Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 34 (23.10.1887)
- Date
- 1887-10-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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f-iO. Oesterreich! sch - ud ^arische •*V Wränu«! eratiouspreis j! Füe V«reinsNli<gN«der. Ganzjährig fl. s.— Halbjährig fl. 2.50 Vierteljährig fl. 1.25 j ' Für Nicht» itglieder Ganzjährig fl- 6..—:!. Halbjährig fl. 3.— Vierteljährig fl. 1.5» Für das Ausland Ganzjährig fl. 7.— 12 Mark oder 6 Rudel. Organ mul TulluHesuljen. Hrscheinlzederr achten Hag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. WebacLio« und Administration W i e n. N, Novaragaffe Rr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 34 Wien, 23. Dcwber 1887. 7. Dr. Grätz über den Gottesdienst in Wien. ' Herr Professor Dr. Grätz, welcher mit seiner aus elf Bänden bestehenden jüdischen Geschichte ein monumentales Riesenwerk geschaffen hat, feiert am 31. October seinen siebzigsten Geburtstags oder ׳ besser dieser Geburtstag wird in allen jüdischen Gemeinden, wo man für Kultur und Litteraturgeschichte, für die Lehre des Judenthums und die Ehre der Juden noch Sinn hat, feierlich begangen werden. Der geistreiche Prediger Dr. Jellinek sagt so treffend in seinem Leitartikel Nr. 41, der ״Neuzeit": der alte jüdische Ruf am Schluffe jedes der fünf Bücher der Thora soll aus Oesterreich - Ungarn dem verehrungswürdigen Jubilar brausend enlgegenhallen Chasäk". Es ist nicht meine Absicht, die ewig dauernden Verdienste des Jubilars und seine fruchtbare, geistige Production auf allen Gebieten der jüdischen Wissenschaft hier hervorzuheben; denn das hieße, Eulen nach Athen tragen. Es ist ja allgemein bekannt, dass das große umfang- und lehrreiche Geschichtswerk schon in die hebräische, englische, französische und russische Sprache übersetzt wurde, nnd selbst viele hervorragende christliche Gelehrte studiren es und heben es rühmend hervor. Ich will nur, der Tendenz dieses Blattes angemessen, registriren und reproduziren, was Grätz über den erhabenen , und erhebenden Gottesdienst in Wien, welcher zum Muster für'so viele Gemeinden geworden, geschrieben. Professor Dr. Grätz ist, wie bekannt, ein großer Feind der radikalen Reformen, wie sie in Berlin unter den Reformstürmern Friedländer, Jacobsohn & Consorten angestrebt wurden; er schreibt: ״Diese Männer erblickten in dem Judenthume nur eine bloße Kirchenreligion, welche einige Alltags-Wahrheiten über Gott und Moral enthalte, und verkannten, dass es ein nationales Institut ist, auf starM Säulen von Gesetzen und der Blutzeugenschast von Jahrtausenden getragen, das immer und immer nicht blos gegen das grobsinnliche, sondern auch gegen das versteinerte Heidenthum mit aller Macht ankämpst. Sie gleichen den Motten, flattern so lange um die Flamme, bis sie endlich von ihr verzehrt werden. So wuschen sie die vom Joche eingekerbten Male und die Schmach mit Tauswaffer ab". — lieber den Kultus in Wien schreibt Herr Dr. Grätz folgende schmeichelhaften Worte: ") Der Wiener Tempel und die Gemeinde waren vom Anfänge an dazu bestimmt gewesen, das Verföhnungswerk zwischen den alten und neuen Formen zu vollziehen, es hatte sich für dasselbe ein Sangkünstler gefunden, der mit seinen reichen Stimmmitteln den hebräischen Gebeten einen fast zauberhaften Ausdruck verlieh und den alten verschnörkelten Synagogengefang in seelenschmelzende Melodien umschuf. Diese Melodien machten die betäubenden Orgeltöne überflüssig und ließen sie als störend erkennen. In den sanften und schwellenden Chorälen und Soloparthien des Wiener Tempels zeigte sich, wie in Mannheimers Predigten, dass das Altüberkommene nicht so unfruchtbar sei, wie es die Reformstürmer verlästern, vielmehr nur einer Läuterung bedürfe, um verjüngungsfähig zu werden und Eindruck zn machen. Kanzel und Chor, gleichgestimmt, erzeugten daher eine eigene Stimmung in der anwachsenden Wiener Gemeinde, deren Grundton Liebe zum angestammten Judenthume war, zugleich das jüdische Alterthum mit Ehrfurcht zu betrachten und dem Bedürfnis der neuen Zeit zu genügen. Die Wiener Gemeinde erlangte dadurch, wie es scheint, eine geschichtliche Bedeutung. Der Ton, der von Kanzel und Chor erscholl und in den Gemüthern der Gemeindemitglieder nachklang, erweckt einen mächtigen Wiederhall in nahen und entfernten österreichischen Gemeinden. Pest, Prag und kleinere Gemeinden in Ungarn und Böhmen folgte dem 0 Geschichte der Juden 11. Band, Seite 170. Selbst die Konfirmationen perhoreszirte er. Der unvergessliche Oberrabbiner Löw schrieb: Man liest mit Indignation das Urtheil des Geschichtschreibers Grätz, nach welchem die Konfirmation nichts anderes ist, als ein ״Ableiern von Glaubensbekenntnis" was im Judenthum keinen Sinn hat!! Freilich sagt Löw die ״Bar*Mizwah•» Dera3chah" von Efraim Lentschütz hatte einen Sinn im Judenthum / Für diese begeistert sich mit Recht eine Historiographie, die keine Lehre :» dev Wahr» heit fein will, sondern eine Sklavin der Reaktion. Siehe da» Lebensalter von Löw S. 222. Diesen ^Tadel verdient Dr. Grätz nicht, wen» er auch in vielen Be Ziehungen zn scrupulös ist, indessen ,אין מעדבין את הארי לאחר «יתד► *)»Geschichte der Juden V. Dr. Grätz, II. Band. Seite 436.