Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 33 (15.10.1887)
- Date
- 1887-10-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/1304829-3453087-3453120--2270-3456501- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 2 — Die Aehnlichkeit der Neginoth nur mit diesen Neumen ist in die Augen fallend. So sind Nr. 3 und 7 genau dem טפחה.«מרבא entsprechend; Nr. 1 gleich dem זרקא• Die Israeliten jedoch, mit der griechischen Eultur seit Jahrhunderten vertraut, nahmen dem Grundsatze Molieres huldigend: Je prend mon bien partout oü je le trouve (ich nehme mein Gut überall, wo ich es finde) das Gute der anderen Völker gerne in sich auf. Und so ist ohne Zweifel d6s Zeichen der P a u s e mustergebend gewesen für das Pausezeichen אתנחתא Wir wollen jedoch der Wichtigkeit der Sache wegen, das System, das in den Neginoth obwaltet, deutlich auseinandersetzen. (Fortsetzung folgt.) SWen aus dem Hirtenteden -er alten Hebräer. E Die biblischen Nomaden besaßen eme große Anzahl' Hirtenürechte, welchen sie ihre zahlreichen Heerd'en anvertrauten. Von Abraham wird erzählt, dass er solche dreihundertachtzehn Knechte hatte. (1. M. 14, 14.) Sie werden חניכיו״", seine ״Geübten" genannt, eigentlich was mehr der Bedeutung des Begriffes entspricht, die von chm Erzogene, Disziplinirte, darum auch ילידי כיתו״", seine ״Hausgeborene" betitelt, die er im Kampfe gegen die vier Könige gebrauchte zur Befreiung seines, Brudersohnes Lot, und einen glänzenden Sieg davontrug. Der Oberknecht, Aufseher der Hirten, führte׳ den Namen: ״זקן בית״ so nannte Abraham seinen Diener Eleasar (1. B. M. 34, 2.), von dem es heißt: ,״המושל בכל אשר לוי, der ״Verwalter über Alles, was dem Abraham gehörte". Ueberhaupt wirst das ein schönes Licht auf den Charakter der alten Hebräer, dass sie ihre Sklaven und Sklavinnen, ihre Diener und Mägde zur Familie zählten, und sie auch als Familieuglieder behandelten. Darauf deutet schon der Ausdruck שפחהמ" Magd, von משפחה״" Familie, die Scbifcbo wurde nämlich zur Mischpochohi gerechnet. So finden wir auch bei der Festesfeier das Gebet:"ושמחת בחגיך" Du sollst dich freuen an deinem Feste, du, dein Sohn, deine Tochter, ועבדך ואמתך dein Knecht und deine Magd, (5. M. 16, 14.), sie werden den Familiengliedern beigezählt. Kann sich das noch eine Nation des Alterthums rühmen, so human, so liebevoll gegen seine Untergebenen vorzugehm? Diese Tugend besitzt noch heute der jüdische Stamm, er behandelt seine Dienstboten viel schonender als andere Nationen. Aber dem Feinde kann man nichts recht machen, auch diese Tugend wird den Israeliten als Vorwurf hingeworfen. Auch führte der Oberknccht dm Namen שר מקנח״", so sprach Pharao,׳ der Egypterkönig, zu Josef in Betreff seiner Brüder: »״ “ושמתם שרי מקנחSetze sie ein als Hirtenfürsten," (1. M. 47, 6.) diese wurden aber für jedm Unfall der Heerde verantwortlich gemacht. So sprach Jakob zu Laban: ״אנכי אחטנה מידי תבקשנה״• Ich mußte jeden Verlust büßm. von meiner Hand hast du ihn gefordert. (1. M. 31, 39.) In späterer Zeit war bei den Königen der Aufseher der Heerdm sogar ein Hofbeamter, genannt:״ ,"אביר הרועים״der Vornehmste der Hirtm" (1. Sam. 21, 8.) Im Sommer hielt man sich mit der Heerde auf dm Höhm, im Winter in den Thälem auf. Es biLete eine Art Sennmwirthschast, wie hmte noch bei den Karpatenbewohnern in Ungarn. Die Bewaffnung der Hirten war gewöhnlich ein Stab und Stock, »מקל oder שבט" genannt; letzterer lief unten krumm zu, um das Thier beim Fuße fangen zu können. Wenn die'Israeliten die Schafe zehntm, bedienten sie sich auch des Krummstabes, womit immer beim Zähle» das zehnte Stück aufgeiangen wurde, und das ist der Sinn der Bibelstelle: .«בל אשר יעבור תחת השבט העשירי.יחיד ״ ,קדש לייAlles, was unter dem Stabe vorbeizieht, das zehnte soll heilig sein dem Ewigen" (3. M. 27, 32.) Es muß keinesfalls gemeint sein, wie viele Ausleger deuten, dass der Stab oder die Ruthe gefärbt war, und das zehnte Stück damit ein Zeichen erhielt, woran man es erkenne, das steht ja gar nicht im Texte, sondern der Krummstab ist hier verstanden, womit inan immer das zehnte Stück eingefangen und gleich abgesondert hat. Der Hirtenstab spielte eine nicht unbedeutende Rolle in der Prophetensprache. Wir wollen hier nur anführm die Worte des Propheten Secharja (K. 11, 7, ff.) Gott spricht durch den Mund des Propheten: ״Ich nahm mir zwei Stäbe, einen nannte ich "מקל נעמ", den Stab der Milde, und dm anderen nannte ich "מקל חבלים"- den Stab der Verwundung, und so weidete ich die Heerde". Es ist hier unter ״Stab", dieObhut und die Leitung Gottes verstanden. Das Geschäft des Hirten war ein doppeltes, er leitet die Heerde und hält sie zusammen; er muß aber auch die Heerde vor Unfällen behüten, und der leitende׳ Stock . verwandelt sich in ein strafendes Werkzeug. Diese vom Propheten uns geschildertem zwei Hirtenstäbe hatten und haben noch heute eine weittragende politische und moralische Bedeutung. Jeder Regent, Beamter, Lehrer, Vorsteher-, geistlicher Würdenträger, ist ein Hirte, ein Leiter seiner Heerde, und von der Anwendung dieser beiden symbolischen Stäbe hängt das Wohl oder Wehe der menschlichen Heerde, nämlich der Gemeinde, der Schule, des Volkes ab. ״ ,"מקל נעם״der Stab der Milde", ist die-Leitung der Humanität, der מקל חבלים״", der verwundende Stab, bedeutet die Leitung der Brutalität, Despotismus. Unter Königen wie David, Salomon, Chiskija, welche die Heerde Israel mit den מקל נעם״" geleitet, erreichte der jüdische Staat einen Glanzpunkt; hingegen unter einen Jerobeam, Achab ü. dgl. Könige, welche dm מקל חבלים״", als Regierungsscepter gehandhabt, da kam Israel in Verfall, und so gehts in dm Gemeinde- und Schulverwaltungen "נעם oder חבלים", Humanität oder Despotie, .Fortschritt, oder Rückschritt, gesunde oder krankhafte Zustände, Licht oder Finsternis. Die zwei Hirtenstäbe geben der Welt ihre Richtung, Krieg oder Frieden, Aufbau oder Zerwürfnis. ° Außer den Stab hatten die alten Hirten. keine Waffe, höchstens noch die Schleuder, wie der Hirte David, der mit einer solchen den Riesen Goliat erlegt. Um wilde Thiere, wie Löwen, Bären, Wölfe zu verscheuchen, bedienten sich die Hirten abgerichteter Hunde, die sie mit Erfolg gebrauchten. Der Ausdruck ״ ,״כלבי צאני״die Hunde meiner Schafe" oder Schäferhunde, kommt in Hiob Kap. 30 vor. Sonderbar ist der Ausdruck des. Propheten Jesais (Kap. 56, 10), der die falschen Propheten, die schlechten jüdischen Seelsorger, Lehrer, als Hirten und Wächter Israels mit ״stummen Hunden" vergleicht "״ ,"כלבים אלמים לא יובלו לנבוחstumme Hunde, die nicht bellen können". Er meint, dass es ihnen an Wachsamkeit fehle, denn das Gebell des Hundes ist ein nothwendiges Erfordernis. Vielleicht will auch damit gesagt sein, dass sie sich durch Bestechung den Mund stopfen ließen; jedenfalls ein merkwürdiges Gleichnis. Und so wie es in der Thora heißt: ״ ,"כי השחד יעוד תקחים״dass Bestechung blendet die Hellsehenden", gebraucht der Prophet die Metapher: Die Bestechung macht stumm. . Hatte sich ein Stück von der Heerde verirrt, was auf dm weitläufigen Triften sehr leicht geschehen konnte, so mussten die Hirten alles aufbieten, dasselbe wieder herbeizuschaffen. So lautet eine Stelle im Propheten Iecheskel (Kap. 34, 12.) כבקרת רועה עדרו״“• Wie der Hirt seine Heerde besorgt unter seinen zerstreuten Schafen, so spricht Gott, will ich meine Schafe (das zerstreute Israel) besorgen. Junge