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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-11-24 · Heft 38 (24.11.1887) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 38 (24.11.1887)
Date
1887-11-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Pöbels zu fallen; er erlangte das Rabbinat. in Toledo und arbeitete dort unter vielen anderen schätzbaren Werkensein.Hauptwerk, eine Erläuterung des Talmud, die bis aus den heutigen Tag von jedem Talmudlernenden benützt und sehr geschätzt wird. ׳ Kehren wir nun wieder z» ihrem Lehrer, Rabbi. Mair, zurück und richten wir unser Augenmerk auf dessen geistige Productionen; er. schrieb scharfsinnige Tossefos und Erläuterungen zu vielen talmüdischen Tractaten und wird in einer Anmerkung zu Tossefos Erubin 66 a citirt. Unsere gedruckten Tossefos zum Tractat Jauma haben unseren Rabbi Mair zum Verfasser. Ferner befasste er sich mit der Eommentirung des Pentateuch und mit der Mafsora, einem Wissenszweige, welcher von seinen zeitgenössischen Gelehrten keine Beachtung fand. Einzelne Erläuterungen aus seinem Bibelcommentar und seiner Messorah werden von späteren Autoren citirt, vornehmlich von Jehudah ben Etieser im Minchas Jehudah und von Jsserlein in den Biurün. Auch concipirte er mehrere Werke.ethischen Inhalts, unter denen seine Schrift -Leer mäjim chajim«, ״Brunnen lebendigen Wassers", dm obersten Platz einnimmt; sie'hat den Zweck, auf die Moralität der Leser zu insiuiren,. Frömmigkeit zu fördern und das religiöse Gefühl zu wecken. Seine Lieblingsthemata, waren/ über den Glauben, die Unsterblichkeit und die Vergeltung eingehend und in fasslicher Darstellungsweise zu schreiben und diese als die Grundpfeiler, worauf das Gebäude der Moralität beruht, darzustellen. Aber auch auf spnagogalem Gebiete leuchtet. Mair von Rothenbürg wie ein Lmchtiurm hervor, dessen Strahlen noch heute jedes jüdische Herz für dm väterlichen Glauben erwärmen und begeistern, denn außer dem bereits erwähnten Klageliede »SchaaÜ serufoh« verfasste er viele spnagogale Gedichte und Selichoth. In einer Heidmheimlscheu Handschrift findet, sich ein von unserem R. Mair verfasstes Jäuzer, welches in alphabetischer Reihenfolge concipirt ist, begümend »Aurauth meaufel Msriach. mehaudau«, und zum Schlüße heißt es dortselbst »Mijssaud rabbenu Mair Mirothenburg־«. Der nach dem polnischen Ritus bekannte Jauzer für Sabbat Rausch- Chaudesch, begümend »Ajeleth Hascbachar«, hat ebenfalls R. Mair zum Verfasser, ferner concipirte er eine Kinnah, beginnend Achbirah, ׳ einen Piutzu Neilah -n" anfangend, und einige Selichoth. .(Schluss folgt.) Methodik -er Gesangskunst. VIL - Das andere Hilfsmittel, wodurch Viele höhere Töne leichter als durch Spannung der Stimmbänder allein) erzeugen zu können, glaubm, besteht darin, dass sie den Raum neben und über den Stimmbändern verengen. Beim Schreien haben wir gesehen, dass die Stimmbänder in zu heftige Erregung gesetzt .werden; -Sei dieser Art' von -Ton-Erzmgung dagegen werden sie in ihrer freien Entfaltung von der Seite und von Oben gehemmt: dort war die Spannung der Stimmbänder durch die größere Anstrengung -der Lungen -ersetzt; -hier dleibt die succeffive Spannung der Stimmbänder, nur soll sie durch die Verengung und den dadurch entstehenden. Druck auf den Kehlkopf erleichtert und unterstützt werden. Aber auch die auf letztere Weise erzeugtm Töne kündigen sich sogleich durch den Klang und durch die Unmöglichkeit des An-und Abschwellens -als im guten. Gesang unbrauchbar an, mid erschweren vielmchr. die innere THLtigkeit, statt , sie erleichtern. — Wenn man nämlich den Kehlkopf sehr m die Höhe zu ziehen sich bemüht und ihn mit den Mandeln auf der Seite zusammendrückt und zugleich mit dem Zungenmuskel auf den Kehlkopf herunterdrückt, so entstehen wieder eigenthümliche Töne, welche wir alle .zusammen gequetschte Töne nennen können; wie aber schon-die Haltung des׳ Kopfes und die Steifheit des Halses dabei gewöhnlich sogleich als unnatürlich auffällt, so ist auch diese ganze Elaste äußerlicher, durch Berührung, Zusammendrückung, Verkürzung der Stimmbänder entstehender Hülfsmittel unnatürlich unn unbrauchbar. . Allerdings zeigen uns wi-derum Versuche am ausgeschnittenen Kehlköpf, - dass bei Berühxung der Stimmbänder und Verkürzung der Stimmritze, sowie beim Zusammenpressen derselben, wenn, cs nicht zu stark ist, die Töne, erzeugt werden können. Diese Versuche׳ lehren uns jedoch blos das Wesen der Stimmbänder näher kennen, hinsichtlich der Funktion beim Singen finden sie keine Anwendung: denn wenn wir auch am ausgeschnittenen Kehlkopf die Stimmritze verkürzen können, z. B. durch Berührng mit dem Finger, so haben wir dagegen in unserem Halse kein Mittel, eine solche Verkürzung rc. hervorzübringen. Und. jedenfalls 'sind die durch einen solchen Druck auf den Kehlkopf entstandenen Töne schon wegen ihres Klanges nicht anwendbar: denn auch die.Töne klingen gedrückt, unfrei, inan fühlt ihnen an, dass die Schwingungen der Stimmbänder sich nicht frei entfalten, sie klingen - fleischig, speckig) mit einem Worte gequetscht, und werdm gewöhnlich mit den Worten: Kehlton, Gaumenton, auch Halston bezeichnet. Sehr häufig , findet man jedoch dieses Hilfsmittel eines Drucks auf . den Kehlkopf bei Natursängern; einem gebildeten Sinn für einen edlen Ton aber werden diese Töne immer widerli b sein; zudem sind sie weder eines gehörigen An- und Abschwellens noch einer Aenderung -ihrer Farbe nach der Gefühlsstimmung (hell oder dunkel) fähig, sie erscheinen fast immer nur in gleicher Stärke und nur in einer Farbe, so dass.von einem .Hervorleuchten׳ der Empfindungen der Seele aus diesen Tönen vollends gar nicht die Rede sein kann. Allerdings tritt dieser Fehler des äußerlichen Drückens oft auch im geringem Maße auf, 'doch wird ein gebildetes Ohr auch den geringsten Anklang desselben bald entdecken; und das beste Mittel, ihn ganz zu beseitigen, besteht darin, dass man den Ton anfänglich, etwas dunkler' und pianissimo beginnt und nur allmählig Heller werden lässt, ohne darum den Kehlkopf.in die Höhe steigen zu lassen, oder gar absichtlich höher hinaufzuziehen. Ja die Meinung Vieler, dass durch ■ ein solches Drücken auf den Kehlkopf von Seite und von Oben die Erzeugung der Töne erleichtert . werde, ist geradezu falsch; vielmehr hemmt es den Ton und lässt kein richtiges und schnelles Fortschreiten zu (eine.ordentliche Coloratur ist. dabei gar nicht' möglich); endlich aber ist es eine ganz unnütze weitere Zuthat, sofern ja die succeffive Spannung der Stimmbänder -dabei doch - stattfinden muß; wie aber .jede unnöthige Beigabe die ursprüngliche einfache Funktion beim Gesang hindert und erschwert, so ist es auch hier der Fall, indem Heils die durch den Druck in ihrer Schwingung gehinderten Stimm- Länder viel eher ermatten, Heils die drückenden Theile selbst (Mandeln und Zungenmuskel) dieser unnatürlichen THLtigkcit bald widerstreben,, welch Letzteres sich besonders in einem eigenthümlichen Kitzel im Halse offenbart. — Allerdings ist das Ansatzrohr zrvr Erzeugung eines Tones nothwendig, aber nur eine mäßige Oeffnung desselben, damit ׳der -Ton nach außen hervortreten kann; dagegen mußjede Verengung des Hinteren Theiles desselben durch AnnäherulD der Mandeln, und Hinabdrücken der Zunge auch schon deshalb vermieden werden, weil diese Theile, besonders die Zunge, einen andern Berufskreis haben und׳ dazu ihre volle Freiheit nöthig-ist, wie wir dies später wo vom Ansatzrohr die Rede ist, näher, sehen werden. — Den einzig richtigen und einfachsten Weg zur Erzeugung der Töne giebt uns die'Natur nur in der Spannung der Stimmbänder durch Muskelwirkung an die Hand, und diese Töne erklingen am freiesten und klangvollsten, weil sie weder durch einen Luststoß, noch durch eine äußere Einwirkung der um den Kehlkopf-herumliegenden

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