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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-11-08 · Heft 36 (8.11.1887) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 36 (8.11.1887)
Date
1887-11-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— © — Musiktitteratur. güntate non Adolf Grünzwerg, Chor- und Musikmeister in Arad. —־ Vor allem möge hier constatirt werden, dass seit letzterer Zeit die Arader Vertreter der ernsten Musik schweigen; und dieses Schweigen charaeterisirt zugleich die ganze Situation. Die Bestre- Lungen des ״Kölcsey-Vereines" machen der Reihe nach Fiasco; es Wurde die musikalische Abtheilung errichtet, doch dieselbe that wenig; ihr Streben ging nicht weiter als bis zum Wollen, und dieses Wollen wird in einem solchen Falle nichtbesonders geschätzt. Unsere Absicht ist es jedoch diesmal nicht, riese Frage eingehender. zu behandeln, wir werden dies vielleicht ein andersmal thun, wenn bereits der neue Viceprästdent gewählt fein und in dem Vereine eine neue Aera ihren Beginn genommen habe» wird. Es handelte sich blos um die Constatirung der Thatsache, denn diese bloße Thatsache HM Len Werth der mit obigem Titel bezeichnten Arbeit Adolf Grünzweig's. , Wer sich in neuerer Zeit in Arad mit ernster Musik befasst, der verdient nicht nur einfaches Lob, und dieses nur in einigen Zeilen unter dm Neuigkeiten, sondern Anerkennung und Aufmunterung in einer eingehenden Abhandlung, Dies ist das erste Motiv, das mich zum Schreiben dieses Feuilletons veranlasste. Das zweite — ich bekenne es im Vorhinein — ist jenes, dass diese Cantate wirklich Me namhaftere Arbeit ist, die es verdienen würde, dass sich nicht nur das Arader, sondern auch das hauptstädtische Publikum daran vergnügen sollte. Alle Arader MusikkenNer, die ~ dieses Kunstwerk hörten, bekennen, dass wir hier einer nicht alltäglichen Erscheinung gegenuberstehen. Adolf Grünzweig ist im Übrigen kein Mann von heute. Er hat schon eine Vergangenheit. Bei den in guten Andenken sichenden Matineen und bei anderen- Festlichkeiten wurden seine Lieder öfters gesungen und mit lauten! Beifall gekrönt. Oder wer erinnert sich ' nicht jener mächtigen Piecen mit Orchester-Begleitung, welche er zum bOjähr. Bestände des Arader isr. Tempels geschriebm und selbst Lirigirt hat? Besonders aber entfaltete er seine Wirksamkeit aus dem Gebiete der Synagogenmusik; seine Werke werden nicht nurbei uns, sondern auch im Auslande gesungen, uud als er dieselben in einem' Baude herausgegeben, gab die ausländische Presse mit größter Anerkemmng ihr Votum ab. Doch lassen wir dies —- man könnte Vielleicht, meinen, die Dankbarkeit des Schülers diktire uns diese Zeilen — und gehen wir zur eigentlichen Besprechung des neuen Werkes über. ' Die Cantate wurde am Vorabend des Simchasthora-Festes im hiesigen isr. Tempel vorgetragen und als Organist I. Höszly die feierlichen Accorde der Einleitung mit der größten Präc sion auf der Orgel vorspielte, erwartete Jedermann mit gesteigertem Interesse ־ den Beginn des eigentlichen Liedes. Endlich intonirte der ganze Chor dm 4. Theilder Cantate, das Freudenlied, welchem der 40. Psalm David's als Grundlage dient. Die. Musik mutet uns an, als wenn wir die Worte des DiAerS hörten, der dem Allmächtigen dafür dankt, dass er ihn aus dem Schlamme empor gehoben hat und ihm em neues Lied gegeben. In jedem Theile des Liedes ist die Freude, welche allmäl'g zu religiöser Begeisterung sich steigert, treffend wiedergegeben. Das charakteristische lebhafte Tempo ist auch in der zweiten Nummer, in dem für Kinderchor geschriebenen Duo, beibehalten, in dessen Grundton zugleich der Grundgedanke des Psalms liegt: Im Gottvertraum und im Meiden der schlechten Gesellschaft finden wir unsere Glückseligkeit. Dieser schöne Gedanke, welcher die Brust eines Jeden schwellen macht, das Selbstbewusstsein, dass wir richtig gehandelt, der Stolz, dass wir die Schlechten gemieden: alles d׳es ist in diesem Duo (Ls-dur) zum Ausdruck gebracht, und einen würdigen Abschluss hiezu bildet die ÄZiederholung des Freud erstieö es. •... . In den Sopran- und Bäriton-Solis der folgendeu Nummer (Larghetto cantabile) steigert sich die Freude zur Glorificirung Gottes. Unsere Seele wird von Staunen ergriffen, wir sehen Gottes׳ Wunder und Werke und wir sinken beinahe in die Kniee vor des' Himmels Herrscher, und darum ist das Psalmwort: ״Keiner gleicht Dir" auch im Liede mit besonderem Nachdrücke wiedergegeben. Das Solo des Bariton wird stärker und mächtiger, als wenn er urbi et orbi verkünden wollte: ״Niemand -ist Dir gleich". Der Psalmdichter fühlt seine Schwachheit gegenüber der Größe Gottes und — er schweigt. So ist es auch im Liede. Der ganze Chor singt die Psalmworte: ״ich soll verkünden, ich soll sagen, zahllos sind die Wunder, die Werke. Unmöglich ist dem Menschen dies zu sagen." . Eine sehr gut componirte Begleitung bildet den Uebergang zur 4. Nummer,, das Quartett, in welchem die innere Zufriedenheit zum Ausdruck gelangt, dass er die versprochene Treue, die Hilfe Gottes nicht verheimlichen wird; offen und frei bekennt er sie vor Jedermann. In der hiezu componirten Musik vermeinen wir die Worte des Bekehrers zu vernehmen, wie er die Menschen um sich schaart, ihnen Gottes Willen erklärt, in der Religion-sie unterrichtet und die Lehre verkündet: ״Gott ist einzig und allein!" —Der Schluss der Cantate, resp. das Quartett, ist einer der gelungensten Theile. . Glauben und Gottvertrauen sind der Grundgedanke des darauffolgenden Gebetes, und darum ist zum Schluffe auch die Wiederholung des Freudenliedes am Platze. Dies die Cantate, “ die in jedem ihrer Accorde sozusagen mit dem Original-Psalm im Einklang steht. Der Compositeur hat seine Aufgabe schön gelöst: er analysirte des Psalm Lichters Worte und schrieb eine würdige Musik dazu. Es wäre nur wünschenswerth, dass diese Cantate im Gotteshause nicht verloren gehe, sondern auch - bei einer feierlichen Gelegenheit vorgetragen werden möge. Wenn sie für ein großes Orchester umgeschrieben wird, können wir ihr einen ganz besonderen Erfolg prophezeien. Ludwig NämenyL Gingrsendet. Siklös 1. November 1887. Auf meine kritische Bemerkung, in dem Artikel ״Dr. Grätz über den Gottesdienst", dass der weltberühmte Name des emeritirten Obercantors^ Professor Sulzer sin dem großen Geschichtswerk nicht zum ewigen muhnnT-erwähnbivird, habe ich von Herrn Professor Dr. Grätz folgenden, mich sehr ehrenden Brief erhalten, den zu veröffentlichen, ich als eine angenehme Pflicht erachte, damit man die Motive kenne, warum so manche noch lebende Koryphäe nicht mit Namen genannt worden ist; ״Geehrter Herr Rabbiner! Soeben empfange ich die ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung", worin Sie mir warme Worte widmen. Ich danke Ihnen dafür, muß aber einen leisen Tadel abwenden. Ich habe den Namen Sulzer in der Schilderung der Wiener gottesdienstlichen Einrichtungen nicht genannt, weil ich die noch lebenden Persönlichkeiten überhaupt nicht nennen mochte, weil Lob wie eine Schmeichelei, und Tadel wie eine Feindseligkeit aussähe. Ich wünsche, dass Herr Professor Sulzer, den ich hochschätze, so lange leben möge, dass ich ihn in einer neuen Auflage nicht zu nennen brauchte. Mit Mannheimer war der Fall anders, er gehörte bei der Ausarbeitung meiner Geschichte nicht mehr den Lebenden an. ' ■ Hochachtungsvoll Prof. G rätz.

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