Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 36 (8.11.1887)
- Date
- 1887-11-08
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch ich wünsche, dass unsere Celebritäten in Kunst und Wissenschaft noch lange׳ leben und streben, aber leider das אגני הולך cknv? sagt jeder Sterbliche, wenn er sich auch unsterblich macht. Gewiss betet jeder, welcher <2hm für Geschichte und Wissenschaft hat, dass Gott noch lange den Professor Dr. Grätz in frischer Gesundheit erhalte, es kann aber, was sobald nicht geschehe, etwas menschliches passiren — das riesenhafte Geschichtswerk würde nicht mehr aufgelegt und manche ^unserer Kapazitäten, die es wohl Verdienten, würden in demselben gar nicht verewigt werden. Und wahrlich Niemand würde ein Lob für bekannte Thaten, für inhalt- und lehrreiche Werke und gemeinnützige Wirkungen als Schmeicheleien auslegen. Gott selber sagte: ראה קראתי בשם und anderseits ist jeder Tadel vorteilhafter und nützlicher, wenn er geschieht, so lange der zu Tadelnde am Leben ist, er kann seine Werke verbessern oder sich entschuldigen, die Kritik die unentbehrlich notwendig ist, wird .übrigens in den seltensten Fällen als Feindseligkeit ausgelegt. Ich schließe mit dem Herzenswünsche, dass es dem Herrn Professor Dr. Grätz baldigst gelinge, eine neue Auflage seiner umfangreichen Geschichte zu vollenden. Aron Roth Bez.-Rabbiner. Kleine Chronik. Wien. (Orig.-Corresp.) Das im zehnten Bezirke als humanes und wolthätiges Mitglied des Tempel-Vereines wolbekannte Mitglied, Herr Ludwig Dubsky, Kaufmann daselbst, hat dem Bedürfniße nach einem ״Sefer-Thora״, das sich alljährlich in der notwendig gewordenen Filiale für die ״jomim noroim" geltend machte, durch eine munistcente Spende Rechnung getragen. Das neue prächtige Sefer wurde auch-in solenner Weise dem Tempeleigenthume einverleibt. Am Eingange des festlich.geschmückten Tempels, der von zahlreichen Tempelbesuchern erfüllt war, wurde der Spender vom Vorstand empfangen, und nach einer kurzen Ansprache des Herrn Rabbiner Wollner. das Sefer vom Vorstande übernommen und in die Bundeslade übertragen. Herr Cantor Hirsch executirte hierauf die 2; Hälfte des 19. Psalmes in würdiger Weise und bereitete hiemit die andachtsvolle Stimmung für die Festrede vor, die Herr Rabbiner Wollner mit gewohnter Geistesschärfe und Beredsamkeit hielt. — Für den echt jüdischen Geist, der in dieser kleinen Gemeinde waltet, zeugt auch der Umstand, dass sich daselbst am vergangenen ״Simchas-Thora" auf Veranlassung des Herrn Adolf Engel ein Comitä gebildet hat, welches ein Tanzkränzchen zu Gunsten armer Schulkinder veranstattete. Das Erträgnis war ein recht günstiges und dem Comitä uls Ergänzung der an den ״jomim noroim" zu diesem Zwecke gespendeten Summen sehr 'willkommen. Graz, October 1887. (Orig.-Correspondenz.) Die Anwesenheit des Kronprinzer.paares in Graz hat auch für die israelitische Cullusgemeinde Ehren im Gefolge gehabt; sie ist nämlich in der Person des Gemeinde-Präses und des Rabbiners zu allen Festlichkeiten zugezogen worden, welche die Stadt und die Behörden den hohen Gästen bereitet haben. Das von der Statthaltern entworfene Festprogramm hatte die Vorstellung einer Deputation der Cultusgemeinde aufgenommen, noch ehe der ״Vorstand darum ansuchte, und der Präsidial-Seckretär Baron Hammer-Purgstall war persönlich bei Dr. Mühsam, um mit ihm über die Art der Betheiligung der Cultusgemeinde auch schön beim Empfange des Kronprinzenpaares Rücksprache zu pflegen. Die Audienz-Deputation bestand aus den Herren Dr. Mühsam, Präses Carl Holzer und Bankier Friedmann. Sowohl der Kronprinz als auch die Kronprinzessin Haben sich über die Verhältniße der jüdischen Gemeinde eingehend erkundigt und die Auskünfte mit üchtlichem Interesse hingenommen. Zu dem Festballe, den der Gemeinderath der Stadt Graz arrangirte, waren auch Dr. Mühsam und Präses Holzer ״sammt Familie" geladen, und was ganz besonders 'Erwähnung verdient, ist der Umstand, dass der Reichsraths-Abgeordnete Graf Würmbrand, der Landeshauptmann von Steiermark, der zu Ehren des Kronprinzenpaares eine Soiree gab, ebenfalls den -Rabbiner und den Präses geladen hatte. Letztere waren auch in Folge einer Einladung von Seiten der Statthalterei bei der Abreise des Kronprinzenpaares auf dem Bahnhofe anwesend. Man bedauert inunserer Gemeinde, welche bekanntlich an den Bau eines Tempels, der ersten Synagoge in der Steiermark, schreitet, dass der Plan, die Heier der Grundsteinlegung während der Anwesenheit des Kronprinzenpaares zu begehen,׳ nicht zur Ausführung gebracht werden konnte; Erwägungen finanziell« Natur haben die Verschiebung der Grundsteinlegung bis auf das kommende Frühjahr rathsam erscheinen lassen. Wreskau (Orig. Corresp.) Am 31. October begierig das Seminar das 70jährige Jubiläum des Psfessor Dr. Grätz, welches sich zu einer großartigen Kundgebung von Seiten des gesammten Judentums des Continents gestaltete. Schon am frühen Morgen brachte Herr Cantor Deutsch mit seinen Sängern dem Jubilar ein Ständchen dar. Herr Dr. Frankl-Grün aus Kremsier überreichte ein hebräisches Gedicht לצבי ישראל nebst einer Festschrift ״die Parallelen und Varianten der heilige» Schrift." Der Jubilar umarmte dankend den Verfasser, der die weite Reise nicht gescheut, um an seinem Jubeltage Theil zu nehmen. Viele Corporationen, Vertreter fast aller großen Gemeinden Deutschlands brachten Gratulationen nnd Geschenke; Telegramme und Adressen langten in großer Zahl ein. Auch der Vorstand des österr. ungar. Cantorenvereines hatte ein Telegramm an den Jubilar abgesendet. Von den Schülern des Seminars wurde eine Jubelschrift mit 19 Arbeiten herausgegeben. Abends fand im Bankett statt, bei welchem Herr Cantor Deutsch im Tischgebete einen zu diesem Feste verfassten ״horachamon" vortrug. Das Bankett verlief in animirtester Stimmung und endete erst nach Mitternacht. — Den zahlreichen College», Schülern, Freunden und Verehrern des Herrn Cantor Deutsch in Breslan diene zur Mittheilung, dass derselbe am 18. Dezember d. I. seinen 70. Geburtstag feiert, welcher Tag gewiss als Anlass zahlreicher Kundgebungen der obgenannten Kreise dienen wird. Wrestarr. (Qrig.-Csrresp.) Selten dürfte ein jüdischer Gelehrter so allgemein gefeiert werden, wie Prof. Grätz. Trotzdem war die Feier maßvoll, entfernt von Uebertreibungen, die dem bescheidenen Wesen des Jubilars zuwider wären. Ueber 60 prachtvoll ausgestattete Adressen wurden ihm überreicht und 260 Telegramme, darunter welche aus Palästina,. Amerika und Rußland, liefen ein. Die Gemeinde Brodi war durch Redacteur Werber vertreten. Sehr geistreich war die Ansprache Dr. Joel's״ .״Grätz selbst sei eine historische, unvergleichbare Person.' Grätz ist Grätz. Außer feineni Genie ist er von einer starken Liebe zu seinem Volke durchdrungen, welche ihn beim Abfassen des großen Geschichtswerkes geleitet hat. Er war Augenzeuge des anhaltenden Fleißes. Eitelkeit und Ehrgeiz hätte keine solche Arbeit mit eiserner Consequenz zu Stande gebracht. Wie der gottbegnadete Bezalel wusste er die Buchstaben zu diesem gelungenen Werke zusammenzufügen. Grätz lehnte jedes Verdienst ab, bis auf das für die Nachtwachen, denen er seinen ganzen Erfolg verdankte. Er hasste wohl nach dem Ausspruche Pirke-Abot das Rabbinat, sei aber ein Freund der Rabbiner". Unerschöpflich war Grätz in den vielen passenden Antworten auf jede Anrede. Rabbiner Dr. Rahmer sprach im Namen der Mendelssohn-Loge. ״Grätz Geschichte sei selbst eine geschichtliche That. War der selige Frankel der; Vater des Seminars, so sei er die Mutter, der Berather der Schüler gewesen. Seine 11 Bände Geschichte seien die Licht und Glanz verbreitenden (achad ossor kociiwajo) Sterne". Die Alliance isr. in Paris begrüßte ihn als ihren׳ Mitarbeiter, den Förderer und Lehrer des ganzen jüdischen Volkes. Das Politechnikum für Riga, Li bau und Mittau, die einzige noch vom Judenhasse verschonte Anstalt und alle großen Städte der civilisirten Welt waren bei dem Feste vertreten. In einem das Geschenk (einen kostbaren Stock) begleitenden Gedichte L. A. Frankels spielte dieser auf den Mosesftab an. Das eingesammette Capital 15.000 Mark soll einer Grätz-Stiftung für Rabbiner, die berufsunfähig geworden sind, gewidmet werden. Die Herausgabe einer Talmud Encyklopädie wäre nicht zweckentsprechend. Am Abend fand ein Bankett statt, bei welchen Dr. Rosin auf den Kaiser einen Toast ausbrachte.. Dr. Joel feierte die Frau Prof. Grätz. Sehr treffend war die Anwendung der Stelle אשת הכר בחבר mit Bezug auf Tr. Schebuot S. 30. Curator Mark feierte Grätz als den Mendelssohn unseres Jahrhunderts. Beim Mahle selbst schilderte Grätz seinen Lebenslauf, wie er unter einer ungünstigen Constellation das Licht der Welt in einer ärmlichen finsteren Hütte erblickte. Mit., inniger Pietät verehre er Rabbiner Hirsch, der oas Aeußere der Religion, das alte Gemäuer, zu Diamanten schleifen wollte, und schloss dann feinen Rückblick mit dem alten klassischen Dankspruche שהחינו. Er gedachte auch des früh verstorbenen Rabb. Frankel in Berlin, dessen Bild er mehrmals küsste«.