Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 33 (15.10.1887)
- Date
- 1887-10-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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— 3 — und Mnke Z^hicre in!gen die Hirten in den,Armen oder im Schoße des Äeides, und durfte das -Vieh nicht übertrieben werden, wie häufig /in -ev. Bibel die Thierquälerei verboten ist. Die Sorgfalt Gottes für sein Volk Israel drückt der Prophet Jesais auf eine sinnige, zarte Weise aus: ,2 /"כרועה עדרו י^עהBie ein Hirte weidet er seine Schafe בזרעו יקבץ טלאים״", in seinen Armen sammelt er die Lämmer, . ובחיקו ישא", in seinem Schoße trägt er sie, ,,“עלות ינהל ״Die Säugenden leitet er sanft" (Jesais 40, 11.) In dieser zarten Schonung der Thiere erkennen wir, dass das Hirtenleben ein Institut zur Verbesserung (des Gefühles und der Sittenreinheit, eine höhere Stufe der Kultur war, als Gegensatz zum Jagdleben. ' . W.r. ־ (Fortsetzung folgt.) Zur Frage -er Cantsrenschule. Von Siegfried Gvaf, Hauptlehrer in Essen. Unter dem Titel ״der neue Erlass des Unterrichtsministers und jüdische Cantorenschulen" veröffentlicht Herr Siegfried Graf in Essen, dessen litterarische Thätigkeit auch den' Lesern unseres Blattes aus früheren Artikeln bekannt sein dürfte, in der Magdeb. israel. Wochenschrift 'nachfolgenden A'tikel über das Thema der Cantorenschulen, welcher wol zunächst für ׳deutsche Verhältniße bestimmt ist, jedoch auch in unserem Vaterlande Berücksichtigung finden möge: An die Königlichen Privinzialschülkollegien ist neuerdings seitens des Unterrichtsministers ein Erlass ergangen, den hoffentlich - auch unsere jüdischen Lehrerseminarien sowie die bereits aus diesen Anstalten entlassenen jüngeren Lehrer beherzigen werden. Nach Anerkennung der Fortschritte in den letzten Dezennien in Beziehung auf die Musikpflege in den staatlichen Seminaren, meint der Erlass, fei immerhin noch ein weiter Weg zurückzulegen bis zu dem Ziele, das zu erreichen ist. Die Aufsichtsbehörden werden deshalb aufgefordert, ihr Augenmerk darauf zi! richten,׳, dass schon bei der Präparaudenbildung der musikalische Unterricht nicht.vernachlässigt werde, damit die Seminare einen genügend vorgebildeten Nachwuchs erhalten können. Die Aufnahmeprüfungs-Ordnung vom 45. Oktober 1872 gestatte wohl unter Umständen ausnahmsweise die Aufnahme von Zöglingen, denen musikalische Anlagen fehlen, mit Rücksicht darauf, dass noch, nicht die Hälfte der evangelischen Lehrerstellen mit einem Cantoren- und Organistenamt verbunden ist. Nun, in unseren jüdischen Gemeinden, namentlich in den kleineren, ist ja fast immer das Lehrer- und Cantorena m t vereinigt. Es erwächst deshalb unseren Herren jüdischen Seminardirigenten die Pflicht, mehr denn je ans die musikalische Ausbildung ' der Seminarzöglinge Gewicht zu legen, um dem Lehrgegenstände ״Chasonus" . mehr Raum zu geben, als bisher. Aber auch dieses wäre nur ein Nothbehelf, denn ganz gewiss haben die Herren Bezirksrabbiner Dr. Landsberg und Dr. Rothschild- Alzey in den letzten Nrn. der Wochenschrift recht, wenn sie bedauern, dass es keine Cantorenschule giebt. Schon vor Jahren habe ich meine Stimme für die Errichtung einer solchen erhoben und die Lehrgegenstände, näher sixirt. Aber es war ein Wort in der Wüste. Die Nothwendigkeit einer Anstalt zur Ausbildung von Cantoren wird immer dringender. Der Staat gestattet nicht mehr den Zuzug aus den östlichen Ländern, durch welchen wohl 11/l2 aller Cantorenstellen besetzt wurden, ja, so und soviele Cantoren sind zudem ausgewiesen worden. Fragen wir uns,, wielviele preußische Väter lassen ihre Söhne Chasonim werden? Da wird man, wenn erst der Mangel fühlbar wird, zu Existenzen, die in ihrem Leben Schiffbruch gelitten, greifen müssen. Dass dadurch dieses Amt an Würdigkeit nicht gewinnt, wird mir Niemand bestreiten. Die gebildeten Juden haben von diesem Amt doch eine bessere Meinung, wie es dasselbe in der That verdient. Uebrigens, möchte ich hier gleich in Paranthese einschieben, gefällt mir die Bezeichnung ״Cantor (Sänger)" auch gar nicht. Meiner Ansicht nach soll der das Amt Ausübende weniger durch seinen Gesang glänzen, als durch würdiges Vortragen der Gebete und Verständnis derselben. Er ist in erster Reihe derjenige, der die Liturgie abhält, und deshalb wäre die Bezeichnung ״Liturg" oder ״Vorbeter" besser. Dass er bei unseren Alten in großem Ansehen stand, beweist schon der Name שליח צבור und diese Bezeichnung unserer Alten ist noch immer die schönste.*) Möchte doch endlich der Gedanke sich Bahn brechen, dass nur Berufsvorbeter, die eine zu errichtende Anstalt mit abzulegenden Examen absolvirt haben, den heiligen Dienst versehen dürfen, Hch spreche mich entschieden gegen die Einrichtung der Baale-t’philloli aus, wie sie als Nothbehelf an den hohen Feiertagen oft sungiren. Keine Demokratisirung des Vorbeterdienstes! Wie dem Rabbiner die Kanzel, so gehört dem Liturgen der Altar, dem Publikum aber der Synagogenraum. Mögen unsere Herren Rabbiner und Vorsteher nicht vergessen, dass zur Ausbildung moderner Cantoren eine Anstatt ebenso nothwendig sei, wie eine solche zur Ausbildung unserer modernen Rabbiner und Prediger. ' Nun verkenne ich allerdings nicht, dass zur Errichtung einer Cantorenschule Geld, Geld und wieder Geld und nochmals Geldgehört. -Möchte sich doch ein Hochherziger finden, — wie der Gutsbesitzer Roh r zur Begründung eines jüdischen Lehrerseminars in der.Provinz Posen, welcher früher der materielle Begründer des Breslauer Rabbinerseminars gewesen, — und eine Summe Geldes zur Errichtung eines Cantorenseminars stiften, in welchem Zöglinge yls , Cantoren und Religionslehrer ausgebildet werden. *) In seinen Abodat Israel bringt Bär -חנהגת שליח צ!:,,־. Dieses Kapitel beginnt ידוע כי תפלתנו במקום קרבן היא ונשלמה פרים שפתינו. וא״כ הש״ץ העומד לפני התבה להליץ בעד קהלו הוא דונמת הכהן המקריב קרבן העם,יע״כ צריך שיהיה דומה לכהן בכל מדותיו וראוי] והגון לשרת עבודת הקדש הזאת . . O, möchten diese Worte nur beherzigt werden! Methodik -er Gesangskunst. II. Die an einen schönen Gesang gemachten Anforderungen sind zwar fast überall dieselben; Jeder verlangt einen in sich bestimmten, gehaltenen Ton, Ausgleichung der Register, Herstellung einer gleichen Reihe von Tönen. Aber wie dies Alles zu bewerkstelligen sei, welches die einfach natürliche, leichte innere Thätigkeit beinr Singen sei, darüber findet man selten einen befriedigenden Aufschluss; ja man war sogar über die Zahl der Register verschiedener Ansicht, die Einen zählten deren vier, die Andern drei, Wenige nur zwei: während doch der ausgeschnittene Kehlkopf selbst nur zwei natürlich verschiedene Arten der Erzeugung der Töne (Brust- und Falsettöne) aufweist. Was sodann die Gleichheit der Töne innerhalb eines dieser Register sowie die Gleichmachung beider Register unter sich betrifft, so haben auch darüber bislang nur dunkle Vorstellungen geherrscht rmd Niemanden ist es eingefallen, aus den besonders von dem Physiologen Joh. Müller angestellten Untersuchungen am ausgeschnittenen Kehlkopf auch' nur die nächsten und einfachsten Folgerungen für den Gesang selbst zu ziehen. Allerdings haben in unserem Jahrhundert Liscovius, Joh. Müller, Lehseldt u. A. sehr Verdienstvolles geleistet, indemsie auf