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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-11-16 · Heft 37 (16.11.1887) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 37 (16.11.1887)
Date
1887-11-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 — stkh-vorstndcnhen 29 Örgelpieeen allen jenen auf's Angelegentlichste, die auf,- sy^mgsgal-gefanglichem. ,.Gebietenichtz nux Ideale suchen, soud^rnauch datz Verständnis und den Drang in sich fühlen, Ideale zu untersuchen..,. , , - ׳ , (Fortsetzung folgt). Verschiedene Erläuterungen. - . III. Zur ßlymologie des Mortes. "לחן" Jp! ״ Litteraturblatt d. Orients" hat s. Z. eine rege Contraverse zwischen den ausgezeichneten Gelehrten jenes unübertrefflichen Blastes über, die Bedeutung des genannten, in den Gebetbüchern des Portugiesischen Ritus häufig vorkommenden und jedenfalls eine musikalische Bezeichnung ausdrückenden Wortes stattgesuuden, welche ׳ Meinungsverschiedenheit dann durch eine ״Notiz" von Dr. Jellinek in Nr. .10, Iahrg. 1845 desselben Blattes mit dem Hinweis auf den Jkkarim - Commentar ,אהל יעקב׳" zu Abh. 3, Kap. 10, ihren würdigen Abschluss gefunden hat. Das an angeführter Stelle vorkommende Wort והלחנים״" erklärt nämlich der bezeicknete Commentar mit folgendem Zitate: ״בפרשת שמיני בס' ובינו בח״יי: גם השיר שהיו הלוים אומרים על הקרבנות היו שמונה לחניך• למנצח־ על נגינתי על, מחלת׳/ על עלמות׳ על הנהילותי על שושנים־ על הגתיתי על השמינית: :;וםיי" בביאורי הבח״יי "לחנין" כלי זמר וז״ל הרו״ יוזפא קשטיל כי הוא לשון.זמד." Aus diesem Zitate geht folglich hervor, dass die CommentatOTen Bechajis das fragliche Wort לחניך" als Collectivnamen für Musikinstrumente erklären, wahrend Kastil es als Bezeichnung von Singweisen, ״Melodien" annimmt. Wenn wir nun darüber hier entscheiden sollen, welche Bedeutungsweise von diesen beiden die: wahrscheinlichere und richtigere ist, so müssen wir rückhaltslos gestehen^ dass die letztere jedenfalls diejenige ist, die am annehmbarsten und einleuchtendsten uns erscheint. Und abgesehen davon, dass es überhaupt noch nicht entschieden ist, ob die Psalmüberschriften Namen von Instrumenten sind, ist auch diese Erklärung zum oben angeführten Worte im Ikkarim nichts weniger als passend und zutreffend zu nennen. Es handelt dort nämlich von einem Kinde, das gewöhnlich mit seinem fortschreitenden Alter immer verständiger und stimmbewusster wird, und sobald bei ihm zuerst der Geschmack- und dann der . Geruchsinn zur vollen Empfindung gelangen, dann sein Gehörsvermögen zu gebrauchen anfängt, mit welchem es die Töne und die — hier ist nun fraglich, ob es ״Instrumente" oder ״Melodien" heißen soll — zu unterscheiden weiß. Wir müssen uns hier unbedingt der Ansicht Kastils anschließeu, nach dessen Deutung׳ das hier in Frage kommende Wort ,.והלחנים" in ״Melodien" zu übertragen sein wird. So ist ja der natürliche Gang der geistigen Entwicklung eines Kindes, dass es, wenn das Musikgehör sich bei demselben zu offenbaren beginnt und sichtbar zum Vorschein kommt, zu allererst Töne, oft gehörte Melodien zu erkennen und zu unterscheiden befähigt wird; zur Unterscheidung von Jnstrumentengattungen gehört aber schon eine ungleich größere Entwicklung als das Gehör in seinem Entstehen und in seinem ersten Stadium besitzt. Wenn wir nun auch wissen, dass das absonderliche Wort ״ "לחךMelodie" bedeutet, ist uns noch wenig damit gedient, so lange wir nicht über das Warum desselben uns Rechenschaft geben können und die Etymologie des Wortes urs unbekannt bleibt. Zwar versichert uns der Litteraturkuudige D. A. de Sola in seiner trefflichen Vorrede »The ancient melodies« zur Herausgabe portugiesischer Traditionsmelodien, dass dieses mehrgenannte Wort arabischer und türkischer, Abstammung: ist, und sagt darüber m einer Glosse wörtlich wie folgt: ״Dieses Wort ist nicht, wie viele irrthümlich behaupten, ein hebräisches, sondern es ist der arabische und türkische Ausdruck für Melodie". Demgemäß wird es auch nicht »lecken« sondern »lachnc ausgesprochen, obgleich es die hebräische Pluralform (ים—) angehängt bekommt." Die Belehrung von de Sola könnte uns soweit genügen und wir dürften ihm h erin au,'s Wort glauben, wenn wir nicht eine andere, bessere und Jedem einleuchtende Erklärung hiefür fänden, die aus der, wenn auch nur versuchten Ableitung dieses Wortes von einem vorfindbaren Begriffe in unserem biblischen Wortschätze selbst evident hervorgeht. Es ist nämlich bei diesem ofterwähnten Worte noch ein Umstand in Betracht zu ziehen, der hiebei nicht übersehen werden darf, dass es nicht allein den bloßen Begriff von ״Melodie" bezeichnet, sondern es bedeutet vornehmlich und besonders: eine vorhandene, bekannte Melodie eines anderen Liedes und ist so viel, was im Deutschen bei, einem melodielosen und doch singbaren Gedichte die Vorgesetzten Worte bedeuten: ״Nach der Melodie: so und so". Wenn es also z. B. heißt: /פזמון לחן עד מתי ד" so will das besagen: dass der folgende Pismon, der keine eigene Melodie besitzt, mit der Melodie von »Ad mossai adonai« vorgetragen wird. Die B nützung einer Melodie auf mehrere Texte ist in diesem Ritus leicht erklärlich. Der portugiesische Ritus ist nicht so Melodienreich wie der deutsche, oder auch nur wie der polnische; er hat viel mehr Gebete und heilige Dichtungen, als Traditionsmelodien für dieselben vorhanden sind. Vielleicht ist's deshalb, weil der Portugiese seine gottesdienstlichen Benediktionen und Gebete lautsprechend und singend in Gemeinschaft mit der Gefammtheit verrichtet — weshalb auch der sogenannte ״Gemeindegesang" (warum nicht lieber Gemeindegebet?) — in portugiesischen Synagogen den höchsten Grad der Vollkommenheit, sowol bezüglich der allgemeinen Correktheit der Aussprache, wie hinsichtlich der durchgeführten Exactheit des Gesanges erlangt hat, und darum wollte man nicht so viele und auch nicht so komplizirte Melodien nehmen, damit das Volk sie leicht lernen und behalten kann. Man war somit genöthigt, für solche Gebetstücke, die keine eigene Originalmelodie besaßen, irgend eine für sie einigermaßen passende Melodie von anderwärts zu entlehnen, welche der ganzen Gemeinde von dorther bekannt war, und dieselbe sie daher ohne weitere Mühe sofort in corpore exekutiven konnte. Aber eine solche hergebrachte Melodie, die für einen bestimmten Text, mit eigenem Versniaße, eigens geschaffen ist und die mit ihm auch innerlich durch verwandschastliche Zusammengehörigkeit und unzertrennliche Geschlossenheir in Inhalt und Form engverbunden und verflochten ist, wird sich niemals einem anderen Text recht anpassen und mit ihm sich wieder vermählen; es wird nur — in diesem Sinne gesprochen — ein eheloses Verhältnis — ein Concubinat sein. Genall dem Unterschiede gleich, den der Talmud zwischen einer rechtmäßig angetrauten Frau und einem ins Haus genommenen Kebsweide macht, indem er festsetzt: ״נשים בכתובה ובקדושין־ פלגשים בלא כתובה ובלא קדושין" ist das unterschiedliche Verhältnis zwischen der Qriginalmelodie und einer von der Fremde herbeigezogenen Melobte eines Textes; jene ist mit ihrem Parte durch unlösliche, geschliche Bande fest verbunden und mit ihm gleichberechtigt, diese aber ist nichts weiter als das Bild eines zeitweiligen Allshilfsmittels und eines unlegitimen Zusammenseins. Und diesen Gedanken ausdrückend, wird die fremde Melodie mit "״לחן bezeichnet, welches Wort mit dem chaldäischen "״לחנה (vergl. Daniel 5, 2.) identisch ist, und zwar mit Auslassung des "״ח um es von letzterem zu unterscheiden, auch vielleicht, weil im Hebräischen ״Melodie" männlichen Geschlechts ist, wie "״זמר" ״גגון. Darum ist es auch das Richtige, die Mehrzahl

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