Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-10-02 · Heft 32 (2.10.1887) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 32 (2.10.1887)
Date
1887-10-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453087-3453119--2265-3456495
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

יהודה oder אריה Also nicht ׳שמו■ הקדש seinen -,heiligen" Namen, erhalt Las Kind bei Liefet Gelegenheit, sondern im Gegentheil, שפו החול seinen ״gewöhnlichen, gemeinen" Namen. Den,,heiligen" Namen hat' der Knabe schon bei der ׳ביית פלה das Mädchen morgens in der Synagoge in dem 112V פי erhalten. Damit fallt auch die etymologische Erklärung des Herrn Dr. G. Die Bezeichnung ״Holekreisch״ ist corrumpirt aus חול קוייש — den ״gemeinen" Namen kreischen (rufen). — Ich habe schon alte Pentateuch-Ausgaben gesehen, in welchen am Schlüsse die oben angegebenen Bibelverse abgedruckt sind mit der Neberschrift: פח שאופוי הנערים ביום שקוראין בשפו החול• Auch in den früheren Ausgaben des Rödelheimer פידור לםבלנוה mit Anhang deutscher Gebete findet sich der Abdruck der Bibelverse mit derselben Ueberschrist. Es dürfte' also klar sein, dass ״Holekreisch" weder von ״holen" (— pardon, Frau Doctor!), noch von holy —־ heilig, sondern nur von הול — profan abzuleiten ist. - Trotzdem ist ״Holekreisch" eine schöne Sitte, und mit großer Freude erinnere ich mich nicht nur an die Zeit, ivo ich selbst dazu mit meinen Kameraden ging, um nach der ״Namengebung" von den Ellern des Neugeborenen mit Obst, Nüssen u. s. w. bewirthet zu werden (was ja für uns Kinder schliesslich das Interessanteste war), sondern auch der Zeit, wo alle meine Religionsschüler zu rneinen Kindern kamen, um das ״Holekreisch" vorzunehmen und dann von ihrem Lehrer auch einmal bewirtet zu werden. — Schließlich sei noch bemerkt, dass Zu den Leckerbissen des Holekreisch" in' meiner Heimat auch in Zucker gekochte, aber noch ziemlich hart gebliebene '— gelbe Erbsen gehörten. Ob dies auch eine Bedeutung hat, weiss ich nicht. Vielleicht soll es den Widerwillen der meisten Kinder gegen Erbsen vermindern helfen. — F u ch s -Braunschweig. Kleine Chronik. ZSie«. Mehrere hervorragende Mitglieder der hiesigen israel. Cultusgemeinde haben sich geeinigt, anläßlich des 40jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers, in der innern Stadt einen großen monumentalen Tempelbau aufzuführen und die feierliche Grundsteinlegung in der Festwoche vorzunehmen. Sonntag den 25. v. M. fand bereits die erste Comitesitzung des zu diesem Zwecke sich bildenden ״Städtischen Tempelbau-Vereines" statt. Wien. Unter den Anstalten, welche die Mitglieder des in Wien tagenden hygienischen Kongresses besuchten, war auch programmgemäß das israelitische Blindeninstitut auf der Hohen Warte, welches bekanntlich von Baron von Königswarter erbaut und auf das reichste eingerichtet worden ist. Vom Präsidenten Dr. Bernhard Wölfler begrüßt, wurden die Gäste von dem Direktor Heller, dem ordinirenden Arzte Dr. Sigmund Pollak aus Döbling und dem Baurath Stiaßny durch die Anstalt geleitet. In jedem der zahlreichen Räume, welche für die besonderen Zwecke der Anstalt auf das zweckmäßigste eingerichtet find, waren die blinden Kinder so beschäftigt, dass die Gäste mit dem Bilde des Institutes auch das seiner Wirksamkeit gewannen. Besonderes Interesse erregten die Lehr-, Speise- und Schlgfsäle, die Werkstätten, die Turnhalle und das Bad; die reiche eigenartige Lehrmittelsammlung, die außerordentliche Fertigkeit der Zöglinge im Lesen, Schreiben, Zeichnen, Modellircn, ׳ im Bürstenbinden und Korbfiechten. Längere Zeit hielten sich auch die Gaste in dem Musikzinnner auf, wo die Zöglinge unter der Leitung des Instituts-Musikmeisters, Obercantor Singer, überrafchende- Proben ihre Fähigkeiten und ihres gediegenen Wissens ablegten. Auf eine Frage des Geheimrathes Professor Pettenkofer (München) widerlegte Obercantor Singer die landläufige Phrase, dass alle Blinden ein ausgezeichnetes musikalisches Gehör haben, indem er an manchen Zöglingen nachwies, dass ihr Vermögen nach dieser Richtung hin kein besonderes׳sei. - Große ÄewünöeiMg^ erregte das außerordentliche, feine Gehör des Zöglings Menzk, der .mit der größten- Präcision sofort die Zusammensetzung der schwierigstes Accorde, sowie, was noch mehr überraschte, die Zusammensetzung, jedes disharmonischen Geräusches angab. Mit dem -Ausdrucke der vollsten Befriedigung verließen die Gäste Nach dreistündigem Aufeitthalte das Haus. _ Wien. Der Ausschuss des jüdischen Vereines ״Zukunft" sendet uns nachfolgenden Aufruf zu Veröffentlichung: Der Antisemitismus, dieses wuchernde Unkraut, das in. unserem Jahrhunderte der- Aufklärung so prächtig gedeiht, erstreckt sich auch auf das Allgemeingut der Menschheit, die Kunst. Richard Wagner der große Tonheros,, scheute sich nicht, gegen die jüdische Musik und ihre hervorragendsten, Vertreter zu Felde zu ziehen, und. die Zahl seiner Nachahmer ist geradezu Legiongeworden, und sie ließen es. nicht blos bei verunglimpfende Worte - bewenden, sie handelten auch; aber das angestrebte Ziel, die Juden der Musik zu entfremden, in der offen- - baren Absicht, eine überlästige und gefährliche Concurrenz los zu werden, ward nicht erreicht. Die Liebe zur heiligen'Kunst der Töneward nur umso mächtiger angefacht, die schaffenden Geister ließen sich in ihrer Produktion nicht hemmen, und thatsächlich können .wir bedeutende zeitgenössische Komponisten zu unfern Stammesgenössen zählen. An diesen Gedanken anknüpfend hat nun der -Ausschuss desjüdischen Vereines ״Zukunft" einstimmig, beschlossen, einen jüdischen Gesangsklub zu errichten, der den Namen ״Neginoth" führen, und die Pfiege der Chorwerke jüdischer Componisien zum Zwecke haben soll. Die geehrten Damen und Herren, die über entsprechendes- Stimmaterial verfügen, werden dringend ersucht,' sich - behufs einer Vorbesprechung am 16. Oktober Sonntag um 4 Uhr nachmittagsim Vereinslokale der ״Zukunft" II. Stefaniestraße 9 einsinden zu wollen. ' Das Co m ite. .Arad. Das Leichenbegängnis der in seinem 81. Lebensjahre. verstorbenen Herrn Elkan Kohn, der beinahe ein halbes Jahrhundert als Cantor (Chonele Chasen) in mehreren großen Gemeinden mit Auszeichnung gewirkt hat, gab -Zeugnis von der hohen Achtung^ die der dahingeschieöene fromme und ehrwürdige Greis in der hiesigen Gemeinde genoss, wo er bei seinem Sohne, Obercantor David Kohn, seine letzten Lebensjahre verbrachte. Die'״Chewra Kadischa" hat nicht nur ein Leichenbegängnis erster Klasse veranstaltet, foiifcem ihn auch die Grabstätte auf einem Ehrenplätze im Friedhofe angewiesen. Zur Begleitung' auf seinem letzten Erdengange waren der Vorstand der Cultusgemeinde, der ״Chewra Kadischa" und anderer Wohlthätigkeitsvereine erschienen und außerdem betheiligte sich auch ein zahlreiches Publikum. Im-Trauerhause hielt. Oberrabbiner Dr. Alexander Rosenberg eine gediegene das fromme und würdige Leben des Todten verherrlichende -Trauerrede. In der Vorhalle des Fried- Hofes sprach der ehrwürdige'Redner noch ein ergreifendes Gebet,, worauf der Sarg in die Grube gesenkt wurde, die nun die letzten sterblichen Reste ׳eines Mannes umschließt, der sein ganzes langes- Leben dem heiligen Dienste geweihet und tausende und aber tausende von Betern in heilige, weihevolle und' andächtige Stimmung versetzt hat. Friede seiner Asche! — Schließlich sei noch erwähnt,- dass der Synagogenchor am Leichenbegängniße sich betheiligte und die üblichen Gesänge unter Leitung des verdienstvollen Regenschor.i Herrn׳ Adolf Grünzweig wirksam vorgetragen hat. Ai ein. Ueber Ansuchen der hiesigen isr, Cultusgemeinde wurde Herr Obercantor Maximilian Reiß von Seite der hohen k. k. . Statthalterei in Prag, laut hohen Erlasses vom 8.' September a. c. als Neligionsweiser bestätigt und zur Vornahme von -Trauungen und allen in den § §126,-127, 132 und l 33 a. b. G. B. bezeichneten Funktionen ermächtigt. - München. Die neue Synagoge in München. Am.16. September, Nachmittags 5 Uhr, fand die Einweihung der neuen Synagoge statt. Lange vor Beginn der interessanten Feierlichkeit war dev Platz vor dem festlich geschmückten Tempel von einer zahlreichen Menschenmenge bedeckt. Gegen 5 Uhr erschienen die Minister Lutz, Crailsheim und Felitsch, Regierungspräsident Pfeufer, der Polizeidirector, die . beiden Bürgermeister und viele andere Gäste. Mit dem Einzug der Thorarullen, welche vom ,Rabbiner Dr. Perles und mehreren Gemeindemitgliedern׳ zur Bundeslade getragen wurden, nahm die Feier ihren Anfang. Festliche Musik begleitete den heiligen Act.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.