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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-10-15 · Heft 33 (15.10.1887) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 33 (15.10.1887)
Date
1887-10-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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wendigen Oeffnung den Ansätzrohres überhaupt kann es aber noch in anderer Weise auf den Ton einwirken, indem es ihn modificirt; es kann zwar Nichts an seiner Höhe oder Tiefe ändern, aber die -Klangfarbe hängt wesentlich-von ihm ab, und zwar nicht-blos insofern, als eine unnöthige Verengung des Schlundes (Gaumens) -oder eine falsche Lustführüng an die Nasenhöhlen den im Kehlkopf erzeugten Ton in schlechter Weise verändern, sondern auch insofern, als eine richtige Stellung der Theile des Ansatzrohres zu einander den erzeugten Ton in guter Weise noch wesentlich zu modificiren permag. — So wirkt also auch das Ansatzrohr zu einem Tone immer mit, und wenn wir daher im Folgenden die zu einem guten Ton z ns am menwirkenden Factoren im Einzelnen näher betrachten, so sind es eben wieder die oben angeführten drei Theile, welche wir jeden für sich und ihrer Zusammenwirkung zu beleuchten haben.— Vorher jedoch müssen wir hier die Thatsachen kurz erwähnen, dass wir die verschiedenen Töne der menschlichen Stimme alle, selbst die Falsettöne, auch am ausgeschnittenen. Kehlkopf Hervorbringen, wenn wir nämlich die ursprünglich schlaffen Stimmbänder immer mehr anspannen. — (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wien, 13. October. Der Oberste Sanitätsrath beschäftigt sich in seiner letzten Sitzung mit den sanitären Vorkehrungen, welche der der rituellen Eircumcisiön. der jüdischen Kinder zu beobachten seien; den Anlass zu dieser Berathung gaben verschiedene Mit- Heilungen über Unfälle, die sich bei dieser Operation-öfters' ereignet haben. Der Oberste Sanitätsrath gab seine Ansicht dahin ab, dass die betreffenden Funktionäre. ihre Befähigung zn dieser rituellen Operation in geeigneter Weise darzuthun haben, und dass bei jeder rituellen Eircumcisiön in der Regel ein Arzt anwesend sein müsse. Wien. Der neue Tempel der türkischen Jsraeliten-Gemeinde. bildete während der Feiertage einen mächtigen Anziehungspunkt für die Glaubensgenossen der Residenz; Jedermann wollte sein Auge an der herrlichen Ausstattung dieses schönen Gotteshauses ergötzen; der ׳Einlaß war jedoch ein sehr beschränkter, da die Gemeindemitglieder selbst sehr fleißige Tempelbesucher sind. Die freudige Opferwilligkeit derselben äußerte sich in eclatanter Weise an den Feiertagen, indem namhafte Summen der Gemeindecaffa zuflossen, wobei die Spender -nicht ermangelten, des eigentlichen Schöpfers des Tempels, des verdienstvollen Präses-Herrn Marcus M. Russo mit einem Mischeberach zu gedenken. Bemerkens- und lobenswert ist es, dass die Sephardim trotz des neuen Tempels ihre alten, schönen Gebrauche׳ -nicht abgelegt haben. .So wird z. B. auch im neuen Hause alltäglich nach dem Gottesdienste in Folge einer Stiftung des seligen Herrn Leon E s k e n a s i cliok l’israel gelehrt. Der Stifter war der Bruder des jetzigen zweiten Vorstehers, Herrn Josef J^ Eskanasy, eines Mannes, der. dem Präses in seinem schweren Amte wacker zur Seite steht und dessen Thätigkeit in der Gemeinde allseitige Würdigung findet. ' Sest, 12. October. Die Antisemiten-Partei des- Reichtages scheint in vollständiger Auflösung begriffen zu sein, da sie sich bis- Her.weder in ihrer früheren Gestalt noch als ״christliche Volkspartei" constituiren konnte. Der früher bestandene Club ist nicht mehr zusammengetreten, in Folge dessen auch kein Adreß-Entwurf dieser Fraction zu gewärtigen ist, während sie zu - Beginn des vorigen Reichstages mit einem solchen debülirte. Es scheint, dass die Antisemiten bei der Abstimmung über die Adresse sich der einen oder der anderen oppositionellen Fraction anschließen werden. Budapest. Der. gewesene antisemitische Candidat׳ im Neutraer Sezirk, Üniversitätsprofessor Dr. August Lubrich und der gewesene antisemitische Candidat im Szakeser Bezirk, Gymnasiälprosessor. Franz Tomor wurden vom Unterrichtsminister auf unbestimmte Zeit -beurlaubt — In Nyirvasvari, einer Gemeinde des Szatmarer Comitats,- hat sich dieser-Tage ein Fall ereignet, welcher durch die Böswilligkeit des Ortsrichters leicht schlimme Folgen nach sichhätte ziehen können. Die Witwe Lnkas Kocsis hatte ihren sechsjährigen Knaben durchgeprügett, worauf sich derselbe aus dem Haufe entsernte. Später suchte die Frau ihr Kind und da ihr Suchen vergebens war, erstattete sie im Gemeindehause die Anzeige von dem Verschwinden' des Knabe». Der weise Gemeindevorstand hatte bald herausgesunden, dass das Kind durch die Juden umgekommen sein müsse, und als der Knabe bis zum Abend nicht zum Vorschein kam, drang der Richter in Begleitung eines Geschworenen zu später Nachtzeit in die Häuser mehrerer jüdischen Insassen ein, um dort Haussuchungen vorzunehmen und unter Drohungen die Herausgabe des kleinen Kocsis zu fordern. Als dieses Vorgehen nicht zu dem gewünschten Resultate führte, forderte der Richter noch im Laufe der Nacht die Ausschließung der Synagoge; er ließ auch die heilige Bundeslade öffnen und Alles aus derselben ausräumen, um die Leiche des angeblich ermordeten Christenkindes zu suchen. Mittlerweile war aber der Kleine zum Vorschein gekommen und erzählte unter Thränen, er habe sich, nachdem er von seiner Mutter geprügelt worden war, im Garten schlafen gelegt. Ohne diesen glücklichen Zufall wäre den armen Juden arg mitgespielt worden. Die in der Umgegend von Ryirvasvar ansässigen Juden haben gegen das Vorgehen des Richters die Anzeige beim Stuhlrichter erstattet. Wrürm. Aus Mähren wird der Magdeb. Wochenschrift solgendes gemeldet: Der Rest mährischer Orthodoxie im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ist doch zu interessant und culturhistorisch denkwürdig, als dass ich ihn nicht durch zwei Beispiele illustriren sollte. In B. strebt man danach eine Kanzel zu erbaue». Zu diesem Zwecke musste aber das Almemor aus der Mitte entfernt werden. Natürlich sträubt sich die Orthodoxie gegen diese ״Verletzung der heiligsten Religionsgesetze" und ihr Führer rühmt sich, den Sieg davon getragen zu haben, indem er den Gegnern eine Stelle in dem Werke eines ungarischen Rabbiners zeigt, das hauptsächlich gegen den Pester Oberrabbiner Meisel s. A gerichtet ist, in dem es mit Bezug auf die Almemor-Frage wörtlich heißt: ״.2«^ זןמשנה פניו ישנא Wissen Sie, meine Herren, sagt er, was das bedeutet, das ist genau so viel, als ob man Ihnen die Nase abschneiden und an der Stirne' wieder anheften wollte?" Ging vergnügt heim und rühmte sich seiner schlagenden Dialektik. — Ein anderer Fall: In einem andern kleinen mährischen Orte wareine fromme alte Frau beim Betrachten des Magens einer Ente zum erstenmale darauf aufmerksam geworden, dass der Magen eine Oeffnung gegen den Darm hin hat; sie läuft erschreckt zum Dajan, um ihm die merkwürdige Geschichte zu zeigen. Der macht ein bedenkliches Gesicht, seufzt einigemal schwer auf, schüttelt mehrmals den Kops, drückt die Allgen zu, seufzt noch einmal und sagt endlich: ״Meine liebe Chajelebelr, da Hilst nichts, de Ent' is trephe." ״Gott sei Dank, R. Judeleben, dass die Ent' trephe is, es hätte nicht viel gefehlt, hätte ich das überseh'n." Die nächste Woche wird wieder eine Ente geschlachtet, die merkwürdigerweise an derselben Stelle des Magens ein Loch hat Noch einmal wird Reb Jude gefragt, der sagt: das is e Nisojen von Hakodesch borehchuh (eine von Gott gesandte Prüfung), die Ent' ist wieder trephe. Chaje dankt Gott, dass er ihr eine so leichte Prüfung auferlegt hat und erzählt die Geschichte ihrer Nachbarin Preise, die sich den merkivürdigen Magen ansieht und sagt: Was fällt Dir ein, das Loch muß sein. Chaje geht natürlich wieder zu Reb Jude. ״Reb Jndeleben, Preise sagt das Loch muß sein." ״Schick mir Preise her. Wenn das Loch muß sein, is es koscher". Reb Jude kennt wohl den ganzen Joreh Deah auswendig, aber wie es in einer Ente inwendig aussieht,-davon steht im Schulchan Aruch nichts. Leitmeritz. Ueber die Frage, ob das Zeitungslesen in der Synagoge während des Gottesdienstes, namentlich am Bersöhnungstage anstößig sei, fand hier kürzlich eine interessante Verhandlung statt. Im vorigen Jahre ereignete es sich nämlich im Tempel zu Außig, dass ein Gemeindemitglied beim Mussasgebete während der Äboda den ״Außiger Anzeiger" gelesen hat und von einem andern Gemeindemitgliede in scharfe« Worten zurechtgewiefeu wurde. Diese Art Zurechtweisung wurde als eine Ehrenrührigkeit aufgefasst und zum Objecte der Klage. Ohne ans in die Details der ganzen Ver- Handlung einzulassen, constatiereu wir nur, dass das k. k Bezirksgeeicht in Außig des Geklagten wegen Uebertretung gegen die

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