Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 35 (31.10.1887)
- Date
- 1887-10-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/1304829-3453087-3453122--2289-3456522- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
.!Versteht sich von selbst. Diese erhöhen nicht die Würde des Gottes- ^dunstes. Eine' andere, Frage ist aber, ob man, zumal in kleinen Gemeinden, nicht ansässige, würdige Gemeind?Mitglieder als Hilssvorbeter.znlassen darf. Diese Frage gebe ich dem Herrn Collegen Graf, der ja in diesen Dingen Autorität ist, zur Erwägung. Darunter leidet die Würde des Gottesdienstes nicht, eine Einübung mit diesen wird dem musikalischen Lehrer nur willkommen sein. Bei einzelnen Gemeindemitgliedern findet sich noch ein Fonds Von Original-Melodien, die lediglich durch das Gehör fortgepflanzt Werden und die nur der Sichtung bedürfen, um auch ästhetisch zu gefallen. Und woher haben die polnischen Chasonim ihre Force, wem!!ficht durch das fortwährende von Kindheit an beginnende Einüben der Sgnagogenmelodien? Methodik -er GesangLknust. IV. Aus diesem Allen folgt hinlänglich die Bedeutung eines guten Athems für den, Gesang, und so stand denn auch die Kunst des langen׳ Äthems schon bei den alten Italienern mit Recht sehr hoch. ' Ta nämlich nur so lange gauz ohne Unterbrechung fortgesungen werden kann, als das Ausfließe!! des Athems währt, so wird ein guter Sänger schon deshalb vor Allem auf ein Sparen des Athems, oder mit anderen Worten auf ein langsames Ausfließenlaffen der Luft, d. h. auf einen Ton bedacht sein, bei welchem er möglichst wenig ׳ Athem verbraucht. Der Schüler muß folglich bei Beginn des Unterrichtes ׳ aufmerksam gemacht werden, dass er möglichst wenig Luft zu einem-Ton brauche, er muß suchen, den Ton mit dem geringsten Hauche zu erzeugen, und stets und in allen Lagen seiner Stimme beachten, welches geringste Maß von Luft zur Erzeugungeines Tones nothwendig ist. Und die Natur selbst kommt ihm dabei wesentlich zu Hilfe, indem in der That ein Ton zu seiner Erzeugung nur sehr wenig Luft bedarf und sogar am schönsten klingt bei wenigem, ruhigem Athem. Nehmen wir einen ausgeschnittenen Kehlköpf, so bekommen wir mit Leichtigkeit durch die verschiedene Spannung der Stinunbänder l1/2 Octave Brust- und fast ebensoviele Falsettöne, .und zwar ohne dass wir ein stärkeres Blasen in der Höhe «!!wenden; vielmehr ergeben sich alle Töne bei gleich schwachem Blasen; ein schwaches Blasen, wenig Athem reicht zur Erzeugung jedes Tones hin: alle Töne lassen sich mit demselbem Minimum von Lust Hervorrufen. Ja es ist zu verwundern, dass wir auch Leim schwächsten Hauch schon einen ziemlich starken Ton erlangen; und es gibt kein Instrument, welches auch beim zartesten Blasen so leicht anspricht, als die Stimmbänder im menschlichen Kehlkopf, sowohl bei den Brustals Falsettönen. Der Schüler muß also von Anfang an darauf ausgehen, mit wenig Athem schon einen ziemlich starken Ton hervorzurufen; dies kann er aber, wie schon gesagt, nur dann, wenn das Einathmen so geschieht, dass er nicht absichtlich die Lungen ,mit zu vielem Athen! füllt und dabei den Brustkasten absichtlich in die Höhe zieht (Hochathmen), und endlich gar noch einige Zeit mit. so erhobenem Brustkasten wartet, bis er den Ton angibt: denn dadurch erhält der Ton nothwendig etwas Schwächliches, sogar Seufzrndes. Das Einathmen. muß vielmehr wie von selbst, gleichsam absichtslos und leicht geschehen (Flankenathmen), und sogleich nach dem Einathnren muß das Ausathmen und zugleich das Sprechen des zu singenden Vokales beginnen; der Sänger darf den Athen! nicht qusströmen lassen, ehe der Vokal sich damit verbindet, also nicht ohne Vokal, sondern mit dem Anfang des Ausfließens des Athems muß der Anfang des Vokales zusammenfallen. Dann aber ist es ihm möglich, schon mit wenig Athem einen ziemlich kräftigen, bestimmten Ton hervorzubringen, gemäß unserer Untersuchung am todten Kehlkopf, welche mit Sicherheit ergab, dass zur Ton-Erzeugung nur wenig Athem nothig ist. — Durch diese unsere Erfahrung am ausgeschnittenen Kehlkopf widerlegt sich nun sogleich die Ansicht vieler Lehrer, dass zu Erzeuguug der verschiedenen Töne nach Höhe und Tiefe ein successiv verschiedener Grad der Atheinstärke nothwendig sei und somit nach verschiedenen Hauchungen die Stimme sich eintheile. Diese Ansicht hat offenbar-in der Thatsache ihren Ursprung, dass Natursänger zu Erzeugung ihrer Töne gerne mit einem größeren Stoß des Athems nachhelfen, und dass sich in der That auch durch stärkeres Blasen allein, höhere Brusttöne erzeugen lassen: dies ist besonders bei den oberen Brusttönen der Fall von da an, wo sich beim schwachen Blasen die Neigung einstellt, als Falset zu erklingen. Hatten wir' nämlich einen ausgeschnittenen Kehlkopf, welcher bei ganz schlaffen Stimmbändern und ganz schwachem Einblasen den Ton c gab, so entstanden durch größere Spannung der Stimmbänder (mittelst eines den Schildknorpel hinabziehenden Gewichts) die Töne 6, e, f, g, a, h, c, d, e, auch f, und diese Töne alle sprachen bei dem schwächsten Athem ebenso leicht an, wie jener Grundton c. Spannten wir die Stimmbänder noch mehr, ohne stärker zu blasen, so sprang der Ton ins Falset über (hie und da auch einen Ton höher oder tiefer, je durch der natürlichen Beschaffenheit der Kehlköpfe): auch die Falsettöne sprachen an beim schwächsten Athem. Wollten wir dagegen noch höhere Brusttöne erhalten, so musste etwa von g an stärker geblasen werden, bis die ganzen unteren Stimmbänder in Schwingung geriechen, und wir erhielten so durch succefiv stärkeres Blasen allein (ohne die Stimmbänder noch mehr zu spannen) die weiteren Brust« töne g, a, h, c. Diese Töne also, wenn sie als Brusttöne hervorgebracht werden sollen, verlangen׳ jedenfalls eine etwas stärkere Lustströmung, aber erst von da an, wo sie bei geringerem Blase!! ins Falset überspringen wollen. Und das Ganze beruht somit auf der Thatsache, dass sich ein Ton bei gleichbleibender Spannung der Stimmbänder (also ohne Vermehrung des Gewichtes in der Wagschale) nur durch Verstärkung des Blasens sogar um eine Quinte erhöhen lässt. — Wenn aber auch die Natur dieses Mittel an die Hand gibt, so fragt sich dennoch, ob eine schulgemäße Stimmbildung dasselbe anwenden darf. Erwägt man nämlich, dass solche durch stärkeres Blasen ohne größere Spannung der Bänder erzeugte Töne ganz anders klingen (geräuschvoll, schreiend), als die übrigen mit ruhigem, schwachem Athem erzeugten; dass endlich die Luft nicht allein für die Erzeugung eines Tons, sondern auch zu seiner Nüancürung nothwendig ist (was wir sogleich genauer sehen werden), so folgt daraus, dass diese Erzeugungsart der Töne beim Gesang keine Anwendung finden kann; besonders aber ist sie auch den Lungen selbst schädlich, die Lungen können eine solche Anstrengung nicht ertragen. Das gewaltige, plötzliche Ausstößen der Luft ermattet die Lungen; und wird es zu lange fortgesetzt, so ist bald der ganze Athem-Procefi gestört, d. h. es tritt eine solche Unruhe der Lungen ein, dass auch der sonst bequemste Ton der Mittellage nur noch zitternd und wankend zum Vorschein kommt. — Die Kraft des Athmes soll also die Muskelkraft nie ersetzen wollen, vielmehr muß man bei jedem Ton, besonders auch bei diesen höheren Brusttönen, das geringste- Maß von AthHr suchen, mit welchem sie noch als Brusttöne erzengt werden können^ d. h. jeder Ton muß piano begönnen werden können, nur dann kann er auch noch weiter hinsichtlich seiner Stärke modificirt und mit Absicht und Bewusstsein beherrscht werden; wo dagegen die Möglichkeit aufhört, einen Brust-