Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 38 (24.11.1887)
- Date
- 1887-11-24
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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— "7 — Gänse, die eitfe Zeit lang fürsorglich geschöpft werben. Von diesen werden die schönsten zehn Exemplare auserwählt, nach allen Regeln der Schechitah geschlachtet, sorgsam gerupft und mit Bändern in den kaiserlichen und ungarischen Landesfarben geschmückt. Dem jeweiligen Gemeindevorsteher und zwei Vertrauensmännern fällt die ehrenvolle Mission zu, dieselben dem Kaiser in besonderer Audienz zu. überreichen. Zu diesem Behufe erhält die Deputation aus der kaiserlichen Schatzkammer eine große. Silbervlatte, auf welche die Gänse gelegt werden. Dem Kaiser wird mit vier, der Kaiserin, dem Kronprinzen, der Kronprinzessin mit je zwei Stück dieser Prachtgänse aufgewartet. Üeber.die Entstehung dieses Brauches sind he Angaben verschieden und widersprechend. In Pressburg neigen einige der Meinung zu, die Sitte datire ans der Zeit der ungarischen Könige, andere bringen sie mit Ferdinand dem Ersten in Verbindung. Wieder andere sprachen sich für die Zeit Mathias des Ersten aus; dieser feierte einst das Martinifest in Pressburg. Für die Hofküche war es ein böser Tag, soviel Mühe sie sich auch gab, es wollte ihr nicht glücken, eine Gans sür die kaiserliche Tafel aufzutreiben, bis die Judengemeinde mit sechs prachtvollen Gänsen die schwere Not beseitigte. Dem kaiserlichen Gaumen behagten die gebratenen Gänse so vorzüglich, dass Matthias der Pressburger׳Zudenschaft mehrere Privilegien ertheilte, mit der Gegenverpslichtung, von nun ab für den kaiserlichen Tisch den üblichen Martinibraten zu liefern. Nach Andern ist die Sitte jüngeren Datums und soll von Kaiser Josef dem Zweiten eingeführt worden sein. Dieser edle Monarch, erzählt man, wandelte, wie es zuweilen seine Art war, ungekannt in dem Pressburger Ghetto umher, um seine Studien über das von ihm zu erlassende Toleranz-Edict zu .Gunsten׳ der Juden zu. vervollständigen. Da trat er in eine jüdische Garküche ein und ließ sich einen Gänsebraten serviren. Ob dieser den Beifall des Kaisers gewonnen, darüber schweigt die Geschichte; aber Thatsache ist ׳ es, dass er die Deputation der Pressburger Juden mit denMartinigänsen in dem Audienzsaal der Wiener Hofburg empfieng. Sie trugen das schimpfliche Abzeichen der verachteten Fremdlinge, den rotheu'Mantel, zur Unterscheidung von ihren böhmischen Glaubensgenossen, die eine blaue Halskrause, und von den deutschen, welche ein gelbes Abzeichen׳ trugen. ״Was ist das für ein Regiment?" fragte Joseph der Zweite den dienstthuenden Secretär, auf die Deputation weisend. ״Eure Majestät, das sind Juden". ״Das hört auf, sofort!" brauste der aufgeklärte Monarch auf. Wudapest. Donnerstag den 10. November fand im Budapester Municipalausschusse eine Sitzung statt, in welcher die Eröffnung des neuen Altofner-Centralfriedhofes für den 1. März 1888 anberaumt wurde. In dieser Sitzung, zu welcher auch Vertreter der einzelnen Confessionen geladen waren, entwickelte sich eine überaus lebhafte Debatte über das von der israelitischen Gemeinde Altofens mit Hinweis auf die religiösen Vorschriften eingereichte Gesuch um Anweisung einer gesonderten Parcelle und der Erlaubnis, dieselbe mit einer Steinmauer umgeben zu dürfen. Weiters verlangte die israelitische Gemeinde, dass der ״Chewra Kadischa" ein Gebiet auf dem Fried- Hofe verkauft werde und-dass dieselben die Grabgebühren bestimmen und für ihre Zwecke verwenden dürfen. Mehrere Gemeinderäthe sprachen sür und andere gegen das Gesuch, welches die gegnerischen Redner als ״mit dem liberalen Zeitgeist nicht übereinstimmend" fanden. Diese Meinung widerlegte Herr Prediger Dr. Kohn schlagend, indem er sagte: ״er sehe nicht ein, warum man den Liberalismus gerade bei den Todten und ihn nicht lieber bei den Lebenden üben wolle". Betreffs der ״Chewra Kadischa" bemerkte Herr Dr. Kohn, dass bei den Juden keine Begräbnis-Gebühren eingehoben werden; es sei eine religiöse Pflicht, jedem Todten — arm oder reich — ein Grab zu geben, und warum müsse der Reiche für fünf Arme die Kosten tragen. Bei der Abstimmung wurde die Absonderung gewährt, jedoch der zweite Punkt des Ansuchens, betreffend den Ver- :kauf eines Platzes an die ״Chewra Kadischa" und Einhebung der Begräbnisgebühren durch diese, abgelehnt. Die Begräbnistaxen werden also auch bei jüdischen Leichen vom Magistrate eingehoben werden. Abonnements- und Insertionsbeträge sind in Wien zahlbar. Betrachtungen über die fünf Bücher Moses nach Ordnung der Wochenabschnitte für die Schuljugend beiderlei Geschlechts. — Ein Buch zur Erbauung, Belehrung und Unterhaltung sür Got'es-, Schul- und Familienhaus von <L. Woikner, Prediger und städt. Religionslehrer. Diese fünf Bände, über 500 Seiten stark, um den äußerst billigen Preis von 2 fl. ö. 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