Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 34 (23.10.1887)
- Date
- 1887-10-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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— 3 — einige andere sind entschieden jüngeren Ursprunges nnd daraus er-! klärt es sich, dass sie so selten angewendet werden. Wir haben im Vorstehenden zu zeigen versuchten welcher Weise Rabbiner und Cantoren" vereint die Harmonie fördern können, denn wir lernten die Melochim Könige und Meschorsim Diener kennen. Der Talmud sagt: ׳״Wer sind die Könige, das sind die Gelehrten, die Rabbinen". Die aber zu Gott ihr Gebet in Vertretung der Gemeinde richten, sie sind Meschorse eljaun, Diener des Höchsten, und wie der Kaiser selbst nur der erste Diener des Staates ist, dürfen wir es mit dem Namen nicht so genau nehmen; wenn wir unserem Berufe ganz und voll Nachkommen, ist jeder auf seinem Orte König, d. h. ein Könnender, ein Vermögender. Möchte uns gründliches Studium der Kirchenmusik wie des Alterthums überhaupt endlich eine völlig befriedigende Erklärung der Neginoth verschaffen, aus dass die Welt' die Ueberzeugung auch für diesen Fall gewinnt, dass das Judenthum sich zu keiner Zeit von den übrigen Völkern abgeschlossen, sondern immer und überall das Gute sich anzueignen stets eifrig bestrebt war. Methodik -er Gesangstmnst. m. Nur beim Ausathmen entsteht ein Ton; das richtige Ausathmen ist aber bedingt durch richtiges Einathmen, sowie durch die Fähigkeit, die eingeathmete Luft eine Zeit lang in dev Brust zu halten und nach seiner Willkür stärker oder schwächer, aber immer ohne Unterbrechung in gleicher Linie ausströmen zu lassen; d. h. der Sänger muß einen langen und doch ruhigen Athem erlangen, was nur bei dem sogenannten Flankenathem möglich ist. Nur dadurch wird er in den Stand gesetzt, theils einen einzelnen Ton lange zu halten, ihn . piano zu beginnen, zum körte anschwellen und wieder zum piano abnehmen zu lassen, — theils eine große Reihe verschiedener Töne in einem Athem zu erzeugen und zugleich nach Stärke oder Schwäche zu verändern. Die tieferen und mittleren Töne der Bruststimme, sowie alle Falsettöne erklingen auch beim schwächsten Athem, . die höchsten Brusttöne dagegen erzeugt man allerdings leichter - durch stärkeren Athem; dennoch soll der Sänger die Verstärkung des Athems nicht sowohl zur Erzeugung eines Tones, sondern nurzur Nüancirung desselben hinsichtlich der Stärke gebrauchen. — Dass .beim Einathmen׳ oder Einströmen der Luft durch den Kehlkopf kein Ton entsteht, haben wir gesehen; dennoch kann auch hier eine große Anzahl von Lauten hervortreten, wenn nämlich die Stimmritze nicht gehörig erweitert ist. Diese einathmende Stimmgattung ist ungleich und rauh und höchstens in der Deklamation zum Ausdruck der größten Leidenschaft anwendbar. Im Gesang dagegen kann sie keine Stelle finden, weil diese entstandenen Laute gar keiner Dauer fähig sind, nicht ausgehalten.werden können, also nicht mustkalisch brauchbar sind. Ein hörbares Einathmen ist schon beim Sprechen störend, beim Gesang aber ganz unstatthaft, und wo sich vollends mit dem Einathmen ein gewisser pfeifender Ton verbindet, da ist der Gesang ganz unmöglich. — Das Ein- und Ausathmen muß sich beim Gesang in Ruhe verlaufen: ein heftiges hastiges Schnappen nach Luft bringt auch ein schnelleres Ausströmen derselben mit sich; ist die Luft ruhig eingesogen, so kann sie auch ruhig wieder ausfließen. Das lange, ruhige Ausathmen, welches wir beim Singen von vorn herein verlangen müssen, ist also nur da möglich, wo schon das Einathmen leicht und geregelt vor sich geht. Und so fragt es sich denn vor Allem, welche Art des Einathmens der Sänger in Anwendung bringen muß? Die Athmung geschieht, wie bekannt, durch drei Hauptgruppen von Muskeln: durch die des Brustkastens, durch das Zwerchfell und durch die Bauchmuskeln. Letztere besorgen das angestrengtere Ausathmen (bei Husten und Nießen); beim gewöhnlichen Ausathmen dagegen zieht sich die Lunge durch ihre bloße Elasticität (da sie keine Muskeln hat) zusammen und treibt so die Luft durch die Luftröhre hinaus. Obigem entsprechend geschieht nun das Einathmen überhaupt in drei Haupttypen, und der Sänger selbst muß genau wissen, welche von diesen drei möglichen Einathmungsarten er gebrauchen darf. Man unterscheidet nämlich das Bauch athmen oder Zwerchfellathmen, das Hochathmen oder Brustkastenathmen, und das Rippenathmen oder Flankenathmen. Das erstere ist der gewöhnliche ruhige Athem, wobei sich das Zwerchfell allein zusammenzieht, und reicht auch für die ruhige Sprache aus.. Sobald jedoch die Sprache leidenschaftlich wird und noch mehr, wenn die Töne lange angehalten werden oder in größerer Stärke hervorgebracht werden sollen, wie dies das Singen nothwendig mit sich bringt, — reicht das Bauchathmen nicht aus. Ein stärkeres, kräftigeres Athmen ist das Hochathmen, wobei nur die an den Rippen und dem Schlüsselbein befestigten Hals- und Schultermuskeln arbeiten, indem sie den Brustkasten nach oben erweitern. Da hier die Halsmuskeln so sehr mit zum Athmen dienen, dass sich der ganze Hals krampfhaft verhärtet und besonders der Winkel vom Kinn zum Kehlkopf klein und steif wird, ja sogar auch die Zungenwurzel nach unten drückt, so ist auch der Kehlkopf in einem krampfhaft-gedrückten Zustande und kann nicht so leicht und frei dem inneren Tonsinne allein dienen; daher entstehen allerlei unnatürliche, gequälte Tonbildungen, gewaltsames Gröhlen, Quietschen 2c., und das Stimmorgan ermüdet sehr schnell. Selbstverständlich darf also dieser Athem beim Singen keine Anwendung finden und es bleibt somit für den Sänger nur das Rippen- oder Flankenathmen übrig.. Bei dieser Einathmungsweise spielen nämlich die Bauch- und Zwerchfellmuskeln gegen einander und heben die Rippen; der Brustkästen hebt sich — damit zusammenhängend — nur allmählig und senkt sich auch ganz allmählig wieder zusammen. Wenn daher beim Hochathmen ein schneller Wechsel der Hebung und Senkung des Brustkastens und demgemäß ein rascheres und wehr stoßweises, als unruhiges Ausathmen stattfand: so gewährt dagegen das Rippenathmen einen ruhigeren Verlauf der Hebung und Senkung des Thorax und demzufolge einen gleichmäßigen, ruhigen, langsamen Zug und Ausfluß des Athems ohne Stöße und Zitterungen. An die Stelle des regellosen Wogens beim Hochathmen tritt so eine geregelte Ausathmung, welche sich ganz nach dem Willen des Sängers beherrschen und leiten lässt. Zugleich ist bei dieser guten Athmung gar keine Halsmuskel mit betheiligt, und das Gesangsorgan kann daher nicht nur selbstständiger und freier seinem eigenen Berufe leben, sondern ist auch vor jener zu frühen Ermüdung durch falschen Athem geschützt. Ja! sehr oft ist eine fast untergegangene Stimme dadurch gerettet worden, dass an die Stelle des vorher angewandten Hochathmens, welches offenbar die Halsmuskeln erschlafft hatte, das Rippenathmen, und so den Halsmuskeln ihre freie Bewegung zur Erzeugung der Töne und die Möglichkeit ihrer nun auch sehr bald eingetretenen Stärkung wiedergegeben wurde. Auf dieses lange, ruhige Ausathmen, wie es nur beim Rippenathmen möglich ist, hat also der Gesanglehrer vor Allem hinzuar» beiten durch ruhiges Herausziehen und Anhalten der einzelnen Töne׳ Beim Sprechen folgt freilich das Ein- und Ausathmen schneller und regelloser aufeinander, das Singen dagegen ist wesentlich ein länger fortdauerndes Ausathmen und beruht somit auf der Kunst, den Athem lange in sich behalten und langsam ausftrömen lassen zu können Ein Ton dauert immer nur so lange, als die Stimmbänder ange-