Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-10-31 · Heft 35 (31.10.1887) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 35 (31.10.1887)
Date
1887-10-31
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/1304829-3453087-3453122--2292-3456525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— S — konnten sich die gedachten Unterstützungen auf der Höhe von 300 fl., refpective 400 fl. bewegen, da sich ja die Einwände der. hohen Be- Hörde nicht auf den Betrag als solchen, sondern auf die ausdrückliche ziffermäßige Feststellung desselben im Statute beziehen. Sämmtliche Vereinsmitglieder werden darum dringendst ersucht, auf schriftlichem Wege umgehend dem Vorstande bekannt geben zu wollen, ob sie sich zu einer Aenderung in diesem Sinne einverstanden erklären, damit der Vorstand auf Grund des schriftlichen Votums der Mitglieder in seiner nächsten Sitzung in dieser Frage endgiltig beschließen und die geplante Aendernng vornehmen könne. Der Wortlaut der Aenderung würde hierauf den Mitgliedern mitgetheilt. Zn derselben Sitzung wurde auch das Vorstandsmitglied, Herr M. Blatt, einstimmig mit der provisorischen Führung der Agenden des Vereinscassiers betraut, da unser Vereinscassier, Herr A. Fischer, zur Herstellung seiner angegriffenen Gesundheit sich für einige Wochen nach Meran begibt. Der Zeitpunkt von welchem an die Vereinsbeitrage an Herrn M. Blatt zu senden sind, wird in der nächsten Nummer der Cantoren-Zeitung mitgetheilt werden. Gleichzeitig werden diejenigen Herren Vereinsmitglieder, welche noch im Besitze von Sammelbögen sind, ersucht, dieselben, sie mögen sich in welchem Zustande immer besinden, an den Vorstand zurückzuleiten. Der Vorstand muß mit um so größerem Nachdrucke auf die sofortige Rücksendung bestehen, als leider in einer Gemeinde ein Mißbrauch der Sammelbögen von Seite des zyr Sammlung Ermächtigten siattgefunden hat. Wien am 30. Oktober 1887. Fer Worstand des öfter r.-ungar. Cantoren-VereineS. Kleine Chronik: ׳׳״׳■ ׳M Wie« Neber die in voriger Nummer bereits gemeldete De-: corirung unseres verantwortlichen Redakteurs, Herrn Alois Kulka, wird uns Folgendes mitgetheilt: König Milan von Serbien wurde gelegentlich des längeren Aufenthaltes der Königin Natalie in Baden auf die journalistische Thätigkeit des Herrn Kulka, der durch Herausgäbe der ״Correspondenz Kulka" auch zu den meisten Wiener Tagesblättern in Beziehung steht, aufmerksam gemacht. Nach erfolgter Abreise der Königin wurde unser Redakteur in die serbische Gesandtschast berufen, wo ihn Sr. Excellenz, der Gesandte Milan Boghicevic, freundlichst empfing und unter Ueberreichung des Ordenszeichens im Namen seines Souveräns als ״Chevalier des Takowa-Ordens" begrüßte. Herr Kulka dankte in freudiger Ueberraschung für die ihm erwiesene hohe Ehre und bat den Gesandten, den Ausdruck dieses Dankes Sr. Majestät, dem König Milan von Serbien, zu über- Mitteln. — Herr Alois Kulka, der bei der Gründung der Cantoren- Zeitung auch als feuilletonistischer Mitarbeiter thätig war, fungirte vor Jahren in Lundenburg und späterhin in Mariahilf (Wien); in letzter Zeit widmete er sich Ms der journalistischen Thätigkeit und nur an den hohen,Feiertagen fungirte er an der Seite des Cantor Schiller beim Gottesdienste im Mustkvereinssaale. Heuer, da Schiller den. erkrankten Colleges Fischer im Stadttempel vertreten musste, wurde Kulka die Mussaf-Funktion im Musikvereinssaale überttagen, und fand fein schöner Vortrag allgemeinen Beifall. Mir». Eine heitere Conversionsgeschichte macht wie die ״österr. Wochenschr." mAheili, in den jüdischen Kreisen der Residenz viel von sich reden. Der Held derselben, ein junger, vielbeschäftigter Arzt, Träger Mnes berühmten Namens, ist der Sohn eines seiner Zeit vielgenannten Arztes, dessen Andenken noch unverloschen und unverblasst in den Erinnerungen unserer Zeitgenossen lebt. Er, der Vater, erlangte vermöge seiner außergewöhnlichen wissenschaftlichen Begabung auch als Jude die Universitäts-Prostssur und bewährte seine treue Anhänglichkeit dem Judenthume auch als die Gnade Sr. Majestät ihm Orden und Adel verlieh. Sein Sohn, welcher eine ausreichende religiöse Erziehung genossen und noch in den späteren Jahren häufig-, in der Lage war, seines hebräischen Wissens und seiner Kenntniße in den israelitischen Religionsgegenständen sich zu rühmen, hat nicht׳ blos ein sehr ansehnliches Vermögen, sondern auch den geachteten Namen und die aus gebreitete Praxis des. Vaters, geerbt, und er ver-- malte sich mit der Tochter eines jüdischen Patriciers in Deutschland, welcher Jahrzehnte lang an der Spitze des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes׳ den Kampf für das Judenthum mit außergewöhnlichem Eifer und einer vieibewunderten Energie führte. Nun ist׳ an. dem allgemeinen Krankenhause die Stelle eines Primarius in Erledigung gekommen, und unser Herr Doctor, der wie gesagt,-der Träger eines in der ärztlichen Welt gefeierten Namens ist, hatte auf diesen Posten Anspruch und Chancen. Allein er ist — Jude. Das schien ein Verhängnis und müsse ihm zweifellos ein Hindernis werden in der Befriedigung seiner Wünsche. Vom Ehrgeize angestachelt, beeilte er sich, seinen Geburtsfehler zu repariren. Im Nn war er in der Lage, sein Gesuch durch ein frisch geschriebenes Taufzeugnis, gefertigt von einem vielbeschäftigten Geistlichen der Residenz,, zu unterstützen. .Mit voller Beruhigung harrte er nun der kommenden Entscheidung und wurde ein fleißiger Leser — der amtlichen ,,Wiener Zeitung". Bald darauf — es vergingen kaum acht Tage — liest er in dieser selben amtlichen ״Wiener Zeitung", dass Herr Dr.. Lang aus Innsbruck, ein unverwässerter, d. h. noch nicht getaufter Semite, für die erledigte Stelle eines Primarius am allgemeinen. Krankenhause berufen worden. Lemberg. Ist der § 78 des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches, wonach bei Eheschließungen nur diejenigen, deren Volljährigkeit nicht offen am Tage liegt, den Taufschein oder das schriftliche Zeugnis ihrer Volljährigkeit vorzuweisen haben, auch bei׳ jüdischen Ehen giltig? Diese Frage, deren Entscheidung scheinbar eine leichte ist^ bildete, wie der Lemberger ״Israelit" mittheilt, den Gegenstand einesmehrjährigen Jnstanzenzuges zwischen dem Lemberger israelitischen Cultusvorstand, dem Lemberger Magistrat, der h. k. k Statthalterei für Galizien nnd dem h. k. k. Cultusministerium. Da die betreffende Entscheidung für Rabbiner, Seelsorger und jüdische Matrikenführer von großer Wichtigkeit ist, werden wir über dieselbe :in׳ nächster Nummer ausführlich berichtew x Gzernorvitz. Die Königin Viktoria von England' richtete durch: General Sir Heinrich Ponsouby an den hiesigen orthodoxen Rabbiner Benjamin Weiß ein Schreiben, in welchem die' hohe Frau ihm für seinen an dieselbe am 12. v. M. gerichteten Brief und für das demselben beigelegte Exemplar seiner am Sterbetage des Sir Moses- Montesiore gehaltenen Trauerrede ihren Dank ausspricht. IZerti«. Einige interessante Erinnerungen an Meyerbeer erzählt Alexander Weill:. Seit der Bekehrung der. Familie Mendelssohn brach unter den jüdischen Künstlern und Schriftstellern eine wahre Bekehrungs-Epidemie aus. Einer nach dem anderen sprang in das Taufwasser, sagt Weill. Heine lässt , sich darüber noch, pikanter aus. ״Eines Tages," so erzählt Meyerbeer selbst dem Weill, ״kam der König Friedrich Wilhelm auf den ״Bekehrungspunkt" zu sprechen. Meyerbeer hatte sich nämlich, trotz des Geh. Raths Dr. Schönleins Zureden, zu einem Uebertritt nicht entschließen können. ״Majestät", erwiderte Meyerbeer, ״werde ich darum bessere Musik machen, wenn ich mich bekehren lasse? Ist Mendelssohn in der Sphäre der Kunst höher gestiegen, seitdem er nicht mehr Jude ist?" ״Das nicht," sagte der König, ״allein Sie würden weniger Feinde haben." ,Möge mir Ew. Majestät stets Ihr gnädiges Wohlwollen bewahren," sagte Meyerbeer. ״Was jedoch meine Feinde anbetrifft, so werde ich sie allein in die Flucht schlagen." Meyerbeer erklärte weiter Weill des- Weiteren: ״Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, die Hugenotten zu schreiben, wenn ich nicht Jude gewesen wäre. Ich habe dem Scribe das Libretto aufgegeben. Niemals ist ein christlicher Komponist auf den Gedanken gekommen, die Bartholomäusnacht in. Musik zu setzen." Nicht Vielen dürste es bekannt sein,, dass der ״Prophet" ursprünglich ein Moses war. Sein ganM 'Äben lang hatte Meyerbeer die Idee mit sich herümgetragen, eine Oper ״Moses" zu componiren: allein, um nicht seinem Freunde Rossini Concurrenz zu machen, gab er diese Idee auf, und es wurde von Scribe ein Libretto auf den untergeordneten Lukas von Leyden geschrieben. So erklärt sich aber der Widerspruch zwischen der Musiki und dem Libretto, wenn man z. B. erfährt, dass der Schlachtgesang der Widertäufer bei Sonnenaufgang ein kriegerischer Aufruf des Moses.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.