Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-11-08 · Heft 36 (8.11.1887) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 36 (8.11.1887)
Date
1887-11-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/1304829-3453087-3453123--2297-3456531
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— s — Weise an einem einzigen Ton den Athem sparen und beherrschen gelemt, so übe man sich, dasselbe bei einer größeren Reihe von Tönen zu Hun, indem man dieselben Ln einem Athem׳ zuerst in gleicher Starke, dann ebenfalls zu- und abnehmend singt:ך man muß dabei stets einen gewissen 'Vorrath von Athem besitzen, damit nicht die Töne durch den Mangel dessen ungleich werden; besonders muß man auch beim fortlssimo den Athem noch in sich anzuhalten wissen, damit er °zu einem ruhigen Abschwellen ausreicht. Wie weit man es aber darin bringm kann, davon geben uns viele Sänger aus italienischer Schule, obgleich sie nur empirisch zu Werke gehen konnten, staunenswerthe Beweise. Das Resultat unserer ganzen Untersuchung über die Mhemgebung beim Gesang ist somit Folgendes: -a. die Thätigkeit der Lunge ist untergeordnet bei der Erzen- -gung eines Tons nach Höhe und Tiefe, sofern ein schwacher Athem überall ׳dazu hinreicht; b. die Thätigkeit der Lunge ist wesentlich zu der Nüancirung eines Tons hinsichtlich seiner Stärket — In wiefern aber zu Erzeugung eines Tons nach Höhe oder Tiefe die Spannung der Stimm- Länder wesentlich, bei der Nüancirung des Tons hiusichtlich der Stärke jedoch untergeordnet ist, werden wir in Folgendem erkennen'. Weder während der Dauer eines Tones, noch bei der Aufeinanderfolge von Tönen verschiedener Höhe darf der Kehlkopf seine Stellung andern; d. h. er muß beim Gesang auf einem Punkte sestgehalten, fixirt werden, welchen er weder nach oben, noch nach unten verlassen darf. — Jeder Ton entsteht nur durch die Schwingung der Stimmbänder und zwar ergeben sich durch Veränderung der Spannung der elastischen Stimmbänder in gleicher Richtung alle Brusttöne (gewöhnlich gegen 1V2 Octaven) und Falsettöne (oft ebenfalls l1/« Octaven). Die durch Verengung des nächsten Raums am Kehlkopf möglichen höchsten Brusttöne gehören als Gaumentöne nicht Ln den Gesang. — Die Falsettöne entstehen dadurch, dass bei. großer( Spannung der Stimmbänder nur ein schmaler Theil derselben ihre Ränder schwingen; und zwar ist dies nicht blos bei den männlichen, sondern auch bei dm weiblichen Stimmen der Fall. Der leichteste Uebergang von Brustzu Falsctstimme findet bei schwachem Blasen statt; indem, ja ein gleich schwacher Athem überall ausreicht, und nur auf.der Spannung der Stimmbänder allein die Höhe oder Tiefe, d. h. die Lage des Tones beruht. Wie wir oben gesehen haben, macht ein zitternder Athem auch dm Ton erzittern; eine ähnliche Wirkung, ein Schwanken des Tones, kann auch dadurch entstehen, dass während des Haltens eines Tones der Kchlkopf aus seiner einmal ungenommenen Stellung rückt, nicht in ein und derselben festen Stellung verbleibt. Der Kehlkopf bildet nämlich die Spitze der Luftröhre, diese aber ist,' wie wir es z. B. bei der Bewegung des Schluckens dmtlich sehen, einer Ausdehnung und Zusammenziehung fähig, und der Kchlkopf selbst kommt dadurch bald etwas höher, bald etwas tiefer zu stehen. Da jedoch beim Singen die ganze Function der Luftröhre keine andere ist, als die, die Luft ungehindert und ruhig ausströmen zu lasten, so muß sowohlsie als auch ihre Spitze der Kehlkopf, eine ruhige, feste Stellung dabei einnehmen. Eine Neigung, die beim Anfang eines Tons eingenommme Stellung des Kehlkopfs zu verändern, tritt gewöhnlich Ln folgenden Fällen ein: a. wenn derselbe Don vom piano ins forte übergehen und ins piano wieder zurückkehren soll; b. wenn derselbe m dunkler Farbe begonnene Ton hell gemacht werden soll; und endlich c. wenn man von niederen zu höheren Tönen übergehen will und umgekehrt. Der Uebergang vom piano zum forte und umgekehrt ist aber, wie wir am ausgeschnittenen Kehlkopf sehen (der doch immer in derselben Stellung bleibt), nichts Anderes als der Uebergang vom schwächeren zum stärkeren Blasen und umgekehrt, indem durch letzteres die Bänder in stärkere Schwingung versetzt (und darum zugleich etwas nachgelassen) werden, was wir weiter unten näher betrachten werden. Der Uebergang vom dunklen, zum HÄlcn Ton sodann geschieht rein nur durch die veränderte Haltung der Schlund- und Mundhöhle zu einander: der Kehlkopf ist dabei nicht betheMgt, der verschiedene Klang ist nur Sache des. Ausatzrohrs, und unsere wiederholten Versuche haben uns immer aufs Neue deutlich gezeigt dass sich an einem ausgeschnittenen Kehlkopf immer nur ein Tonklang erzeugen lässt, welcher dann erst durch das Ansatzrohr zu modificiren ist (Heller oder dunkler zu machen ist). Endlich geschieht der Uebergang von niederen zu höheren Tönen durch die größere Spannung der Stimmbänder, wobei der Kehlkopf ganz auf seiner Stelle bleibt; und es ist grundfalsch, wenn Sänger bei Erzeugung höherer Töne den .Kehlkopf und damit den ganzen Hals in die Höhe strecken. Vielmehr muß, wie dies die Versuche, am ausges chnittenen Kehlkopf auf's Klarste erweisen, die ganze Scala der menschlichen Stimme bei sich ganz gleichbleibender Stellung des Kehlkopfs erzeugt werden. Die Natur hat uns. das Mittel zur Erzeugung der Töne nach Höhe oder Tiefe in der Möglichkeit der verschiedenen Spannung der Stimmbänder an die Hand gegeben, und dieses muß denn auch ohne alle weiteren Hilfsmittel beim Gesang allein in Anwendung kommen; dass auch durch stärkeres Blasen, höhere Brusttöne bei gleichbleibender Spannung sich erzeugen lassen, sowie durch Verengung des nächsten Raums am Kehlkopf. (der um ihn herumliegenden Theile) werden .wir bald weiter sehen, die letztere Erzeugungsart ist jedoch in einer richtigen Stimmbildung gar nicht anzuerkeunen; der Sänger muß vielmehr sein Hauptaugenmerk auf die Erzeugung' der Töne durch Spannung der Stimmbänder allein mit möglichst'wenig Athem, bei ruhiger Stellung des Kehlkopfs und ohne Druck auf denselben stets gerichtet haben. Wie also bei den Versuchen am ausgeschnittenen ' Kehlkopf dieser׳ bei allen Tonveränderungen dennoch seine feste Lage, in. die man ihn an dem Apparate gebracht und befestigt hat, nicht verlässt, so muß er auch, beim Gesang eine feste Stellung behalten. (Fortsetzung folgt).. Nachweis -er Volljährigkeit bei Eheschließungen. Wir haben in voriger Nummex auf einen diesbezüglichen Znstanzenzug hingewiesen und wollen in Ergäizung des Gesagten uns des Weiteren mit dieser wichtigen -Frage beschäftigen. Es handelte sich nämlich, wie der Lemberger. ״Israelit" mittheilt, darum,, ob §. 78 des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches, wonach bei Eheschließungen nur diejenigen, deren Volljährigkeit.nicht osten am Tage liegt, den Taufschein oder das schriftliche Zeugnis ihrer Volljährigkeit vorzuweisen' haben, auch bei Schließung jüdischer. Ehen gültig ist. Die Herbeiführung einer, endgültigen rechtskräftigen Enstcheidung dieser Frage war sowol vom Standpunkte des öffentlichen Rechtes, vom Stande der. Gleichberechtigung der Juden, wie auch des Privatrechtes, indem §. 78 eine Rechtswohlthat für einzelne Interessenten enthält, besonders geboten. Eine gan; besondere aktuelle- Wichtigkeit hat aber diese Frage für die Judenschäft Galiziens. Bekanntlich kommen unter den Juden noch immer viele rituelle, aber vor dem Staatsgesetze ungiltige Eheschließungen vor, die, um ihre Legalität zu erlangen, einer ^die gesetzlichen Bedingungen erfüllenden Nachtrauung bedürfen. Solche ungesetzliche blos rituelle Heiraten - kamen unter den Juden Galiziens in frühem Jahren bei . weitem häufiger vor und es ereignen sich nicht selten Fälle, dass Eheleute in bereits vorgerücktem Alter vor ihrem Rabbiner erscheinen mit dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.