit Herz und Gemüth — im Sinne des Mosaismus zu bilden, wenn auch dieselben ihre Wirksamkeit nur auf Thierschutz mit Ausschluss jeglichen Menschen fchutzes beschränken. Dass sie letztere ganz und gar aus dem. Bereiche ihrer Wirksamkeit lassen, mögen sie vielleicht als Bekenner des neuen Testamentes mit Matäi Cap. 27. 40 rechtfertigen. Aus diesen angedenteten Versen

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