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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-10-23 · Heft 34 (23.10.1887) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 34 (23.10.1887)
Date
1887-10-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — von Wien gegebenen Anstoß durch die versöhnliche Art, wie hier der [ geregelte Gottesdienst auftrat". So weit das glänzende Urtheil des allzustrengen Kritikers Wer den Wiener Gottesdienst. Was aber in Staunen setzt und gewiss Viele als eine Entwürdigung betrachten, ist der Umstand, dass Dr. Grätz nicht den klangvollen Namen des weltberühmten Synagogensängers, welcher der Meister des Mustergottesdienstes in Wien ist, nämlich Sulz e r, nicht erwähnt. Dieser Name, welcher überall-mit großer Ehrerbietung ausgesprochen wird, verdient, dass er neben Mannheimer im Geschichtsbuche verewigt werde. Von diesen zwei Amtsbrüdern lassen sich die Worte des Midrasch anwenden: ברוך המקום שבחר בשני האחים האלו שלא נבראו אלא לתורה ולכבודן של ישראל. Wir Hoffen, dass in einer zweiten Auflage der unsterbliche Name Sulz er Ln dem Geschichtswerke Dr Grätz לכבוד ולתפארת prangen wird und schließen unfern Artikel mit dem innigen Wunsche, dass Professor Dr. Grätz noch lange, lange in frischer Gesundheit, des Körpers und des Geistes zur Verbreitung der jüdischen Geschichte und Wissenschaft arbeite. .עוד ינוב בישיבה דשן ורענן יהי Siklos, 20. October 1887. Aron Roth, _ Be;. ׳Rabbiner. Ueder -ir Gntstehungszeit -er Toiyeichen (Neginoth) in -em jüdischen Schriflthum. Von Dr. M. Grünwald, Rabbiner in Jungbunzlau. (Schluss.) Zunächst ist die Eintheilung in Mafsikim, trennende, und Meschorsim Menenie Neginoth zu berücksichtigen. Erstere werden auch Melochim, Könige, genannt. Uns scheint es jedoch, dass die Eintheilung in verschiedene Classen eine größere Erweiterung u. zw. in S Elassen, die ursprüngliche war. Die Wechselwirkung, die zwischen Staatsverwaltung und Gesang bestand, wird das Befremdende verlieren, wenn man bedenkt, dass die Gesetze auswendig gelernt, nach dem Takte vorgetragen werden mussten,, und dass im Alterthum Religion und PolM unzertrennbar vereinigt waren. Was nun die Fünfzahl betrifft, so hatten nicht nur die Chinesen und die Griechen eine fünfstufige Tonleiter, sondern auch die ältesten Kirchengesänge bewegten sich im Umkreise einer Quinte, (vgl. Josef Singer, die Tonarten des traditionellen Synagogengesanges pag. 8). Was aber mich zu dieser Annahme besonders führt, ist der Umstand, dass nicht nur der Pentateuch, wie das Wort schon sagt, aus 5 Theilen besteht und Las indische Pantatautra gleichfalls eine 5-Theilung bildet, sondern auch des Loetius Werk über Musik in 5 Theile getheilt wurde." Ja, noch mehr, im biblischen Hebräisch heißt ״ הפושgerüstet", oder richtiger, nach einer bestimmten Schlachtordnung aufgestellt sein.. Die Musik durste bei keiner Gelegenheit fehlen, weil es ja in alter Zeit nur Religionskriege gab. Gehen wir nun zur 5-Theilung der Tonleiter zurück und sehen wir, welche Namen die Chinesen den einzelnen Tönen geben. Die tiefste Stufe dieser Tonleiter war (nach Naumann, Musikgeschichte Seite IC), das F, es hieß Lei ihnen Kaiser, das G Minister, das A untertänig gehorchendes Volk, das C Staatsangelegenheiten, das D Gesammtbild aller Dinge. Betrachten wir nun die Eintheilung der Neginoth, so begegnen, wir auch dem König (Kaiser im Chinesischen) und. dem unterthänig gehorchenden Volk. Erstere Claffe sind die Melochim, Könige, und letztere Claffe die Meschorsim, die Dienenden. Die Bezeichnung. Mafsikim, die Trennenden, ist jüngeren Ursprungs.. Die Meiochim oder Mafsikim lassen sich in 4 Classen eintheilen, und zwar bilden Sof posuk, auch Siluk genannt, die erste Claffe. Das Esnachto, das Zeichen einer größeren Pause, bildet die zweite Claffe. (Vgl.. Prof, E. Lolli's treffliches Buch Corso di grammatica della lingua ebraica. Milano 1886, pag• d5—20). Zn die dritte Claffe kommen das Segol, Sokef kotaun, das Tipcho und Rewia, wobei zu bemerken ist, dass dem Segol immer das Sarko und dem Sokef immer ein Munach oder eine andere minderwerthige Neginah vorangehen muß; wo dies jedoch; nicht möglich ist, wird statt des Segol das Schalscheleth *) und an Stelle des Sokef kotaun das Sokef godaul gesetzt. Die übrigen Mafsikim bilden die 4. Claffe, und die 5. Claffe bilden die Meschorsim. Gehen wir nun die Töne, wie sie bei uns üblich sind, durch, so sinden wir im Anfang das Sarko von Sulzer*), in seinen Dudaim Seite 25, mit Schleuder wiedergegeben. Es war dies gleichsam der Auftact und merkwürdiger Weise ist auch in den Neumen des Syrers St. Ephrem, (S. Nr. 33 der österr.-ungar- Cantor.-Zektung, Jahrgang 1887), an erster Stelle das Zeichen des Sarko, das Segol (Traube) ist mit dem Schalscheleth, das Verkettung, ursprünglich Verdreiung, bedeutet, identisch. Nr. 9 entspricht dem Segol, nur dass die 3 Punkte beim Syrer Ephrem horizontal , neben einander und bei uns in Form einer Traube geordnet sind, Nr. 11 ist gleich dem Schalscheleth. Das Munach ״liegend" entspricht der Nr. 10 bei Ephrem. Das Revia. bei Sulzer durch ״Viereck" übersetzt, scheint uns nicht, richtig; wohl hatte dieser Ton ursprünglich die Gestalt eines Viereckes, das Wort ist aramäisch und entspricht im Hebräischen dem Worte ״ruhen, sich lagern"׳; das Revia entspricht in den Kirchenneumen der semibrevis, die auch jacens ״die liegende" genannt wird, was genau dem Worte Revda entspricht: Dem Rervia entgegen-׳ gesetzt ist das Kadmo, ״das Vorwärtsschreitende" genau wie dem jacens.in der Kirchenmusik das currens entsprach. ׳ .Wir müssen zum Verständniße der übrigen Noten (Neginoth) noch die Bezeichnung der . wichtigsten Neumen hier wiedergeben. bezeichnet, wie-dies noch heute bei der Prosodie üblich ist, eine kurze Silbe (1/g);-_ eine lange Silbe, l- 1/4 mit einem Punkte entspricht genau dem Zeichen und dem Werthe nach den beiden Neginoth Münach-Rewia eine lange, Zmomentige Silbe, bezeichnet eine Halbnote (eine vierwerthige Silbe), eine Halbnot und 1/8, feine 5momentige Silbe). Diese Zeichen wurden über die eigentlichen Noten geschrieben und diese wiederum über den.Text, wobei die Pausen mit A bezeichnet wurden. Dass das Esnachto aus diesem Zeichen entstanden ist, haben wir bereits erwähnt. '(Hostinsky's Kurzer Äbriß der Musikgeschichte, pag. 18-19, in böhmischer Sprache.) Das Mapach. paschto Umkehrung und Dehnung hat in- Nr. 5 und 6 feto Analogon. Sokef kotaun und godaul kleine und große Erhebung. Mercho Verlängerung und Tipcho zurückführende' Hand findet. in Nr.3 ׳ und 7 seine Erklärung. Poser Brücke istauf Nr. 12, Telischo gedaulo ״kurz und lang abpflückend" mag mit Nr. 2 und 8 verglichen werden, Kadmoh weaslo vorwärts und rückwärts wurde bereits erwähnt, Aslogeresch die rückwärts gebogene. Aehre findet man in Nr. 12, (manchmal tritt an dessen Stelle Gerschajim zwei Äehren). Dargo. Treppe ist Nr. 2, Tewir Unterbrechung ist eine spezifisch jüdistze . Neginah; )esi^v absetzend, Pesik Trennung, Sof posuk Schluß des Verses erklären sich von selbst. Rarne poroh Kuhhörner finden sich bei Ephrem Nr. 14, Jerach ben jomo Neumond (eine umgekehrte Esnachto), Mercho kefulo doppelte Verlängerung (-maxima soviel als zwei Längen) sowie 0 Auch bie Notae romanae enthalten ein Tonzeichen bas Smomentigeu Werth hat unb bem 8cLal86ksl6tb entspricht. Dudaim von Obercautor Sal. Sulzer in Wien.

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